Keine Angst vor fremden Tränen!

Trauernden Freunden und Angehörigen begegnen
 
 
Gütersloher Verlagshaus
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. November 2013
  • |
  • 176 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-12968-2 (ISBN)
 
»Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll .«

Wie begrüße ich die Kollegin, die nach dem Tod des Mannes wieder zur Arbeit kommt? Wie verhalte ich mich bei der Nachbarin, deren Sohn kürzlich starb? Kann ich meinem Bruder helfen, nach dem Tod seiner Frau nicht zu verzweifeln?
Tod und Trauer sind keine einfachen Themen. Vielen Menschen fällt es schwer, mit Trauernden umzugehen. Sie haben Angst, etwas falsch zu machen oder nicht die richtigen Worte zu finden.
Dieses Buch ist für alle geschrieben, die Trauernden begegnen. Denn für trauernde Menschen ist kaum etwas so wichtig wie ein stabiles soziales Netz. Chris Paul legt hier erstmals einen umfassenden Leitfaden für den Umgang mit Trauernden vor, der Sprach- und Hilflosigkeit überwinden hilft, zur Anteilnahme ermutigt und den Abbau von Ängsten und Überforderung ermöglicht.

  • Deutsch
  • Gütersloh
  • |
  • Deutschland
  • 0,50 MB
978-3-641-12968-2 (9783641129682)
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Chris Paul ist Soziale Verhaltenswissenschaftlerin und Heilpraktikerin für Psychotherapie mit dem Schwerpunkt Trauerberatung. Als Trainerin, Fachautorin und viel gefragte Referentin setzt sie sich seit über 20 Jahren für die angemessene Begleitung trauernder Menschen ein. Ihre Bücher sind Standardwerke, und sie gilt über Fachkreise hinaus als eine der renommiertesten Trauerexpertinnen Deutschlands. In ihrem eigenen Trauerinstitut in Bonn bietet sie Langzeitfortbildungen an. Mit szenischen und musikalischen Vorträgen und zwei eigenen Bühnenprogrammen engagiert sie sich für ihren Leitspruch: "Trauern ist die Lösung, nicht das Problem!"

»Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.«


Den Trauernden fehlt bereits der Verstorbene, sie brauchen nicht noch den Verlust von Nachbarn und Bekannten. Tipps und Tricks, die Sprachlosigkeit zu überwinden


Da steht sie am Aufzug, die nette Nachbarin, sieht eigentlich aus wie immer. Aber vor zwei Wochen ist ihr Mann gestorben, was tun? Oder der Kollege, der nach einigen Wochen wieder im Betrieb ist; alle wissen, dass seine Tochter überfahren worden ist, aber keiner weiß, wie es ihm damit geht. Diese Situationen sind schwer auszuhalten, es ist normal, sich damit hilflos und überfordert zu fühlen. Die traditionelle Formel »Herzliches Beileid« kommt heute vielen Menschen inhaltsleer und fremd vor. Ein persönlicher Satz fällt aber den wenigsten ein, schon gar nicht in den wenigen Sekunden einer unerwarteten Begegnung. Wenn die Nachbarin dann allein mit dem Aufzug nach unten gefahren ist oder der Kollege grußlos in seinem Büro verschwunden, kommen vielleicht ein paar Formulierungen in den Kopf. Dazu gesellt sich aber gleich die Scham, so unbeholfen gewesen zu sein. Und schon entsteht der Wunsch, sich diesem Unbehagen nicht noch einmal aussetzen zu müssen. Fortan werden die trauernde Nachbarin und der Kollege lieber gemieden. Es scheint einfacher, weiter zu schweigen, als jetzt auch noch was Dummes zu sagen und sich endgültig zu blamieren.

Das ist schade für alle, deshalb hier ein paar Vorschläge und Ideen, wie es anders gehen kann:

Benennen Sie einfach die Situation


»Ich habe gestern erst gehört, dass Ihr Mann gestorben ist, das tut mir sehr leid.«

Wenn jemand länger nicht am Arbeitsplatz war, reicht für den Einstieg ein ernst gemeintes: »Schön, dass du wieder da bist.« Wenn Ihnen tatsächlich die Worte fehlen, können Sie das in Worte fassen: »Ich bin ganz sprachlos, das ist für mich noch unfassbar.« »Mir fehlen die Worte für das, was ich Ihnen gern sagen würde.«

Auf den Kontakt kommt es an!


Worte sind eigentlich gar nicht so wichtig. Entscheidender ist die Begegnung, die sich z.B. durch den Augenkontakt herstellt. Trauen Sie sich, Ihrem Gegenüber in die Augen zu sehen. Das Schlimmste für Menschen ist es, wenn alle an ihnen vorbeisehen, als wären sie gar nicht mehr da. Geben Sie Ihrem Gegenüber einen Moment Ihrer Zeit, bleiben Sie kurz stehen. Keine Angst, Sie müssen nicht auf dem Flur oder bei jedem Treffen ein langes Beratungsgespräch führen.

Bleiben Sie echt


Trauernde verlangen von niemandem, sich zu verstellen. Im Gegenteil. Aufgesetzte Förmlichkeit oder gespielte Betroffenheit werden sofort als das erkannt, was sie sind. Die Begegnung mit einem trauernden Menschen braucht keine künstliche Traurigkeit. Wenn Sie gerade sehr glücklich oder eilig oder einfach in Ihrem normalen Alltag verankert sind, dann können Sie das zeigen. Menschen in einer Verlustkrise möchten nicht, dass alle anderen so fühlen wie sie selbst, sie möchten »nur« mit ihren Gefühlen weiter gesehen und ernst genommen werden.

Seien Sie auf Normalität gefasst


Tiefe Gefühle sind nicht der Gesprächsstoff, über den wir uns alltäglich mit Bekannten, Kollegen, Nachbarn austauschen. Wie jeder andere möchten auch trauernde Menschen nicht in jeder Begegnung über ihre Gefühle sprechen. Es kommt immer wieder vor, dass Sie selbst zwar bereit sind, ein tiefer gehendes Gespräch zu führen, der trauernde Mensch aber gerade in einer anderen Stimmung ist. Vielleicht möchte er einfach seine Ruhe haben oder sich auf den Alltag konzentrieren. Das ist keine Zurückweisung, Sie müssen nicht beleidigt sein.

Teilen Sie eine Erinnerung an den Verstorbenen!


Den meisten Trauernden tut es gut zu wissen, dass auch andere sich erinnern. Besonders gut tut es, wenn sie spüren, dass der/die Verstorbene anderen in guter Erinnerung ist.

»Es tut mir so leid, dass deine Mutter gestorben ist. Ich erinnere mich an das Adventskaffeetrinken letztes Jahr, sie war mir sehr sympathisch – und ihre Mandelkekse waren unglaublich lecker.«

Gute Freunde ruhig mal in den Arm nehmen


Menschen, die Sie gut kennen und auch sonst berühren, können Sie Ihre Anteilnahme auch durch einen festen Händedruck oder das Angebot einer Umarmung ausdrücken. Körperliche Nähe kann Geborgenheit und Trost vermitteln. Bleiben Sie dabei so ehrlich wie in Ihren Worten. Und achten Sie darauf, ob Ihr Angebot willkommen ist.

Erfahrungsbericht


Einige Wochen nach dem Tod meiner Tochter war ich an einem Samstagvormittag auf dem Markt. Ich fühlte mich noch immer wie ein »Alien« unter all den Menschen und hatte große Mühe, mich auf dem Marktplatz zu bewegen. Zufällig begegnete ich einem Arbeitskollegen, der mich fragte, wie es mir gehe. Ich stand vor ihm und war nicht in der Lage, viel zu sagen, und die Tränen liefen mir übers Gesicht. Er sagte nur: »Ich weiß nicht, was ich dir sagen soll, wenn ich an meine Töchter denke und mir vorstelle, mir würde ›Das‹ passieren  ... es ist so furchtbar« und nahm mich in den Arm. Dies war nur eine kurze Begegnung und mir war nicht wirklich wohl, in dieser Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit von einem Kollegen gesehen zu werden, aber sie war sehr ehrlich und irgendwie zeitlos. Ich fühlte mich akzeptiert und so angenommen, wie ich war.

Reden ist Silber, Zuhören ist Gold


Bei all dem Nachdenken über die »richtigen Worte« liegt eigentlich ein Missverständnis vor. Trauernde Menschen wollen gar nicht viel von anderen hören. Ein kurzer, ernst gemeinter Gruß ist ausreichend. Wer trauernden Menschen ein wenig Zeit zur Verfügung stellen möchte, sollte weniger reden als vielmehr zuhören! Das ist aber keine Verpflichtung. Jeder entscheidet selbst, ob die Situation gerade passt, um ein Gespräch anzubieten. Die Käsetheke im Supermarkt ist dazu nicht geeignet. Auch die Minuten vor einer Besprechung nicht. Es braucht einen Ort, an dem Sie nicht ständig gestört werden und an dem nicht jeder mithören kann, vielleicht ein ruhiger Platz in einem Café oder das eigene Büro, wenn gerade nicht so viel zu tun ist.

Bitte vermeiden Sie...


»Ruf mich an, wenn du was brauchst.«

»Wir sind immer für dich da, du musst dich nur melden!«

Allgemein gehaltene Angebote sind wenig hilfreich. Auch Angebote, die die gesamte Initiative beim anderen lassen, nutzen wenig. Wenn Sie in Kontakt bleiben wollen, sagen Sie eher: »Ich melde mich so alle zwei Wochen bei dir, ist das o.k.?« Bleiben Sie dann bitte bei Ihrer Ankündigung, auch wenn jemand nicht bei jedem Telefonat oder Treffen sehr gesprächig ist. Wenn Sie sich an eigene Krisen erinnern, werden Sie merken, dass Sie nicht immer offen waren, aber froh um jeden Menschen, der sich davon nicht abschrecken ließ.

Wenn Sie konkrete Unterstützung anbieten möchten, benennen Sie die konkret: »Was hältst du davon, wenn ich deine Große mittwochs immer mit zum Flötenkurs nehme, ich muss ja sowieso fahren und kann sie auch wieder mit nach Hause bringen.« »Sie wissen ja, dass ich mich in Ämterdingen gut auskenne; wenn Sie einverstanden sind, komme ich nächste Woche mal vorbei und sehe mit Ihnen die Unterlagen durch. Wann hätten Sie denn Zeit?«

 

»Das wird schon wieder!«

»Kopf hoch, das schaffst du schon.«

Durchhalteparolen und Appelle signalisieren die Hilflosigkeit des Sprechers. Sie wirken abweisend und führen zu einem schnellen Ende des Gesprächs. Wenn Sie Vertrauen in das Leben und in Ihr Gegenüber haben, dann nutzen Sie das, um dem trauernden Menschen ohne Angst zu begegnen. Atmen Sie tief durch und vertrauen Sie darauf, dass Ihnen Worte und Gesten einfallen werden, seien Sie einfach da. Das ist für ihn tröstender als ein scheinbar aufmunternder Spruch.

 

»Du bist ja so stark.«

»Ich bewundere dich, wie du das alles schaffst.«

Beim ersten Mal ist es vielleicht schmeichelhaft zu hören, dass andere die eigenen Bewältigungsstrategien bewundern. Aber die Stärke, die andere sehen, ist aus der Not geboren. Trauernde wünschen sich, nicht so stark sein zu müssen. Wenn sie wählen könnten, wäre der Mensch, den sie vermissen, noch am Leben. Dass sie über sich selbst hinauswachsen, um diesen Verlust zu verkraften, gibt ihnen keinerlei Befriedigung. Sie möchten kein Lob dafür, dass sie sich zusammenreißen können. Sie wünschen sich eher Mitgefühl dafür, dass sie es tun müssen. »Ich finde, du leistest gerade unglaublich viel.« »Du kämpfst dich durch Berge von Aufgaben, ich habe so eine große Hochachtung vor dir.«

 

»Meinst du nicht, dass es jetzt langsam mal gut ist?«

»Lass dich nicht so hängen!«

Ich kenne niemanden, dem es wirklich gern schlecht geht. Trauernde, die sehr unglücklich sind, machen da keine Ausnahme. Mit unfreundlichen Äußerungen trägt man nichts dazu bei, dass sich jemand besser fühlt. Wenn Sie ungeduldig werden oder sich Sorgen machen, drücken Sie das auch so aus. »Ich kann das nicht gut aushalten, wie schlecht es dir geht.« Manchmal braucht jemand einen Schubs, um sich wieder alltäglichen Dingen zuzuwenden. So ein kleiner Schubs kann heißen: »Ich komme um drei und hole dich ab zum Einkaufen. Versuch, bis dahin aufgestanden und geduscht zu sein, ich nehme dich aber auch so mit!« »Kommen Sie doch heute Abend um sieben rüber zum Essen, ich möchte sehr gern, dass Sie mal wieder etwas Warmes in den Bauch bekommen.«

 

»Ich weiß genau,...

"... gelingt es der Autorin doch selbst komplizierte theoretische Zusammenhänge gut verständlich darzustellen und allgemein zugänglich zu machen."
 
"Für mich als Diplom-Psychologin und Bestatterin ist dieses Buch eines der wertvollsten Trauerratgeberbücher des Jahres 2013."
 
»Mit diesem Buch ist Chris Paul wiederum ein fachliches und alltagspraktisches Kunststück in der Trauerliteratur gelungen. Ein Buch, das vielen eine großartige Unterstützung sein wird!«

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