Die Roccos

Verwandte und andere Katastrophen
 
 
C. M. Brendle Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. November 2018
  • |
  • 160 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-942796-24-8 (ISBN)
 
Lachend, dann wieder sich die Haare raufend, bewältigt Ulla ihren
Job und den alltäglichen Wahnsinn in einem Haushalt mit zwei
pubertierenden Töchtern, dem kleinen Kronprinzen Fabio und
ihrem sizilianischen Ehemann. Als das Fest der Liebe naht und
sich die sizilianische Schwiegermutter nebst Ehemann und Sohn
ankündigt, um das Regiment im schwäbisch/italienischen
Haushalt der Familie Rocco an sich zu reißen, da prallen Welten
aufeinander, Linsen auf Spaghetti, Espresso auf Obstler, denn
auch der schwäbischen Verwandtschaft mangelt es nicht an
Temperament. Kann Großmutter Henriette den Familienfrieden
retten?
  • Deutsch
  • 0,41 MB
978-3-942796-24-8 (9783942796248)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Ulla Parrinello, Jahrgan 1962, lebt mit ihrer Familie in einer Schwäbischen Kleinstadt. Sie ist mit einem Italiener verheiratet. "Die Roccos - Verwandte und andere Katastrophen" ist ihr erster Roman.

PROLOG


Einmal im Jahr, genauer gesagt im September, fährt die ganze Familie Rocco nach Sizilien, um den Tomatensoßenvorrat, den sie übers Jahr benötigt, aufzustocken. Die Roccos bestehen aus Mama Ulla, Papa Leonardo sowie den Kindern Cristina, Francesca und Fabio. Ulla ist eine Frau in den Vierzigern, trotz dreier Geburten nicht allzu sehr aus den Fugen geraten und von der Natur mit einem optimistisch-heiteren Charakter gesegnet. Papa Leonardo dagegen, Sizilianer, ebenfalls im mittleren Alter, klein und mollig, ist eher pessimistisch und zuweilen melancholisch. Letzteres vor allen Dingen dann, wenn er sich einbildet, dass er von seiner Umgebung nicht entsprechend gewürdigt wird, was nahezu täglich der Fall ist. Cristina, das älteste der Rocco-Kinder, ist fast 16 Jahre alt. Das dünne, mittelblonde Haar der Mama hat sich zu ihrem Leidwesen bei ihr durchgesetzt. Sie fände Leonardos lockiges, schwarzes Haar zu ihren hellblauen Augen viel cooler. Francesca, die 13-Jährige, hat zwar die dunkle Haarpracht ihres Vaters abbekommen, bemängelt aber das Zusammenspiel mit den grünen Augen, die ihre Mutter ihr wahrscheinlich aus purer Bosheit vererbt hat. Fabio, der sechsjährige Stammhalter, ist zu Leonardos Leidwesen noch blonder als Cristina. Auch die braunen Augen können ihn über diese Laune der Natur nicht hinwegtrösten.

Für Leonardo ist dieser alljährliche Tomatenausflug ungefähr genauso unverzichtbar wie für den gläubigen Moslem die Pilgerfahrt nach Mekka. Ein richtiger Italiener isst zeit seines Lebens nur die Tomatensoße, die selbst hergestellt wurde, idealerweise von Mama. Und bevorzugt isst er natürlich Gemüse, ebenfalls am besten angebaut und zubereitet von Mama. Mama ist weit über 70 Jahre alt, hat widerspenstige, inzwischen graue Löckchen, welche das energische Gesicht mit den tiefbraunen Augen umrahmen. Der energische Eindruck wird noch durch eine Brille mit riesigen Gläsern verstärkt, die Mama Maria immer trägt. Obwohl sie nur ungefähr 1,55 m klein ist, schüchtert sie alles, was sich in ihrem Umfeld befindet, ein. Papa Carmelo ist über 80 Jahre alt, redet niemals, wenn es nicht unbedingt nötig ist, und steht trotz seiner beachtlichen Größe von ca. 1,85 und einem Furcht einflößenden Adlerblick absolut unter dem Pantoffel seiner Frau.

Selbstverständlich befindet sich im Garten der Roccos auch eine Ecke, in der Gemüse angepflanzt wird. Den Löwenanteil nehmen bei einem Südländer als Familienoberhaupt natürlich die Tomatenstöcke ein. Dicht gefolgt von Auberginen, Zucchini, Bohnen sowie fünf Kartoffeln, die Leonardo unter dem Druck seiner besseren deutschen Hälfte Jahr für Jahr widerwillig in die Erde rammt. Außer Gemüse aus dem mediterranen Raum lässt er nichts gelten. Ullas Argumente, man sei hier in kühleren Regionen und pflanze deshalb vielleicht sinnigerweise Gemüse an, das an die hiesigen Wetterbedingungen angepasst ist und diese auch überlebt, werden von Leonardo jedes Jahr unwillig beiseitegeschoben. So wiederholt sich das Ritual immer und immer wieder und endet schließlich mit der Aussage Leonardos, dass trotz allem das Gemüse in »Bella Italia« einfach viel besser schmeckt.

Die Handvoll Kartoffeln, die sich alle Jahre wieder hervorragend entwickeln, ignoriert Leonardo beleidigt. Er nimmt es den Kartoffeln persönlich übel, dass sie im Gegensatz zu »seinem« Gemüse durch nichts unterzukriegen sind. Er vermutet gar ein Komplott und verdächtigt seine Lieben, die Kartoffeln besonders gehegt und gepflegt zu haben, während man die »Ausländer« im Gemüsebeet schändlich vernachlässigt habe. Wird er wegen dieser Verschwörungstheorie ausgelacht, sind die Kartoffeln die feindlichen Agenten: Die Kartoffeln entziehen nämlich dem Boden wichtige Spurenelemente und Vitamine, was dem mediterranen Gemüse, das sich ungerechterweise seinen Lebensraum mit den vulgären Kartoffeln teilen muss, jedes Jahr den Todesstoß versetzt.

Nun aber zurück zu dem alljährlichen Ausflug nach Italien, zu Mama! Die deutsche Seite dieses Haushalts, Mama Ulla, geht in Wirklichkeit nicht wegen der Tomatensoße mit, die, wenn es nach ihr ginge, auch ruhig aus dem Supermarktregal kommen könnte. Nein, vielmehr wegen des Kurzurlaubs, den dieses Ritual für sie bedeutet beziehungsweise in den ersten Jahren für sie bedeutet hat. Denn mittlerweile dauert die Herstellung des kostbaren roten Saftes vier Tage. Zwei Tage für die Gläser mit den passierten Tomaten. Zwei Tage für die Gläser mit den Tomatenstückchen. Ihretwegen hätten es nur die Gläser mit den passierten Tomaten sein können, aber was verstand sie als Barbarin, in deren Land Fleisch auf der Speisekarte ganz oben stand, schon davon? In diesem Tenor wurde sie gleich beim ersten Tomatenausflug von ihrer Schwiegermutter belehrt.

Mitleidig lächelnd stand Schwiegermutter Maria dabei, als Ulla sich das erste Mal breitbeinig vor einen riesigen Topf hockte und begann, die Tomaten zu enthäuten. Sie machte es natürlich nicht richtig. Hier hatte sie zu viel weggemacht, da zu wenig. Dann wieder hielt sie das Messer falsch und, um Himmels willen, hatte sie sich die Hände auch ganz bestimmt vorher gewaschen?

Ulla stand während des mehrstündigen Schälmarathons zweimal kurz auf. Sie hatte Rückenschmerzen und brauchte dringend eine Pause. Sie sah ihre Kinder im Hof spielen und beneidete sie um ihre Freizeit. Erschöpft lehnte sie ihren Kopf im Badezimmer an das kühle Spiegelglas und verfluchte Tomatensoßen im Allgemeinen und die selbst gemachten im Besonderen. Bei ihrer Rückkehr fing Ulla einen missbilligenden Blick ihrer Schwiegermutter auf. Wahrscheinlich verachtete sie die schwächliche Konstitution ihrer Schwiegertochter. Hatten die Deutschen nicht immer so eine große Klappe, sie könnten alles, sie schafften alles? Ulla war eine kümmerliche Vertreterin ihrer Nation und duckte sich ängstlich unter dem kritischen Blick Marias. Die stets folgende Frage, ob sie ihre Hände auch gewaschen hätte, musste Leonardo gar nicht mehr übersetzen. Sie war schon so oft auch in anderen Zusammenhängen gestellt worden, dass sogar die Kinder diesen Satz auswendig kannten.

Ulla antwortete zähneknirschend: »Ma certo, Maria«, lächelte und sagte zu Leonardo, der ihr schräg gegenübersaß: »Wenn sie mich das noch ein einziges Mal fragt, werfe ich den ganzen Kram hin und gehe mit den Kindern schwimmen!«

»Du weißt doch, dass sie es nur gut meint. Wenn nicht alles absolut hygienisch abläuft, ist die ganze Soße verdorben und das wäre doch schade nach der vielen Arbeit.«

So hielt Ulla also die vollen vier Tage durch und hatte am Ende dieses Zeitraumes den Satz vom Händewaschen mindestens 289 Mal gehört und ebenso oft ihre Zähne zusammengepresst. Nun also stand die Schufterei vor dem Abschluss, denn es musste nur noch ein Topf mit den letzten Gläsern erhitzt werden. Während der Wartezeit begann Maria die Geschichte einer Frau zu erzählen, welche in ihrer Kindheit im selben Dorf wie sie gelebt hatte. Diese Frau kochte fast eine Woche lang Tomaten ein, befolgte alle hygienischen Auflagen, die im Zusammenhang mit dieser ehrenvollen Aufgabe stehen, und trotzdem war die Tomatensoße schlecht geworden. Niemand konnte sich das so richtig erklären, hatte doch die halbe Nachbarschaft mitgeholfen und konnte bezeugen, dass alles vorschriftsmäßig verlaufen war. Dann stellte sich heraus, dass eine der Frauen zum Zeitpunkt des Tomatenspektakels ihre Periode gehabt hatte. Als es im darauffolgenden Jahr wieder Zeit für die Soße war, durften Frauen während ihrer »Tage« nicht mehr mithelfen. Und siehe da, alles war gut. Also wurde es seither so gehalten. An dieser Stelle bekreuzigte Maria sich.

Als Leonardo Ulla die ganze Geschichte übersetzte, stieg ein genialer Plan in ihr auf. Schade nur, dass Maria mit dieser Geschichte so lange hinterm Berg gehalten hatte. An diesem Abend gingen alle erleichtert und zufrieden ins Bett.

Am nächsten Morgen schloss Ulla ihre Schwiegermutter zur Begrüßung herzlich in die Arme und folgte ihr dann in die Küche, wo der Schwiegervater und ihr Schwager Giuseppe schon mit der Arbeit auf sie warteten. Die Schwiegermutter war einigermaßen überrascht, aber sie konnte ja nicht ahnen, dass Ullas Arbeitsfreude heute damit zusammenhing, dass sie ab dem nächsten Jahr jedes Mal unpässlich sein würde.

Eine kleine Weile arbeiteten sie schweigend nebeneinander. Dank ihrer harmonischen Grundeinstellung an diesem Tag hatte Ulla plötzlich eine Eingebung und sie sagte zu ihrem Mann: »Lade sie doch alle dieses Jahr zu Weihnachten zu uns ein.« Leonardo strahlte, als er sich an seine Eltern wandte. Maria und Carmelo lehnten die Einladung dankend ab, das sei einfach zu anstrengend und überhaupt, alte Bäume verpflanze man nicht mehr. Ulla bestand darauf, dass sie wenigstens über die Weihnachtstage kommen sollten und Giuseppe war begeistert. Einzig Maria schüttelte vehement den Kopf und verweigerte ihre Zustimmung. Und letztlich, diese Gewissheit hatten alle, lag es in ihrer Hand. Die...

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