Die Status Quo Autobiografie

 
 
Hannibal Verlag GmbH
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 18. November 2011
  • |
  • 384 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-85445-366-6 (ISBN)
 
Status Quo sind eine der erfolgreichsten Bands der britischen Pophistorie und kommen für viele gleich nach den Beatles und den Rolling Stones. Seit 1973 hatten sie reihenweise Hits, darunter "Whatever You Want", "Rockin' All Over The World", "Again and Again", "What You're Proposing" - allesamt Rock-Klassiker. Insgesamt hat die Band bislang 28 Studioalben, mehrere Livealben und fast 100 Singles veröffentlicht. Ihre Versionen von "Rockin' All Over The World" und "In The Army Now" sind bekannter als die Originalfassungen. Der erste Hitparadenerfolg gelang 1968 mit "Pictures of Matchstick Men". Einige Musiker verließen die Band im Laufe der Jahre, aber Francis Rossi und Rick Parfitt machten immer weiter und gewannen viele neue Fans hinzu. Die Geschichte von Status Quo ist hauptsächlich von diesen beiden Musikern geprägt. Dabei sind sie ganz unterschiedliche Charaktere: Rossi eher ruhig und in sich gekehrt, Parfitt der ewig lächelnde "Golden Boy". Gemeinsam haben sie sich gegen viele Widrigkeiten durchgesetzt und viele Höhen und Tiefen erlebt. Mitunter spielten sie sich selbst dabei etwas vor, wie sie heute freimütig bekennen, denn dabei gerieten einige Dinge außer Kontrolle. Darüber berichten sie in ihrer gemeinsamen Autobiografie: Es gab Drogenprobleme, Ehescheidungen, Zusammenbrüche. Von den frühen Tagen in den Sixties als "Boyband" über den gewaltigen internationalen Erfolg bis zum heutigen Tag erzählen Englands langlebigste Rockstars ihre Geschichte, unverblümt und mit viel Selbstkritik. Eine spannende Lektüre mit vielen Anekdoten aus dem Leben einer Band, die weltweit ausverkaufte Konzerthallen zum Kochen bringen kann.

Francis Rossi und Rick Parfitt lernten sich schon 1964 kennen. Erstmals traten sie 1966 gemeinsam als Status Quo auf. Seither arbeiten sie gemeinsam, veröffentlichen reihenweise Hit-Alben und gehen alljährlich auf Tour. Mick Wall ist einer der bekanntesten Musikjournalisten in England. Er begann seine Karriere schon 1977, im Alter von 19 Jahren, als er für verschiedene wöchentliche Musikmagazine arbeitete. Heute schreibt er u.a. für The Times, The Mail On Sunday, Music Week, Guitar World, Metal Hammer und arbeitet auch für die BBC. Thin Lizzy, UFO and Status Quo gehörten von Beginn an zu seinen Favoriten. Zahlreiche Rock-Biografien entstammen seiner Feder: Er verfasste Rockbiografien über Guns N' Roses, Led Zeppelin, Metallica u.v.m.
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Obwohl ich italienische und irische Wurzeln habe, fühlte ich mich immer wie ein Junge aus dem Süden von London. Da bin ich geboren und aufgewachsen, und da lebe ich auch heute noch. Sobald ich mich irgendwo im Süden von London befinde, bin ich zu Hause.

In Wirklichkeit verhält es sich mit meiner familiären Herkunft aber nicht so einfach. Es ist viel komplizierter. Am 29. Mai 1949 erblickte ich das Licht der Welt, als erster von zwei Söhnen eines in England geborenen italienischen Vaters, Dominic Rossi, und einer anglo-irischen Mutter, Anne - oder Nancy, wie sie von ihren Freunden genannt wurde. Ihre Tochter Arselia starb ein paar Jahre, bevor ich geboren wurde, an einem Loch im Herzen. Daraufhin schwor meine Mutter, eine strenge Katholikin, dass sie, sollte sie jemals wieder ein Baby zur Welt bringen, dies auf den Namen Francis taufen würde - nach dem Heiligen Franz von Assisi, dem Begründer des Franziskanerordens. Um ganz sicher zu gehen, dass diesmal nichts schief ging, brachte sie auch noch die Namen aller anderen Heiligen, die ihr an dem Tag gerade in den Sinn kamen, ins Spiel, und so heiße ich schließlich Francis Dominic Nicholas Michael Rossi.

Ich war zwei Jahre alt, als mein Bruder Dominic geboren wurde. Da waren meine Eltern wohl an dem Punkt angelangt, an dem sie es aufgegeben hatten, noch über neue Namen nachzudenken. Dominic ist jetzt mein Finanzberater und eine echte Nervensäge, so wie das bei den besten Finanzberatern eben von Zeit zu Zeit der Fall ist.

1949 liegt schon sehr lange zurück, aber damals fing alles noch einmal von vorne an. Vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Nahrungsmittel immer noch rationiert. Geld und Essen waren in den meisten Arbeiterfamilien rar. Wir hatten aber stets unser Auskommen wegen des Geschäfts, das unsere Familie betrieb - Rossis Eiswagen kannte in den Fünfzigern jeder im Süden von London.

Meine Eltern waren beide Katholiken, und so natürlich auch ich - Heilige Kommunion, Firmung, zur Beichte gehen, das volle Programm. Bei der ersten Heiligen Kommunion waren Jungs und Mädchen getrennt, doch aus irgendeinem Grund konnte ich nicht teilnehmen, ich war wohl erkältet, und so hatte ich stattdessen meinen großen Tag zusammen mit den Mädchen aus der örtlichen Klosterschule. Es war großartig! Wir gingen regelmäßig jeden Sonntag zur Messe in die Our Lady and St. Philip Neri -Kirche in Forest Hill. Die Leute, die ich im Musik-Business treffe, gucken manchmal ein bisschen komisch, wenn ich so etwas erzähle, und ich verstehe auch warum, aber als Kind war das für mich natürlich überhaupt nicht komisch. Ich hatte ja nie etwas anderes kennen gelernt. Für mich war das alles total normal und gehörte zum Leben wie das tägliche Frühstück.

Ein bisschen ins Schleudern kam ich mit meinem Katholizismus, als die Band in den Siebzigern erste Erfolge feierte. Ich war immer unterwegs auf Tour und hatte jeden erdenklichen Grund, um von der Kirche fernzubleiben. Aber ich habe das alles nie ganz überwunden - und auch nicht dieses Schuldgefühl, das du in den verschiedensten und verrücktesten Formen eingeimpft bekamst. In meinen Dreißigern bin ich wieder brav zur Messe gegangen. Ich besuchte regelmäßig den Sonntagsgottesdienst in meiner Kirche in Purley, John The Baptist, bis ich fast 50 war. Es ging sogar so weit, dass ich meine eigenen Kinder firmen ließ - die armen Tröpfe! Nur weil ich vor einigen Jahren mal ein sehr interessantes Buch mit dem Titel Conversations with God in die Hand bekam, habe ich es schließlich geschafft, die Sache mit dem Katholizismus etwas gelassener zu sehen. Doch darauf kommen wir später noch.

Meine Mutter war in England geboren, aber ihre Familie gehörte zu den Millionen von Iren, die vor und nach dem Krieg nach Liverpool eingewandert waren. Die Familie wohnte in Crosby. Und gewöhnlich fuhren wir dorthin, um Urlaub zu machen. Ich kann nicht sagen, dass ich es sehr mochte. Von London nach Liverpool zu kommen, war ungefähr so, als würde man heute nach Amerika reisen. Es gab keine Autobahn und keine direkten Zugverbindungen. Es dauerte einen ganzen Tag, bis man am Ziel war. Deshalb haben wir diese Reise auch nicht allzu oft gemacht - Gott sei Dank. Ich erinnere mich vor allem noch daran, dass es in Crosby nur Gaslampen gab und deshalb alles ziemlich düster war. Mein Vater ging gewöhnlich in einem nahegelegenen Kanal in Birkenhead schwimmen. Bis wir eines Tages herausfanden, dass es ein Zulaufkanal der örtlichen Kläranlage war. Man schwamm quasi in seiner eigenen Scheiße.

Die meiste Zeit blieben wir aber zu Hause in Süd-London. Meine Eltern gingen nicht viel aus, da sie immer arbeiteten. Jegliches geselliges Beisammensein fand in der Regel bei uns zu Hause statt. Mein Vater war kein großer Trinker, aber die Leute hielten ihn oft für betrunken, weil er ein echter Party-Typ war. Er sorgte stets für Stimmung, war nie deprimiert und hatte immer einen Witz auf Lager. Er war eben ein echter Spaßvogel, aber auch ein phantastischer Koch. Viele Jahre später erzählte er mir einmal, wie er meine Mutter dazu brachte, dass sie Seidenstrümpfe und Strapse anzog und sich die Titten mit Lippenstift anmalte. Der Mann war eben Italiener, es lag in seinen Genen. Er war aber trotzdem ein wunderbarer Familienvater und hatte diesen speziellen italienisch angehauchten Cockney-Akzent; wenn er sich geärgert hatte, schimpfte er immer: "Arseholes!" Aber die Art, wie er es aussprach, wie er sich in seinem Italienisch-Cockney das Wort aus dem Mund wrang, brachte es mit sich, dass es sich eher lustig als bedrohlich anhörte. Vor einigen Jahren ist er gestorben und manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich ihn nachahme, durchs Haus laufe und zu allem, was mir in die Quere kommt, "Arseholes!" sage, in diesem lustigen Tonfall.

Aus ein paar ziemlich verwickelten Gründen nannten wir meine Großmutter väterlicherseits Mummy. Selbst Leute, die streng genommen gar nicht zur Familie gehörten, doch irgendwie zu einem Teil der Familie geworden waren, indem sie für sie arbeiteten, nannten unsere Großmutter Mummy. Sie stammte ursprünglich von einer kleinen italienischen Insel namens Atina und war eine Coppola - dieser Name ist offenbar schon ein Gütesiegel an sich. Mein Großvater, den wir Pop nannten, war dagegen eher normal. Und so blieb auch mein Vater, obwohl er in London das Licht der Welt erblickt hatte, auf seine Art immer der typische Italiener. Familie und Business waren unabdingbar miteinander verlinkt. Einem Teil der Familie schien damals halb Deptford zu gehören, dank des Geschäfts mit dem Eis. Außer den Eiswagen gab es noch den Laden am Catford Broadway, Rossis Ice-Cream. Er ist noch heute in Familienbesitz, wurde aber an ein Wettbüro verpachtet.

Ich erinnere mich noch an die Beerdigungen, wenn einer meiner Onkel starb und seine Brüder anschließend über die neue Streckeneinteilung der Eiswagen sprachen, so nach dem Motto, diese Straße gehört jetzt jenem und jene Straße einem anderen. Der Onkel war noch keine fünf Minuten unter der Erde, da teilten sie schon sein Geschäft untereinander auf.

Aus diesem Grund nehmen viele an, ich käme aus einem ziemlich begüterten Elternhaus. Ich kann mich zwar nicht daran erinnern, jemals arm gewesen zu sein, aber es gab dennoch Zeiten, in denen das Geld auch mal knapp war. Wir waren schließlich eine riesige Familie, und es gab viele Münder zu stopfen. Müßiggang konnte sich keiner erlauben. Meine Eltern besaßen ein eigenes Haus, und das war damals schon etwas Besonderes. Das ist es auch heute noch, aber damals zeigte es, wer etwas besaß und wer nicht. Obwohl wir also nicht reich waren, stammte ich auch nicht von einer Familie ab, die arm war.

Was auch immer meine Familie besaß, es war hart erarbeitet, so viel ist sicher. Meine Mutter und mein Vater waren den ganzen Tag mit dem Eiswagen unterwegs. Am Abend wandelten sie ihn in einen fahrenden Fish-and-Chip-Imbiss um und drehten erneut die Runde. Es waren schwierige Zeiten nach dem Krieg. Dennoch schien es immer noch eine Menge Leute zu geben, die es irgendwie schafften, ein paar Groschen für Eis und Chips aufzubringen. Es war, als würden sie sich damit ein ganz besonderes Vergnügen leisten - inmitten all der traurigen Schicksale und all des Trübsinns. Jeden Morgen um sechs Uhr fuhr mein Vater zum Beladen des Wagens zu meiner Großmutter rüber. Ein paar Stunden später kam er wieder nach Hause und frühstückte zusammen mit meiner Mutter. Dann machten sie sich gemeinsam mit dem Eiswagen auf den Weg. Ungefähr um sechs Uhr abends liefen sie wieder zu Hause ein und meine Mutter kochte gewöhnlich etwas für uns alle. Anschließend fuhren meine Eltern noch einmal los und drehten die Runde mit dem Fish-and-Chips-Imbiss-Wagen. Wenn sie nach Hause kamen, lag ich immer schon im Bett. Sie hatten einen langen Tag, aber so waren sie eben - sehr geschäftstüchtig. Man kann das bei vielen Immigranten-Gruppen beobachten.

Eigentlich gehörte das Eisgeschäft Mummy. Pop war Fußbodenleger von Beruf gewesen, und mein Vater hatte das ursprünglich auch gelernt. Doch es nahm ein schlimmes Ende, als er einen Unfall hatte, bei dem er beinahe seine Hand verlor. Sie waren wegen einer Auftragsarbeit irgendwo im Norden unterwegs gewesen. Pop war in London geblieben und arbeitete auf einer anderen Baustelle. Daher hatte er Dad und dessen jüngeren Bruder Albert - oder Chas, wie er immer genannt wurde - alleine losgeschickt. Unglücklicherweise ließ mein Dad Chas ans Steuer, damit dieser etwas Fahrpraxis bekam. Alles woran er sich dann noch...

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