Deadlock

Kriminalroman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. August 2018
  • |
  • 288 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-98372-3 (ISBN)
 

Vic Warshawski, Chicagoer Privatdetektivin und Spezialistin für Wirtschaftskriminalität ermittelt in ihrem zweiten Fall!

Champ, ehemaliger Eishockey-Star und der Lieblingsvetter von Privatdetektivin Vic Warshawski, gerät im Hafen von Chicago in die Schiffsschraube eines Getreidefrachters. »Ein bedauerlicher Unfall« meint sein Arbeitgeber, eine angesehene Reederei. Doch Vic ist misstrauisch: Je weiter sie ihre Nase in die Frachtschwindeleien steckt, desto tiefer gerät sie zwischen die Fronten der großen Reeder...

»Vic ist die coole, starke Frau, von der wir alle ein bisschen träumen« Brigitte

  • Deutsch
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Piper ebooks in Piper Verlag
  • 4,19 MB
978-3-492-98372-3 (9783492983723)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Sara Paretsky, 1947 in Kansas geboren, gehört zu den Mitbegründerinnen der amerikanischen »Sisters of Crime« und ist eine der renommiertesten Kriminalschriftstellerinnen weltweit. Sie wählte die Stadt zu ihrem Wohnort, die bis heute eine Hauptrolle in ihren Romanen spielt: Chicago. Dort lebt auch ihre berühmte Heldin Vic Warshawski.

Verlorene Liebesmüh


Als Eishockeyspieler hatte Champ bei den Hawks eine Menge Geld verdient. Einen beachtlichen Teil davon hatte er vor fünf Jahren in eine Eigentumswohnung in einem schicken Glaspalast am Lake Shore Drive nördlich der Chestnut Street investiert. Seither war ich einige Male dort gewesen, häufig mit einer Schar gutmütiger beschwipster Hockeyspieler.

Champs Anwalt, Gerald Simonds, übergab mir die Hausschlüssel sowie die Schlüssel für den Jaguar meines Vetters. Am Vormittag hatten wir uns mit seinem Testament befasst - einem Dokument, das höchstwahrscheinlich für weiteren Aufruhr unter den Tanten sorgen würde; denn Champ hatte den Löwenanteil seines Vermögens karitativen Einrichtungen und dem Pensionsfonds der Hockeyspieler-Witwen vermacht. Die Tanten wurden nicht einmal erwähnt. Mir selbst hinterließ er eine gewisse Summe mit der Aufforderung, nicht alles in Black Label anzulegen. Simonds legte seine Stirn missbilligend in Falten, als ich lachte. Er erklärte mir, dass er vergeblich versucht habe, Champ davon abzuhalten, diese Klausel einzufügen.

Gegen Mittag waren wir fertig. Für einen meiner Mandanten hatte ich zwar ein paar Kleinigkeiten im Bankenviertel zu erledigen, doch standen, abgesehen von einigen Gerichtsverhandlungen, im Augenblick keine interessanten Fälle an. Lediglich einen Mann musste ich noch aufspüren, der mit der Hälfte des Firmenvermögens einer Handelsgesellschaft verschwunden war, wozu auch eine Zwölf-Meter-Jacht gehörte. Nichts Eiliges also. Ich holte meinen Wagen - einen grünen Mercury Lynx - vom Parkplatz des Fort Dearborn Trust und fuhr los in Richtung Goldküste.

Wie in den meisten feudalen Wohnanlagen gab es auch in Champs Haus einen Portier, einen untersetzten Mann mittleren Alters, der bei meiner Ankunft gerade einer alten Dame aus ihrem Seville half und mir keine besondere Aufmerksamkeit schenkte. Ich musste ein bisschen mit den Schlüsseln herumprobieren, bis ich den richtigen für die Eingangstür fand.

Die Halle war nicht sehr groß. Einige Topfpflanzen und zwei cremefarbene Sofas standen herum, und über diesen hing ein Wandbehang. Ich studierte ihn eingehend, während ich auf den Lift wartete, und beglückwünschte mich dazu, dass ich in einem abgewohnten dreistöckigen Gebäude hauste, in dem es keine Miteigentümer gab, die über die Ausgestaltung der Halle zu befinden hatten.

Hinter mir glitt die Lifttür leise zurück. Eine Frau meines Alters im Jogginganzug trat heraus, gefolgt von zwei etwas älteren Damen, die sich darüber unterhielten, wo sie zu Mittag essen wollten. Ich sah auf die Uhr: Viertel vor eins. Wieso arbeiteten diese Leute eigentlich nicht an einem ganz gewöhnlichen Dienstag? Seltsam! Ich drückte auf die 22, und der Lift trug mich rasch und geräuschlos nach oben.

Auf jedem Stockwerk befanden sich vier Eigentumswohnungen. Champ hatte über eine Viertelmillion Dollar für seine Eckwohnung auf der Nordostseite ausgegeben. Sie war ungefähr hundertfünfzig Quadratmeter groß, mit drei Schlafzimmern und drei Bädern, eines davon - vom Hauptschlafraum zu erreichen - mit in den Boden eingelassener Wanne. Nach Norden wie nach Osten hatte man einen herrlichen Ausblick auf den Michigansee.

Ich schloss die Wohnungstür zu Nummer 22 C auf und ging direkt ins Wohnzimmer. Der hochflorige Teppiehboden verschluckte meine Schritte. Von der Glaswand der Ostseite waren die blaubedruckten Vorhänge zurückgezogen worden. Der Panoramablick verschlug mir den Atem - Wasser und Himmel verschmolzen zu einer riesenhaften graugrünen Kugel. Ich überließ mich dem überwältigenden Eindruck, bis ich ein Gefühl tiefen Friedens empfand. Plötzlich hatte ich das unbestimmte Empfinden, dass ich nicht allein in der Wohnung war. Schließlich nahm ich ein leichtes Geräusch wahr - das Rascheln von Papier.

Ich ging auf den Gang hinaus und stellte fest, dass das Geräusch von rechts kam. Zu meinem Termin mit Simonds hatte ich ein Kostüm angezogen und hochhackige Schuhe - völlig ungeeignete Kleidungsstücke, wenn man einen Einbrecher stellen wollte. Ich streifte die Schuhe ab, machte leise die Wohnungstür auf, um mir einen Fluchtweg offen zu halten, und stellte meine Handtasche im Gang neben einen Zeitungsständer. Dann sah ich mich im Wohnzimmer nach einer brauchbaren Waffe um. Ein Bronzepokal auf dem Kaminsims fiel mir ins Auge, eine Anerkennung für Champs besondere Verdienste beim Gewinn des Stanley Cup. Ich holte ihn lautlos herunter und schlich in Richtung Schlafzimmer.

Sämtliche Türen im Gang standen offen. Auf Zehenspitzen näherte ich mich dem ersten Raum, Champs Arbeitszimmer. Flach gegen die Wand gepresst, in der rechten Hand fest den schweren Pokal, so steckte ich meinen Kopf vorsichtig durch die Tür.

Mit dem Rücken zu mir saß Paige Carrington an Champs Schreibtisch und kramte in irgendwelchen Papieren. Ich kam mir albern vor, und gleichzeitig ärgerte ich mich. Lautlos zog ich mich zurück, stellte den Pokal auf einem Beistelltischchen ab und schlüpfte in meine Schuhe.

»Sie sind früh dran«, sagte ich, als ich das Arbeitszimmer betrat. »Wie sind Sie denn hereingekommen?«

Sie schreckte hoch, und einige Papiere glitten ihr aus der Hand. Röte überzog ihr Gesicht bis zum Haaransatz. »Oh! Ich habe Sie nicht vor zwei erwartet.«

»Ich Sie auch nicht. Ich dachte, Sie hätten keinen Schlüssel?« »Seien Sie mir nicht böse, Vic. Für zwei Uhr wurde eine zusätzliche Probe angesetzt, und ich wollte unbedingt meine Briefe finden. Deshalb habe ich Hinckley - das ist der Portier - überredet, mir die Wohnung aufzuschließen.« Einen Augenblick lang hatte ich den Eindruck, in ihren honigfarbenen Augen Tränen zu sehen, doch sie wischte mit dem Handrücken darüber und lächelte schuldbewusst. »Ich hatte gehofft, ich sei vor Ihrem Eintreffen wieder verschwunden. Die Briefe sind nämlich sehr persönlich. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass jemand sie liest - selbst wenn Sie es gewesen wären.« Sie streckte mir flehend die rechte Hand entgegen.

Ich sah sie mit zusammengezogenen Augenbrauen an. »Haben Sie etwas gefunden?«

Sie zuckte die Achseln. »Vielleicht hat er sie nicht aufbewahrt.« Sie bückte sich, um die Papiere aufzuheben. Ich kniete mich auf den Boden und wollte ihr helfen. Es schien sich um Geschäftsbriefe zu handeln, denn Myron Fackleys Name fiel mir mehrmals auf. Er war Champs Manager gewesen.

»Ich bin erst bei der zweiten Schublade, und es gibt noch sechs, die voller Papierkram sind. Ich glaube, er hat einfach alles aufgehoben - in einer Schublade ist nur Fanpost.«

Verflixt! Acht Schubladen voller Papiere! Einordnen und Sortieren hatten von jeher zu meinen schwachen Seiten gezählt.

Ich setzte mich auf die Schreibtischkante und legte Paige die Hand auf die Schulter. »Sehen Sie, ich muss ohnehin sämtliche Unterlagen sichten, die den Nachlass betreffen könnten. Überlassen Sie das Suchen doch einfach mir. Ich verspreche Ihnen, Ihre Privatbriefe an Champ nicht zu lesen, falls sie auftauchen sollten. Ich stecke sie in einen Umschlag.«

Sie lächelte unsicher. »Vielleicht ist es Eitelkeit - aber wenn er sogar bündelweise Briefe von Kindern aufbewahrt hat, die er gar nicht kannte, dachte ich mir, dass er meine Briefe auch aufgehoben hat.« Sie wandte sich ab.

Ich versuchte sie zu beruhigen. »Keine Sorge, Paige, Sie tauchen bestimmt noch auf.«

Sie schniefte dezent. »Ich glaube, ich bin nur deshalb so hinter ihnen her, weil ich dann nicht ständig daran denken muss, dass er wirklich . nicht mehr da ist.«

»Das versteh' ich. Und ich bin wütend auf ihn, weil er alles gesammelt hat wie ein Eichhörnchen.«

Sie lachte ein wenig. »Ich habe einen Koffer mitgebracht. Am besten, ich packe meine Kleider und Kosmetika, die noch hier sind, zusammen und verschwinde«, erklärte sie und ging hinüber ins Schlafzimmer.

Ich überlegte, wie ich an meine Arbeit herangehen sollte. Paige hatte recht: Champ hatte einfach alles aufgehoben. Jeder Quadratzentimeter Wandfläche war mit Fotos von seiner Eishockeykarriere bedeckt, angefangen bei der Schulmannschaft der zweiten Klasse. Mitten darunter entdeckte ich ein Foto von mir im kastanienbraunen Talar bei der Verleihung meines Juradiploms an der Universität von Chicago. Die Sonne schien, und ich grinste in die Kamera. Da mein Vetter nie ein College besucht hatte, war er über alle Maßen stolz auf meine akademische Ausbildung. Stirnrunzelnd betrachtete ich die jüngere, glückstrahlende V.I. Warshawski, bevor ich zu Paige ins Schlafzimmer ging, um ihr meine Hilfe anzubieten.

Der Koffer mit den sauber gefalteten Kleidungsstücken stand offen auf dem Bett. Als ich eintrat, zog sie gerade aus einer Kommodenschublade einen leuchtend roten Pullover hervor.

»Sehen Sie auch seine Kleidung und die übrigen Sachen durch? Geben Sie mir doch bitte Bescheid, falls ich etwas vergessen habe. Alles in Größe sechs gehört vermutlich mir.« Daraufhin nahm sie sich das Bad vor. Ich hörte, wie sie Schränkchen öffnete.

Dem Schlafzimmer sah man an, dass hier ein Mann gewohnt hatte, aber es war gemütlich. Ein riesiges Bett mit schwarz-weißem Bettüberwurf beherrschte die Zimmermitte, die schweren bodenlangen cremefarbenen Vorhänge waren zurückgezogen und gaben den Blick auf den See frei. Über der wuchtigen Kommode aus Walnussholz hing Champs Eishockeyschläger. Ein Gemälde in Lila- und Rottönen brachte Farbe ins Zimmer. Auf Spiegel, die nach Ansicht zahlreicher Junggesellen unbedingt in eine Wohnung gehören, hatte er verzichtet. Auf dem Nachttisch lagen ein paar Zeitschriften. Was wohl mein Vetter vor dem Einschlafen so gelesen hatte? Die »Sportillustrierte«, die »Hockey-Welt« sowie eine eng bedruckte Schrift mit dem Titel...

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