Feuertod

Kriminalroman
 
 
Piper Spannungsvoll (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Dezember 2017
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-98324-2 (ISBN)
 
Astrid Paprotta vereint subtile Spannung mit psychologischer Raffinesse - ein Kriminalroman von höchsten Gnaden.

Kein Mensch hatte Ellen Rupp schreien gehört. Noch im Tod schien sie stumm und entsetzt an der Wand zu lehnen. Die umstrittene Anwältin aus dem schicken Frankfurter Nordend war in der Brandhölle ihrer Wohnung regelrecht hingerichtet worden. Kompromisslos hatte sie sich für eine sichere Stadt stark gemacht, wenig überraschend also, dass sie eine Menge politische Feinde besaß. Wer aber würde sie bei lebendigem Leib verbrennen wollen? Hauptkommissar Niklas und sein LKA-Kollege Potofski fahnden nach Hinweisen zu dem verkohlten Unbekannten, der neben Ellen Rupp gefunden wurden: Wer war er? Und warum haben die beiden Opfer keinen Fluchtversuch unternohmen?
  • Deutsch
  • Munich
  • |
  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 1,32 MB
978-3-492-98324-2 (9783492983242)
3492983243 (3492983243)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Astrid Paprotta lebt als freie Autorin in Frankfurt, dem Schauplatz all ihrer Bücher. Für ihre Kriminalromane um Kommissarin Ina Henkel, deren Fälle sämtlich zu den »Krimihöhepunkten des Jahres zählen« (Die Welt), wurde sie mit dem Deutschen Krimipreis und dem renommierten »Glauser« ausgezeichnet. Nach »Mimikry«, »Sterntaucher«, »Die ungeschminkte Wahrheit« und »Die Höhle der Löwin« erschien zuletzt »Feuertod«, in demerstmals der Frankfurter Hauptkommissar Niklas und sein LKA-Kollege Potofski ermitteln.

2


Czerny war in jener Nacht zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, und das war Pech. Die Autofahrer konnten sich alle nicht benehmen, denn obwohl die Straßen frei waren, hupten sie und gestikulierten, als wären sie im Stau gefangen und erlitten Panikattacken oder sonstige Heimsuchungen. Sie tippten sich sogar an die Stirn, als sie ihn sahen, was war denn das für eine Art? Applaudieren hätten sie ihm sollen, statt sich blöd zu echauf?eren, weil es nämlich gar nicht einfach war, mit diesem Gefährt, mit dem er unterwegs gewesen war, die Spur zu halten. So hatte es angefangen. Im Grunde mit den Autofahrern.

Czerny fuhr zehn Stundenkilometer schnell, langsam, zugegeben, doch was sollte er machen? Flotter ging es nun einmal nicht. An der Kreuzung wartete er, bis er freie Fahrt hatte, um dann nach links abzubiegen, wo wieder einer mit aufgeblendeten Scheinwerfern auf ihn zukam und hupte. Das kannte er inzwischen. Was ihn über dieses Betragen hinaus kümmerte, war die Frage, wo er sein Fahrzeug abstellen sollte, schließlich war es bei ihm zu Hause ziemlich eng, sowohl im Haus?ur unten als auch in der Wohnung, und in seinem kleinen Laden war schon überhaupt kein Platz. Zudem ?ng er allmählich an zu frieren. Seine Hand, die den Schalter hielt, war eiskalt, aber sonst fühlte er sich gut. Im Krankenhaus hatten sie ihm das kaputte Knie ge?ickt, doch nach Hause wollten sie ihn nicht lassen. So einen Ausfall konnte er sich als selbstständiger Friseur aber nicht leisten, deshalb hatte er um seine Entlassung regelrecht gebettelt, nur: was verstanden Orthopäden schon von kleinen Mittelständlern? Weil alle Bettelei sinnlos gewesen war, hatte er sich kurz vor der Nachtruhe einen leise summenden Krankenfahrstuhl geschnappt und war ihnen erstaunlich leicht entkommen. Zwei P?eger hatte er noch gegrüßt, bevor er mit seinem elektrisch betriebenen Gefährt über einen Lieferanteneingang ins Freie gelangt war.

Ein schöner Coup. Die Diebe im Möbelhaus ?elen ihm ein, die sich ein schweres Bett ausgesucht und es ächzend am Personal vorbeigeschleppt hatten, und was sollte man sagen? Das Personal hatte ihnen noch die Tür aufgehalten. So fuhr er also dahin, und obwohl er sich an alle Verkehrsvorschriften hielt, hupten die Autofahrer ihn an. Das regte ihn derart auf, dass er sich entschloss, einen kleinen Umweg zu nehmen und durch stillere Straßen zu fahren. Melemstraße, das war das erste Schild, das er sah. Blume, sein Nachbar, hatte ihm erzählt, dass es in diesen villenähnlichen Häusern Eigentumswohnungen gab, die mehr als dreihunderttausend Euro kosteten, was eine unvorstellbare Summe war, und man musste ja trotzdem die laufenden Kosten noch zahlen, Wasser, Gas und Strom. Woher Blume die Preise kannte, hatte Czerny damals nicht gewusst, Blume konnte sich das alles ja auch nicht leisten. Aber es war wirklich eine schöne, ruhige Straße mit großen Bäumen, unter denen friedlich Limousinen parkten, und in der ihm niemand hupend entgegenkam.

Doch etwas störte ihn. Es war dieses Licht. Es schien direkt aus den Wolken zu kommen, weshalb er einen Moment lang glaubte, dass er die aufgehende Sonne sah. Es war aber immer noch Nacht. Czerny stellte sich das Glück in den Farben Rot und Blau vor, wie die Sonne über dem Meer. Als Kind hatte er die Wände seines Zimmers mit Postern geschmückt, auf denen Pärchen am Strand unter der aufgehenden Sonne saßen. Er hatte sich dafür von seinem Vater verhöhnen lassen, der ihn einen Kitschkerl nannte, ein Ausdruck, den er Jahre später noch zu steigern wusste, als Czerny zu Hause mitteilte, er würde Friseur. Da hatte sein Vater ihn einen blöden Kitschkerl genannt, weil ihm der Begriff Romantiker nicht geläu?g war, und hinzugefügt, man müsse ja nur in sein Zimmer gucken. Doch da hingen die Poster schon lange nicht mehr, denn bei Czernys erstem Urlaub am Meer war die Sonne nicht richtig rot gewesen und das Wasser nicht blau. Macht nichts, hatte er sich damals gesagt, es war der falsche Strand. Der richtige würde kommen und mit ihm der perfekte Sonnenaufgang, dann saß er da und guckte in die Wellen und verspürte nichts als Glück.

In jenen Minuten schien er allerdings Pech zu haben, weil die Sonne in dieser Nacht vor seinen Augen explodierte. Er stoppte, nein, sein Gefährt stoppte ganz von selbst, weil er in seinem Schrecken die Arme nach hinten riss. Das Geräusch berstender Fensterscheiben hörte er im selben Moment, als er den Kopf in den Nacken warf und Feuer im Obergeschoss eines Hauses sah. Ein Blitz, nur schlimmer. Viel schlimmer auch als bei ihm zu Hause in der Innenstadt, wo sie sich über brennende Müllcontainer aufregten. Beim letzten Mal, als kein Container mehr übrig war, hatte ein Feuerwehrmann zwei Knirpse angebrüllt, dass sie jetzt ihren Müll aus dem Fenster werfen könnten, und sein Kollege hatte böse gelacht und gesagt, das täten die doch ohnehin.

Viel schlimmer war das hier. Flammen schlugen aus dem Fenster, eingehüllt in dichten Qualm, als ?ngen Feuer und Rauch ein Tänzchen an. Brennende Vorhänge wehten im Wind.

Czerny fuhr wieder an und sah, dass es das Haus Nummer 13 war. Gleichgültig im Grunde, doch er sagte es ständig vor sich hin, Nummer 13, 13. Als er herankam, drückte er die Hand auf das Klingelbrett und schrie: »Feuer!« Er rollte ein Stück zurück. »Es brennt bei euch, oben brennt's!«

Nummer 13. Bald ein Uhr. Acht Minuten, bis der erste Löschzug kam. Czerny war bis zum übernächsten Haus gefahren, weil er Angst hatte, dass ihm etwas Brennendes auf den Kopf ?el, doch er blieb. Er bildete sich ein, er müsse bleiben, weil er sonst vielleicht eine Art Fahrer?ucht beging. Er sah Leute auf die Straße rennen, die immer wieder schreiend auf das Obergeschoss deuteten und wohl hofften, dass die Flammen nicht das ganze Haus zerfraßen. Es war so ein schönes Haus; er zählte drei Stockwerke und fand, es sah wie eine alte Villa aus. Die Feuerwehr tat, was sie konnte, dann kam die Polizei und er sah ein Dutzend Uniformierte herumrennen, er sah überhaupt so viele Menschen plötzlich, dass er nicht wusste, wie er hier jemals wieder durchkommen sollte. Gestank legte sich über alles, als hätte der Teufel kurz die Hölle geöffnet. Irgendwann, als vom Feuer nur noch Rauch geblieben war, tippte ein Polizist ihm auf die Schulter und fragte, wo er wohnte.

Seine Wohnung, sagte Czerny, lag ein Stückchen weiter weg.

»Nicht da drin?« Der Polizist deutete auf die Nummer 13. Er sah angespannt aus, so als würden sie das Obergeschoss nie feuerfrei kriegen, dabei hatten sie es doch gelöscht. Nur noch dünne Rauchschwaden wehten durch die Luft.

Czerny fror. »Nö«, sagte er. »Da drin nicht. Lassen Sie mich vorbei? Ich ?nde, Sie könnten mir eine kleine Gasse freimachen.«

»Wohin denn?«, fragte der Polizist.

»Ich habe das Feuer gemeldet«, sagte Czerny. »Das heißt, habe ich nicht, aber ich habe am Haus geklingelt und gerufen, sie sollten es melden. Ich hab hier kein Telefon, wissen Sie.« Er reckte sich, als er vorn die Männer sah, die auf die Absperrung zukamen. Sie sahen wichtig aus. Sie trugen keine Uniformen, und sie gingen an den Feuerwehrleuten vorbei in das Haus Nummer 13, dessen Obergeschoss jetzt aussah wie ein breiter, schwarzer Trauerrand.

Der Polizist sah die Männer auch. Hastig wandte er sich wieder Czerny zu und fragte, ob er etwas gesehen hatte oder ob ihm etwas aufgefallen war, doch was sollte er gesehen haben außer dem Feuer? Die Fensterscheiben ?ogen raus, als er gerade hier ankam, er hatte keine Ahnung, wie lange es in einem Haus brennen musste, bis das geschah.

»Ich brauche Ihren Namen«, sagte der Polizist.

»Ich bin behindert«, sagte Czerny. »Ich muss jetzt nach Hause.«

»Ich brauche trotzdem Ihren Namen. Und wo Sie wohnen, das heißt, Ihre Adresse.« Der Polizist war furchtbar nervös, dabei war es kein junger Mann mehr, man konnte also nicht davon ausgehen, dass der hier seinen ersten Einsatz hatte. Seufzend nannte Czerny seine Adresse.

»Battonnstraße?« Der Polizist schien beinahe die Fassung zu verlieren. »Da müssen Sie aber noch eine ganze Strecke - Sie können doch damit nicht -«

»Doch, der ist tauglich, wollen Sie mal sehen?« Als Czerny auf den Knopf drückte, sprang der Krankenfahrstuhl nach vorn und der Polizist zurück.

»Ihren Namen!«, schrie er.

»Czerny. Charly, Zulu, Echo, Romeo, November, Yankee.«

Der Polizist ließ seinen Notizblock sinken.

»Das ist das Nato-Alphabet.« Czerny machte immer so viel Wind um seinen Nachnamen, weil er seinen Vornamen nur nannte, wenn es unbedingt sein musste. Gewöhnlich ließ er sich auch von guten Bekannten nur mit dem Nachnamen anreden, denn als sein Vater seine hochgradig frankophile Mutter noch liebte, hatten seine Eltern ihn Claude getauft. Immer hatte es Ärger gegeben mit diesem Namen, schon sein Vater hatte ihn nie richtig aussprechen können und ihn Klott gerufen, und in der Schule hatten sie ihn abwechselnd Kloß und Claudi Zwo genannt, weil es auch eine Claudi Eins gab, die dralle Claudia. Es gab nur eine einzige Situation, in der ihm dieser Vorname nützen könnte, das war bei seiner Arbeit als Friseur, wenn diese spezielle Art Kundin kam, die gestikulierend seinen Namen rief. »Ach Claude, du weißt nicht, wie ich mich fühle, sei ein Schatz und mach mir einen Superschnitt, ja?«

Aber diese spezielle Art Kundin hatte er nicht. Manchmal bekam er Post von PR-Abteilungen, die ihren Müll an Frau Claude Czerny adressierten. Er hasste seinen Namen.

»Ihren Ausweis«, sagte der Polizist, und als Czerny ihn aus...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

4,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen

Unsere Web-Seiten verwenden Cookies. Mit der Nutzung dieser Web-Seiten erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen finden Sie in unserem Datenschutzhinweis. Ok