Raw Café

 
 
TWENTYSIX (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. Mai 2020
  • |
  • 272 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7407-5823-3 (ISBN)
 
Raw Café ist die bewegende Geschichte einer jungen Frau, die in der schlimmsten Krise ihres Lebens erkennt, dass ihre wahre Größe auf der anderen Seite ihrer Angst liegt.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,34 MB
978-3-7407-5823-3 (9783740758233)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Tief verbunden mit ihrer Heimatstadt Hamburg, trägt die Globetrotterin Sarah Pankow doch eine unstillbare Reiselust im Herzen. Von Nacktbaden bei Vollmond über Camping unter den Sternen bis zu Fallschirmspringen über der Wüste; ein Leben ohne Abenteuer ist für sie unvorstellbar. Ihr derzeit schönstes Abenteuer sind ihre beiden kleinen Kinder. Mit ihnen und ihrem Mann lebt Sarah in San Miguel de Allende, wo sie Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, als Übersetzerin tätig ist und ihren größten Leidenschaften, dem Schreiben und dem Laufen nachgeht.

1. Kapitel


Ich verstaute meinen Koffer in einem Schließfach am Hamburger Hauptbahnhof und rief Lilith an. »Hey Lil, wie sieht's aus? Bist du schon unterwegs?« »Nee, bin noch zu Hause. Anscheinend will jetzt doch keiner mehr mit. Was ist mit dir?« Sie klang ein wenig enttäuscht. »Ich bin dabei! Bin schon am Hauptbahnhof. Also von mir aus können wir vorher noch auf der Schanze was trinken gehen. Oder soll ich zu dir kommen?« Schlagartig besserte sich ihre Stimmung. »Echt? Ich war mir sicher, du würdest auch einen Rückzieher machen. Fährst du nicht morgen früh zu deinem Bruder nach Schweden?« Natürlich hatte ich ihr schon von meinen Urlaubsplänen berichtet. »Ja, ich treff mich um sieben Uhr morgens mit der Mitfahrgelegenheit. Aber ich habe meinen Koffer schon hier verstaut. Also können wir, wenn sie uns wieder mal als letzte aus dem Club schmeißen, noch irgendwo was frühstücken gehen und dann fahre ich los.« »Cool, du bist großartig!« »Danke gleichfalls! Also dann in einer halben Stunde vorm Schanzenpark?« »Perfekt, bis gleich.«

Am Ende waren wir doch noch eine große Gruppe im Uebel & Gefährlich und tanzten zu Beats im Park die Nacht durch. Der Bunker war komplett voll und irgendwann begann der Schweiß von der Decke zu tropfen. Natürlich durfte die Wollmütze als unverzichtbares Accessoire der eingefleischten Hip Hopper trotzdem nicht fehlen. Unter den locker sitzenden Tanktops blitzten die eintätowierten Schriftzüge hervor. Mit Bierflaschen in der Hand wurden lässig die neuesten Moves präsentiert. Ohne den nötigen Alkohol im Blut war dieser Anblick kaum zu ertragen, aber ich gab mich einfach der Musik hin, genoss den Rausch und wurde so Teil der Menge und bewegte mich mit der vom Bass zuckenden Tanzfläche. Euphorisch feierten wir die großartige Performance der DJs und gerieten in Ekstase als Überraschungsgast DJ M den krönenden Abschluss lieferte. Für Gespräche war es inzwischen zu laut und zu spät und so überbrückte ich die längst fällige Tanzpause wild knutschend mit einem heißen Brasilianer. Lil und ich tanzten weiter bis grelle Lichter die dunkle Atmosphäre durchbrachen und sich die letzten Gäste verschwitzt in der Schlange vor der Garderobe sammelten. Der Fahrstuhl brachte uns runter in das kühle Morgengrauen, wo wir wohlig erschöpft über das verlassene Heiligengeistfeld zum Bahnhof St. Pauli liefen. Auf der Autofahrt zur Fähre schlief ich glücklich ein.

Am nächsten Tag ging ich mit meinem Bruder wandern. Durch ein einfaches Holzgatter neben rot und blau gestrichenen Schwedenhäusern, die an Michel aus Lönneberga oder die Kinder von Bullerbü erinnerten, gelangten wir in den Wald hinter seinem Haus. Auf einem Sandweg liefen wir an einem Fluss vorbei, dessen Schönheit mir gleich ins Auge stach. Er war sehr dunkel und tief, aber gleichzeitig glänzte das klare Wasser auf seiner Oberfläche und verlieh der Atmosphäre etwas Mystisches. Sich aus einem Wasserfall speisend, rauschte er wild und schnell an uns vorbei und war doch gleichzeitig ruhig und friedlich in sich. An seiner Seite gingen wir tiefer in den Wald hinein und atmeten dankbar dessen saubere, kühle Luft. »Ist das nicht schön Ezra? Ich liebe diese wunderbar frische Luft«, scherzte ich, unsere Mutter nachahmend. Wir lachten und erinnerten uns, wie wir als Kinder mit unseren Eltern durch diesen Wald spaziert waren. Es gibt nichts Schöneres in der Kindheit, als in der freien, wilden Natur zu spielen und die Welt zu entdecken. »Erinnerst du dich noch, als wir auf den Taberg gestiegen sind?« »Ja klar, der Ausblick dort ist atemberaubend!« Wir beschlossen, bis dorthin zu wandern und dann auf den Berg zu steigen. »Die Natur wird mir fehlen«, seufzte ich beim Anblick der Reinheit und Ursprünglichkeit der Umgebung. »Gibt es denn in Abu Dhabi gar keine Natur?« »Naja, die Wüste halt und ein paar künstlich angelegte Parks und Grünflächen. An der Corniche, einer Promenade, die im Stadtzentrum am Wasser entlang geht, sieht es auf den Fotos ganz schön aus. Aber mit einem richtigen Wald kann man das wohl eher nicht vergleichen.« Ich hatte mir im Internet Fotos angesehen und ein paar Texte überflogen, aber eigentlich wusste ich so gut wie gar nichts über die Vereinigten Arabischen Emirate. Ich habe schon in vielen Ländern gelebt, ohne mich im Voraus über die dortigen Lebensverhältnisse zu informieren. Ich liebe es, total unvoreingenommen loszuziehen und alles selbst zu entdecken. Bislang hat das auch immer bestens funktioniert. In diesem Fall hätte ich wohl aber doch vorher ein wenig mehr über Land und Leute lesen sollen. »Wahrscheinlich nicht, aber es ist doch auch schön, mal etwas ganz anderes, neues zu entdecken. Das liebst du doch so!« Er sprach mir aus der Seele. »Ja, das stimmt. Das ist ja der Grund, aus dem ich mich auf die Stelle beworben habe. Die Neugier auf eine komplett andere Kultur. Ich bin mir sicher, dass mir Lateinamerika und Südeuropa viel besser gefallen, aber da war ich ja schon so oft und kenne schon so viel. Jetzt habe ich Lust, etwas Neues kennen zu lernen. Naja, und natürlich die Festanstellung. Der Job am Goethe-Institut in Hamburg hat mir zwar wahnsinnig viel Spaß gemacht, aber es war auch anstrengend, sich ständig selbst um alles kümmern zu müssen, hinterher zu sein, dass man genug Stunden bekommt. In Abu Dhabi brauche ich mir da keine Sorgen zu machen.« »Ja, das ist echt super. Mich nervt es auch zum Teil, dass ich keinen festen Vertrag habe. Auf der anderen Seite, genieße ich die Freiheit, die das mit sich bringt. Ich weiß gar nicht, wie ich das sonst mit meinem Training hinkriegen sollte.« »Da hast du natürlich auch wieder recht. Auch Selbstständigkeit hat ihre Vorteile. Bei mir ist das Gute, dass ich immer erst abends unterrichte. Die Kursplanung kann ich machen, wann ich will, also habe ich morgens genug Zeit, um Laufen zu gehen. Trainierst du denn im Moment für einen Marathon?« »Ja, ich laufe im Oktober in Frankfurt mit. Papa und ich fahren zu Alex und dann laufen wir zu dritt.« »Cool! Und was strebst du für eine Zeit an?« »Kommt drauf an, wie's in der Vorbereitung läuft. Auf jeden Fall unter 2:30.« »Nicht schlecht.« »Und du?« »Ich bin in letzter Zeit viel zu selten zum Laufen gekommen. Ich habe so viel gearbeitet. Aber jetzt will ich wieder loslegen. Mal schauen, vielleicht laufe ich nächstes Jahr den Marathon in Dubai. Du kannst ja auch kommen, dann laufen wir zusammen!« »Mal gucken, ich würde ja gern kommen, aber im Moment sieht es finanziell nicht so gut aus. Die Hochzeit und die Flitterwochen waren ganz schön teuer.« »Ja, mal gucken, wenn es nächstes Jahr nichts wird, dann halt übernächstes. Mein Vertrag geht über zwei Jahre.« »Ja, übernächstes Jahr komme ich bestimmt.« Wir waren inzwischen am Taberg angekommen und stiegen schnellen Schrittes die dunkle, von Baumwurzeln durchzogene Erde hinauf. »Läufst du hier auch manchmal rauf?« »Ja, manchmal mache ich ein paar Sprints hier, ist'n gutes Höhentraining. Dadurch bin ich anderen Läufern bei Steigungen oft überlegen.« »Ich müsste das auch mal öfter machen, ist leider meine Schwäche.« Während wir weiter auf den Berg stiegen, bewunderte ich meinen Bruder dafür, dass er auf einer so steilen Strecke sprinten konnte und nahm mir vor, auch wieder häufiger zu trainieren. Ich freute mich, dass ich endlich wieder mehr Zeit hatte. Oben angekommen, setzten wir uns auf einen großen Stein und genossen den herrlichen Ausblick. Weit und breit nichts als Bäume und in der Ferne bunte Holzhäuser. Eine Idylle wie aus dem Bilderbuch. »Vermisst du Hamburg manchmal?«, unterbrach ich gedankenvoll die Stille. »Ja schon. Mir fehlt manchmal das große Kulturangebot, die vielen Veranstaltungen. Aber so oft habe ich das ja eh nicht genutzt.« »Stimmt. Aber was ist mit Stadtpark, Alster, Hafen?« »Nicht so sehr, wie ich dachte. Ich finde inzwischen die Wälder und Seen hier in Jönköping viel schöner.« »Echt? Also ich finde es auch wunderschön hier, aber ich glaube auf die Dauer wäre es mir zu eintönig, zu langweilig.« »Du bist ja auch ganz anders als ich. Du brauchst viel mehr Action, bist ständig unterwegs.« »Ja, so sehr ich die Ruhe und Entspannung hier liebe und mir keinen besseren Ort vorstellen könnte, um abzuschalten, runterzukommen und neue Energie zu tanken, könnte ich, glaube ich, nicht so leben. Zumindest noch nicht.« »Ich liebe die ruhige Atmosphäre hier und das Kleinstadtflair. Es gefällt mir, dass alle sich kennen. Dadurch fühle ich mich mehr zuhause als im anonymen Hamburg. Natürlich vermisse ich Mama und Papa und meine Freunde, würde gern mehr Zeit mit ihnen verbringen. Aber so weit ist es ja auch nicht nach Hamburg und ich habe das Gefühl, wenn ich da bin, genieße ich es viel mehr als damals. Es ist ein viel intensiveres, wertvolleres...

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