Pflegewissenschaft in Deutschland

Errungenschaften und Herausforderungen - Festschrift für Sabine Bartholomeyczik
 
 
Hogrefe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Januar 2013
  • |
  • 367 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-456-75248-8 (ISBN)
 
Die Entwicklung der Pflegewissenschaften in Deutschland wäre, neben der Etablierung von Strukturen und Institutionen, ohne das professionelle Engagement einzelner Personen nicht denkbar. In diesem Sinne gehört Sabine Bartholmeyczik zu den einflussreichsten Pflegewissenschaftlerinnen im deutschsprachigen Raum. Die vorliegende Festschrift beschreibt anhand der Arbeitsschwerpunkte von Sabine Bartholomeycziks Werk und Wirken die Errungenschaften der Pflegewissenschaft in Deutschland. Die einzelnen Entwicklungen werden in Interviews mit Sabine Bartholomeycziks kritisch reflektiert und kommentiert. Zukünftige Herausforderungen der Pflege werden in Gesprächen mit den Herausgebern der Festschrift skizziert. Wer die Entwicklung der Pflegewissenschaft in Deutschland tiefer verstehen möchte und nach Rüstzeug für die Bewältigung zukünftiger Herausforderungen sucht, wird in diesem Band fündig werden. Aus dem Inhalt 1 Pflegewissenschaft in Deutschland - von den ersten Schritten zu einer etablierten Wissenschaftsdisziplin 2 Der Pflegeberuf und Arbeitsbedingungen in der beruflichen Pflege 3 Die Pflegeversicherung - ein Januskopf für die Pflege? 4 Die Entwicklung von Pflegediagnosen, Assessments, Klassifikationssystemen 5 Orale Ernährung in der Pflege 6 Die pflegerische Versorgung von Menschen mit Demenz 7 Das politische Wirken einer Pflegewissenschaftlerin 8 Abschließendes zur Biografie
1., Aufl.
  • Deutsch
  • Bern
  • |
  • Deutschland
  • 1,99 MB
978-3-456-75248-8 (9783456752488)
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Es braucht Geduld, Engagement und Mitstreiter – Entwicklung einer neuen Wissenschaftsdisziplin


Christel Bienstein

Entwicklung


In zentralen Veröffentlichungen von S. Bartholomeyczik (1992a, 1999, 2004) berichtet sie ausführlich von der Entwicklung der Pflegewissenschaft in Deutschland. Aus diesem Grunde wird an dieser Stelle nur noch in einer kurzen Zusammenfassung auf die ersten Entwicklungen und die Einbettung in die Hochschullandschaft hingewiesen.

Start


Deutschland ging spät an den Start, die Hochschulen für die Pflege zu öffnen. Durch die sprachliche Barriere erreichten neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Ausland nur eine kleine Gruppe von Pflegenden, die entweder im Ausland gearbeitet oder studiert hatten oder sich in Deutschland mit den englischsprachigen Ergebnissen auseinandersetzten. Weiterhin wurde ein Bedarf akademisch qualifizierter Pflegepersonen politisch nicht gesehen, außerdem gab es durch die Lobbyarbeit der Mediziner heftigen Gegenwind, den Akademisierungsbestrebungen der Pflegenden entgegenzutreten.

Durch die nicht vorhandene Möglichkeit in Deutschland Pflegewissenschaft zu studieren, erwarben interessierte Pflegende einen Hochschulabschluss in einer anderen Wissenschaftsdisziplin (Psychologie, Soziologie, Pädagogik, etc.). Hierbei konnten sie nicht auf Hochschullehrer zurückgreifen, die über Kenntnisse der Pflege verfügten. Auch war der Zugang zur internationalen Literatur oftmals sehr erschwert. Erstaunlich ist dennoch, dass gerade Kolleginnen (und hier waren vor allem Frauen wie H. Steppe, A. Grauhan, R. Reimann, E. Seidl, S. Käppeli S. Bartholomeyczik sehr aktiv), die zu den Pionierinnen der Pflegewissenschaft zählen, ihre Qualifikationsarbeiten mit einem pflegerelevanten Thema in Beziehung setzten. Zumeist ging es jedoch nicht um klinische Fragestellungen, sondern um Arbeits- oder Ausbildungsbedingungen in der Kranken- oder Altenpflege.

S. Bartholomeyczik (1999) weist in ihrer Veröffentlichung darauf hin, dass zwar 1895 eine Habilitation im Bereich Krankenpflege in Berlin abgelegt wurde, dieses jedoch von einem Arzt M. Mendelsohn. Geschuldet war dieses dem Studienverbot von Frauen an Universitäten. Erste Gehversuche an Hochschulen mündeten nicht in ein Regelangebot. Selbst ein fast 90 Jahre später eingerichteter erster Modellstudiengang an der Freien Universität Berlin (1978-1981) konnte nicht fortgesetzt werden, da die Praktiker in der Pflege eine Akademisierung für nicht erforderlich hielten und damit eine nachhaltige Unterstützung des Projektes nicht gesichert werden konnte.

Ein entscheidender Schritt war die Einrichtung einer «Zentralen Arbeitsgruppe für Pflegeforschung» im DBfK. 1988 veröffentlichte die Gruppe eine Definition der Pflegeforschung, wie sie im deutschsprachigen Kontext gesehen und verstanden wurde (Bartholomeyczik, 1992a). Schon in dieser Veröffentlichung wird deutlich, dass sich Pflegeforschung als Praxisdisziplin versteht, welche sich «..in erster Linie mit der Effektivität pflegerischen Handelns und mit den dieses Handeln unmittelbar beeinflussenden Faktoren.» (Bartholomeyczik, 1992a, S. 323) auseinandersetzt. Gleichzeitig wird betont: «Das durch Pflegeforschung fundierte Wissen von der Praxis der professionellen Pflege findet seine Anwendung nicht nur in der individuellen, direkten Pflege, die dem einzelnen oder einer Gruppe geboten wird, sondern auch auf organisatorischen, institutionellen und politischen Entscheidungen.» (ebd. 323). Schon in dieser von der Arbeitsgruppe erarbeiteten Definition bildet sich ein gewaltiges Ausmaß der Aufgaben von Pflegewissenschaft ab, welche im Verlauf der Entwicklung bis zum Jahr 2012 bereits deutliche Konturen erreicht haben.

Die Robert Bosch Stiftung griff sehr früh das Bestreben der akademisch Pflegenden auf. Eine wissenschaftlich ausgebildete Gruppe von Pflegenden forderte, den Prozess der akademischen Qualifizierung von Pflegenden zu befördern und damit direkten Einfluss auf Verbesserung der Versorgung von pflegebedürftigen Menschen zu nehmen.

Das 1992 erschienene Werk «Pflege braucht Eliten» (Robert Bosch Stiftung, 1992), welches von 13 PflegeexpertInnen in mehrjähriger Arbeit erarbeitet worden war, regte aktiv die öffentliche Diskussion an. Workshops, Pressearbeit und Einladung von Bundestagsabgeordneten sorgten dafür, dass das Thema größeren Raum erhielt.

Es ist als ein großes Glück zu verstehen, dass sich eine so renommierte Stiftung dieser Fragestellung annahm und damit der Pflege eine Stimme in die Öffentlichkeit und auch in die Wissenschaft verlieh.

Einzug in die Hochschulen


Während in den 1970er-Jahren bereits Großbritannien, gefolgt von Skandinavien und den Niederlanden Hochschulstudiengänge einrichteten, wurde erst 1987 eine erste Professur mit einer Pflegewissenschaftlerin besetzt (Ruth Schröck) und an der Fachhochschule in Osnabrück eingerichtet.

Zahlreiche Pflegende, die an deutschen Weiterbildungsstätten arbeiteten, sowie einzelne Berufsverbände waren daran maßgeblich beteiligt. Dann ging es Schlag auf Schlag, Fachhochschulen begaben sich auf den Weg, Studiengänge einzurichten primär mit den Schwerpunkten «Pflegemanagement» oder «Pflegepädagogik». Erste Angebote entwickelten sich in Folge auch im Bereich «Pflegewissenschaft». In den meisten war jedoch die Voraussetzung zu erfüllen, bereits über einen pflegerischen Berufsabschluss zu verfügen. Besonders prekär bis heute gestaltet sich die Suche nach bereits erfahrenen und wissenschaftlich ausgewiesenen Hochschullehrerinnen. Noch zu jung ist die Disziplin der Pflege im akademischen Umfeld.

Der Alltag der KollegInnen an den Hochschulen in den ersten Jahren war geprägt von dem Aufbau der Studiengänge, der Gewinnung von Studierenden und Lehrbeauftragten, der Teilnahme an den Gremien der Hochschulen und der Beratung von Studierenden sowie der Abnahme von Prüfungen. Besonders die Integration in bestehende Fachbereiche war gekennzeichnet durch das Einfinden in die Hochschulgepflogenheiten und die ständige Diskussion über die Notwendigkeit und Bedeutung der wissenschaftlichen Qualifikation der Pflege.

Es war den PflegewissenschaftlerInnen sehr früh klar, dass besonders das Augenmerk auf Qualifikationsprogramme gerichtet werden musste, die es ermöglichten, den Nachwuchs für die Forschung und Lehre an den Hochschulen zu generieren.

Die ersten Promotionsmöglichkeiten innerhalb der Pflegewissenschaft wurden 1998, gefördert von der Robert Bosch Stiftung an der Universität Witten/Herdecke eingerichtet, gefolgt von Promotionsmöglichkeiten an den Universitäten Berlin, Bielefeld. Bremen, Halle, Osnabrück und Vallendar. Ab 2004 förderte die Robert Bosch Stiftung an der Charité in Berlin das Graduiertenkolleg «Multimorbidität im Alter und ausgewählte Pflegeprobleme». Ein weiterer sichtbarer Erfolg gelang 2011 in der Kooperation einer Hochschule (Osnabrück) und einer Universität (Witten/Herdecke), indem sie gemeinsam Mittel des BMBF für den Aufbau und die Durchführung eines Forschungskollegs (FamiLe, Laufzeit 2012 – 2015) erhielten. Eingebunden sind vier HochschullehrerInnen (Sprecher W. Schnepp) und zwölf KollegiatInnen, sowie Postgraduierte und Koordinatorinnen, die thematisch vernetzt Fragestellungen der individuellen Versorgung von pflegebedürftigen Menschen und ihren Familien nachgehen.

Inzwischen wurden an allen Standorten erfolgreich zahlreiche Promotionen und erste Habilitationen in der Pflegewissenschaft abgeschlossen.

Im Mai 2012 erhielt die Universität Witten/Herdecke das Recht, einen PhD-Abschluss zu vergeben. Damit bereichert sich die Möglichkeit der Erlangung wissenschaftlicher Qualifikationen um eine weitere international anerkannt und verbreitete Graduierung.

Schon früh schlossen sich die Hochschullehrer mit ihren Fachbereichen in einer eigenständigen Dekanekonferenz zusammen (1995/96 zuerst als inoffizieller, ab 2001 als eingetragner Verein), welche sich bis heute mit aktuellen hochschulpolitischen Themen beschäftigt.

Innerhalb der Hochschulen arbeiteten die PflegewissenschaftlerInnen daran, der neuen Wissenschaft ein unverkennbares Bild zu verleihen. Hierzu gehörte es in den Fakultäten und darüber hinaus sichtbare Einrichtungen und Verbünde zu schaffen, die sich deutlich und unverwechselbar nach außen mit ihren Ergebnissen präsentieren konnten. So gründeten z. B. die HochschullehrerInnen der Universität Bielefeld das Institut für Pflegewissenschaft (IPW,1995), ebenso wurde das Institut für Pflegewissenschaft an der Universität Witten/Herdecke 1995 etabliert. Das Institut für Medizin-, Pflegepädagogik und Pflegewissenschaft an der Charite Berlin (IMPPW) wurde 1997 auf den Weg gebracht, das Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle – Wittenberg startete 1999, dicht gefolgt vom Institut für Public-Health und Pflegeforschung an der Universität Bremen.

Weiterhin machten sich darüber hinaus auch die Fachhochschulen auf den Weg, Forschungsinstitute zu gründen, so das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (dip), welches in dichter Zusammenarbeit mit der kath. Fachhochschule in Köln und weiteren kath. Fachhochschulen in Deutschland arbeitet. Ebenso das Hessische Institut für Pflegeforschung (HessIP) welches in Zusammenarbeit mit den hessischen Hochschulen Darmstadt, Frankfurt und Fulda Forschungsbeiträge erarbeitet und sichtbar werden lässt.

Inzwischen existieren mehr als 85 Studiengangsangebote bundesweit, wovon 30 Angebote im Bereich des Pflegemanagements, 25 Im Bereich der Pflegepädagogik, etwa 10 Studienangebote im Bereich der Pflege und Pflegewissenschaft und allein mehr als 10 Hochschulen duale...

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