Was mehr wird, wenn wir teilen

Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter
 
 
oekom verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. April 2011
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  • 128 Seiten
 
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978-3-86581-377-0 (ISBN)
 
Was haben Wasser und Wissen, die Atmosphäre und der öffentliche Raum gemeinsam? Sie gehören zu den für selbstverständlich gehaltenen Voraussetzungen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens. Doch so wichtig diese sogenannten Gemeingüter für unser aller Wohlergehen sind, so gering wird ihr Wert geschätzt: Sie werden privatisiert oder zerstört und gehen der Gesellschaft immer mehr verloren. Elinor Ostrom, Trägerin des Wirtschaftsnobelpreises und eine der bedeutendsten Gemeingüter-Forscherinnen, geht dieser Entwicklung am Beispiel der Wälder, der Meere und der Atmosphäre auf den Grund. Dabei begnügt sie sich nicht mit einer Problembeschreibung. Auf Basis jahrzehntelanger Forschung zeigt sie vielmehr auf, wie es gelingen kann, mit gemeinsam genutzten Dingen so umzugehen, dass alle Menschen ihre Bedürfnisse langfristig befriedigen können. Dazu gilt es vor allem, Kreativität zu wecken und Kommunikation zu fördern. Wenn man die Menschen an der Lösung der Probleme beteiligt, die ihr unmittelbares Leben betreffen, wird beides gelingen.
  • Deutsch
  • Neue Ausgabe
  • 1,96 MB
978-3-86581-377-0 (9783865813770)
3865813771 (3865813771)
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Elinor Ostrom ist Professorin für Politikwissenschaft an der Indiana University in Bloomington. 2009 erhielt sie als erste Frau den Wirtschaftsnobelpreis. Sie setzt sich mit Problemen kollektiven Handelns bei gemeinschaftlich genutzten, jedoch knappen natürlichen Ressourcen auseinander und gilt international als eine der bedeutendsten Commons-Forscherinnen. Silke Helfrich studierte romanische Sprachen und Pädagogik. Sie gilt als die Expertin zum Thema Gemeingüter in Deutschland und betreibt einen Blog zum Thema.
1 - Was mehr wird, wenn wir teilen [Seite 1]
2 - Inhaltsverzeichnis [Seite 5]
3 - Vorwort - Wie Kastanien, die vom Himmel fallen [Seite 7]
4 - Einführung Gemeingüter sind nicht, sie werden gemacht. [Seite 11]
5 - Gemeingüter fordern uns heraus [Seite 21]
5.1 - Gemeingüter. Forschung für die Zukunft [Seite 21]
5.2 - Gemeingüter. Ein Raum für Kooperation [Seite 23]
5.3 - Selbstverwaltung. Der Schlüssel für Gemeingüter [Seite 25]
5.4 - Institutionen. Oder was Gemeingüter brauchen [Seite 31]
5.5 - Kooperation. Eine experimentell erlernbare Kunst [Seite 35]
5.6 - Polyzentrische Regierungsführung. Nicht ein, sondern viele Zentren [Seite 38]
5.7 - Freundlich zu Fehlern. Von Versuch und Irrtum [Seite 40]
5.8 - Redundanz. Für ein starkes soziales Immunsystem [Seite 41]
5.9 - Interdisziplinarität. Ohne sie ist alles nichts [Seite 43]
5.10 - Selbstorganisation. Neue Antworten auf alte Fragen [Seite 45]
6 - Gemeingüter pflegen - lokal und global [Seite 47]
6.1 - Am Anfang war eine Bestandsaufnahme [Seite 48]
6.2 - Es folgte die erste Bilanz [Seite 50]
6.3 - Von Gemeinressourcen und Gemeingütern [Seite 52]
6.4 - Die Tragik der Allmende. Eine tragische Verwechslung [Seite 53]
6.5 - Überfischung der Ozeane. Wessen Versagen, wessen Tragödie? [Seite 54]
6.6 - Raubbau an den Wäldern. Ganz gleich in wessen Eigentum [Seite 67]
6.7 - Waldbewirtschaftung. Das Kleine ganz groß [Seite 71]
6.8 - Erkenntnisse seit 1987. Auf dem beschwerlichen Weg zur Nachhaltigkeit [Seite 76]
6.9 - Fünf Elemente einer anpassungsfähigen Regierungsführung [Seite 79]
6.10 - Die Zukunft der Gemeingüter [Seite 83]
7 - Wenn's funktionieren soll: Gestaltungsprinzipien für Gemeingüter [Seite 85]
8 - Glossar [Seite 89]
9 - Literatur [Seite 124]
10 - Über die Autorin und die Herausgeberin [Seite 126]

Gemeingüter fordern uns heraus

Gemeingüter. Forschung für die Zukunft

Für die meisten Menschen verbindet sich die Idee der Gemeingüter (Commons) zunächst mit Ressourcen, die wir gemeinsam nutzen; mit Wassereinzugsgebieten zum Beispiel, oder mit Bewässerungssystemen, Fischbeständen, Weideflächen und Wäldern. Fehlen klare Vereinbarungen für den Umgang mit solchen Ressourcen, so laufen sie Gefahr übernutzt, überweidet und ausgeplündert zu werden. Seit Jahrzehnten erforschen wir im Bloomington Workshop für Politische Theorie und Analyse, wie solche Vereinbarungen zustande kommen. Der Workshop gilt mitunter als Modell für innovative sozialwissenschaftliche Forschung. Tatsächlich ist die Arbeit dort methodisch sehr vielfältig, sie bringt stets sehr unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen zusammen, sie bleibt immer auf konkrete Erfahrungen konzentriert und sie geht zugleich theoretischen Fragen zur Politikgestaltung nach.

Jedes Forschungsvorhaben ist in ein breiter angelegtes Forschungsprogramm eingebettet, welches die bestehenden Grenzen zwischen den Forschungsdisziplinen überschreitet und die Erforschung des kollektiven Handelns vorantreibt.

Es geht uns um die Entwicklung einer empirisch gestützten Theorie des kollektiven Handelns, die auf Selbstorganisation und Selbstverwaltung beruht.

Viele Politikerinnen und Politiker neigen dazu, die Marktordnung nach Adam Smith für alle privaten Güter und den Leviathan* des Thomas Hobbes - den wir heute als »souveränen Staat« kennen - für alle gemeinschaftlich genutzten Güter zu empfehlen.

Doch diese Gegensätze - privat gegen öffentlich, Markt gegen Staat - sind ärmlich. Das Denken in Gegensätzen kommt auch daher, dass sich die Politische Ökonomie in zwei Disziplinen geteilt hat: die Politik- und die Wirtschaftswissenschaft. Beide haben sich eigenständig weiterentwickelt. Das Problem dabei ist, dass wissenschaftliche Spezialisierung zwar gewisse Vorteile bringt, aber Überspezialisierung birgt eher Gefahren. Zum bedauerlichen Erbe dieser Überspezialisierung gehört auch, dass in der Politik in der Regel weit reichende Vorschriften gemacht werden, die oft auf sehr stilisierten Vorstellungen über die starke Wirkung von Institutionen beruhen.

Und als wäre dies nicht genug, hat die gängige Theorie des kollektiven Handelns die Idee verstärkt, der Staat sei die einzige Alternative zum Markt. Diese Annahme unterstellt, dass freiwillige Selbstorganisation zur Bereitstellung öffentlicher Güter* oder zur Verwaltung von Gemeinressourcen höchst unwahrscheinlich ist. Die Ökonomen empfehlen deshalb auf der einen Seite immer schnell, der Staat solle sich kümmern, sobald sie merken, dass marktbasierte Lösungen scheitern. Dabei fragen sie nicht, was in staatlichen Institutionen getan werden kann und muss, um sie für die Bewältigung dieser Aufgaben leistungsfähiger zu machen. Auf der anderen Seite setzen Politikwissenschaftler und Berater aber auf »Privatisierung«, sobald sich zeigt, dass zentralisierte staatliche Institutionen an ihre Grenzen kommen. Auch sie mogeln sich um die Frage herum, wie konkrete Anreize zu schaffen sind, die die Beiträge und Verantwortungsübernahme der Einzelnen verbessern.

In den 70er-Jahren und Anfang der 80er-Jahre führten wir sehr umfassende Feldstudien durch. Es ging um die Folgen institu tioneller Regelungen für die Effizienz und Anpassungsfähig keit städtischer Dienstleistungen in amerikanischen Großstäd ten. Unsere jüngeren Forschungen zur gemeinschaftlichen Nutzung von Gemeinressourcen sind sehr bekannt, aber die theoretische Dimension des Ganzen ist es weniger.

Meine Hoffnung ist, dass unsere theoretischen Analysen sowie die Arbeit in der Praxis und im Laboratorium zu einer empirisch belastbaren Theorie von Selbstorganisation und Selbstverwaltung beitragen. Diese beiden Dinge prägen die Gemeingüter.

Gemeingüter. Ein Raum für Kooperation

Viele Menschen denken auch, bei Gemeingütern ginge es um gestrige Formen gemeinschaftlicher Selbstorganisation und Selbstverwaltung von natürlichen Ressourcen. Die Gemeinschaften, von denen dann die Rede ist, bekommen aus dieser Perspektive einen archaisch-exotischen Zug. Andere glauben, Commons würden allmählich verschwinden - wie Reliquien der Vergangenheit, die von modernen Institutionen ersetzt werden. All jenen aber, die an der Vitalität der Gemeingüter zweifeln, sei ins Stammbuch geschrieben, dass auch heute zahlreiche Commons-Institutionen existieren und gedeihen. Und dabei geht es beileibe nicht nur um die Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen. Selbst moderne Unternehmen sind dafür ein Beispiel. Seit den Arbeiten des Briten Ronald Coase, der 1991 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt, beginnen die Experten für Industrieorganisation zu verstehen, dass auch ein modernes Unternehmen einige Eigenschaften mit Commons-Institutionen teilt. So wie ein moderner Komplex von Eigentumswohnungen sozusagen eine Commons-Institution ist. Während die Familien Eigentümer ihrer Wohnungen sind, haben sie gemeinsame Rechte und Pflichten für den Umgang mit dem Gebäude oder der Wohnanlage. Einige der originellsten Projekte zur Verbesserung der Stadtquartiere und der nachbarschaftlichen Beziehungen beabsichtigen deshalb, Mietern von Sozialwohnungen den Kollektivbesitz und die gemeinschaftliche Verwaltung ihrer Wohnhäuser zu sichern. Hier wird also staatliches Eigentum in gemeinschaftliches Eigentum überführt.

Auch das Internet ist ein Gemeingut. Es spielt im modernen Leben eine unglaublich wichtige Rolle. Die Allmende ist also sehr aktuell und keineswegs ein Relikt der Vergangenheit.

Selbstverwaltung. Der Schlüssel für Gemeingüter

In unserer Forschung spielen lokale, selbst organisierte Institutionen eine große Rolle. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des Institutionengefüges einer Gesellschaft und ich bin davon überzeugt, dass sie auch im 21. Jahrhundert bestehen müssen. Viele Institutionen indigener Gemeinschaften haben bewiesen, dass sie es den Einzelnen ermöglichen, Gemeinressourcen über einen langen Zeitraum hinweg sehr intensiv zu nutzen. Einige überdauerten Jahrhunderte, manche sogar Jahrtausende, ohne die empfindliche Ressourcenbasis zu zerstören, auf die die Menschen angewiesen sind.

Im Namen der Umwelt haben internationale Institutionen für Entwicklungszusammenarbeit, NGOs, Regierungen und Hilfsorganisationen vieles auf den Weg gebracht und dabei oft unwissentlich jenes Sozialkapital* der Nutzer zerstört, das entscheidend für den Erhalt natürlicher Ressourcen war: Beziehungsnetze, Normen, Wissen und Vertrauen.

Der Schutz der biologischen Vielfalt darf aber nicht die Zerstörung institutioneller Vielfalt zur Folge haben. Wir müssen deshalb noch viel mehr darüber in Erfahrung bringen, wie die enorme Vielfalt von Regeln, die die Menschen sich über Jahrhunderte überall in der Welt und unter sehr verschiedenen Bedingungen erarbeitet haben, lebenswichtige Ressourcen schützt.

Commons-Institutionen sind vor allem dann in Gefahr, wenn Funktionäre davon ausgehen, dass sie gar nicht existieren (oder dass sie nichts bewirken), nur weil sie nicht von der Regierung selbst initiiert wurden. Dabei ist ein robuster Gemeingutsektor von enormer Bedeutung für das Leben der Menschen. Wenn wir keine Wege finden, die Verfasstheit der Gemeingüter zu verbessern; wenn wir nicht lernen, besser mit unseren kollektiven Ressourcen umzugehen, werden fehlende Commons-Institutionen im 21. Jahrhundert zu tief greifenden sozialen und wirtschaftlichen Problemen führen. Noch einmal: Commons-Institutionen sind kein Relikt der Vergangenheit.

Je mehr wir über sie lernen, umso besser können künftige politische Entscheidungen auf die Kraft der Gemeingüter aufbauen und Fehler der Vergangenheit vermieden werden. Dabei hilft zunächst ein Abgleich der üblichen Modelle und Metaphern mit dem, was im Leben wirklich geschieht. Wir haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder darauf hingewiesen, dass die Modelle und Metaphern, mit denen Probleme der Gemeingüter und des kollektiven Handelns derzeit beschrieben werden, zumindest irreführend sind.

Gegen Modelle ist im Allgemeinen nichts einzuwenden. Sie können in der Analyse politischer Prozesse sehr nützlich sein. Aber es ist nicht klug, immer wieder auf das »Gefangenendilemma«* oder die Metapher von der »Tragik der Allmende«* Bezug zu nehmen.

Jahrzehntelange Forschung im Labor und in der Praxis stellt die Allgemeingültigkeit des Gefangenendilemma-Modells und der Metapher von der »Tragik der Allmende« infrage. Forscher, die sich auf diese Bilder stützen, kommen schnell zu dem Schluss, dass Nutzer der Allmende unausweichlich in eine Klemme geraten, aus der sie sich nicht selbst befreien können. Daraus folgert man, dass externe Autoritäten Verordnungen zur Nutzung lokaler Ressourcen erlassen und durchsetzen müssen. Als wären die Nutzer nicht selbst dazu in der Lage. Diese Sicht der Dinge, nach der die Ressourcennutzer in einer selbst verschuldeten Tragödie gefangen sind, steht im Einklang mit überholten Lehrmeinungen der Ressourcenökonomie und mit den Grundannahmen der nicht-kooperativen Spieltheorie*. Auch moderne Analysen der Politikwissenschaft gehen häufig von der Vorstellung aus, dass optimale Regeln zur Ressourcennutzung von oben nach unten durchgesetzt werden müssen. Hierbei schert man die unterschiedlichen Gemeinressourcen und vielfältigen Nutzergruppen über einen Kamm, was ungerechtfertigt ist. Man nutzt vereinfachende Modelle, die zu der Grundannahme verleiten, staatliche Behörden seien in der Lage, eine wirkungsvolle Lösung für eine gesamte Region zu entwickeln, immer in der Annahme, der Staat handele stets im Interesse der Allgemeinheit....

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