Hochwürden stirbt grausam

 
 
Wieser Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. Dezember 2017
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-99047-094-7 (ISBN)
 
Der Pfarrer eines kleinen Dorfs wird auf grausame Weise ermordet, und ausgerechnet der mitten in einer Midlife-Crisis steckende Kriminalinspektor Kos wird mit dem Fall betraut. Können er und seine beiden jungen Kollegen herausfinden, wer in der Mordnacht die todbringende Bohrmaschine geschwungen hat und wer der mysteriöse nächtliche Organist sein soll? Und was hat der selige Schriftsteller und Bischof Anton Martin Slomsek mit der ganzen Sache zu tun?

Meta Osredkars Debütroman spielt auf dem slowenischen Land und ist voller "typischer" slowenischer Figuren, die durch unerwartete Wendungen aber immer wieder in Frage gestellt und in ein anderes Licht gerückt werden. Die Autorin bewegt sich souverän zwischen Satire, Fantasy und klassischem Krimi und vergisst dabei nicht auf eine gesunde Prise Humor - manchmal schwarz, manchmal bissig, auf jeden Fall aber immer kurzweilig.
  • Deutsch
  • 0,54 MB
978-3-99047-094-7 (9783990470947)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Meta Osredkar (geb. 1981) studierte englische Sprache und Literatur und ist diplomierte Archäologin. Sie übersetzt Literatur (u. a. Nicholas Spark, Marcus Sedgwick) sowie Fachtexte auf dem Gebiet der Archäologie und Geschichte. Bisher wurden zwei ihrer Kriminalromane veröffentlicht.

Metka Wakounig (geb. 1983) wuchs zweisprachig in Kärnten/Koroska auf und studierte Translationswissenschaften und Germanistik in Graz und Bristol. Ist als Übersetzerin, Lektorin sowie im Verlagswesen tätig. Zahlreiche Übersetzungen slowenischer Literatur (u. a. Marjan Rozanc, Anton Haderlap, Katja Perat). Lebt und arbeitet in Wien.

2. Kapitel


Eine knappe Viertelstunde später standen die Planeten vor dem Pfarrhaus wieder in einer Reihe; fast zeitgleich quietschten die Reifen des Krankenwagens, des Polizeikombis, aus dem ein Trupp Polizisten sprang, eines Fahrrads, von dem Edi abstieg, und des glänzenden, fast neuen Polizeipassats, aus dem Inspektor Kos und sein Assistent Simon Kovacic kletterten. Kurz nach ihnen allen parkte noch die Pathologin Jana Zorman ihren silbernen Clio. Die Polizisten umstellten das Gebäude und bahnten sich den Weg zum Schlafzimmer. Frau Francka murrte noch immer, und einer der Polizisten, der keinen Respekt vor den Älteren hatte, brüllte sie grob an und drohte ihr mit dem Knüppel, zumindest erzählte Francka das später.

Die Rettungskräfte trugen Frau Mica davon und halfen Toni an die frische Luft. Die Polizisten sicherten den Tatort ab. In der oberen Etage begannen Inspektor Kos, Jana Zorman und Simon Kovacic mit der Untersuchung des Mordschauplatzes.

»Fräulein Zorman, wie lange ist er schon tot?«, fragte Inspektor Kos.

»Seit etwa sieben, acht Stunden, Herr Inspektor.«

Jana ging um das Solarium herum, öffnete und schloss unentwegt ihren Mund, entsetzt über die Grauenhaftigkeit des Mordes und begeistert von der Faszination des Falles. Es war noch nicht lange her, seit sie nach abgeschlossener Spezialisation die Stelle in Novi trg angetreten hatte; dieser Mord war ihr erster. Aber sie war schon gut bekannt mit den Polizisten, da sich in diesen paar Monaten eine hübsche Zahl an Bürgern aufgehängt hatte. Dabei ist noch gar nicht Selbstmordsaison, dachte Jana. Was wird da erst im Winter zu den Feiertagen los sein?

Ins Schlafzimmer platzte Edi, der sich verspätete, weil er Maticet Francka ein therapeutisches Gespräch angeboten hatte. Maticet Francka hatte lieber beschlossen, dass auch sie sich unwohl fühlte und etwas Zeit brauchte, um zu sich zu kommen.

Edi sah sich am Schauplatz des Verbrechens um. »Es war eine Frau. Hundertprozentig.«

Inspektor Kos zog ein Diktiergerät aus der Hosentasche und begann: »Die Leiche weist sichtbare Verletzungen am ganzen Körper auf. Alles deutet darauf hin, dass sie mit einer Bohrmaschine der Marke Black & Decker zugefügt wurden. Der Mörder hat das Werkzeug am Tatort zurückgelassen. Und das Opfer im eingeschalteten Solarium.« Er musste kurz innehalten, so bizarr war das Ganze.

»Was machen Sie hier, Ceh? Niemand hat Sie gerufen«, blaffte er Edi an.

»Ach, ich hatte keine Lust mehr zu lesen und dachte mir, dass ihr es hier sicher nett habt und dass ich mal nachsehen komme, was ihr so treibt.«

»Nett, aber sicher doch«, brummte Simon.

Kos beschloss, lieber weiter ins Diktiergerät zu sprechen. »Vorläufig ist unklar, ob das Solarium der Tatort war oder das Opfer nachträglich dorthin gebracht wurde .«

»Herr Inspektor«, mischte sich Jana ein, »ich sehe ein paar Verletzungen, die wahrscheinlich mit einem stumpfen Gegenstand zugefügt wurden. Hier am Kopf, schauen Sie. Obwohl daneben auch Bohrlöcher sind. Ich kann mehr sagen, wenn ich das ganze Blut von ihm entfernt habe. Es ist so viel da, dass man nichts sieht.«

Kos hatte nicht das geringste Bedürfnis, sich das geronnene Blut und die geröstete Leiche anzusehen. Aber Jana war noch nicht fertig.

»Und schauen Sie, wie seine Hände über der Brust gefaltet sind. Als hätte man ihn auf eine Bahre gelegt. Komisch . Jedenfalls, finden Sie mir außer der Bohrmaschine noch ein Werkzeug, das .«

»Meinst du das hier?«, streckte sich Simon zur Wand, an der ein nobler Spazierstock mit einem silbernen Knauf lehnte und den er ihr reichte.

»Ja, das meine ich. Ausgezeichnet. Schau, ob du zufällig noch was Ähnliches findest. Ein hübscher Stock.«

»Alle raus!«, donnerte eine Stimme bei der Tür. Kos sah sich um und erblickte die Kollegen vom Nationalen Forensischen Labor. An einen konnte er sich flüchtig erinnern, Boris Robavs, vor etwa einem Jahr waren sie nach einem Seminar noch zusammen auf ein Bier gegangen. Er nickte ihm zu.

»Ausgezeichnet, die Leiche gehört euch. Und Fräulein Zorman«, sagte Kos, der beschlossen hatte, dass er mehr als genug hatte und er an die Luft musste, um eine, noch besser zwei Zigaretten zu rauchen. »Und du, Simon, hilf auch ein bisschen mit, falls sie was brauchen, und halte die Augen offen. Ich gehe raus an die Luft, nachdenken.«

»Und damit ich nicht kotze. Und weil ich die Midlife-Crisis habe«, ergänzte Edi, als Kos außer Hörweite war. Danach verabredete er sich noch schnell mit Jana auf ein Getränk bei Hubert, und dann verscheuchten ihn die Forensiker aus dem Pfarrhaus und machten sich gemeinsam mit einem etwas wütenden Simon an die Arbeit. Während Simon sich nun also dort aufhielt, wollen wir etwas über ihn erzählen. Zum Beispiel, warum er wütend war.

Simon arbeitete seit nunmehr sieben Jahren bei der Polizei. Der Laibacher aus guter, bürgerlicher Familie hatte zum Amüsement der gesamten Verwandtschaft zu viele Filme gesehen, die Polizeischule in Tacen abgeschlossen und in einem schwachen Moment die Entscheidung gefasst, Jus zu studieren. Nach einem Jahr braver Besuche von Vorlesungen und gewissenhaften Skriptenschreibens wollte es nicht so recht mit den Prüfungen klappen. Simon versuchte es eine Zeit lang und verzweifelte schließlich. Er beschloss, dass seine berufliche Laufbahn doch bei der Polizei lag. Er begann, in Novi trg bei Ig zu arbeiten, und man muss hinzufügen, dass Inspektor Kos mit seiner Arbeit viel zufriedener war als er jemals zugeben würde.

Seit sie im Jänner begonnen hatten, mit der neuen Pathologin Jana Zorman zusammenzuarbeiten, versuchte Simon all seinen Mut zusammenzunehmen und sie auf einen Automatenkaffee einzuladen. Bisher war es ihm nicht gelungen, die nötige Menge an Mut aufzubringen. Und ja, der Grund seiner momentanen Wut war Edi.

Es war nicht so, dass sich Simon vor Frauen fürchtete. Auch Kaffeeautomaten erfüllten ihn nicht mit besonderem Schrecken, auch wenn die daraus kommenden Heißgetränke noch so grauenerregend waren. Schuld waren, wie immer, nur Kindheitstraumata. Simon hatte den Eindruck, dass sich Jana hervorragend in die Runde beim sonntäglichen Mittagessen mit seiner Familie einfügen würde. Und das erfüllte ihn zumindest mit Unbehagen, wenn nicht sogar mit purem Horror. Und all das war schuld an den unzähligen Blockaden sprachlicher und kognitiver Funktionen in seinem Gehirn, wenn er sich Fräulein Zorman auf fünf Meter oder weniger näherte.

Inspektor Kos marschierte inzwischen im Hof auf und ab und rauchte wie ein Schlot. Es erschien ihm ungerecht, dass so ein schrecklicher Mord auf dem Gebiet des kleinen Novi trg bei Ig geschehen war anstatt in der Hauptstadt, wo normalerweise alle großen Dinge passierten. »Auch das noch«, polterte er in sich hinein. »Die Idioten in Ljubljana faulenzen und fahren ans Meer, während ich schuften muss - und das ausgerechnet jetzt. Ich hätte mich ein bisschen mir selbst und meiner Gesundheit widmen können, da sowieso alles danebengeht. Das, was Ceh in der Früh gesagt ist, ist ja gar nicht mal so dumm. Aber jetzt muss ich bis spät in die Nacht seltsame Leute verhören und nach Spuren suchen, wo keine sind.«

Inspektor Kos lag diesmal, in all seinem Elend, mit dem Großteil der Dinge richtig, nur der Gedanke, dass er sich im Falle eines ruhigen Sommers seiner Gesundheit gewidmet hätte, war pure Illusion.

Während Inspektor Kos draußen rauchte und Simon die Arbeit des Forensikteams überwachte und dabei erfolglos versuchte, nicht an Jana und Edi zu denken und jedes Mal unbewusst schnaubte, wenn ihm Edi einfiel, was oft der Fall war, wurde Frau Maticet Francka langweilig und sie beschloss, dass sie sich nicht mehr unwohl fühlte. Simon befand, dass es sinnvoller wäre, wenn er und Kos sich ein wenig mit Francka unterhielten, anstatt dass er den Forensikern im Weg war. Vielleicht hatte die Dame ja etwas Brauchbares zu erzählen. Er eilte in den Hof hinaus.

»Chef, diese Nachbarin, die uns gerufen hat, sagt jetzt, dass sie wieder bei Kräften ist. Sehen wir sie uns mal an, bevor Edi sie wiederfindet.«

Kos war einverstanden und folgte Simon ins Pfarrhaus. Frau Francka wirkte wieder frisch wie ein Gänseblümchen. Drei Polizisten bewachten sie. »Wo ist der gefallene Engel?«, rief sie prompt, als sie die beiden erblickte. Der Inspektor verstand nicht wirklich, aber Simon erklärte ihm, dass Francka Edi mit Luzifer verwechselte.

»Gnädige Frau, wir stehen hier alle auf der richtigen Seite«, versuchte Simon sie zu beruhigen. »Luzifer ist bei einer Verabredung mit der Pathologin. Und Sie erzählen uns jetzt, was Sie gesehen haben.«

Frau Francka beruhigte sich allmählich, blickte sich um,...

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