Couchsurfing im Iran

Meine Reise hinter verschlossene Türen
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 9. März 2015
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  • 240 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97016-7 (ISBN)
 
Eine Bikiniparty in der streng religiösen Stadt Maschhad? Nichts ist unmöglich! Stephan Orth fährt kreuz und quer durch das Land von Khomeini & Co, tauscht Hotel gegen Privatquartier, schläft auf Dutzenden von Perserteppichen, bricht täglich Gesetze, lebt, feiert und trauert mit dem gastfreundlichsten Volk der Welt. Und lernt den Iran dabei von einer ganz anderen Seite kennen. Denn hinter verschlossenen Türen fällt der Schleier und mit ihm die Angst vor den Sittenwächtern der Mullahs. Hier ist das Leben bunt und rebellisch. Hier ist Platz für Sehnsüchte und Träume. Hier tut sich eine Welt auf, die weitaus spannender ist als die alten Steinmauern persischer Paläste.
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978-3-492-97016-7 (9783492970167)
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Stephan Orth, Jahrgang 1979, studierte Anglistik, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie und Journalismus und arbeitet als Redakteur im Reiseressort bei »Spiegel Online«. Seit 2003 ist er bereits als Couchsurfer unterwegs und fungiert mittlerweile sogar als »Local Ambassador« für Hamburg.
Orth ist Autor des Nr.1-Bestsellers »Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt«. Bei Malik erschien zuletzt sein Buch »Opas Eisberg«. Für seine Reportagen wurde er mehrfach mit dem Columbus-Preis ausgezeichnet.
Im Reise-Ressort von »Spiegel Online« veröffentlichte er unter dem Pseudonym »Christian Richter« bereits eine Iran-Geschichte: http://www.spiegel.de/reise/fernweh/couchsurfing-in-iran-herzlichkeit-und-horror-a-894979.html

WELCOME TO IRAN!

»Pass auf vor Terroristen und Entführern!« Ein Freund

»Das ist wie Saudi-Arabien, oder? Schau bloß keiner Frau in die Augen.« Ein Reisejournalist

»Lässt du dir einen Bart wachsen? Bringst du mir einen Teppich mit?« Eine Freundin

»Du bist verrückt. Ich verstehe nicht, was du da willst.« Ein Arbeitskollege aus dem Iran

Vier Wochen vorher. Sobald die Räder des Flugzeugs TK898 aus Istanbul den Boden berühren, gilt eine andere Zeitrechnung. Iranzeit, zweieinhalb Stunden vor, 621 Jahre zurück. Willkommen am Imam-Khomeini-Flughafen, wir schreiben den 7. Farwardin 1393, »happy Nowruz«, frohes neues Jahr. Ein rundlicher Mann auf 14B kippt sich den letzten Schluck einer mitgebrachten Flasche Efes-Bier in den Rachen, ein Teenagermädchen auf 17F zieht sich Socken über, um die Knöchel zu verbergen. Schwarze, blonde, braune, rote, graue, gefärbte, gestylte, gekämmte, verwuschelte, kurze und lange Haare verschwinden unter schwarzen, braunen und roten Kopftüchern.

Ausländerinnen unterscheiden sich von Iranerinnen dadurch, dass bei ihnen das ungewohnte Stück Stoff schon beim Öffnen des Gepäckfaches in den Nacken rutscht und sie es neu binden müssen. »Respected Ladies: Observe the Islamic dress code«, steht auf einem Poster im Terminal, ohne »please« oder »thank you«, versteht sich.

Über einer Leuchtreklame für Sony-Handys am Gepäckband begrüßen mich die ersten Poster der beiden Bartträger, in zehnfacher Lebensgröße. Ruhollah Khomeini blickt listig und düster, selbst auf einem Foto scheinen seine Augen alles zu durchdringen. Mit großer Klugheit und unendlicher Kälte blickt der Revolutionsführer auf die Welt hinab. Der amtierende Oberste Führer Ali Chamenei dagegen wirkt mit seiner zu großen Brille und ausdruckslosen Augen einfältig und harmlos, was bemerkenswert ist, weil Chamenei zu den mächtigsten und brutalsten Staatsführern der jüngeren Geschichte gehört.

Aber vielleicht ist die Blässe nur relativ: Neben der dunklen Eminenz Khomeini würden selbst Saddam Hussein und Muammar Gaddafi wie nervöse Koranschüler beim Auswendiglerntest wirken. Der Blick der beiden Ajatollahs sagt: Ab jetzt beobachten wir dich, egal wo du hingehst. Die Porträts hängen in jedem Shop und jedem Restaurant, an Wohnhäusern und Regierungsgebäuden, in Moscheen, Hotels und Busterminals. Wer im Iran den Bildnissen von Khomeini und Chamenei entkommen will, muss sich in einer Wohnung einschließen oder blind sein.

7. Farwardin 1393. Auch was die Gesetzeslage angeht, muss ich um ein paar Jahrhunderte umdenken. Im Iran herrscht die Scharia, im Iran gelten Frauen gesetzlich halb so viel wie Männer und können für Ehebruch gesteinigt werden. Im Iran bin ich ein Verbrecher, weil ich 1,5 Kilo Lübecker Marzipan im Rucksack habe (mit ein bisschen Alkohol drin) und ein paar Kabanossi aus Schweinefleisch. Fehlen nur noch ein paar »Playboy«-Hefte, und ich hätte einen Pokal verdient mit der Aufschrift »Teherans größter Einreisedepp«. Andererseits: Ohne ein paar Gesetzesverstöße ist das, was ich vorhabe, nicht zu machen. Warum also nicht gleich damit anfangen? Je früher ich mich an meine neue Rolle als Gauner, Schwindler und Schauspieler gewöhne, desto besser.

7. Farwardin 1393. Mein Handy weigert sich, die Jahreszahl einzustellen, unter 1971 (warum 1971?) geht nichts. Zur Strafe für seine Befehlsverweigerung führe ich dem rebellischen Gerät eine iranische SIM-Karte ein. Für ihren Erwerb muss ich gleich drei auf Persisch bedruckte Formulare unterschreiben. Ich frage den Verkäufer, was da draufsteht, er spricht nicht gut Englisch.

»No problem!«, antwortet er, und als er meinen zweifelnden Blick sieht, wiederholt er noch einmal in einem sanfteren, fast freundschaftlichen Ton: »No problem!«

Ich brauche unbedingt eine einheimische Handykarte, also unterschreibe ich. Vielleicht habe ich gerade mein Einverständnis erklärt, dass jedes Gespräch und jede SMS vom Geheimdienst überprüft wird, aber das wäre auch wurscht. Machen die sowieso, steht sogar im Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amtes.

Mehr Freude habe ich beim Geldwechseln: Ein Mitarbeiter am Schalter der Melli Bank sagt, er könne 35.000 Rial pro Euro zahlen, aber ein Stockwerk höher sei eine Wechselstube, wo ich 40.000 bekäme. Tatsächlich kriege ich dort sogar 41.500, kein schlechter Kurs. Bis in den Iran musste ich reisen, um einmal von einem Bankangestellten gut beraten zu werden.

Ich werde es noch mit einigen Geldwechslern zu tun bekommen, weil die hiesigen Automaten keine europäischen Karten akzeptieren. Das ist unpraktisch für Langzeitreisende, ich habe für zwei Monate 2000 Euro und 1000 US-Dollar in kleinen Scheinen dabei, strategisch gut verteilt in verschiedenen Ecken des Gepäcks. Hoffentlich erinnere ich mich noch an die Stellen, wenn ich das Geld brauche.

Der Flughafen ist mit sechs Gepäckbändern kleiner, als man es bei einer Zehn-Millionen-Metropole wie Teheran erwarten würde. Hohe Säulen, viel Glas, viel Beton. Kein Starbucks, kein McDonald's, kein Louis Vuitton, nur einheimische Fast-Food-Läden, Banken und Souvenirshops. Ein riesiges Poster wünscht alles Gute zum neuen Jahr. Darauf ist ein Goldfischglas abgebildet, das steht für das Leben. Wahrscheinlich gibt es kein anderes Land auf der Welt, in dem ein Fisch im Glas ein Lebenssymbol ist.

Komplette Großfamilien warten mit Blumensträußen auf Neuankömmlinge. Mitten in der Nacht sind sie aufgestanden, um rechtzeitig hier zu sein. Jetzt ist es kurz nach vier. Bei ihrem Anblick fühle ich mich sehr blond und relativ groß. Sagen wir es mal so: Die Wahrscheinlichkeit, dass mich jemand auf der Straße nach dem Weg fragen wird, geht gegen null.

»Welcome to Iran«, sagen stattdessen zwei junge Frauen, die Tschadors tragen. Tschador heißt auf Persisch »Zelt«, und damit ist über Wesen und Weiblichkeit dieses Kleidungsstücks eigentlich alles gesagt. »Where are you from?«, wollen sie wissen. »Are you married or single?«, und schon schweben sie grinsend davon in ihren schwarzen Gespensterzelten.

Besonders verbreitet ist ihr Outfit am Flughafen nicht, die meisten Frauen tragen einfache Kopftücher. Je jünger die Trägerin, desto modischer die Farben. Und desto länger wirkt der Hinterkopf, weil Hochsteckfrisuren total angesagt sind: Mit Tuch drüber wirkt das ein bisschen so, als hätten viele junge Iranerinnen Schädel wie die Aliens von HR Giger. Die meisten Männer dagegen tragen keine Kopfbedeckung, die Kombination Turban und Vollbart ist viel seltener, als Iranklischees vermuten lassen. Ich sehe sie nur zweimal im ganzen Terminal.

Wenn nach Begegnungen mit einem wohlwollenden Banker und flirtenden Tschadormädchen jetzt noch der Taxifahrer davon absieht, mich zu bescheißen, muss ich schon nach einer Stunde Iran meinen Vorurteilskompass neu justieren.

Jeder Iranbesucher, der am Internationalen Flughafen ankommt, muss auf der Fahrt ins Zentrum an den Märtyrern vorbei und an Khomeini persönlich, es gibt keinen anderen Weg in die Stadt. Links vom Highway ruhen 200.000 Opfer des Irakkriegs auf dem größten Friedhof des Landes. Und gegenüber, auf der rechten Straßenseite, ruht Khomeini selber, der Mann, der so viele von ihnen in den Tod schickte. Jeder der vier Türme um sein prachtvolles Mausoleum ist 91 Meter hoch, ein Meter für jedes Lebensjahr. Eine riesige goldene Kuppel reflektiert nächtliches Scheinwerferlicht. Der erste religiöse Prachtbau, den Touristen zu Gesicht bekommen, ist der Schrein des Ajatollah. Dies ist mein Land, hier gelten meine Regeln, signalisiert Khomeini noch fünfundzwanzig Jahre nach seinem Tod jedem Gast.

Das Taxi stoppt, der Fahrer will kein Geld, für einen Freund wie mich sei die Fahrt umsonst. Ich lehne so entschieden ab, wie es das komplizierte Höflichkeitsprotokoll Irans verlangt, und er sagt: »70.000.«

»Rial oder Toman?«, frage ich. Es gibt zwei Währungsbezeichnungen, die sich um eine Null unterscheiden, was es für Touristen nicht einfacher macht.

»Toman natürlich.« Also alles mal zehn.

Ich drücke ihm zwei Hunderttausender und einen Fünfhunderttausender in die Hand. Knapp drei Euro mehr, als auf einer Tafel am Flughafen als angemessener Preis angeschlagen war. Charmanter Kerl, aber natürlich bescheißt er. Wenigstens auf die Taxifahrer ist Verlass.

HOW TO

BEZAHLEN IM IRAN

?Preis anhören

?Sich wundern, dass es so günstig ist

?Den genannten Betrag von Toman in Rial umrechnen: eine Null dazudenken

?Begreifen, dass es doch nicht so günstig ist, aber billiger als zu Hause

?Nach entsprechenden Geldscheinen suchen (hierfür anfangs 30 bis 60 Sekunden Zeit einplanen)

?Bezahlen

Das Schönste an Teheran sind die Elburs-Berge nebenan, die im Norden der Stadt bis auf 4000 Meter ansteigen. Die meisten Wochen des Jahres sind sie unsichtbar, weil sich die Stadt in eine Smogwolke hüllt. Das tägliche Verkehrschaos ist legendär, auf zehn Millionen Einwohner kommen fast vier Millionen Autos. Die meisten ihrer fast vier Millionen Auspuffe können über Begriffe wie »Katalysator« oder »Euro-5-Norm« nur rußheiser lachen. Der Chef der Verkehrspolizei hat mal ausgerechnet, dass die Luftverschmutzung so hoch ist, als wären 48 Millionen Autos mit...

»Stephan Orth ist mit >Couchsurfing im Iran< ein wunderbares Buch über dieses Land im Schwebezustand gelungen.«, Süddeutsche Zeitung, 10.03.2015
 
»Er erlebt absurde, lustige und interessante Begegnungen. Ein authentischer Einblick in die iranische Kultur.«, Schweizer Illustrierte (CH), 18.11.2016
 
»Orth beschreibt seine heimliche und vom ersten bis zum letzten Tag abenteuerliche Reise quer durchs Land.«, Börsenblatt, 07.01.2016
 
»Mit jeder Geschichte werden die Vorurteile über dieses Land mehr abgebaut und man lernt auf den 240 Seiten mehr als in jeder Nachrichtensendung. Unbedingt lesen!«, Neue Westfälische, 23.12.2015
 
»Spannend, authentisch, menschlich.«, Focus, 12.09.2015
 
»Ein fesselnder Bericht über ein gastfreundliches Land und die kleinen Freiheiten und großen Sehnsüchte der Bevölkerung.«, Voralberger Nachrichten, 14.08.2015
 
»Sehr überraschend!«, Schleswig-Holstein am Sonntag, 12.07.2015
 
»Nach der Lektüre ist man zwangsläufig bis über beide Ohren verliebt in dieses (...) gastfreundliche Volk«, Frankfurter Neue Presse, 11.07.2015
 
»Eine kurzweilige und spannende Lektüre, die einen Blick hinter die Kulissen der iranischen Bevölkerung zulässt. Ein Buch, das man nicht aus der Hand legen, sondern in einem Rutsch durchlesen möchte.«, Gießener Allgemeine, 04.07.2015
 
»Sich arglos im Ausland zu bewegen, gerät als Schreibhaltung manchmal aufklärerischer als jeder journalistische Kommentar von den Dauerkrisenherden der Welt.«, Die Welt, 27.06.2015
 
»Guter Journalismus kann sich auch in in einer Reisegeschichte offenbaren. Was etwa Kollege Orth bei seinem Aufenthalt in iranischen Privathaushalten erlebt hat, sagt über das Land mehr als die meisten messerscharf analysierenden Politikgeschichten.(...) Ein prima Buch, auch für Italien-Urlauber.«, Stern, 25.06.2015
 
»In seinem Buch zeichnet er nun ein ganz neues Bild des Landes.«, annabelle (CH), 23.06.2015
 
»Das Buch ist eine peppige Reiselektüre mit vielen unterhaltsamen Geschichten.«, Augsburger Allgemeine, 12.05.2015
 
»Orth ist so überwältigt von der iranischen Gastfreundschaft, dass seine Euphorie auf den Leser überspringt. Man ertappt sich plötzlich dabei, über eine Iran-Reise nachzudenken.«, Neue Presse, 28.03.2015
 
»Eine spannende Alltagsreportage für Leser, die erfahren wollen, was normale Menschen im Iran tatsächlich bewegt.«, Börsenblatt - Spezial Reise und Sprachen, 19.03.2015
 
»>Couchsurfing im Iran< ist eine etwas andere Reiselektüre voll bezaubernder Geschichten.«, NDR Info, 14.03.2015
 
»Dem Leser geht es ähnlich wie dem Autor selbst: Die Herzlichkeit dieser Menschen und die Normalität ihres Alltags lässt zwischendurch vergessen, in welch autoritär regiertem Land er unterwegs ist. Das Bild des Iran ist nach der Lektüre ein anderes.«, Abenteuer Wege
 
»Als Couchsurfer reist der Buchautor kreuz und quer durch den Iran und erlebt erstaunliche Abenteuer.«, Clever reisen!
 
»Hier tut sich eine Welt auf, die weitaus spannender ist als die alten Steinmauern persischer Paläste.«, Steyrer Amtsblatt

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