Das KALA-Experiment

Thriller
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. August 2018
  • |
  • 432 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-99034-9 (ISBN)
 
Der Physiker Hans Ichting wird nur wenige Tage, nachdem die Videobloggerin Nina Bornholm ihn interviewt hat, tot aufgefunden. Nina zweifelt an der offiziellen Darstellung eines Selbstmords und beginnt zu recherchieren. Bald wird klar, dass Ichting in den USA an einem streng geheimen Projekt mitgearbeitet hat. Doch jemand will um jeden Preis verhindern, dass die Wahrheit über das KALA-Experiment ans Licht kommt. Während sich überall auf der Welt unerklärliche Ereignisse häufen, wird immer deutlicher, dass die Zukunft der Menschheit auf dem Spiel steht. Doch wie kann man ein zukünftiges Ereignis verhindern, dessen verheerende Auswirkungen bereits jetzt spürbar sind?
  • Deutsch
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  • 4,06 MB
978-3-492-99034-9 (9783492990349)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Karl Olsberg, geboren 1960, promovierte über Anwendungen Künstlicher Intelligenz, war Marketingdirektor eines TV-Senders, Geschäftsführer und erfolgreicher Gründer zweier Unternehmen in der »New Economy«. Er wurde unter anderem mit dem »eConomy Award« der Wirtschaftswoche für das beste Start Up 2000 ausgezeichnet. Heute arbeitet er als Unternehmensberater und lebt mit seiner Familie in Hamburg. Er veröffentlichte bereits zahlreiche Bücher, darunter seine Thriller »Enter« und »Delete«.

3


T-28:08:14 Das kleine Büro war so nüchtern eingerichtet wie das eines Abteilungsleiters bei einer Versicherung: der schmucklose Schreibtisch vor einem Fenster mit Blick auf den Campus des DESY, gerahmte Urkunden über einem grauen Sideboard. Auf einem Whiteboard waren kryptische, halb verwischte Symbole und Formeln zu sehen. Ob es sich um geniale Einfälle oder sinnlose Schmierereien handelte, hätte Nina Bornholm nicht sagen können.

Der Mann hinter dem Schreibtisch wirkte zu jung für einen Professor. Er sah eher aus wie ein studentischer Mitarbeiter, der sich ins Büro seines Chefs eingeschlichen hatte. Eine große Brille und dunkelblondes Haar, das ihm ins Gesicht fiel, erinnerten Nina an ein Foto des jungen Bill Gates. Er sah nicht gerade aus wie ein Mann, der die Welt verändern konnte.

Professor Dr. Hans Ichting stand auf und gab ihr die Hand. Er deutete auf den Plastikstuhl vor seinem Schreibtisch.

»Ist nicht sehr bequem, sorry. Ich bekomme nicht oft Besuch.«

Sie setzte sich.

»Professor Ichting, sind Sie einverstanden, wenn ich das Interview aufzeichne und im Internet veröffentliche?«

Ichting lächelte. »Wäre ich nicht einverstanden, hätte ich Sie wohl kaum in mein Büro gelassen.«

Nina sah kurz in einen Handspiegel: Ihre halblangen blonden Haare hatten mal wieder einen Friseur nötig, die Wimpern ihrer hellblauen Augen waren verklebt, der Lippenstift nicht ganz perfekt aufgetragen und das Make-up konnte trotz aller Bemühungen nicht kaschieren, dass ihre gebogene Nase etwas zu groß war. Egal, es würde gehen. Sie tippte an ihre Kamerabrille. Am oberen Rand ihres Sichtfeldes erschien das Aufnahmesymbol. Sie hätte das Interview auch live streamen können, aber es war sicher besser, die Aussagen des Physikers später so zusammenzuschneiden, dass auch Leute ohne Physikdiplom verstanden, worum es ging.

»Willkommen bei Ninas Welt, dem Blog, das hinter die Kulissen schaut«, sagte sie, wobei sie sich den Spiegel vorhielt - die Kamerabrillenversion eines Selfies. »Heute sind wir bei Professor Dr. Hans Ichting, Leiter des Instituts für theoretische Physik am Hamburger Forschungsinstitut DESY. Er ist gerade mal zweiunddreißig Jahre alt und schon ein Forscher von Weltrang. Nach der Umfrage eines bekannten Wissenschaftsmagazins steht er auf Platz fünf der Liste der deutschen Forscher, die die größte Chance haben, irgendwann einen Anruf des Nobelpreiskomitees zu bekommen.« Sie legte den Spiegel beiseite. »Herr Professor, die Besucher meines Blogs interessieren sich für Menschen, die Außergewöhnliches leisten, ohne ständig im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit zu stehen. Erzählen Sie uns, womit Sie sich hier am DESY beschäftigen und warum das Ihre Physikerkollegen in aller Welt in Aufregung versetzt.«

»Nun, ich habe einige Beiträge zur Schleifenquantengravitation verfasst, die von den Kollegen teilweise positiv kommentiert wurden.«

»Können Sie das bitte für Laien verständlich erklären?«

»Das, äh, ist nicht ganz leicht. Wir haben es hier mit recht komplexer Mathematik zu tun. Vereinfacht gesagt geht es darum, die Quantenmechanik und die allgemeine Relativitätstheorie zu einer übergeordneten Theorie zu vereinen.«

»Wenn ich es richtig verstehe, dann funktioniert Einsteins Relativitätstheorie im Großen«, versuchte Nina das zusammenzufassen, was sie im Internet über Ichtings Arbeit gelesen hatte. »Sie erklärt, wie sich Himmelskörper bewegen und dass die Zeit an Bord eines Raumschiffs, das mit annähernd Lichtgeschwindigkeit fliegt, langsamer vergeht. Die Quantenmechanik dagegen erklärt die Dinge im Kleinen. Beide Theorien sind experimentell bestätigt worden, passen aber nicht zusammen - Einsteins Relativitätstheorie versagt, wenn sie die Bewegungen von kleinsten Teilchen beschreiben soll, es kommt dann zu Widersprüchen mit der Quantenmechanik.«

»Das ist korrekt.« Ichting nickte anerkennend.

»Wie genau funktionieren denn nun diese Schleifen . Ihre Theorie?«

»Es ist nicht meine Theorie, ich habe nur ein paar Aufsätze über mögliche mathematische Lösungsansätze geschrieben. Dabei geht es im Wesentlichen um die Entropie als Grundlage für die Emergenz der Raumzeit.«

»Bitte erklären Sie uns das so, dass es meine Zuschauer verstehen.«

»Ich versuche es. Sehen Sie, es ist für uns Physiker ziemlich offensichtlich, dass Raum und Zeit nicht die absoluten Größen sind, als die sie uns im normalen Leben erscheinen. Vermutlich handelt es sich um sogenannte emergente Eigenschaften, die aus bestimmten Zusammenhängen der Quantenmechanik folgen. Basis dafür ist der zweite Hauptsatz der Thermodynamik, demzufolge die Entropie, also quasi die Unordnung, in einem geschlossenen System immer zunimmt. Jeder Student weiß, dass das Zimmer aufzuräumen mühsam ist, während es quasi von selbst wieder unordentlich wird. Wenn man eine Vase auf den Boden wirft, zersplittert sie in Scherben, aber es passiert nie, dass sich aus Scherben spontan eine Vase formt. Diese Tendenz zur Unordnung ist eine fundamentale Kraft im Universum, die zum Beispiel auch dafür sorgt, dass ein gespanntes Gummiband zurückfedert, wenn Sie es loslassen. Ich beschäftige mich mit der Hypothese, dass diese Kraft auch für das Entstehen von Raum, Zeit und Gravitation verantwortlich sein könnte. Im Prinzip wären Raum und Zeit dann eine Form von Unordnung.«

»Das erklärt einiges«, sagte Nina in der Hoffnung, diese Bemerkung würde später bei ihren Zuschauern einen Lacher auslösen.

Ichting lächelte nicht. »Mir ist bewusst, dass diese Bilder absolut unzureichend und wahrscheinlich bloß verwirrend sind. Von Einstein soll der Ausspruch stammen, man solle alles so einfach wie möglich machen, aber nicht einfacher. Er hat das zwar so nie gesagt, aber es stimmt trotzdem. Ich habe den Gegenstand meiner Arbeit zwangsläufig viel zu einfach beschrieben, weil ich weiß, wenn ich Ihnen die Zusammenhänge so erklären würde, wie sie sich mir darstellen, würden Sie nur noch Bahnhof verstehen. Ohne Grundkenntnisse höherer Mathematik kann man nicht einmal ansatzweise erfassen, worum es hier wirklich geht. Aber das ist okay, es wäre völliger Quatsch, wenn jeder Bäckermeister versuchen würde, Schleifenquantengravitation zu begreifen. Dafür gibt es ja uns theoretische Physiker. Es gibt vielleicht weltweit ein paar Dutzend Menschen, die meine Aufsätze wirklich verstehen. Aber das genügt mir vollkommen.«

Das klang in Ninas Ohren ziemlich arrogant. Andererseits stimmte es wahrscheinlich.

»Ich finde, es ist für die Förderung der Wissenschaft notwendig, dass normale Menschen wie ich verstehen, woran Sie arbeiten und warum das wichtig ist«, erwiderte sie. »Wir leben in einer postfaktischen Zeit, in der sich immer mehr Leute in Aberglaube und Verschwörungstheorien flüchten, in der kaum noch jemand unterscheiden kann, ob eine Nachricht auf Facebook oder Twitter wahr ist oder nicht. Das ist einer der Gründe, warum ich Sie um ein Interview gebeten habe: Ich möchte meinen Zuschauern zeigen, dass nicht alles beliebig interpretiert und zurechtgebogen werden kann, dass es eine absolute Wahrheit gibt und Leute wie Sie, die sich darum bemühen, dieser auf die Spur zu kommen.«

Ichting nickte. »Sie haben recht, es gibt eine absolute Wahrheit. Deshalb bin ich Mathematiker geworden: Weil nur die Mathematik wirklich wahr ist. Alles, was Sie um sich herum sehen - der Tisch, dieser Raum, ich, Sie selbst -, sind nur Illusionen, geistige Interpretationen Ihrer Sinneseindrücke. Selbst Raum und Zeit sind nur Konstrukte unseres Gehirns, ohne die wir nicht in der Lage wären, unsere Empfindungen zu ordnen. Nehmen Sie diesen Stift.« Er hielt einen Kugelschreiber mit dem Aufdruck einer IT-Firma hoch. »Er fühlt sich massiv an, er ist undurchsichtig und hat ein Gewicht. Doch im Grunde besteht er nur aus Schwingungen in Quantenfeldern, die mit den anderen Feldern der Umgebung interagieren. Ein Wesen mit anderen Sinnesorganen, eine Fledermaus zum Beispiel oder eine Fliege, würde diesen Kugelschreiber völlig anders wahrnehmen. Die Realität ist nicht das, was wir sehen. Die einzig wahre Realität sind die mathematischen Gesetze, die dazu führen, dass dieser Gegenstand für uns so aussieht und sich so anfühlt wie ein Kugelschreiber. Es ist wie in einem Computerspiel: Sie sehen Objekte auf dem Bildschirm, und wenn die Simulation gut ist, dann verhalten sich diese wie Dinge in der Wirklichkeit. Aber tatsächlich verarbeitet der Computer nur Zustände, die Informatiker als Nullen und Einsen interpretieren, und die >Realität< ist das Programm des Computers.«

»Sie meinen, unsere Welt ist eine Simulation, so wie in dem Film Matrix

»Nein, nein, das ist es nicht, was ich damit sagen will. Wenn wir in einer Computersimulation wären, würde das überhaupt nichts ändern, denn irgendwer müsste diese Simulation ja entworfen und den Computer gebaut haben, auf dem sie läuft. Und selbst wenn diejenigen auch wiederum nur in einer Simulation lebten oder in einer Simulation innerhalb einer Simulation - irgendwo hinter allem müsste es eine letzte Wirklichkeit geben. Und diese sogenannte Realität wäre dann die physikalische Abbildung der zugrundeliegenden Mathematik, der einzigen echten Realität.«

»Das heißt, Sie sind der Ansicht, nur Zahlen und Formeln seien real?«

»Zahlen und Formeln sind nur geistige Konstruktionen, mit denen wir die Zusammenhänge und Zustände eines Systems zu beschreiben versuchen. Real sind nur die mathematischen Gesetzmäßigkeiten dahinter.«

»Aber ist denn dann nicht alles, was Sie tun, nur graue Theorie, ohne jede praktische Anwendung?«

»Es gibt genügend Mathematiker, die sich mit rein...

»Ein sehr spannender, ganz außergewöhnlicher Kriminalroman!«, Recklinghäuser Zeitung, 29.08.2018

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