Populismus für Anfänger

Anleitung zur Volksverführung
 
 
Westend (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. August 2017
  • |
  • 256 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86489-708-5 (ISBN)
 
Populismus für Anfänger
Die einfachen Denkmuster der Populisten und wie man den rechten Volksverführern begegnen muss

Deutschland, Österreich, Frankreich, Holland - die Populisten scheinen in Europa unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Und alle anderen agieren, als gäbe es keine Strategien gegen die rechten Volksverführer. Dabei verfolgt der Populismus ein ziemlich simples Rezept. Das konnte der Ökonom und Kulturhistoriker Walter Ötsch schon mit seinem 2000 erschienen Bestseller "Haider light" am Beispiel von Jörg Haider klar belegen.

In seinem neuen Buch "Populismus für Anfänger" zeigt Ötsch nun gemeinsam mit der Politikjournalistin und Rechtsextremismusexpertin Nina Horaczek wie einfach die Welt der Populisten gestrickt ist. Er entlarvt sehr anschaulich die Tricks und Täuschungsmanöver der rechten Demagogen und macht deutlich, was jeder Einzelne und die Gesellschaft dem Rechtpopulismus entgegensetzten kann und muss.
  • Deutsch
  • Frankfurt am Main
  • |
  • Deutschland
  • 2,83 MB
978-3-86489-708-5 (9783864897085)
3864897084 (3864897084)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Prof. Dr. Walter Ötsch ist Professor für Ökonomie und Kulturgeschichte an der Cusanus Hochschule. Er ist Kommunikationstrainer und ein gefragter Experte für Rechtspopulismus. Sein 2000 in Österreich erschienenes Buch "Haider Light. Handbuch für Demagogie" über Jörg Haider wurde ein viel beachteter Bestseller.

Nina Horaczek, geboren 1977, studierte Politikwissenschaften und arbeitet seit dem Jahr 2000 bei der österreichischen Wochenzeitung Falter, aktuell als Chefreporterin. Horaczek widmet sich intensiv dem Thema Rechtsextremismus und ist Autorin mehrerer Sachbücher, etwa "Gegen Vorurteile: Wie du dich mit guten Argumenten gegen dumme Behauptungen wehrst" (2015) und "HC Strache: Sein Aufstieg, seine Hintermänner, seine Feinde" (2009).
Inhalt

Vorwort 7
Die Akteure 9

1 Erfinden Sie sich Ihre eigene Welt 13
2 Werden Sie zum Gefühlsmanager 50
3 Schaffen Sie sich eine sektenähnliche Organisation 99
4 Führen Sie 135
5 Übernehmen Sie die Macht 164
6 Widerstehen Sie den Demagogen 193

Danksagungen 225
Liste der Muster der Demagogie 227
Anmerkungen 230
Literatur 254

1 Erfinden Sie sich Ihre eigene Welt


Das Wichtigste zuerst: Wie simpel Rechtspopulisten denken


Rechtspopulismus ist alles andere als ein Geheimnis. Im Gegenteil: Rechtspopulismus ist leicht zu verstehen. Ganz einfach: Die Politik von Rechtspopulisten beruht auf einem einzigen Grundgedanken, einem selbst gestrickten Bild der Gesellschaft. Dieses Bild ist die Basis des Rechtspopulismus.

So sieht das Bild aus: Hier sind WIR und dort sind die ANDEREN. Diese beiden Gruppen braucht der Rechtspopulismus. Sonst nichts.

Muster 1: Erfinden Sie eine Gesellschaft, die aus nur zwei Gruppen besteht: den WIR und den ANDEREN.

Rechtspopulisten haben stets dieselbe Erzählung: jene von einer zutiefst gespaltenen Welt, in der zwei Gruppen gegeneinander kämpfen. Wer so eine Welt predigt, den bezeichnen wir als Demagogen.

Der Begriff Demagogie kommt aus dem Altgriechischen und leitet sich ab aus den Wörtern démos = das Volk und agógein = führen. Demagogie ist die Führung des Volkes in einem zweifachen Sinn: Erstens als Ver-Führung, eine unzufriedene Bevölkerung wird mit Verheißungen einer besseren Politik verführt. Dies geschieht zweitens, indem Demagogen von »dem Volk« reden: Sie schaffen damit das Kunstprodukt einer gleichartigen Bevölkerung, die durch einen gemeinsamen »Volkswillen« verbunden ist.1 Demagogie ist politische Verführung mit dem erfundenen Begriff »des Volkes«. Dieses »Volk« sind die WIR, sie stehen den ANDEREN gegenüber, zum Beispiel »der Elite«. Immer, wenn so ein Bild entworfen wird, sprechen wir von Demagogie.

Demagogen aller Schattierungen unterteilen die Menschen in zwei Gruppen: Die »In-Gruppe«, das sind die WIR. Die »Out-Gruppe«, das sind die ANDEREN. Angebote für eine derart simple Botschaft gibt es viele: Deutsche gegen Flüchtlinge, US-Amerikaner gegen Mexikaner, Franzosen gegen Afrikaner, Kroaten gegen Serben, Russen gegen Tschetschenen, und überhaupt: Weiße gegen Schwarze, Arier gegen Juden, Inländer gegen Ausländer - es gibt unzählige Beispiele für ein Denken, das weltweit Anerkennung genießt und in den letzten Jahren, auch als Reaktion auf ein Versagen traditioneller Politiken, massiv an Bedeutung gewonnen hat.

Das Bild einer zweigeteilten Gesellschaft ist das Wichtigste im Rechtspopulismus. Am besten ist das zu verstehen, wenn Sie sich in ein solches Bild hineinversetzen. Stellen Sie sich möglichst lebhaft vor, Sie stehen gerade auf einer großen leeren Ebene. Hier gibt es nichts außer zwei Gruppen von Menschen. Die eine Gruppe steht nahe bei Ihnen. Diese Gruppe ist hell erleuchtet und gibt Ihnen ein warmes Gefühl. Sie ist wie von einer unsichtbaren Mauer umgeben. Danach kommt ein leeres Feld und hinter diesem steht eine zweite Gruppe. Sie sehen diese Gruppe nur dunkel. Sie spüren ein Gefühl der Verunsicherung und Angst, das sich allmählich in Hass steigert, oder noch besser, Sie empfinden sogar Ekel für die ANDEREN.

Das ist es, mehr ist es nicht. So sieht das innere Bild von Demagogen aus. Unsere wichtigste Botschaft: dieses Bild nachvollziehen zu können, zu verstehen, wie einfach und wie gefährlich es ist - und anderen davon zu erzählen. Denn Rechtspopulismus funktioniert nicht ohne ein demagogisches Gesellschaftsbild. Alle Muster, die in diesem Buch erklärt werden, lassen sich auf das demagogische Bild zurückführen.

Der Vorteil: Ein so einfaches Bild lässt sich leicht erfassen. Mit etwas Theorie, die Sie in diesem Buch finden, und ein bisschen Übung können Sie jeden Demagogen, jede Demagogin entzaubern. Wer dieses Bild verstanden hat, wer erkennt, welche Eskalationsspiralen darin eingebaut sind und wie gefährlich diese wirken können, ist in Zukunft gefeit, sich von Rechtspopulisten verführen zu lassen.

WIR und die ANDEREN


Sich zwei Gruppen vorzustellen und sich einer der beiden Gruppen gedanklich zuzuordnen, ist per se noch nichts Schlechtes. In vielen Fällen ist das durchaus berechtigt. »Wir« und »Andere« sind Alltagsbegriffe, jeder und jede verwendet sie. Um zu wissen, wer wir sind und zu wem wir gehören, benötigen wir Einteilungen: Männer und Frauen, Jung und Alt, eigene Firma oder Konkurrenz.

Das Demagogische ist nicht die Einteilung in zwei Gruppen. Es ist die Intensität und die Ausschließlichkeit. Im vorgestellten Bild zeigt sich dies daran, wie groß die Distanz zwischen den beiden Gruppen ist und wie stark die Unterschiede gemacht werden.

Daran lassen sich Demagogen erkennen:2

1. Die Radikalität:


Sie trennen die WIR und die ANDEREN radikal. Es gibt (fast) keine verbindenden Merkmale. Die ANDEREN müssen völlig anders sein und dürfen gar keine Züge der WIR aufweisen.

2. Die Aggressivität


Sie belegen die ANDEREN mit einer aggressiven und ausgrenzenden Sprache.

3. Die Ausschließlichkeit


Sie zeichnen die WIR nur als GUT und WAHR, die ANDEREN ausschließlich als BÖSE und FALSCH.

4. Die Kriegsrhetorik


Sie dramatisieren eine tiefe Feindschaft zwischen den WIR und den ANDEREN. Zwischen den WIR und den ANDEREN tobt ein Kampf auf Leben oder Tod.

5. Die Negativität


In ihrer politischen Werbung setzen Demagogen überwiegen auf Negativthemen. Rechtspopulistische Politik ist vor allem ein Kampf gegen die ANDEREN.

6. Das Geschäft mit der Angst


Demagogen sprechen gezielt Ängste an, verstärken sie und lenken sie auf die ANDEREN um. Denn die ANDEREN sind schuld, wenn WIR Angst haben. Demagogische Politik ist Angst-Politik und Demagogen sind Angst-Experten.

7. Das autoritäre Element


Demagogische Bewegungen sind notwendig autoritär. Sie stehen unter der direkten Leitung einer Gruppe, eines Führers oder einer Führerin. Wir nennen diese Führungsspitze das SUPER-WIR.

8. Die Demokratiefeindlichkeit


Demagogische Politiker wollen nicht nur an die Macht kommen oder eine Regierung bilden. Sie drängen nach radikaler Umgestaltung des politischen Systems. Demagogen wollen die Demokratie und ihre Institutionen autoritär umbauen.

WIR sind »das Volk«


Die wichtigste Bezeichnung für die WIR ist »das Volk«. Demagogie ist Politik für »das Volk«. Alles, was Demagogen tun, tun sie - so behaupten sie zumindest - für »das Volk«. US-Präsident Donald Trump hat in seiner Antrittsrede versprochen: »Wir nehmen die Macht von Washington D.C. und geben sie an euch, das Volk, zurück.« Schon Jörg Haider (geboren 1950, 2008 bei einem Autounfall verstorben), langjähriger Chef der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) und einer der ersten äußerst erfolgreichen Demagogen der Nachkriegszeit, sagte zu seinen Anhängern: »Viele Bürger fürchten mit Recht, dass die Regierung das Volk austauschen will, weil es sich bei Wahlen nicht mehr gehorsam zeigt.«3 Auch der heutige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sagt: »Bevor die Politiker das Volk austauschen, wird das Volk die dafür verantwortlichen Politiker austauschen.«4 Gerne ruft er auch seinen Anhängern auf Wahlveranstaltungen zu: »Ihr seid das Volk.«5

»Wir sind das Volk«, lautet auch der Kampfspruch der Alternative für Deutschland (AfD) und der Pegida-Bewegung (»Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes«). Eine derart konstruierte homogene Gemeinschaft schließt alle ANDEREN, etwa Neuankommende im Land, aus.

»Mein Volk will es.« Mit diesen Worten propagierte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdo?gan die geplante Wiedereinführung der Todesstrafe nach dem verhinderten Militärputsch im Sommer 2016. Mit denselben Worten rechtfertigte der ungarische Premierminister Viktor Orbán die neue ungarische Verfassung.6 Der niederländische Demagoge und Parteichef der »Partei für die Freiheit« (PVV), Geert Wilders, wirbt schon lange mit dem Slogan »eigen Volk eerst«. Die französische Front-National-Chefin Marine Le Pen stellte ihren gesamten Wahlkampf 2017 unter das Motto »Au Nome du Peuple«, auf Deutsch: »Im Namen des Volkes«.

Wer ist aber »das Volk«? »Das Volk« - und das ist der zentrale Punkt - gibt es gar nicht. Es ist schlichtweg eine Erfindung. »Das Volk« ist eine rhetorische Floskel, die Demagogen nützen, um sich selbst von anderen Politikern abzugrenzen. Denn nur sie alleine, so die Behauptung, verkörpern den einen Willen des einen Volkes. So sagte etwa Matteo Salvini, Chef der italienischen Lega Nord: »Obwohl die Medienpropaganda, wie in den USA und in Großbritannien, versucht, die Stimme des Volkes als Ausdruck einer Mehrheit von Verlierern darzustellen, von minderwertigen und ungebildeten Leuten, die zu einfach sind, um die unschätzbaren Vorteile der Politik zu...

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