Der Adler

Thriller
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. August 2019
  • |
  • 592 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-21081-6 (ISBN)
 
Zwei brutale Morde innerhalb von vierundzwanzig Stunden, zehn sollen es werden - Russlandexperte Max Anger ermittelt in seinem zweiten Fall.Roslagen, Schweden: Bei einer Auktion wird ein Mann tot aufgefunden. Er wurde in zwei Hälften geteilt, und ihm wurden seltsame Symbole auf Stirn und Adamsapfel geritzt. Der Tote war der Chef der schwedischen Einwanderungsbehörde und nur das erste von hochrangigen Opfern des brutalen Mörders. Während nach dem Untergang des Atom-U-Boots Kursk alle Blicke auf Russland und dessen jungen Präsidenten Putin gerichtet sind, kommt Max Anger hinter die Identität des gefährlichen Serienkillers und deckt eines der dunkelsten Geheimnisse Schwedens auf, das in unmittelbarer Verbindung zu Russland steht .Die »Max Anger«-Trilogie:Band 1: Der KormoranBand 2: Der AdlerBand 3: Der GeierAlle Bände sind eigenständige Fälle und können unabhängig voneinander gelesen werden.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 0,85 MB
978-3-641-21081-6 (9783641210816)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Martin Österdahl, aufgewachsen in Stockholm und London, hat BWL, Zentral- und Osteuropäische Geschichte und Russisch (Master of Science) studiert. Er arbeitete über zwanzig Jahre für TV-Produktionen und war gleichzeitig Programmdirektor eines schwedischen Fernsehsenders. Mit seiner deutschstämmigen Frau und den drei gemeinsamen Kindern lebt er in der Nähe von Stockholm.

Prolog

Kapitän Ljomkin ließ den Blick durch den Kontrollraum schweifen. Aus der hundertsieben Mann starken Besatzung hatten sich so viele um ihn geschart, wie Platz gefunden hatten; einige knieten am Boden, andere saßen auf Bänken, wieder andere standen.

»Sergei«, hob Ljomkin an. »Uns ist zu Ohren gekommen, dass du eines Tages Admiral der russischen Flotte werden willst. Stimmt das?«

»Ja, Kapitän«, antwortete Sergei, ohne mit der Wimper zu zucken.

Der Kamerad, der neben ihm stand, klopfte ihm auf die Schulter.

»Stimmt, deine Frau hat auch echt überzeugend geklungen, als ich sie im Dezember spätabends im Offiziersclub Widjajewo getroffen hab.«

Die Männer brachen in lautes Gelächter aus. Sergei schüttelte den Kopf und lächelte.

»Und deshalb, Admiral in spe, ist dieser Tag in deinem Leben auch so ein überaus wichtiger Schritt. Fangen wir an.«

Ljomkin drückte Sergei einen großen Blechbecher in die Hand und schubste dann einen rostigen Hammer an, der unter der Decke hin- und herpendelte.

»Bitte.«

Sergei hielt sich den Becher an die Lippen und ließ jetzt seinerseits, wie Ljomkin sehen konnte, den Blick über die Kameraden schweifen. Sie alle sahen ihn erwartungsvoll an: mit festem Blick aus klugen Augen und einem warmen Lächeln auf den Lippen. Auch Ljomkin hatte diesen Initiationsritus bei seiner ersten U-Boot-Fahrt über sich ergehen lassen.

Brüder. Freunde fürs Leben.

Heute wurde Sergei in die Nordflotte und deren unbesiegbare, unbezwingbare U-Boot-Besatzung aufgenommen. Die Männer, die um ihn herumstanden, waren nicht allein aufgrund ihrer Fähigkeiten ausgewählt worden; sie waren außerdem imstande, füreinander einzustehen und während langer Wochen auf engstem Raum tief unter der Wasseroberfläche Hand in Hand zusammenzuarbeiten.

»Heute werde ich Teil dieser U-Boot-Besatzung«, hob Sergei an. »Ich trinke Wasser aus der Barentssee aus achtzig Metern Tiefe - in einem Zug und ohne Atempause.«

Er sah zu seinem Kapitän.

Mit einem Nicken gab Ljomkin ihm zu verstehen, er möge fortfahren.

»Ich tue dies, auf dass alles gut gehe.«

Er schloss für einen Moment die Augen. Dann kippte er das eiskalte Wasser hinunter. Sobald der Becher geleert war, schlug er die Augen wieder auf und stellte ihn vor seinem Kapitän ab.

Er drehte sich zu dem hin- und herschwingenden Hammer um, ging leicht in die Knie und beugte sich nach vorne. Unter lautem Gejohle und Applaus der Kameraden prallte der Hammer gegen seine Lippen. Der Kuss des Hammers besiegelte Sergeis Beitritt zur legendenumwobensten, heldenhaftesten Gemeinschaft innerhalb des russischen Militärs.

Sowie der Initiationsritus beendet war, trat ein technischer Offizier auf Ljomkin zu.

»Kapitän, wir haben die Order erhalten aufzutauchen. Oben kommen via Hydrophon weitere Instruktionen.«

Was ist denn jetzt schon wieder?, dachte Ljomkin. Neue Instruktionen - unmittelbar vor dem Manöver? Er sah auf die Uhr. Die Initiation hatte ein paar Minuten länger gedauert als geplant, aber so etwas war wichtig für die Moral der Truppe. Doch jetzt war Eile geboten, ehe er seine Leute in den Torpedoraum schicken würde. Die Vorbereitungen, die vom Oberkommando der Flotte angeordnet worden waren, hatten sich als so dilettantisch erwiesen, dass Ljomkin sich nicht mal mehr wunderte. Trotzdem verspürte er die altbekannte Enttäuschung. Es waren einfach andere Zeiten angebrochen.

Er schluckte seinen Verdruss hinunter, wandte sich zu seinem Steuermann um und befahl, auf Periskoptiefe zu gehen. Dann rief er dem Offizier zu, er könne schon mal zum Funkraum vorgehen und die Masten ausfahren.

Unter zwanzig Metern Tiefe funktionierte die Kommunikation nur mittels Längstwellen und via ZEVS, der streng geheimen Fernmeldeanlage des russischen Militärs. ZEVS galt als stärkster Sender Europas und stand mitsamt dem Kraftwerk, das eigens hatte gebaut werden müssen, auf der Kolahalbinsel, die sie gerade verlassen hatten. Das System hatte allerdings zwei Haken: Zum einen konnte das U-Boot nicht auf Meldungen antworten, sondern nur Signale empfangen - und genau das dauerte zum anderen ewig, weil mit derart niedrigen Frequenzen die Datenübertragungsrate pro Minute äußerst gering war. Ljomkin kam nicht umhin, sich zu wundern, wann genau die eingehende Nachricht losgeschickt worden war. War der Absender sich überhaupt im Klaren darüber, in welcher heiklen Lage sich das U-Boot befand?

Sobald der Kollege ihm ein Zeichen gab, setzte er sich und nahm den Hörer des Unterwassertelefons ab.

»Iwan Ljomkin hier«, meldete er sich, »Kapitän ersten Ranges und Kommandant der K-141 Kursk

»Ljomkin, ich weiß, es ist gerade furchtbar schlecht«, sagte der Mann am anderen Ende der Leitung.

Er hörte sich nicht an wie jemand aus der Admiralität der Nordflotte.

»Mit wem spreche ich? Und von wo rufen Sie an?«

»Aus der russischen Botschaft in Stockholm.«

Stockholm? Der Mann hatte weder seinen Namen genannt noch seinen Dienstgrad, was nur bedeuten konnte, dass er jenem Teil der russischen Streitkräfte angehörte, dem auch Ljomkin selbst früher angehört hatte und in dem niemand je seinen Standort oder seine Identität preisgab. Dass der Mann Zugang zu den U-Boot-Koordinaten und ZEVS hatte, bedeutete allerdings, dass er Befugnis von oberster Stelle hatte.

»Was kann ich für Sie tun?«, fragte Ljomkin.

»Sie haben 1984 an einer geheimen U-Boot-Operation in der Ostsee teilgenommen. Landgang und Transport einer Waffe, die an einen geheimen Ort ausgebracht wurde . auf schwedischem Territorium.«

Unwillkürlich bekam Ljomkin eine Gänsehaut, als wäre er es gewesen und nicht der junge Sergei, der gerade einen Becher eiskalten Meerwassers in sich hineingekippt hatte. Ljomkin hatte sein Bestes gegeben, um die Operation, auf die der Mann anspielte, zu verdrängen - eine der dunkelsten Stunden in seinem Leben. Was sie damals getan hatten, war der reinen Verzweiflung geschuldet gewesen. Und hätte schreckliche Folgen nach sich ziehen können.

Er legte die Hand über die Sprechmuschel und bedeutete dem Funkoffizier mit einem Nicken, sich außer Hörweite zu begeben.

»Sprechen Sie weiter«, sagte er, als er allein war.

»Sie haben damals Order erhalten, einen Schlüssel bei sich zu führen.«

Ljomkins Hand wanderte zu seinem Kragen. Er tastete nach der silbernen Kette.

»Die Order lautete damals, den Schlüssel für fünf Jahre am Körper zu tragen und ihn mit meinem Leben zu verteidigen. Fünf Jahre! Seither sind noch mal elf vergangen!«

»Die Zeiten ändern sich«, erwiderte der Mann.

Ljomkin schloss für einen Moment die Augen und versuchte zu begreifen, worum es hier gerade ging. Dieser Mann aus Stockholm sprach ruhig und monoton, bar jeder Gefühlsregung. War das Teil ihrer Übung? Hatten sich die Sadistenhirne vom Nachrichtendienst eine Art Belastungstest für ihn ausgedacht? Oder war das der Ernstfall?

Die Glieder der Kette fühlten sich warm an. Ganz ruhig antwortete er: »Ich verteidige ihn immer noch mit meinem Leben.«

»Dann stimmt es also, was ich über Sie gehört habe«, sagte der Mann am anderen Ende. »Auf Sie kann Mütterchen Russland sich verlassen. Komme, was wolle.«

Ljomkin war nicht so dumm, sich von Schmeicheleien einwickeln zu lassen.

»Was ist passiert?«

»Das Objekt wurde bewegt.«

Ljomkin blieb die Luft weg.

Das ist unmöglich!

»Wie?« Mehr bekam er nicht heraus.

»Wir haben das Stress-Signal empfangen, das unser Objekt sendet, wenn es von seiner Energiequelle getrennt wird.«

Dieselbe Energiequelle, mit der er - Ljomkin - es verkabelt hatte. Irgendwo mitten in den schwedischen Wäldern. Das konnte doch nicht wahr sein.

Ljomkin hatte munkeln hören, dass die Streitmacht seines Landes die Kontrolle über den Großteil jener Waffen verloren hatte. Sie waren als derart gefährlich eingestuft worden - sowohl für die eigene Nation als auch für den Weltfrieden - , dass sich die Sowjetunion und die USA darauf geeinigt hatten, sie für alle Zeiten zu verbieten. Ein Pakt, den mindestens eine der beiden Parteien gebrochen hatte. Ljomkin persönlich hatte dabei seine Finger im Spiel gehabt.

Dass das Objekt jetzt von seiner Energiequelle getrennt worden war, hieß im Klartext, dass es auf eine Batterie zurückgriff - die mittlerweile Jahre auf dem Buckel hatte. Ljomkin hatte keine Ahnung, wie lange sie das Objekt versorgen würde. Wenn aber derjenige, der das Objekt bewegt hatte, in der Absicht handelte, es einzusetzen, dann stand ihnen ein Weltuntergangsszenario bevor. Ein Szenario, das schlimm genug wäre, um einen dritten Weltkrieg vom Zaun zu brechen.

Ich hab den Schlüssel, mit dem die Waffe entschärft werden kann. Aber ich war 1984 nicht der Einzige.

»Wir waren zu zweit«, sagte Ljomkin.

»Ja, ich weiß. Nach dem anderen, nach Ihrem Kollegen, suchen wir noch. Ich vermute mal, Sie wissen nicht, wo er sich zurzeit befindet? Oder was er in den letzten Jahren gemacht hat?«

In den letzten Jahren? Herr im Himmel, dachte Ljomkin, es stimmt also, was man hört - wir haben komplett die Kontrolle verloren.

Seine Gedanken wanderten zu jenem anderen, dem zweiten Agenten, der dort im Wald in Schweden mit dabei gewesen war. Der finstere Gesichtsausdruck . dieser kleine, kompakte, drahtige Körper....

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