Moormond: Ein Südengland Krimi

 
 
Verlagshaus Hernals
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. Juni 2020
  • |
  • 372 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-902975-54-6 (ISBN)
 

Cornwall, April 2007: Im Bodmin Moor werden Leichenteile gefunden. Sind es Hinweise auf die Opfer eines Serienkillers? Oder die Beutereste der sagenumwobenen Bestie von Bodmin, die nachts durch den Sumpf streift und Menschen jagt? Chief Inspector John Andrews aus York und die Kriminalpsychologin Diane Higginson, die in Cornwall Urlaub machen, werden von der hiesigen Kriminalpolizei um Unterstützung gebeten. Namenloses Grauen erwartet sie … „Bevor sie starb, schaute sie noch einmal zu den Sternen empor. Seltsam. Vorher waren es doch viele glitzernde Punkte gewesen? Winzig klein zwar, aber klar und deutlich. Wie kleine Diamanten auf dunklem Samt. Und jetzt sahen sie aus wie Schneeflocken, die vorbeihuschten, wie kosmische Teilchen, die für die Dauer eines Augenblicks existierten, sich im nächsten Moment aber schon wieder aufgelöst hatten und zu etwas Neuem wurden."

1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,37 MB
978-3-902975-54-6 (9783902975546)
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Dartmoor National Park, Devon
20 Meilen nordöstlich von Plymouth
Donnerstagnachmittag, 12. April 2007


 

"Ein Königreich für eine Zeitmaschine!" Die Frau mit den langen dunkelbraunen Haaren seufzte und griff nach der Getränkeflasche mit Himbeerlimo in ihrem hellblauen Rucksack. "Du hast nicht zufällig eine dabei, John?", fragte sie ihren Begleiter, der neben ihr im Gras saß und gerade ein Schinkensandwich auswickelte. Der hagere Mann lächelte. "Hab ich im Hotel vergessen, Süße. Tut mir leid. Zeitmaschinen schleppe ich nur mit mir herum, wenn es absolut notwendig ist." Sie verzog die Lippen und tat so, als wolle sie ihn mit Limonade bekleckern. Beinahe hätte sie es auch geschafft.

"Lass das, Diane!", sagte er gutmütig. "Sonst muss ich dich leider in den East Dart werfen." Sie tat, als bekäme sie schreckliche Angst. Ihre Augen wanderten zu der uralten Steinbrücke, keine zehn Meter entfernt, die das Flüsschen darunter seit gut siebenhundert Jahren überspannte.

"Bitte nicht, großer Chief Inspector! Bitte tu das nicht! Ich geb' dir auch was von meiner Limo ab." Sie lachten.

Detective Chief Inspector John Andrews aus York und Kriminalpsychologin Dr. Diane Higginson aus London, seit den Ereignissen in den North York Moors letzten August ein Paar, widmeten sich wieder ihrer Jause, die sie sich redlich verdient hatten. Seit dem frühen Morgen wanderten sie nun schon durch die faszinierende Landschaft des Dartmoor Nationalparks. Der schöne Apriltag war wie geschaffen für eine längere Naturerkundung in einem der interessantesten Naturgebiete Englands. Mit dem Namen Dartmoor verbanden die Briten nicht nur eine sechshundertfünfzig Quadratkilometer große Hügellandschaft auf einem Granitmassiv in der englischen Grafschaft Devon, sondern auch Moor- und Heideland mit vielen so genannten "tors", das waren meist flache Wiesenhügel mit emporragenden Granitfelsen, die manchmal auch bis sechshundert Meter ansteigen konnten. Außerdem findet man im Dartmoor unglaublich viele Fundamente prähistorischer Wohnstätten, Straßen und Steinkreise. Über 2000 Steinkreise wurden allein für den Bau von Hütten angelegt, fanden Wissenschaftler heraus, andere hatten religiöse Bedeutung. Steinreihen und Menhire weisen auch auf Grabstätten hin, doch bedauerlicherweise gab es kaum menschliche Überreste aus der Bronzezeit vor etwa 3000-4000 Jahren, denn der saure Moorboden kann unter bestimmten Voraussetzungen nicht nur konservieren, er zerstört auch. Metallgegenstände fand man aus dem selben Grund ebenfalls kaum. Devon war seit dem 8. Jahrhundert eine Grafschaft und damals stand deren Existenz mehr als einmal auf dem Spiel, wenn räuberische Wikingerhorden zwischen 851 und 1003 immer wieder die Gegend überfielen. Bollwerke gegen die Feinde aus dem Norden wurden errichtet, und die nach der Eroberung von den Normannen erbauten Festungen, zum Beispiel Okehampton, Plympton, Lydford, Totnes und Exeter, waren die Keimzellen für die späteren Städte.

Diane Higginson und John Andrews genossen den gemeinsamen Urlaub, den sie aus dienstlichen Gründen nur mit großer Mühe organisieren und koordinieren konnten, in vollen Zügen. John atmete tief ein und schloss die Augen. Die Luft roch nach Frühling, die Sonne wärmte angenehm, aber noch nicht zu aufdringlich. Insekten schwirrten auf der Suche nach Pollen über die Wiesen und Felder, stiegen hoch, suchten in den ersten blühenden Sträuchern nach Nahrung. Dianes Blicke streiften die Brücke.

"Nun haben wir's doch noch bis zur berühmten Clapper Bridge geschafft, was?", sagte sie zufrieden und begann in Johns grellrotem Rucksack nach einem Käsesandwich zu suchen. "Ja, Süße. Und ich bin stolz darauf, vor allem, dass ich eine Stadtpflanze wie dich dazu bewegen konnte, mit mir heute zeitig in der Früh aufzustehen."

Sie küsste ihn schnell in den Nacken. "Sei vorsichtig, DCI!", scherzte sie. "Der East Dart hat auch noch Platz für einen Kripomann aus York. Wo hast du die Käsesandwiches? Ich verhungere." Er gab ihr eines. Kauend betrachteten sie die wundervolle Landschaft.

Die uralte Brücke aus Granitplatten sah so aus, als existierte sie schon ewig - was aus der Sicht eines Menschenlebens durchaus so gesehen werden konnte, war diese Steinbrücke doch immerhin bereits zehnmal älter als ein durchschnittlicher Erdenbewohner. Der kleine Fluss East Dart plätscherte träge dahin, wie er es schon seit Jahrtausenden getan hatte. Seine baumbestandenen Ufer boten vielen Lebewesen Unterschlupf und Nahrung. Das war nicht mehr überall so. Wo Menschen leben, ist Umweltzerstörung bald kein Fremdwort mehr, bewusst oder unbewusst. Bereits im sechzehnten Jahrhundert hatte man erkannt, dass die dicke Torfschicht des Dartmoors viel Wasser speichern und langsam wieder abgeben kann. Dies bewirkte, dass man darüber nachdachte, wie man die Städte der Umgebung mit Wasser versorgen konnte. Plymouth war die erste Stadt, die dies verwirklichte. Dass Sir Francis Drake, der weltberühmte Seefahrer, den Bau dieser Wasserversorgungsanlagen für Plymouth leitete und 1591 fertigstellen konnte, wussten nur die wenigsten Menschen, auch in Großbritannien. Erst zweihundert Jahre später erinnerte man sich an diese Großtat, und Devonport war die zweite Stadt, die Wasser aus dem Dartmoorgebiet gewann. Im einundzwanzigsten Jahrhundert taten dies viele Städte und Ortschaften - praktisch die gesamte Region bezog ihr Wasser aus dem Dartmoor. Erst als man 1951 das Gebiet zum Nationalpark erklärte, kehrte langsam wieder Ruhe ein. Der Natur- und Landschaftsschutz beziehungsweise die Erhaltung der Flora und Fauna und die touristische Nutzung der archäologischen Funde traten in den Vordergrund. Und auch wenn ein Teil des Nationalparks dem Herzog von Cornwall, also Prince Charles, gehörte, unterstand das Dartmoorgebiet nicht dem Rights of Way Act, so wie andere Nationalparks. Das bedeutete, die Wanderer durften jederzeit überall hingehen, brauchten sich nicht an Wege und Straßen zu halten. Ein ungewöhnliches Arrangement.

"Nun, Süße, vielleicht erklärst du mir mal, was du vorhin mit ,Zeitmaschine' gemeint hast!", sagte John Andrews und trank einen Schluck Mineralwasser. Diane lag im hohen Gras und betrachtete eine einsame weiße Wolke, die unbeweglich über ihnen schwebte.

"Immer, wenn ich so alte Bauwerke sehe, John, wie die Clapper Bridge zum Beispiel, oder bei dir daheim in York diese uralten Gebäude, Mauern und Türme aus der Ritterzeit, dann stelle ich mir vor, ich würde eine Zeitmaschine erfinden, so wie in dem utopischen Film, und nach Funkensprühen und Rattern sitze ich plötzlich hier im 13. Jahrhundert und sehe Menschen über diese Granitbrücke fahren, die seit sieben- oder achthundert Jahren tot sind. Sie lachen, scherzen, weinen, toben, sie transportieren irgendetwas, das für ihr Weiterleben wichtig ist, oder sie lassen sich einfach kutschieren, weil sie sich um Geld keine Sorgen machen müssen. Vielleicht spielen Kinder unter dieser Brücke, die wir heute genauso sehen wie sie damals, und in tausend Jahren werden diese Granitplatten und Steinpfeiler immer noch da sein, und ein anderes Paar wird hier sitzen und sich Gedanken darüber machen."

John lachte und berührte sanft ihre linke Hand. "Und keine fünf Meter entfernt parkt dann der Antischwerkraftschweber unserer Ururenkel hoch fünfzig und bringt sie in Sekundenschnelle nach Plymouth oder London. Nette Vorstellung, Diane, aber du wirst lachen: Wenn ich in York durch diese alten Gassen streife oder auf der Stadtmauer stehe, und manchmal habe ich sogar wirklich Zeit dies zu tun, dann kommen mir ähnliche Gedanken." Er schilderte, wie oft er und seine Freunde früher Ritter gespielt hatten und durch die Kopfsteinpflastergässchen getobt waren. Diane rollte sich auf die Seite und küsste seinen Handrücken.

"Weißt du, John, manchmal frage ich mich, wo wir beide jetzt wohl wären, wenn wir uns vor knapp acht Monaten nicht auf der Jagd nach Birdie getroffen hätten."

Johns Miene wurde nachdenklich. Er erinnerte sich nur zu gut an den jungen Mann im North York Moors National Park in North Yorkshire, Edward Mike Dalton, genannt "Birdie", der keinen anderen Ausweg mehr gesehen hatte als Menschen auf grausame Art zu töten, um seine Botschaft zu übermitteln; der sich mit einem seltenen Vogel identifizierte und der Tiere schützen wollte - auch wenn dabei Menschen sterben mussten. Klassisches Beispiel für den falschen Weg, dachte John betrübt. Aber Diane hat Recht. Wäre interessant, wo wir beide jetzt wären.

Laut sagte er: "Nun ja, ich würde durch die Straßen von York streifen, einsam und allein, und in irgendeinem Pub würde ich mich irgendwann in Whisky ertränken, und du, Diane, würdest in London eine alte, schrullige Psychotante werden, die ..."

Weiter kam er nicht. Sie stürzte sich spielerisch auf ihn. Eine Zeitlang balgten sie im Gras herum wie Kinder und wären beinahe in den East Dart gekollert. Dann bat John um einen Waffenstillstand. Er küsste Diane auf den Mund. "So, bevor wir jetzt weiterwandern, Süße, muss ich meine Töchter anrufen. Ist mir zum Glück grad wieder eingefallen. Ich hab ihnen versprochen, ich ruf sie von der Clapper Bridge aus an. Und ein Versprechen meinen Kindern gegenüber muss ich halten, das verstehst du sicher, Frau Doktor."

Diane nickte, das kleine...

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