Moronthor und der König der Druiden: Moronthor 25

 
 
Moronthor Urban Fantasy Serie (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. Mai 2020
  • |
  • 140 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-4045-9 (ISBN)
 
Moronthor lebt auf Schloss Aranaque. Er hat sich dem Kampf gegen die Mächte der Finsternis verschrieben - und die wichtigste Waffe gegen die dunkle Magie ist das Wissen. Moronthor ist ein Gelehrter, aber um die Finsternis zu bekämpfen, muss er magische Waffen einsetzen und seinen Kampf sowohl in dieser als auch in anderen Welten führen. Ihm zur Seite steht seine Gefährtin Nicandra. Erfahre mehr!
  • Deutsch
Uksak E-Books
  • 0,81 MB
978-3-7389-4045-9 (9783738940459)

Moronthor und der König der Druiden: Moronthor 25


Art Norman




Plötzlich fetzte die Wolkendecke für ein paar Sekunden auf. Fahles Mondlicht riß die Konturen eines Wesens aus der Dunkelheit, das sich zwischen den Schatten der Bäume lautlos bewegte und selbst jetzt im Zwielicht nicht eindeutig erkennbar wurde. Wie ein aufrecht gehender Schatten glitt es am Rand der Lichtung vorbei.

Von irgendwoher kam ein helles Singen, ein seltsam durchdringender Laut, der geeignet war, menschliche Nerven in äußerste Hysterie zu versetzen. Etwas befand sich ein paar hundert Meter entfernt, das furchtbar und für Menschen unerträglich war. Schwarz und drohend lauerte es im Hintergrund.

Die Wolkenbänke schoben sich wieder vor die Mondscheibe. Das seltsame Wesen verschmolz wieder mit der Umgebung. Lautlos bewegte es sich vorwärts.

Es war nicht allein.

Hätte es einen Menschen gegeben, der um diese Stunde an diesem Ort war, er wäre vor Entsetzen gestarrt. Fünf, sieben - zwölf, dreizehn dieser unheimlichen Schattenwesen geisterten durch den nächtlichen Wald.

Doch es gab einen solchen Beobachter nicht. Denn dieser Ort war verwunschen. Bei Nacht traute sich niemand hierher. Die Schatten waren ungestört.

Das schrille Singen kam näher. Ein gigantisches Gebilde schob sich hinter den dreizehn Unheimlichen her. Es war, als gleite es einfach durch die Bäume hindurch; sie blieben unbeschädigt.

Aber auch die Schattenhaften waren nicht allein. Es gab noch jemanden hier, der sich geschickt zu tarnen vermochte. Seine scharfen Augen durchdrangen die Dunkelheit, als sei es Tag. Als er kurz zum Himmel emporsah und durch die Wolkendecke hindurch den nördlichen Sternenhimmel dieser Welt erkannte, suchte er vergeblich nach seinem Stern, bis ihm einfiel, daß es den in diesem Raum-Zeitgefüge und in dieser Zeit nicht mehr gab.

Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder den Schatten zu. Sein Gesicht verdüsterte sich, als er erkannte, wohin sie sich zielbewußt bewegten. Es gab nur eine Möglichkeit - und die zwang ihn zum Eingreifen.

»Sie wollen nach Caermardhin.«, flüsterte er.

Aber tat es in einer Sprache, die niemals auf der Erde geboren worden war.

***

Mister Gryf zeigte sich von seiner Gurkenseite und machte auf sauer. Anders konnte er das Girl nicht mehr abwimmeln, das es sich anscheinend in den Kopf gesetzt hatte, ihn heute nacht noch zu vernaschen. Bloß war Gryf ausnahmsweise nicht danach zumute. Er hatte Wichtigeres vor als einem Girl zu zeigen, wie schön walisische Nächte sein konnten, wenn man den richtigen Partner hatte.

In dieser Nacht war Gryf nicht der richtige Partner.

»Mister Gryf.«

»Verdammt«, schnauzte Mister Gryf, »laß mich endlich in Ruhe mein Cwrw saufen und zisch ab! Du machst es schon fast professionell!«

Als die Ohrfeige kam, die seinem jugendlich wirkenden Gesicht eine frische Röte verlieh, atmete er erleichtert auf. Das Girl rauschte endlich beleidigt ab.

Verdammter Mist, dachte Gryf, der aussah wie kurz vor Erreichen der Dreißig oder jünger. Das Mädchen gefiel ihm außerordentlich gut, aber heute war wirklich nicht die richtige Zeit, weil er sich auf etwas anderes zu konzentrieren hatte. Ein paar Tage früher oder später. mit leichtem Bedauern sah er hinter dem Prachtmädel mit den sinnverwirrenden Kurven her, aber der Zug war jetzt nach seiner Bemerkung wohl doch abgefahren. Gryf war kein Kostverächter, verstand aber, die Dinge nach Wichtigkeit zu ordnen.

Er strich sich durch das strohblonde Haar. Grüne Augen glommen in einem seltsamen Licht. Er setzte das Glas an die Lippen und nahm einen kräftigen Schluck. Das Gwrw rann wie Wasser über seine Zunge. »Noch mal dasselbe, Pyter«, verlangte er und schob dem Bartender das leere Gefäß zu.

Pyter, schon so etwas wie eine Institution im Dorf, verzog das Gesicht.

»Gryf, solltest du nicht langsam besoffen werden?«

»Verdammt«, knurrte Gryf. »Zahle ich dir etwa nicht gut genug? Besoffen wirst du mich nie erleben, und wenn ich ein ganzes Faß leermache! Laß mal die Luft raus!«

Pyter zapfte. Der goldgelbe Gerstensaft rann in das Glas und schäumte auf. Währenddessen lauschte Gryf in sich hinein und forschte nach dem Verbleib des Langzahnigen, den er seit ein paar Tagen hetzte und heute endgültig zu erwischen hoffte. Aber noch rührte sich nichts.

Gryf sah auf die Uhr. Der Zeiger marschierte zielbewußt auf die Zwölf zu. Dann brach die Geisterstunde an, und dann mußte der Langzahn aus seiner Apfelsinenkiste kriechen.

Gryf streckte die Hand aus und nahm Pyter das Glas aus der Hand. Wortlos schluckte er und der Bartender konnte nur noch mit den Ohren schlackern, daß der Parapsychologe, der von der Insel Mona stammte, welche die Engländer Anglesey nannten, immer noch nicht von links nach schräg schielte. »Sag mal, braust du dein Cwrw eigentlich selbst, daß es so gut schmeckt?« fragte Gryf, sprach das walisische Wort wie »Kuru« aus, und wischte sich mit dem Ärmel seiner Jeans jacke den Bierschaum vom Mund. »Verschwendung«, murmelteer dann im Selbstgespräch. »Ich hätte die Zunge nehmen sollen, verflixt.«

Gryf war alles andere als ein Säufer. Abhängig war er weder von Drogen, Nikotin noch Alkohol jemals gewesen. Er trank das Bier im »Hanged Fletcher«, weil es ihm schmeckte. Betrunken konnte er aufgrund seines besonderen Stoffwechsels niemals werden.

Wieder lauschte der Mann, der seinen Beruf mit »Parapsychologe« angab, um in einer Welt, die sich »aufgeklärt« und »vernunftbetont« schimpfte, nicht unangenehm aufzufallen und als Irrer zu gelten, in sich hinein und versuchte ein bestimmtes Gedankenmuster zu erkennen. Pyter hinter seinem Tresen grinste ihn an. »Warum hast du Gwen eigentlich so hart abgefertigt? Du bist doch sonst hinter jeder Schürze her!«

Gryf war im Dorf wohlbekannt. Häufig hielt er sich hier auf, und niemand wußte, aus welchem Grund. Immerhin gehörte er schon so gut wie zum Dorf und wurde von den Einwohnern voll akzeptiert, die wie alle Waliser grundsätzlich allen Nicht-Einheimischen mit Mißtrauen begegneten. Auf die Engländer waren sie sowieso nicht gut zu sprechen und wünschten sich insgeheim, daß seinerzeit der Llewellyn seinen Aufstand gegen die Herrschaft der Tommys erfolgreich beendet hätte. Das hatte aber nicht geklappt, und der Junior der Queen durfte sich »Prince of Wales« nennen, ob es der Mehrheit der Waliser paßte oder nicht. Sie nahmen im United Kingdom eine ähnliche Stellung ein wie die Bretonen in Frankreich - kein Wunder, da doch Waliser und Bretonen dem gleichen Urvolk entstammten - den Kelten.

Gryf aber war nie ein Tommy gewesen. Er war Cymru wie die anderen -Waliser, denn Anglesey oder Mona, wie die Insel im Norden von Wales genannt wurde, gehörte zu Wales. Und obwohl Gryf der größte Schürzenjäger der britischen Insel und kein Mädchen vor ihm sicher war, war er mit jedem Bewohner des Dorfes sehr gut befreundet. Sein sympathisches Wesen öffnete ihm überall Tür und Tor, und seine Hilfsbereitschaft kannte keine Grenzen. Gryf war ein Teufelskerl, der sich für seine Freunde bis zum Letzten einsetzte und der umgekehrt die gleiche Gunst erfuhr.

Seine Feinde waren woanders zu suchen.

Der Langzahn, auf den er lauerte, gehörte zu jener Kategorie. Gryf hoffte, daß er diesen Nachtvogel in dieser Nacht endlich erwischte. Dann konnte er versuchen, das schmollende Prachtgirl für seine Bemerkung, sie sei eine Professionelle, zu versöhnen.

Gryf setzte das halbleere Glas ab und sah Pyter in die Augen.

»Das geht dich einen feuchten Kehricht an, mein Sohn«, erklärte er dem Mann, der um zwanzig Jahre älter war, als Gryf aussah. »Ich habe eine äußerst komplizierte Psyche, verstehst du? Und diese komplizierte Psyche sagt mir, daß ich in dieser Nacht keine Frau in meiner Nähe dulden darf.«

»Du spinnst«, kommentierte Pyter.

»Klar«, konterte Gryf. »Jeder spinnt, nur die Tommys nicht! Die spinnen nicht, sie beuten uns nur aus.«

»Recht hast du«, brummte Pyter und füllte einem anderen Gast das Glas. Er ahnte ebensowenig wie die anderen Einwohner des Dorfes, daß der Mann, der einfach nicht betrunken werden wollte, rund achttausend Jahre oder mehr alt war.

Plötzlich erstarrte der Achttausendjährige, der so jung aussah. Sein tastender, suchender Geist hatte das Gehirnstrommuster des Langzahnigen erspürt.

Gryf warf einen großkalibrigen Geldschein auf die Theke, kippte das Restbier auf Ex und wandte sich ab. »Bye, Pyter, muß dringend weg. See you later.«

»Alligator«, konterte Pyter mechanisch. Gryf hörte es schon nicht mehr Er hatte »The Hanged Fletcher« verlassen. »Der spinnt wirklich«, murmelte der Bartender. »Bloß ist er ein sympathischer Spinner.«

Gryf orientierte sich. Nebel und Wolken verdeckten den Sternenhimmel, bereiteten ihm aber keine Schwierigkeiten.

Er wußte jetzt, wo sich der Langzahn befand, dem er seit Tagen auf der Spur war. Und diesmal würde er ihn erwischen!

***

Als die Wolkendecke wieder für Sekunden aufriß, blitzte es vor der Brust des hochgewachsenen, schlanken Mannes ganz kurz silbern auf. Ein Lichtreflex, kaum wahrnehmbar.

»Vorsicht«, zischte das Mädchen. »Das Amulett reflektiert! Du solltest es abdecken!«

...

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