norðbeben - bittersüß bedeutungslos

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. September 2020
  • |
  • 274 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7526-7720-1 (ISBN)
 
Auf der Suche nach Freiheit und Abenteuern geht Eva fürs Master-Studium nach Kopenhagen. Frisch getrennt nimmt sie sich vor, ihr Leben mit bedeutungslosen Affären zu genießen und sich emotional von Männern fernzuhalten. So recht will ihr das nicht gelingen, immer wieder gerät sie in Konflikt mit den Vorstellungen ihrer Verehrer. Ein Mann zieht sie gegen ihren Willen in seinen Bann: Der Doktorand Tarjos wirkt gefährlich und unnahbar, und doch - oder gerade deshalb - erlebt sie mit ihm höchste Lust. Tarjos entführt sie in eine andere Welt. Doch will Eva ihr altes Leben hinter sich lassen?

Der Urban Fantasy Roman »bittersüß bedeutungslos« erzählt von der Suche nach selbstbestimmter Lust in einer Welt, in der vieles bedeutungslos erscheint. Im ersten Band der Reihe norðbeben muss sich Eva mit ihrer Furcht vor Veränderung und mit Menschen auseinandersetzen, die ganz anders sind als sie selbst.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,41 MB
978-3-7526-7720-1 (9783752677201)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Isalie Nordskov, 1986 in Norddeutschland geboren und nahe der dänischen Grenze aufgewachsen, entdeckte bereits in jungen Jahren ihre Liebe zum Norden und zum Erzählen fantastischer Geschichten. Ihre Arbeit in Dänemark und ihr Interesse an modernen Beziehungsformen inspirierten die Autorin unter anderem zu ihrer ersten Romanreihe mit dem Titel »norðbeben«.

KAPITEL 0


Zum immer penetranteren Klirren in meinen Ohren, ausgelöst von der viel zu lauten Musik, die in diesem ranzigen Schuppen gespielt wurde, gesellte sich nun auch noch ein schmerzhaftes Brennen in den Augen. Zigarettenrauch verwandelte die Luft in ein einziges Meer aus Qualm. Wenn die Musik wenigstens einigermaßen melodisch gewesen wäre, hätte ich das Gesundheitsrisiko, dem man sich hier aussetzte, vielleicht in Kauf nehmen können.

Grundsätzlich hatte ich wenig gegen Metal einzuwenden, aber das hier grenzte an Körperverletzung. Ich konnte nicht einmal sagen, was das Schlimmste war, das gleichzeitige Dröhnen von Bass und E-Gitarre, das jegliches Erahnen einer Melodie verhinderte, oder der Sänger, sofern man ihn als solchen bezeichnen wollte, der eher an eine sehr üble Schmerzen erleidende Imitation von Aerosmith-Sänger Steven Tyler erinnerte. Er brüllte nicht, sondern kreischte ins wenig zu beneidende Mikrofon. Wenn er es beim Singen nicht gerade mit seinem Speichel tränkte, schien er es beinahe zu verschlingen und erzeugte dabei Geräusche, die dem Grunzen wildgewordener Waldtiere noch am nächsten kamen. Das Mikro konnte sich nicht wehren, aber welche Ausrede hatte das Publikum in der ersten Reihe, das im Regen seines Geschreis die immer feuchter werdenden Haare schwungvoll kreisen ließ?

Und was hatte ich mir nur dabei gedacht, hierherzukommen? Da hätte ich mir auch gleich Stricknadeln in die Ohren rammen können.

Ich versuchte, mich an der Menschenmenge vorbeizudrücken, in der Hoffnung, irgendwo einen rettenden Ausgang zu finden. Natürlich leuchteten hier nicht wie üblich grüne Exit-Schilder über den Türen. Das hätte mich auch sehr überrascht. Wer hier einkehrte, begab sich ja quasi freiwillig in Lebensgefahr.

Die vergangene halbe Stunde hatte ich damit verbracht, möglichst nicht von irgendeinem headbangenden Idioten ausgeknockt zu werden, und fragte mich, ob Statistiken darüber existierten, wie viel häufiger Verletzungen durch unkontrollierte Kopfnüsse bei Metal-Fans vorkamen als beispielsweise Knöchelverletzungen beim Schlagermove. Mir reichte es schon, wenn ich die ungepflegten, langen Haare eines dieser Kerle quer durchs Gesicht geschleudert bekam. Absolut widerlich.

In den wenigen Momenten, in denen ich mich nicht in Gefahr wähnte, versuchte ich Ausschau nach ihm zu halten. Diesem Typen, der mir seit einigen Wochen nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte. Aber er war nirgends zu sehen. Es schien mir ein nahezu unmögliches Vorhaben zu sein, in diesem Dickicht aus krebserregenden Stoffen überhaupt jemanden zu finden.

Hätte ich doch bloß auf Julie gehört, die mich heute Mittag auf ihre liebenswerte Art und Weise mehr oder weniger für bescheuert erklärt hatte, als ich ihr von meinen Abendplänen erzählt hatte.

»Das ist nun wirklich nicht der richtige Ort für dich«, hatte sie gemeint und offensichtlich versucht, dabei nicht abwertend zu klingen. Das war Julie, egal wie aussichtlos die Lage auch schien, sie versuchte immer, höflich zu bleiben.

»So schlimm wird es schon nicht sein, ich kenne diese Scene«, hatte ich ein wenig zu großkotzig entgegnet und war in diesem Moment auch fest von meinen Worten überzeugt gewesen. Schließlich war ich in den letzten fünf Jahren immer mal wieder auf Metal-Konzerten gewesen, wenn ich meinen Ex zu seinen Lieblingsbands begleitet hatte. Alleine wäre ich vermutlich nicht gegangen. Wie gesagt, ich finde die Musik nicht schlecht, aber es war doch vor allem seinetwegen, dass ich mir das live antat. Und wegen der Klamotten. Nirgendwo sonst konnte ich schwarze, hautenge Jeans oder Lederimitathosen und viel zu knappe Tops tragen, ohne dass ich komisch auffiel und man mich womöglich noch für eine Domina oder Ähnliches hielt.

Und so hatte ich auch heute meine schwarze Lieblingshose mit viel zu hohen High Heels und diesem dunklen Neckholdertop an, das ich mir erst kürzlich aus dem EMP-Katalog bestellt hatte. Die Wirkung war bisher immer die gleiche gewesen. Schüchterne Blicke von den Männern, zickige bis Ich-reiß-dich-in-Stücke-wenndu-meinen-Freund-ansiehst-Blicke von den Frauen. Aber heute schien alles anders zu sein. Die Blicke der Männer waren deutlich aufdringlicher und intensiver, als ich es bisher erlebt hatte.

Man sollte meinen, diese Jungs in ihren schwarzen, mit blutigen Bildern und Todesgestalten bedruckten Klamotten seien draufgängerischer. Aber die meisten waren schüchtern, wenn sie einer selbstbewussten, attraktiven Frau begegneten. Womit ich jetzt nicht sagen will, dass ich mich selbst als besonders heiß bezeichnen würde. Ich bin mit mir ganz zufrieden, aber die Scene machte es einem leicht. Viele Mädels waren deutlich zu blass. Das war ich zwar auch, aber ich färbte mein blondes Haar nicht auch noch schwarz, sodass das noch mehr auffiel. Dann der viel zu intensive und ständig verschmierte Mascara und die billig wirkenden, löchrigen Klamotten.

Aber wie gesagt, heute war irgendetwas anders. Okay, es war das erste Mal, dass ich in Kopenhagen auf einem Metal-Konzert war und nicht in der Heimat, aber ich hatte angenommen, die Scene sei überall gleich. Doch nicht nur die Männer waren hier deutlich selbstbewusster, als ich es aus Flensburg oder Hamburg gewohnt war, die Frauen bewiesen auch besseres Geschick im Styling. Wenn ich überhaupt auffiel, dann nur, weil ich nach wie vor blondes Haar hatte. Und ich bekam zum ersten Mal das Gefühl, man sehe mir an, dass ich ein Landei war. Selbst das Haar der Mädels wirkte perfekt. Wo ich bisher doch vor lauter schlecht gefärbter Haaransätze am liebsten Stylingtipps erteilt hätte, lief hier eine Schönheit nach der anderen an mir vorbei. Das Kopenhagener Nachtleben war also tatsächlich so besonders, wie die Berichte meiner Kommilitonen es erahnen lassen hatten.

Bei uns in Norddeutschland lief alles irgendwie geregelter ab; Notausgangsleuchten über den Türen, kein Zigarettenqualm, Vorschriften für die Lautstärke der Anlage usw. Hatte eindeutig seine Vorteile. Aber das war wohl eine typisch deutsche Einstellung.

Langweilig, aber effektiv, wie mein Kumpel Torge gesagt hätte.

Aber egal, irgendwie würde ich schon nach draußen finden. Ich versuchte meine Blicke nicht zu lange in den dunklen Ecken verweilen zu lassen. Etwas Merkwürdiges schien dort vor sich zu gehen. Das Flackern der Scheinwerfer ließ mich nur in flüchtigen Momenten etwas erkennen. Die Leute saßen dicht gedrängt nebeneinander - oder aufeinander? Sie wirkten irgendwie ineinander verschlungen. Ich hatte das Gefühl, dort liefen im Schutz der Dunkelheit oder des dichten Qualms irgendwelche Orgien ab. So genau wollte ich es lieber gar nicht wissen. Und dennoch verspürte ich immer wieder dieses Kribbeln, das ich schon als Kind verspürt hatte, wenn ich mir zusammen mit meinen Freunden heimlich Gruselfilme angesehen und man genau gewusst hatte, dass jeden Moment etwas Schlimmes passieren würde.

Dass ich mich tatsächlich in Gefahr befand, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht.

Nach einigen Minuten und flüchtigen Angstattacken, ausgelöst durch die primäre Gefahr, in den überfüllten Gängen zerquetscht zu werden, fand ich schließlich den Ort wieder, an dem ich vor vierzig Minuten meine Jacke abgegeben hatte.

Immerhin stand kaum einer an und es schien auch fast niemand außer meiner Wenigkeit eine Jacke abgegeben zu haben. Ich hätte Angst gehabt, mich zu erkälten, wenn ich verschwitzt aus dem Club in die Kälte käme, aber auch das war wieder einer der vielen Unterschiede. Für die meisten hier war eine Jacke anscheinend lästig. War vielleicht einfach so bei den Nordmännern. Wobei meine Verwandten aus dem Rheinland uns ja schon immer als Wikinger bezeichneten. Aber es ging eben noch nördlicher.

Ich versuchte meine Enttäuschung darüber, ihn nicht gesehen zu haben, herunterzuschlucken und ließ mir gegen meinen labbrigen blauen Abholzettel meine Jacke bringen. Die Frau hinter dem Tresen fiel mir vor allem wegen der vielen Piercings im Gesicht auf. Irgendwann war doch auch das nicht mehr schön, dachte ich, als mich ein Typ von der Seite ansprach.

Ich hatte kein Wort von dem verstanden, was er mir sagte, meine Ohren mussten erst einmal wieder klarkommen, deshalb schrie ich viel zu laut und etwas peinlich »Waaas?«, woraufhin er nur blöd grinste.

»Ob du schon loswillst?«, verstand ich schließlich.

Erst jetzt ließen meine tränenden Augen erkennen, wer dort vor mir stand. Es war dieser ekelhafte Kerl Morten, der mir schon in der Uni übel aufgefallen war, weil er immer auf den Fluren herumlungerte und die Frauen mit seinen widerlichen Sprüchen anmachte.

Inzwischen war die Piercing-Frau mit meiner Jacke zurück, sie hatte nicht lange suchen müssen. Ich bedankte mich höflich und nickte dem Kerl neben mir deutlich zu, um seine Frage damit zu beantworten. Den hatte ich nun wirklich nicht hier treffen wollen. Er war so ziemlich der Letzte, dem ich alleine über den Weg laufen wollte. Andererseits auch sehr passend, dass er hier sein Unwesen trieb.

»Schade«, antwortete er...

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