Tiergeschichten

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. April 2020
  • |
  • 308 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-0895-5 (ISBN)
 
Jede einzelne dieser Tiergeschichten ist ein Plädoyer dafür, dass Begegnungen immer auf Augenhöhe geschehen müssen, in der wir das Gegenüber, ganz gleich welcher Spezies es angehört, so annehmen, wie es ist. Und dass es für nicht-menschliche Tiere manchmal nicht leicht ist, die Menschen zu verstehen. Das ist wohl leicht nachvollziehbar, denn Menschen sind sehr komisch, im besten Fall. Meistens jedoch grausam und unerbittlich, wo sie sich überlegen fühlen. Gerade deshalb zeigen diese Geschichten auf, wie bereichernd es sein kann, voneinander zu lernen und miteinander zu sein.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,42 MB
978-3-7519-0895-5 (9783751908955)
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1972 geboren, absolvierte ich meine normale Schullaufbahn, um danach Theologie, Germanistik und Wirtschaftspädagogik zu studieren. Lange Jahre arbeitete ich im PR- und Marketingbereich. Ich schreibe, seit ich 14 bin, und seitdem ließ es mich nicht mehr los, selbst wenn es, erzwungen durch die Anforderungen des Lebens, in den Hintergrund geriet. 2011 änderte sich mein Leben grundlegend, und ich wagte den Sprung in die Selbständigkeit als Texterin, Ghostwriterin & Autorin. Mittlerweile sind rund 700 Kurzgeschichten entstanden und etliche Bücher haben das Licht der Welt erblickt. Keinen einzigen Moment habe ich meine Entscheidung bereit. Ich lebe, mit meinen Kindern und meinen Hunden, im Burgenland.

Das Mädchen, das die Schweine liebte


Pippa saß in der Wiese und ließ sich von der Sommersonne wärmen. Warum auch nicht? Nur noch wenige Tage trennten sie von den Sommerferien, so dass sie das Leben in vollen Zügen genießen konnte. Neben ihr lag ein Buch aufgeschlagen in der Wiese. Sie hatte es beiseitegelegt, um dort weiterzuträumen, wo sie aufgehört hatte zu lesen, während ihr lockiges rotes Haar, wie immer, wild von ihrem Kopf abstand. Nicht nur den Namen, der in seiner vollen Länge Pippilotta lautete, hatte sie mit ihrem literarischen Vorbild, der Heldin der Kindertage ihrer Mutter, und wohl auch darüber hinaus, gemeinsam, nur, dass sie sich nicht Pippi, sondern Pippa nennen ließ. Das klang weniger niedlich. Und wenn Pippa vieles war, niedlich war sie nicht. Das war Astrid Lindgrens Heldin zwar auch nicht, aber das i am Ende des Namens schien es anzudeuten. Deshalb nannte sich das rothaarige Mädchen mit den Sommersprossen Pippa. Darüber hinaus war sie gleichermaßen aufmüpfig, rebellisch und selbstbewusst. Nichts vermochte sie unterzukriegen. Es hatte sie schon einige Kämpfe gekostet. Andere hätten es hingenommen und gut sein lassen. Nicht aber Pippa, die für das einstand, was ihr wichtig war und für die, die sich nicht wehren konnten. Doch an diesem warmen Sommersonnentag träumte sie vor sich hin, während ihre Hand den warmen, weichen Bauch von Lilly kraulte.

Pippa und Lilly waren ein Team, seit sie zusammenlebten. Lilly war vor zwei Jahren auf die Welt gekommen. Auf ihrem kleinen Bauernhof, den Pippa gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren zwei Brüdern, bewohnte, hatten sie sechs Sauen als Mitbewohnerinnen, neben einigen Kaninchen, Hühnern und Gänsen. Doch Pippa liebte vor allem die Schweine, und am besten verstand sie sich mit Lilly. Nicht zuletzt wohl deshalb, weil die Mutter von Lilly bei der Geburt verstorben war und Pippa die Aufgabe zugesprochen bekommen hatte, das kleine Bündel Leben mit der Flasche aufzuziehen. Das war auch der Grund warum sie jetzt sechs Schweine hielten. Es waren eben jene sechs, die es geschafft hatten, trotz der widrigen Umstände, zu überleben. Hochsensible, aufmerksame und zugewandte Tiere waren das, wie Pippa sehr schnell herausfand, ohne dafür großartige wissenschaftliche Studien zu benötigen. Schließlich erlebte sie es Tag für Tag aufs Neue. Es war nicht so, dass sie eines dieser Mitgeschöpfe bevorzugen wollte oder für sie eines mehr wert gewesen wäre, als das andere, aber die besondere Nähe, die sich von Anfang an aufgebaut hatte, blieb bestehen. Wenn Pippa aus der Schule nach Hause kam, stand Lilly bereits am Tor und erwartete sie. Dann tollten sie miteinander über die Weide, spielten und hatten Spaß. Und manchmal, so wie an diesem Tag, lagen sie einfach nur auf der Wiese und ließen sich sonnen. Lillys Bauch war jetzt besonders weich. Bald würde sie zum ersten Mal gebären. Sehr bald sogar.

"Drei Monate, drei Wochen und einen Tag dauert die Trächtigkeit bei Schweinen", hatte der Tierarzt, Dr. Leopold Wagenscheidt, zu Pippa gesagt.

"Warum sagst Du Trächtigkeit und nicht Schwangerschaft?", hatte Pippa gefragt, die sich sicher war, dass es keinen Unterschied zwischen Schweinen und Menschen gab, außer dem Aussehen, aber sicher keinen in der Wertigkeit. Und irgendwie klang für sie das Wort "Trächtigkeit" abwertend, als wäre es nicht dasselbe wie die "Schwangerschaft" bei Menschen. Jeder andere hätte wohl geantwortet, dass man das eben so sage. Das sei der Sprachgebrauch, doch Dr. Wagenscheidt war eben nicht jeder.

"Interessant, dass Du das fragst", erklärte er rundheraus, "Ich habe darüber noch nie nachgedacht, doch jetzt, wo Du es sagst, erscheint es mir auch unsinnig. Du wirst sehen, dieses Mädchen hier wird sich genauso über ihre Babies freuen, wie jede andere Mutter. Sie wird sie sauber lecken. Das ist übrigens ein Unterschied zu den Menschen. Und sie wird sie versorgen, mit aller Liebe und Fürsorge, wie auch Menschenmütter es tun. Es gibt keinen Unterschied."

Mittlerweile waren drei Monate und drei Wochen vergangen, und Lilly lag nach wie vor völlig entspannt im Gras. Natürlich hatte sie für sich und ihre Kleinen in einer Ecke des Stalls ein Nest gebaut. Alles war bereit. Sie mussten nur noch kommen. Drei Monate und drei Wochen, seitdem der Eber hier gewesen war, so war ihr zumindest gesagt worden. Natürlich glaubte Pippa nicht mehr an das Märchen, dass Eber einfach so auf Besuch kommen, wenn sie durch das Dorf laufen, denn das hätte sie bemerkt, wenn männliche Schweine das täten, aber sie hatte lange geglaubt, dass zumindest ein Eber gebracht wurde, der der Vater der Kleinen sein würde. Bis sie eines Besseren belehrt worden war.

Pippa war mittlerweile 14 Jahre alt und wusste über die Art und Weise der Fortpflanzung bei Säugetieren Bescheid. So war es für sie klar, dass es eines männlichen und eines weiblichen Exemplars bedarf, wollte man Babies haben, doch als sie an jenem Mittwochvormittag, früher als geplant, aus der Schule nach Hause kam, wurde sie mit einer ganz anderen Wahrheit konfrontiert.

Das erste, was ihr auffiel war, dass Lilly sie nicht am Tor erwartete, obwohl sie gemerkt hatte, dass Pippa kam. Deshalb ging sie in den Stall.

Vielleicht hatte sich Lilly ja verletzt und konnte nicht aufstehen, doch was sie da zu sehen bekam, machte sie sprachlos.

Das, was die Aufgabe eines strammen Ebers sein sollte, wurde von einem Menschenmann in weißem Kittel übernommen. Er hatte den vierbeinigen Mädels ein komisches Gestell aufgesteckt und der Same floss von einem Fläschchen in die Scheide. Am liebsten hätte Pippa alles weggerissen und dem Mann um die Ohren geschmissen, aber da hätte sie ihren Freundinnen möglicherweise Schmerzen zugefügt. Stattdessen fragte sie nur: "Macht es eigentlich Spaß den Vergewaltiger zu spielen?", woraufhin sich der Mann langsam umdrehte, sie ansah, aus nichtssagenden, wässrigen, blassblauen Augen, müde den Kopf schüttelnd.

"Ich mache nur meine Arbeit, so wie jeder andere auch", sagte er gelassen <und fuhr fort, seine Folterübungen auszuführen.

"Spannend, dass man Vergewaltigung nun Arbeit nennt", ließ Pippa nicht locker, in der die Wut brodelte, wie in einem Druckkochtopf, der kurz davor stand zu explodieren, doch in diesem Moment kam Pippas Mutter herein, und zog sie vom Stall weg, über den Hof in die Küche.

"Wie kannst Du das nur zulassen?", fragte Pippa fassungslos.

"Es ist die billigste Möglichkeit", erklärte ihr ihre Mutter, "Und wenn wir nicht sparen, wo wir können, bringt das alles nichts ein. Ich wünschte, es wäre anders möglich."

"Aber es wäre nicht nur, es ist anders möglich!", entgegnete Pippa triumphierend. Nicht, weil sie wusste, dass sie recht hatte, sondern weil sie ihrer Mutter einen Weg zeigen konnte, der sie aus dem Rad aus Qual und Elend herausführte, in eine Lebenwirklichkeit, in der alle Lebewesen, die auf diesem Hof zusammenlebten, glücklich sein konnten.

"Und wie bitte soll das aussehen?", fragte ihre Mutter, während sie sich müde auf der Eckbank niederließ.

"Du kennst doch den Hof von den Bleibtreus? Da dürfen die Tiere alle glücklich leben", meinte Pippa. Natürlich wusste ihre Mutter darüber Bescheid. Wer nicht im Ort? Doch weiters streifte man daran nicht an, denn das waren die mit dem neumodischen Zeugs, die Zugezogenen, die nichts Besseres zu tun hatten, als alles, was bisher selbstverständlich war im Ort, in den Dreck zu ziehen und zu modernisieren. Da galten weder Tradition noch Sitte. Die Bleibtreus selber waren zwar eine eingesessene Familie, doch die Maria jetzt mit dem Vegan-Hotel und dem Lebenshof, hatte sich weit von der Dorfgemeinschaft entfernt. Das hatte sie sich selbst zuzuschreiben, denn das machte man eben nicht.

"Die tun sich leicht, die haben das Hotel dabei, aber wovon sollen wir dann leben? Hast Du darüber auch schon mal nachgedacht?", fragte ihre Mutter, und es war Pippa, als wollte sie tatsächlich eine Antwort haben, weil sie selbst einen Ausweg aus diesem Teufelskreis suchte, der notgedrungen Leid und Missbrauch bedeutete. Und Pippa hatte tatsächlich eine Antwort.

"Es gibt in der Steiermark einen Hof, die bauen Kräuter an und leben gut davon", erwiderte Pipa dementsprechend, "Und Du kennst Dich ja mit Kräutern so gut aus. All die Dinge, die Du machst damit, Medizin und Kosmetik. Warum das nicht geschäftlich nutzen?"

Und Pippas Mutter dachte nicht nur darüber nach, sie setzte es in die Tat um. Während Pippa im Gras lag und Lillys Bauch kraulte, konnte man die verschiedensten Produkte aus Kräutern unter dem Namen "Sophies Kräuter - Weisheit aus der Natur" käuflich erwerben. Das Geschäft lief gut.

Besser als gedacht. Nicht nur, dass sie davon leben konnten, es fiel noch nicht einmal auf, dass sich Pippas Vater während dieser Zeit aus dem Staub gemacht hatte, weil er sich nicht mehr als ganzer Mann fühlte, der für den Lebensunterhalt...

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