Schwestern der Hoffnung: Die Saga in einem Band

"Eine Handvoll Glück" und "Ein Stück vom Leben"
 
 
dotbooks Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Mai 2020
  • |
  • 718 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96148-972-5 (ISBN)
 
Eine Freundschaft im Sturm der Zeit: Die bewegende Frauensaga »Schwestern der Hoffnung« von Bestseller-Autorin Barbara Noack als eBook bei dotbooks. Ist das Band ihrer Freundschaft stärker als die Schrecken des Krieges? Im Berlin der 30er Jahre wachsen die Freundinnen Jola und Luise Seite an Seite wie Schwestern auf. Während Jola bodenständig und vernünftig ist, geht Luise traumtänzergleich durchs Leben. Doch nichts kann sie trennen - bis die Dunkelheit des Kriegs heraufzieht und sie vor Entscheidungen stellt, die alles verändern könnten. Welchen Preis wird Luise für ihren Drang nach Freiheit zahlen müssen? Und wird Jolas Sehnen nach Geborgenheit und Sicherheit sie davon abhalten, das größte Glück ihres Lebens zu finden? Einfühlsam und berührend erzählt Barbara Noack von einer außergewöhnlichen Freundschaft - und setzt den Zeiten des Kriegs und Niedergangs damit ein strahlendes Leuchten der Hoffnung entgegen. Jetzt als eBook kaufen und genießen: Die Familiensaga »Schwestern der Hoffnung« von Bestseller-Autorin Barbara Noack mit den Romanen »Eine Handvoll Glück« und »Ein Stück vom Leben«. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.
Barbara Noack, geboren 1924, hat mit ihren fröhlichen und humorvollen Bestsellern deutsche Unterhaltungsgeschichte geschrieben. In einer Zeit, in der die Männer meist die Alleinverdiener waren, beschritt sie bereits ihren eigenen Weg als berufstätige und alleinerziehende Mutter. Diese Erfahrungen wie auch die Erlebnisse mit ihrem Sohn und dessen Freunden inspirierten sie zu vieler ihrer Geschichten. Ihr erster Roman »Die Zürcher Verlobung« wurde zweimal verfilmt und besitzt noch heute Kultstatus. Auch die TV-Serien »Der Bastian« und »Drei sind einer zu viel«, deren Drehbücher die Autorin verfasste, brachen in Deutschland alle Rekorde und verhalfen Horst Janson und Jutta Speidel zu großer Popularität. Barbara Noack veröffentlichte bei dotbooks bereits ihre Romane: »Auf einmal sind sie keine Kinder mehr« »Brombeerzeit« »Danziger Liebesgeschichte« »Das kommt davon, wenn man verreist« »Das Leuchten heller Sommernächte« »Der Bastian« »Der Duft von Sommer und Oliven« »Der Traum eines Sommers« »Der Zwillingsbruder« »Die Melodie des Glücks« »Drei sind einer zuviel« »Ein Stück vom Leben: Schwestern der Hoffnung - Band 2« »Flöhe hüten ist leichter« »Eine Handvoll Glück: Schwestern der Hoffnung - Band 1« »Eines Knaben Phantasie hat meistens schwarze Knie« »Ferien sind schöner« »Jennys Geschichte«, »So muss es wohl im Paradies gewesen sein« »Valentine heißt man nicht & Der Duft von Sommer und Oliven« »Schwestern der Hoffnung - Die Saga in einem Band« »Valentine heißt man nicht« »Was halten Sie vom Mondschein?« Barbara Noack veröffentlichte bei dotbooks bereits ihre Romane »Die Zürcher Verlobung«

Erstes Kapitel


Jeden Morgen, wenn ich darauf warte, daß der Toast nach Toast zu riechen beginnt und das Wasser für den Tee kocht, schaue ich aus dem Küchenfenster auf die Endvierziger in leuchtend bunten Trimmdichanzügen, die am Haus vorüberjoggen. Sie stoßen keuchend Dampf in die Morgenluft wie eine alte Lok aus meiner Kinderzeit; ihre Füße platschen bleiern über das Pflaster, sie können schon nicht mehr, aber sie geben nicht auf. Und wenn sie tot umfallen, sind sie wenigstens gesund gestorben.

Mein Vater, mit Ende vierzig, hielt nicht auf Figur, sondern auf Würde. Jede Art von unnatürlicher Beschleunigung war ihm verhaßt. Er trug Bauch, das stand ihm zu, und einen Gehpelz - das Wort besagt es schon -, dazu Melone, Spazierstock und graue Gamaschen über den Schuhen. Wofür, habe ich nie begriffen, denn oben auf dem Fuß friert man am wenigsten. Mir jedenfalls wurden immer zuerst die Zehen klamm, und bis zu denen reichten die Gamaschen nicht. Vor allem habe ich nie begriffen, wie eine um zwanzig Jahre jüngere, hübsche Frau wie meine Mutter sich in so einen würdigen Herrn verlieben konnte. Aber sie sah in einem Mann wohl etwas anderes als ich, darum ist ihre Ehe auch so gutgegangen.

Sie heirateten in Berlin, kurz nach Beendigung der Inflation. Auf die Hochzeitsreise wurde sie allein geschickt; mein Vater wollte nachkommen, sobald er ein geeignetes Zuhause für sie gefunden hatte - ein schwieriges Unternehmen in Anbetracht der großen Wohnungsnot. Bisher hatten beide möbliert gelebt, meine Mutter bei einer Gesangslehrerin im Hinterstübchen, mein Vater bedeutend komfortabler bei einer Dame, die sich Hoffnungen auf ihn gemacht hatte und nun Gift und Galle spuckte wegen meiner Mutter, dem jungen Ding.

Ziel der einteiligen Hochzeitsreise war das Rittergut Mayden bei Ludwigslust. »Gediegenes Herrenhaus. Ende 17. Jahrhundert. Schöne Pappelallee. Guck mal nach, Charlotte, ob das Taubenhaus noch steht.« Mein Vater hatte auf Mayden glückliche Ferien verbracht bei seinem Onkel Wilhelm, inzwischen zweiundneunzig, aber noch immer gut beisammen, zumindest seine Schrift in dem Brief zu ihrer Hochzeit, wie gestochen.

***

Onkel Wilhelm hatte versprochen, meine Mutter persönlich am Bahnhof in Empfang zu nehmen. Damit sie ihn auch gleich erkennen konnte, zeigte ihr mein Vater eine kartonierte Fotografie, auf genommen anläßlich einer Familienfeier im Jahre zwölf. Vorn sitzen die Tanten, unmenschlich ernst vor lauter Würde und Rechtschaffenheit und wohl auch wegen der angereisten Fotografen, nicht nur wegen der Zahnlücken. Auch Kinder lachten nicht, sondern guckten wie hypnotisierte Kaninchen in die Kamera.

Hinter den Tanten standen stocksteif die männlichen Anverwandten. Zwischen all den hellen Dickschädeln mein damals noch zierlicher, schwarzlockiger, schnauzbärtiger Vater. Onkel Wilhelm mit seinen Einsneunzig überragte sie alle. Sein rundes Gesicht unter dem viel zu kleinen Hut sah aus wie das Zifferblatt einer Kirchturmuhr.

»Du wirst ihn mögen, Lotte«, sagte mein Vater zu meiner Mutter. »Kavalier der alten Schule. Unverheiratet. Ist ihm gelungen, sich erfolgreich gegen das Verkuppeltwerden mit überzähligen Gutstöchtern aus der Nachbarschaft zu wehren. Überhaupt ein Einzelgänger. Hat sich nie in die Karten schauen lassen, auch nicht von der Familie. Von der schon gar nicht. Und bitte, sag nichts gegen Bismarck, Lotte. Onkel Wilhelm war ein großer Verehrer von ihm. Hat ihm zu Lebzeiten immer Kiebitzeier zum Geburtstag geschickt.«

»Warum?« fragte ich später meine Mutter, von der ich die Geschichte ihrer seltsamen Hochzeitsreise erfahren habe. »Warum Kiebitzeier?«

Das wußte sie auch nicht genau. »Vielleicht, weil sie ihm besser schmeckten als Hühnereier.«

***

Sie sah Onkel Wilhelm sofort auf dem Perron stehen, als der Zug in Ludwigslust einfuhr. Er ragte noch immer über seine Mitmenschen hinaus, nur sein dicker Bauch war fort, als ob man die Luft aus ihm gelassen hätte, und sein Gesicht war noch enger um den zahnlosen Mund zusammengeschnurrt.

Er empfing sie mit formvollendetem Handkuß, anerkennend nuschelnd: »Dunnerlitjen, der Franz hat einen guten Geschmack!«, und überreichte ihr eine entblätterte Rose.

Zur Feier ihrer Ankunft hatte er seinen Bratenrock angelegt, der von oben bis unten bekleckert war und an den Kanten abgestoßen, genau wie sein schmuddeliger Umlegekragen.

Meine Mutter hatte sich während der Reise die Kutschfahrt nach Mayden vorgestellt: Rechts und links abgeerntete Felder und Wiesen unter schleierhaft weißen Herbstnebeln. Am Ende der entlaubten Pappelallee das Herrenhaus. Dicke Mamsell mit weißer, gestärkter Schürze zur Begrüßung. Kaminfeuer. Und eine schöne heiße Tasse Bouillon.

Es wartete aber keine Kutsche vorm Bahnhof. Der mürrische Hausbursche eines Gasthauses nahm ihren Koffer auf die Schulter.

Onkel Wilhelm reichte meiner Mutter den Arm. So schritten sie gravitätisch über das Kopfsteinpflaster einem Gasthaus zu, in dem er ein Zimmer für sie reserviert hatte.

Onkel Wilhelm begleitete sie bis vor ihre Tür. »Sobald du dich frisch gemacht hast, liebe Charlotte, erwarte ich dich auf Nummer neun. Ich habe dort einen Imbiß für dich vorbereitet.« Meine Mutter machte sich frisch und begriff nicht: Warum hier? Warum fuhren sie nicht nach Mayden? Das Zimmer Nummer neun ging zum Hof, es war eng wie ein Karzer, weil mit viel zu wuchtigen Eichenschränken vollgestellt. Das Schlimmste war der Mief. Es war der Mief eines uralten Mannes, der nichts von Waschen und Frischluft hält. Nur der Wunsch, einen guten Eindruck vor Franz' Lieblingsonkel zu machen, hielt meine Mutter davon ab, ohnmächtig hinzusacken. Onkel Wilhelm führte sie zu seinem einzigen Backensessel: Nimm Platz, liebe Charlotte.

Aus dem Wärmerohr des Ofens holte er eine Biedermeierkanne und stellte eine Blechschachtel mit versteinerten Lebkuchen auf den Tisch. Die hatte ihm eine Verwandte einmal zu Weihnachten geschickt. In welchem Jahr das gewesen war, fiel ihm nicht mehr ein, aber wenn man sie lange genug eintunkte, waren sie noch recht schmackhaft, meinte Onkel Wilhelm.

Während sie Kakao tranken und Lebkuchen einstippten, stolzierten seine Komplimente steifbeinig über den Tisch zu meiner Mutter. Er pries ihren sanften Liebreiz, fand sie jedoch zu mager: Komm, trink noch eine Tasse, Charlotte, damit du was auf die Rippen kriegst.

Meine Mutter hatte zwar vorgehabt, sich auf dem Lande ein bißchen herauszufuttern, sie hatte dabei nur nicht an klütrigen, im Rohr gewärmten Kakao gedacht.

Irgendwann - im Laufe der schleppenden Unterhaltung - grinste Onkel Wilhelm zahnlos verschmitzt: »Ich habe eine Überraschung für dich, Charlotte, aber erzähl nur ja nichts den Verwandten, vor allem nicht deiner neidischen Schwägerin Ida, sonst kommen sie angereist und wollen mich anpumpen.« Er senkte die Stimme, als ob die Verwandten bereits, in Zimmerschränken versteckt, nach seinem Vermögen geierten, und gab endlich sein großes Geheimnis preis: »Ich bin ein reicher Mann, ich könnte ganz Mecklenburg aufkaufen.«

»Oh, das freut mich für dich«, sagte sie herzlich, »aber wann fahren wir nun endlich nach Mayden?«

»Ich habe es verkauft.« Onkel Wilhelm nahm Haltung an: »Vor dir, Charlotte, sitzt ein vielfacher Billionär.«

Meine Mutter, mit der - laut Dostojewskij - »Kurzsichtigkeit einer schönen Seele« ausgerüstet, begriff noch immer nicht, bis Onkel Wilhelm sein schreckliches Unterbett anhob und ihr einen Blick auf viele, viele plattgelegene Bündel mit Inflationsgeld gewährte. Jetzt dämmerte es auch ihr.

»Wann hast du verkauft, Onkel Wilhelm?«

»Vor zwei Monaten. Den Bankern kann man ja nicht trauen, das sind alles Filous. In meinem Bett vermutet niemand das Geld, und du darfst es auch keinem sagen, Charlotte.«

»An wen hast du verkauft?« fragte sie, und er: »Schnakeberg heißt der Mensch, aus Hannover. Keine Kiste, aber liquide. Zahlte aus dem Koffer. Seinen Notar - sehr seriös, ehemaliger Herrenreiter - hatte er gleich mitgebracht. Sie haben den ganzen ollen Klumpatsch« - er meinte die hundertfünfzigjährige Einrichtung des Hauses - »mit übernommen. In Bausch und Bogen. Nur paar Möbel aus dem Comptoir habe ich behalten«, er wies auf die eichernen Riesen, die das Zimmer verdüsterten und mit ihren Ausmaßen die Platzangst in demselben förderten. »Na, Charlotte, da staunst du, was?«

Ja, da staunte Charlotte. Mit einem blassen Gefühl in den Knien fragte sie, ob sie heruntergehen und Franz telegrafieren dürfe, daß sie gut angekommen sei.

»Ja, tu das, mein Kind«, sagte Onkel Wilhelm gemütlich und zündete sich eine von den Brasilzigarren an, die sie ihm aus Berlin mitgebracht hatte.

In der Gaststube erwartete sie bereits der Wirt mit einem Bündel unbezahlter Rechnungen.

»Ist man höchste Zeit, gnä Frau, daß mal einer nach dem ollen Herrn guckt. Ich wollte schon schreiben, aber wußte ja nicht wohin, und sagen tut er ja nischt. Zwei Monate is er all hier - wenn ich geahnt hätte, was ich mir mit dem aufladen tu. Meine Schwester Mine ist schuld, die war mal Mamsell auf Mayden. Sie hat gesagt, ich muß ihn aufnehmen. Das wäre Menschenpflicht. Aber was hat Mine davon? Er ist kiebig zu ihr und läßt sie nicht in sein Zimmer zum Saubermachen. Der Gestank, gnä Frau, und nächtens rumort er - meine andern Gäste können nicht schlafen.«

»Zahlt er nicht seine Miete?« unterbrach ihn meine Mutter, auf die vielen Rechnungen weisend, die in der Wirtshand vor ihrer Nase wedelten wie ein Fächer vor einer, die ohnmächtig werden will.

»Zahlen tut er. Pünktlich auf die Minute, aber man bloß mit Inflationslappen, die nicht das Schwarze unterm Nagel wert sind. Daß wir...

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