Ethisches Verhalten in der modernen Wirtschaftswelt

 
 
UVK (Verlag)
  • 2. Auflage
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  • erschienen im Juli 2016
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  • 246 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
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978-3-7398-0127-8 (ISBN)
 
Debatten über Korruption, Kinderarbeit, Umweltzerstörung oder Schadstoffein Genussmitteln finden sich täglich in den Medien. Die Frage nach der ethischen und sozialen Verantwortung von Unternehmen wird im Zeitalter der Globalisierung immer häufiger gestellt. Doch wie kann ethisches Verhalten
in unserer Wirtschaft nachhaltig verankert werden? Welche Beiträge zur UmSetzung können die Akteure leisten und wie sollen sich diese künftig weiterentwickeln? Cornelia Nietsch-Hach liefert die Antworten. Sie bietet mit diesem Buch eine praxisnahe Einführung in die WirtschaftSethik und geht speziell auf die sich gegenseitig beeinflussenden drei Orte der Moral - Staat, Unternehmen und Wirtschaftsbürger - ein.

Nach der Klärung grundlegender Begriffe, wie Tugend und Moral, und einem Rückblick in die Historie, werden verschiedene aktuelle Leitideen ethisch orientierten Wirtschaftens dargestellt und verglichen. Für die staatliche Seite erörtert die Autorin die bislang eingeführten GeSetze und weitere Initiativen, insbesondere gegen Korruption. In Bezug auf die Unternehmen werden aktuelle Fallbeispiele zum Umgang mit Corporate Social Responsibility erläutert. Darauf aufbauend folgen acht Bausteine zur nachhaltigen Integration ethischen Verhaltens in Unternehmen. Hinsichtlich der Wirtschaftsbürger wird der Frage nachgegangen, inwieweit sie Einfluss und Verantwortung auf die Dynamik von nachhaltiger Unternehmensführung haben.
2., überarbeitete Auflage
  • Deutsch
  • Deutschland
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978-3-7398-0127-8 (9783739801278)
3739801271 (3739801271)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Dr. Cornelia Nietsch-Hach lehrt an der FOM Hochschule für Oekonomie in Berlin.

3 Wirtschaftsethik in der Historie


3.1 Tugendethik in der Antike (Sokrates, Platon und Aristoteles)


Die mit "Ethik" verbundene Frage nach dem richtigen Tun wurde bereits frühzeitig in der Menschengeschichte erörtert. Als Entscheidungshilfe für sittliches Handeln finden sich erste Ansätze bei den Sumerern (ca. 4000-3000 v. Chr.), die zu "Güte und Wahrheitsliebe, Gesetz und Ordnung, Freiheit und Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, Mitleid und Anteilnahme" aufriefen.43 Die gleiche Intention spiegelt sich im alten Ägypten beispielsweise im Rahmen des dritten Gebotes "Handle und wandle recht und gerecht"44 wider.

Der Ruf nach ethischen Prinzipien ist demnach nicht neu. Die wahrscheinlich grundlegendste ethische Norm, die Goldene Regel, ist in der ganzen Welt zu allen Zeiten in ähnlicher Weise formuliert worden:

Der griechische Philosoph Thales antwortet um 600 v. Chr. auf die Frage nach der besten Lebensführung: "Wenn wir selbst nicht tun, was wir anderen übel nehmen." Analog führt der chinesische Weise Konfuzius um 500 v. Chr. als Lebensmaxime das Prinzip der Gegenseitigkeit an: "Was du selbst nicht wünschst, das tue keinem anderen an." Auch in dem Märchen vom Weisen Achikar, das im gleichen Jahrhundert in Babylon und Ägypten erzählt wurde, spricht der König Sanherib zu Naddan ben Achikar: "Mein Sohn, was dir schlecht scheint, sollst du deinem Genossen nicht antun."45 Im Buddhismus heißt es im 6. Jahrhundert v. Chr.: "Verletze nicht andere auf Wegen, die dir selbst als verletzend erschienen."46 Aus hinduistischen Überlieferungen des 4. Jahrhunderts v. Chr. erfahren wir: "Man soll sich nicht auf eine Weise gegen andere betragen, die einem selbst zuwider ist. Dies ist der Kern aller Moral. Alles andere entspringt selbstsüchtiger Begierde."47 Im Christentum lautet es: "Du sollst deinen nächsten lieben, wie dich selbst."48 Jesus proklamiert in der Bergpredigt von Feindesliebe:49 "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch." Daraus entwickelte sich später "Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst."

Sokrates (469-399 v. Chr.) lehrte ein positives Menschenbild, da er die Meinung vertrat, niemand tue freiwillig unrecht.50 "Tue anderen nicht an, was dich ärgern würde, wenn andere es dir täten."51 Zu den ethischen Pflichten des Menschen gehöre, Gutes zu tun. Einer seiner wichtigsten Leitsprüche lautete "Erkenne dich selbst". Er beschäftigte sich ausführlich mit der Frage nach einer sittlich optimalen Gestaltung des menschlichen Lebens, die von seinem Schüler Platon (428-348 v. Chr.) und später Aristoteles (384-322 v. Chr.) weiter ausgeführt wurde. Aufgrund seiner Studien gilt Aristoteles als Begründer der "Ethik" als philosophischer Disziplin.

Nach Platon existiert im Jenseits ein Reich ewiger unverwandelbarer Wesenseinheiten, die er Ideen nannte als Urbild, nach dem die Welt geformt wurde. Für ihn stellte das Gute das Ziel und den Ursprung alles Seins dar und galt ihm als Idee aller Ideen.52

Während Platon bezüglich der Frage nach dem "guten Leben" die Idee des Guten (Ideenlehre) als Fundament des politischen Lebens betrachtete, ging Aristoteles einen Schritt weiter und fragte nach den Vermögen oder Tugenden, die eine Verwirklichung des für den Menschen Guten ermöglichen. Für Aristoteles strebt jedes Wesen nach einem ihm eigentümlichen Gut, in dem er seine Vollendung findet. Das Endziel des menschlichen Strebens sei Glückseligkeit (Eudämonie). Dabei zeige sich das Gute der Seele in den Tugenden. Einen Teil der Tugenden könne man selbst beeinflussen durch Ausübung der Vernunft und durch Klugheit. Den anderen, selbst kaum oder nicht beeinflussbaren Teil der Tugend gäbe die Gesellschaft durch Normen, Gewohnheiten und Tradition vor. Durch den freien Willen des Einzelnen könne sich jeder für das Gute entscheiden, wobei das Gute auch trainiert werden müsse.53

Für Aristoteles befasst sich die Ethik mit der Frage individueller Handlungen. Dabei bilden Ethik, Ökonomie und Politik für ihn eine untrennbare Einheit, die er "praktische Philosophie" nannte.54 Aristoteles hinterfragte das alltägliche Handeln, überkommene Sitten und tradierte Gewohnheiten. Das menschliche Gute resultiere aus der Tätigkeit der Seele gemäß der Vernunft.55 Er betrachtete, welches Handeln das richtige, also vernünftige sei. Das oberste Gebot war das Gemeinwohl aller Bürger. Ziel des richtigen Handelns sei als höchstes Gut die Glückseligkeit, eingebettet in ein gutes, gelingendes Leben. Um dieses Ziel zu erreichen, bedürfe es als grundlegendem Mittel der Einübung moralischer Tugenden (Gerechtigkeit, Weisheit, etc.). Durch die Ausbildung in den Tugenden würde der Mensch in die Lage versetzt, sich in allen Lebenslagen gewachsen zu zeigen. Hierzu gehöre auch, einen Beitrag im guten Gemeinwesen zu leisten. Moralische Normen sind Teil der sozialen Ordnung. Es sei eine Staatskunst, die Bürger zur Tugend auszubilden, damit sie fähig und willig sind, Gutes zu tun.56 "Wenn auf der Erde die Liebe herrschte", führte Aristoteles aus, "wären alle Gesetze entbehrlich."57

Die antiken Philosophen vertraten weitgehend übereinstimmend die Ansicht, dass der Mensch ein politisches Wesen sei. Philosophie und Politik hingen eng zusammen.

Sokrates war dabei der Meinung, die Natur des Menschen sei so, dass es keine Gleichen geben könne. Er folgerte, somit könne es auch keine politische (demokratische) Idee von Gleichheit geben. Demokratie handele dementsprechend gegen die Naturgesetze. Für Platon bestand in einem Staat Gerechtigkeit, wenn der herrschende Stand, den er nicht anzweifelte, und sonstige Bürger in Harmonie leben. Er träumte von einem Idealstaat, der nie umgesetzt wurde, in dem kein Privatbesitz bestünde und Frauen und Kinder allen gemeinsam seien. Die Zeugung der Kinder sollte nach dem Kriterium der Auslese erfolgen.58

Aristoteles stimmte mit Platon überein, dass die Aufgabe des Staates in der sittlichen Vervollkommnung der Bürger liege. Anders als der Utopist Platon stützte sich Aristoteles in seinen Überlegungen auf empirische Daten, indem er 150 verschiedene Verfassungen der Welt analysierte. Aristoteles wollte in seinen Studien, anders als Platon, nicht den besten Staat, sondern den bestmöglichen finden. Er betrachtete den Menschen als ein von Natur staatsbildendes Wesen, das nach Gemeinschaft strebe, auch nach politischer. Das staatsformende Prinzip sei die Verfassung. Hierzu unterschied Aristoteles drei Extreme:

  1. Königtum (negativ, wenn Entartung in Tyrannei),
  2. Aristokratie als Herrschaft der Besten (negativ, wenn Entartung durch Herrschaft Weniger, die nicht zu den Besten gehören),
  3. Volksherrschaft (negativ, wenn Abart Demokratie als Tyrannei des Volkes).

Aristoteles befürwortete die auf der Basis des Mittelstandes ruhende gemäßigte Volksherrschaft. Im Gegensatz zu Platon sprach er sich für den Erhalt von Familien und Privateigentum aus. Der Besitz sollte dabei aber allen zugänglich gemacht werden. Diesen modernen Ideen steht seine Grundauffassung entgegen, dass Sklaverei und Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zur natürlichen Ordnung gehören, ebenso wie Gleichheit unter freien Männern.59

Die antike wissenschaftliche Beschäftigung mit Gewohnheiten, Sitten und Gebräuchen ("Ethos") ging davon aus, dass menschliches Handeln grundsätzlich einer vernünftigen und theoretischen Reflexion zugänglich sei. Gerechtigkeit sei die Brücke zwischen dem Charakter des Einzelnen und der Gemeinschaft.60 Zu den Urformen menschlicher Verhaltensweisen in der Gemeinschaft gehörend, folgt die Goldene Regel dem Grundsatz der Gegenseitigkeit und wirkt so stabilisierend.61

Auch der ökonomischen Ethik liegt diese Logik zugrunde. Wenn die Goldene Regel auch aktuell gilt und die Aristotelische Ethik in ihrem Grundsatz bis heute anerkannt ist, gibt es in der jetzigen Gesellschaft bedingt durch den technischen Fortschritt (Rationalisierung, Datenschutz, Gentechnik etc.) zusätzliche Fragen, denen nachzugehen ist. Mit den Folgen der gesellschaftlichen Entwicklung beschäftigt sich die Philosophie der Neuzeit, angefangen mit dem Zeitalter der Aufklärung. Vorher wird jedoch auf die dazwischen liegende mittelalterlichen ethischen Ansätze eingegangen.

3.2 Ethik im Mittelalter (Scholastik)


Die Philosophie des Mittelalters wurde geprägt durch den Versuch Einzelner und ganzer Gruppen, sich in ihrem Leben denkend zu orientieren....

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