Mörderisches Menü

Ein kulinarischer Krimi
 
 
Ullstein Ebooks in Ullstein Buchverlage
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. Februar 2017
  • |
  • 300 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8437-1407-5 (ISBN)
 
Küchenchef Jo Weidinger braucht für sein Restaurant hoch über der Loreley frischen Fisch. Als Jo beim Fischhändler seines Vertrauens Erich Sattler eintrifft, findet er ihn tot in einem seiner Teiche treibend. Sattler war ein jähzorniger Eigenbrötler, der bei seinen Fischweihern hauste. Die Polizei geht von einem Unfall aus, denn das Wetter war schlecht und die Stege rutschig. Doch Jo glaubt nicht an diese Theorie und beginnt selbst zu ermitteln. Dabei stößt er auf Dinge, die er vielleicht besser unberührt gelassen hätte. Denn seine Gegner aus der Fischindustrie sind mächtig und skrupellos ...
weitere Ausgaben werden ermittelt
Christof A. Niedermeier, geboren 1969, stammt aus der Nähe von Regensburg. Seit knapp zwanzig Jahren lebt und arbeitet er in Frankfurt am Main. Mit dem Helden seiner Bücher teilt er die Liebe zum Rheintal, den malerischen Burgen, gutem Essen und leckeren Weinen. Er ist vielseitig interessiert, liest gerne und hat ein ausgesprochenes Faible für Italien.

Kapitel 1

Am nächsten Morgen hatten sich die dunklen Wolken verzogen und die Sonne strahlte über dem Rheintal. Was für ein herrlicher Frühlingstag, dachte Jo, als er in seinen Wagen stieg. Er fuhr hinunter nach Oberwesel. Als er am Günderodehaus vorbeikam, blickte er kurz hinüber zur Schönburg und dann zur Burg Pfalzgrafenstein, die sich in der Ferne malerisch aus dem Rhein erhob.

Einige Kilometer hinter der Stadt bog er auf einen unbefestigten Waldweg ab. Kurze Zeit später tauchten zwei große Fischteiche am Wegesrand auf. Er hielt an und stieg aus. Vor ihm lag ein weißgetünchtes Haus, das an eine Jagdhütte erinnerte. Über dem Eingang war ein imposantes Hirschgeweih festgenagelt. Suchend blickte Jo sich um. Er hatte sich am Freitag bei Erich Sattler angemeldet. Zu seiner Überraschung war von dem Mann jedoch nichts zu sehen.

»Herr Sattler?«, rief er laut in Richtung Haus. Nichts rührte sich. Er klopfte an der Tür und lauschte. Es war immer noch nichts zu hören. Hinter dem Haus gab es weitere Teiche - es mussten zehn oder zwölf sein. Aber auch hier fehlte von Sattler jede Spur. Eigenartig, dachte Jo. Sonst war der Fischzüchter immer sehr zuverlässig. Der junge Küchenchef ging zurück zum Haus und rief erneut nach ihm. Da hörte er etwas. Es klang wie der unterdrückte Schrei eines Kindes und kam aus dem Inneren des Gebäudes. Jo klopfte erneut. Niemand antwortete. Nach kurzer Überlegung drückte er die Klinke herunter. Vor ihm lag ein enger, dunkler Flur. Zwei alte, abgeschabte Regenjacken hingen an einem Haken. Darunter stand ein Paar Gummistiefel. Unschlüssig blieb Jo stehen. Sattler hatte ihn bisher immer draußen empfangen.

Er schüttelte den Kopf. Wo steckte der Mann bloß? Auch der seltsame Schrei ging Jo nicht aus dem Kopf. Kurzentschlossen trat er ein. Der alte Dielenboden knarzte unter seinen Schritten. Er zuckte zusammen, als er ein Geräusch hinter sich vernahm - aber es war nur die Haustür, die ins Schloss gefallen war. Er stieß auf eine Holztür mit gelbem Butzenglas, die nur angelehnt war. Sachte öffnete er sie und spähte in den Raum. An der Wand hingen ein paar Töpfe und Tiegel, in der Spüle lag ein schmutziger Teller, und ein weißer alter Kühlschrank brummte leise vor sich hin. Schnell betrat er den nächsten Raum - das Wohnzimmer. Neben einer hellbraunen Ledercouch, die schon bessere Zeiten gesehen hatte, thronte ein schwerer Ohrensessel mit auffälligem Blumenmuster, das nicht so recht zur restlichen Einrichtung passen wollte. Auf dem Glastisch vor der Couch lagen einige Anglermagazine. Durch eine weitere Tür gelangte er zurück in den Flur. Eine Holzstiege führte hinauf in den ersten Stock. Sollte er oder sollte er nicht?

Der Fischzüchter war als jähzornig bekannt. Was, wenn er Jo in seinem eigenen Haus überraschte?

»Herr Sattler?«, rief er nach oben. Es blieb still. Nach kurzem Zögern machte Jo sich auf den Weg nach oben. Die alten Holzstufen quietschten und knarrten. Oben gab es drei Türen. Alle waren geschlossen. Da hörte er einen Laut. Es klang wie ein Stöhnen. Jo lief ein kalter Schauer den Rücken hinunter. Er drückte die Klinke nach unten und öffnete die Tür. Plötzlich ging alles ganz schnell. Mit einem bösen Fauchen sprang etwas Großes, Fellartiges auf ihn zu. Jo duckte sich zur Seite und hätte um ein Haar das Gleichgewicht verloren. Entgeistert blickte er dem schwarzen Kater hinterher, der mit wenigen Sprüngen die Treppe hinunter verschwunden war. Er brauchte einen Augenblick, um sich von dem Schreck zu erholen. Vor ihm lag das Schlafzimmer. Das Bett machte einen unordentlichen Eindruck - das Laken war nicht glatt gezogen und das Bettzeug achtlos hingeworfen. Die beiden anderen Räume - das Bad und ein kleines Arbeitszimmer - waren ebenfalls leer. Wo steckte Sattler nur?

Jo machte sich auf die Suche nach dem Kater. Besser, wenn er ihn wieder ins Schlafzimmer sperrte. Es wäre ihm unangenehm gewesen, Sattler zu erklären, wieso er das Haus betreten hatte. In der Küche wurde er fündig. Der Kater saß vor einem leeren Fressnapf und warf ihm einen feindseligen Blick zu. Würde nicht einfach werden, ihn zurück ins Schlafzimmer zu bugsieren. Als er einen Schritt auf das Tier zu machte, drehte es sich um, sprang behände zur Hintertür und verschwand durch eine Klappe nach draußen.

»Super. Das hat mir noch gefehlt«, sagte Jo halblaut zu sich selbst. Die Tür war abgeschlossen. Der junge Küchenchef fluchte. Hastig nahm er die Verfolgung auf. Als er draußen in der Sonne stand, sog er begierig die frische Luft ein. Erst jetzt fiel ihm auf, wie muffig es in dem alten Haus gerochen hatte. Schnell umrundete er das Gebäude. Zu seiner Überraschung saß der Kater nur wenige Meter vom Haus entfernt in der Sonne und putzte sein Fell.

»Wie heißt du denn?«, fragte Jo und bückte sich. »Komm, ich hab ein paar Leckerli für dich«, schmeichelte er. Behutsam näherte er sich dem Tier. Als er den Kater fast erreicht hatte, sprang dieser unvermittelt auf und verschwand in Richtung der Teiche. Jo seufzte. Das konnte ja heiter werden, dachte er und folgte ihm. Beim dritten Teich hatte er ihn fast eingeholt. Vorsichtig, um das Tier nicht weiter zu verschrecken, trat er auf es zu. Kaum war er bis auf zwei Meter herangekommen, sprang der Kater einige Sätze weiter.

»Jetzt bleib doch endlich sitzen, du blödes Vieh«, rief Jo verärgert und blieb wie angewurzelt stehen. In einem der Teiche schwamm etwas . es sah fast aus wie .

»Mein Gott!«, entfuhr es ihm. Ohne nachzudenken, sprang er in den Teich. Das Wasser reichte ihm bis über die Knie und war schrecklich kalt. Aber das spürte er kaum. Er watete in die Mitte des Teiches, fasste beherzt ins Wasser und zog den Mann nach oben. Mit seiner Last im Schlepptau versuchte er aus dem Teich zu klettern, rutschte aber ab. Schließlich gelang es ihm doch. Er bückte sich und versuchte den Mann herauszuziehen. Das erwies sich als schwerer als gedacht. Seine Kleidung war mit Wasser vollgesogen und zog ihn nach unten. Nach mehreren Anläufen schaffte er es endlich. Jo drehte ihn um und zuckte zusammen. Das Gesicht war aufgequollen und hatte eine grünliche Färbung angenommen. An einigen Stellen begann sich bereits die Haut vom Kopf zu lösen. Ein süßlich-fauliger Geruch nach verwesendem Fleisch hing in der Luft. Ein Blick in die glasigen Augen des Mannes bestätigte ihm, was er ohnehin schon wusste - hier kam jede Hilfe zu spät. Jo war geschockt. Regungslos verharrte er neben dem Toten und starrte ihn an. Dann griff er mit zitternden Fingern nach seinem Handy und wählte den Notruf. Er hätte nicht sagen können, wie lange es dauerte, aber auf einmal war der Krankenwagen da. Jemand führte ihn weg vom Teich und gab ihm eine Decke, die er sich um die Beine wickelte. Einer der Sanitäter redete beruhigend auf ihn ein, aber erst als er ihm eine heiße Tasse Tee in die Hand drückte, kam Jo wieder vollständig zu sich.

»Er ist tot, nicht wahr?«

Der Rettungsassistent nickte. »Wie geht es Ihnen?«, fragte er. »Sie sehen blass aus.«

»Alles gut«, antwortete der junge Küchenchef geistesabwesend.

Die Polizei traf ein. Die Beamten hasteten an ihnen vorbei. Nach einigen Minuten kehrte der Notarzt zum Krankenwagen zurück.

»Und?«, fragte der Sanitäter.

Der Arzt zuckte mit den Schultern. »Vom Aussehen her würde ich sagen, dass er schon zwei bis drei Tage dringelegen hat.«

»Wissen wir, wer es ist?«

»Keine Ahnung. Da soll sich die Polizei drum kümmern.«

»Sein Name ist Sattler. Ihm gehört das alles hier«, erklärte Jo.

Der Notarzt warf ihm einen prüfenden Blick zu.

»Alles gut?«

Jo nickte.

»Sie sehen sehr blass um die Nase aus. Soll ich Ihnen eine Spritze geben?«

»Nee, danke. Geht schon.«

»So ein Erlebnis kann einem einen Schock versetzen. Wenn Sie wollen, nehmen wir Sie zur Beobachtung mit. Sie legen sich zwei Stunden bei uns aufs Ohr, dann geht's Ihnen bestimmt besser.« Er nickte dem jungen Küchenchef aufmunternd zu.

»Ich bin okay«, beharrte Jo.

»Sie sollten das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Legen Sie sich zu Hause auf jeden Fall hin.«

Ein Polizeibeamter trat auf die kleine Gruppe zu.

»Haben Sie den Toten gefunden?«, fragte er Jo. Dieser nickte.

»Ich muss Ihre Personalien aufnehmen.«

Jo gab sie ihm.

»Brauchen Sie uns noch?«, wollte der Notarzt wissen.

Der Polizeibeamte schüttelte den Kopf.

»Dann rücken wir ab. Totenschein habe ich ausgestellt. Um die Details kümmern sich ja bestimmt die Kollegen von der Rechtsmedizin.«

»Die Kripo ist alarmiert. Der Rechtsmediziner ist auf dem Weg.«

Eine halbe Stunde später traf Oberkommissar Wieland ein.

»Was machen Sie denn hier?«, fragte er überrascht, als er Jo bemerkte.

»Hab den Toten gefunden«, nuschelte dieser.

»Bei Ihnen pflastern aber auch Leichen den Weg«, meinte der Beamte trocken. Jo, der inzwischen wieder etwas Farbe im Gesicht hatte, wurde erneut blass.

Wieland hielt inne.

»So habe ich es nicht gemeint«, sagte er schnell. »Warten Sie noch auf mich?«

Jo nickte. Ein uniformierter Beamter führte Wieland zum Fundort der Leiche. Dort wartete Dr. Walter, der Rechtsmediziner, mittlerweile auf ihn.

»Und?«

»Allem Anschein nach ist er ertrunken. Genau kann ich es natürlich erst sagen, wenn ich ihn obduziert habe.«

»Dann sind wir ja zügig fertig.«

»Vielleicht auch nicht. Es gibt ein Trauma am Hinterkopf.«

»Jemand hat ihm eins...

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