Wilde Akazien

Roman
 
 
Page & Turner (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. Mai 2013
  • |
  • 736 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09836-0 (ISBN)
 
Allein in der Fremde. Gejagt von den Dämonen der Vergangenheit und auf der Suche nach einem Mann, den sie nicht kennt.

Gloucestershire im frühen 19. Jahrhundert: Die 17-jährige Isabel de Rolland lebt seit dem Tod ihrer Eltern auf dem Herrenhaus ihres Onkels Godfrey. Trotz ihrer Jugend wurde Isabel schon oft vom Schicksal gebeutelt. Weil er das Mädchen loswerden möchte, das ihm auf der Tasche liegt, will Godfrey seine Nichte mit einem Mann in Australien verheiraten. Und so begibt sich Isabel auf eine gefährliche Reise in eine ungewisse Zukunft. Als sie nach einer abenteuerlichen Fahrt auf einem Gefangenenschiff am anderen Ende der Welt ankommt, ist sie zutiefst schockiert. Ihr zukünftiger Ehemann, der 23-jährige Marmaduke Gamble, liebt das lockere Leben und lehnt Gefühle und Bindungen ab. Kurz bevor Isabel zu verzweifeln droht, beginnt sich Marmaduke jedoch zu öffnen und entpuppt sich als sensibler junger Mann. In Isabel keimt eine große Hoffnung auf. Doch schon ziehen erneut dunkle Wolken am Horizont auf .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 1,11 MB
978-3-641-09836-0 (9783641098360)
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Johanna Nicholls studierte in Sydney und hat als Journalistin in London sowie als Produzentin und Redakteurin für das australische Fernsehen gearbeitet. Sie bewundert die Werke von Shakespeare, Goethe und Tolstoi genauso wie Margaret Mitchells »Vom Winde verweht« oder Jane Austens »Stolz und Vorurteil«. Mit ihrem ersten Roman »Die Blüte des Eukalyptus«, für den sie intensive historische Recherchen betrieb, erfüllte sie sich einen Lebenstraum: den Wunsch, Autorin zu werden und eine große Australiensaga zu schreiben. Seither hat sie weitere erfolgreiche historische Australienromane veröffentlicht. Johanna Nicholls lebt in einem Haus aus dem 19. Jahrhundert in einem Vorort von Sydney, wo sie an ihrem nächsten Roman arbeitet.

EINS

SYDNEY TOWN, STRAFKOLONIE VON NEW SOUTH WALES, DEZEMBER 1832

Eine Woge von so etwas wie Liebe durchfuhr Marmaduke Gamble, als er die vulgäre Mätresse seines Heimatlandes betrachtete.

Du wirst nie eine Dame sein, Sydney. Aber du bist meine Art von Frau. Urwüchsig, sinnlich, mutig, geldgierig - und trotzdem grundehrlich.

Das Marineblau von Port Jacksons riesigem Hafen, in dem es von Sträflingstransportern und Handelsschiffen mit aufgesetzten Segeln wimmelte, spiegelte das metallische Blau eines Sommerhimmels, der so hoch und so wolkenlos war, dass Marmaduke erschrak, als ihm die Wahrheit bewusst wurde. Nach nur vier Jahren Reisen durch die nördliche Hemisphäre hatte er den Zauber des australischen Himmels vergessen.

Er stand auf dem Dach des neuen Luxushotels Princess Alexandrina, und die steife Brise des Hafens zerrte an seinem langen Haar und dem seidenen Morgenmantel. Sydney Town lag zu seinen Füßen und wartete darauf, dass er die Stadt wiederentdeckte. Als er nach England aufbrach, war er ein naiver junger Kerl von zwanzig gewesen, gedemütigt und entschlossen, nie wieder zurückzukommen. Das Sydney, das er hinter sich ließ, wurde von vielen als »Hure von Ozeanien« abgetan wie ein verführerisches, raues Straßenmädchen, das gezwungen war, mit jedermann zu schlafen. Jetzt sah er Sydney mit anderen Augen, verändert wie eine Frau, die sich aus der Gosse erhoben hatte, um eine schöne Kurtisane zu werden und Huldigungen von all ihren Bewunderern entgegenzunehmen - Sträflingen, freien Siedlern, Militäroffizieren und ehrbaren Männern bis hinauf zu dem neuen angloirischen Gouverneur Sir Richard Bourke.

Vor ihm lag das Panorama der Stadt, deren Uferland im Norden dicht mit verschiedenen Eukalyptusgattungen bestanden war. Südlich des Hafens machte der wilde Kontrast der Architektur auf eine Schlacht um die Vorherrschaft aufmerksam. Imposante öffentliche Gebäude aus weichem Sandstein und Kirchtürme, die sich mit denen des georgianischen London messen konnten, standen in unmittelbarer Nachbarschaft des berüchtigten Viertels The Rocks, wo sich schäbige Wohnungen und unzählige Kneipen aneinanderreihten. Sie waren eine unwillkommene Erinnerung daran, wie sein Vater, der ehemalige Sträfling Garnet Gamble, begonnen hatte, sein Vermögen anzuhäufen.

Sydneys höchstes Gebäude, während seiner Abwesenheit fertiggestellt, war ein ungewöhnlicher fünfstöckiger Komplex, der ein großes Kaufhaus beherbergte, von einer Windmühle gekrönt war und zur George Street hin die Fassade des eleganten Royal Hotels zeigte, in dem auch das Theatre Royal untergebracht war.

Marmaduke stieß einen Freudenschrei aus. Mein Gott! Barnett Levey hat es wirklich geschafft! Entgegen allen Erwartungen hat er seinen Traum verwirklicht und unser erstes professionelles Theater gebaut!

Er erinnerte sich an seine Aufregung als Jugendlicher an einem Junitag im Jahr 1827, als er Zeuge der Feier war, die eine noch größere Menschenmenge anlockte als eine öffentliche Hinrichtung - die Grundsteinlegung für Barnett Leveys unternehmerische Vision, ein aufwändiges Theater mit tausend Plätzen.

Heute sah Marmaduke die Windmühle auf dem Dach von Sydneys höchstem Gebäude als Symbol für den wachsenden Wohlstand und Stil in der Sträflingskolonie. Er wusste, dass Sydneys erstes speziell errichtetes Theater nur der liberalen Politik Gouverneur Bourkes zu verdanken war, der das Veto seines autokratischen Vorgängers gegen Leveys Theaterlizenz wieder aufgehoben hatte. Alle Schichten von Sydneys Gesellschaft hungerten nach Kultur und freuten sich über den Triumph des jungen Schauspielers und Intendanten. Doch es hatte Leveys Gesundheit und seinem Vermögen einen hohen Tribut abverlangt.

Gott sei Dank können sich die ehemaligen Sträflinge nun unter demselben Dach an Shakespeare erfreuen wie die obere Gesellschaft und werden nicht länger von Darlings Verbot sozialer Kontakte zwischen Gefangenen und Freien voneinander getrennt. Ich nehme an, dass der Dichter aus Avon im Himmel sitzt und grinst, wenn er sieht, wie die Leute auf den billigen Plätzen Richard III. ausbuhen und bei Romeo und Julia in Tränen ausbrechen.

Marmaduke beschloss, das neue Theater zu unterstützen, indem er sich eine Privatloge für die aktuelle Saison mietete. Doch er war nicht nur in die Kolonie zurückgekehrt, um seiner Vorliebe für Vergnügen und Abenteuer zu frönen.

Er eilte hinab in seine Gemächer, um sich angemessen gekleidet in die Gesellschaft der Kolonie zu stürzen. Heute war ein besonderer Tag. Der Hauptgrund für seine Rückkehr nach New South Wales war, dass er Anspruch auf das Erbe erheben wollte, welches sein Vater ihm bis heute vorenthalten hatte.

Marmaduke überprüfte sein Äußeres in dem Standspiegel und war zufrieden mit dem tadellosen Schnitt des maßgeschneiderten Fracks aus der Savile Road, aber auch frustriert von seinem täglichen Kampf - der Kunst, die Enden seines Kläppchenkragens hoch genug halten, um modisch zu sein, aber trotzdem tief genug, um ungehindert den Kopf bewegen zu können.

Was für eine selten dämliche Mode. Ich würde Beau Brummel den Hals umdrehen, wenn er nicht schon vor langer Zeit das Zeitliche gesegnet hätte!

Er band sein schwarzes Haar im Nacken zusammen, sodass er wie ein Pirat aus dem achtzehnten Jahrhundert aussah, ein Stil, der seinen Vater immer furchtbar geärgert hatte. Das allein war für Marmaduke Grund genug gewesen, es nicht abschneiden zu lassen und in den Augen seines Vaters zu einem »richtigen Mann« zu werden. Er trug das Haar lang wie ein Currency Lad - einer von hier -; es war ein unzerstörbarer Teil seiner Identität.

Du bist bei dem Versuch gescheitert, einen Mann nach deinem eigenen Vorbild aus mir zu machen, Vater, aber ich bin inzwischen ich selbst geworden. Ein Mischling. Nach außen hin dank der Londoner Schneider ein englischer Gentleman, aber die Züge des hier geborenen Currency, die du mir austreiben wolltest, habe ich behalten.

Marmaduke warf einen kritischen Blick auf sein Spiegelbild, während er eine schnelle Folge von Posen einnahm, die unterschiedliche Typen von Engländern darstellten - einen verweichlichten Regency-Dandy, einen aufgeblasenen Regierungsbeamten, einen hitzigen Whigs-Sprecher bei seiner Antrittsrede, einen übersättigten Wüstling, der auf seine Verführungskunst baute, und schließlich die lässige Haltung eines Currency Lads.

In Europa hatte er keinen englischen Gentleman spielen müssen. Bei seiner Ankunft als naiver Bewohner der Kolonie hatte er seinen beschämend jungfräulichen Status hinter einem gespielten Selbstbewusstsein versteckt, ohne auch nur den Versuch zu machen, seinen australischen Akzent zu verbergen, wenn er wie ein Abenteurer in die Salons der Oberschicht stolzierte. Zu seiner großen Überraschung hatte er einen sehr angenehmen Zug der Briten entdeckt - ihren Respekt gegenüber jeder Art von Spleenigkeit. Wo auch immer er hinkam, überall wurde er als Neuheit gefeiert wie eine seltene australische Pflanze, die man in einem Gewächshaus in den Kew Gardens gepflückt hatte. Wenn er auf einem Landsitz eingeladen war, ritt und jagte er mit dem Hausherrn, achtete darauf, unschuldigen jungen Dingern aus dem Weg zu gehen, bezirzte aber ältere Damen und Witwen unweigerlich mit seinem Charme und betrat die Gesellschaft diskret durch die Schlafzimmertür.

Ein Schwarm von Gelbhaubenkakadus ließ sich auf dem Balkon nieder und krächzte lärmend im Chor. Marmaduke erinnerte sich lebhaft an das boshafte Lächeln seiner schönen Mutter, wenn sie ihrem zahmen Kakadu Amaru Sprüche beibrachte, von denen sie genau wusste, dass sie Garnet zur Weißglut brachten.

Er lächelte über dieses seltene, glückliche Bild aus seiner Kindheit, griff nach seinem Zylinder, Handschuhen und Stock und ging zur Tür, in der Absicht, die einzigen beiden Freunde zu besuchen, die er in der Kolonie hatte. Einer war Josiah Mendoza, ein älterer Uhrmacher, der ihn kopflos und ohne einen Penny in der Tasche aufgelesen hatte, nachdem er vom Anwesen der Gambles, Bloodwood Hall, geflohen war, ihm ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen angeboten und ihm ein paar Tricks aus der Schmuckbranche beigebracht hatte.

Dank sei Gott für das Glück in dieser Nacht im Kasino, die mich zum stillen Teilhaber seines Juweliergeschäfts gemacht hat.

Marmadukes anderer alter Freund, Edwin Bentleigh, gehörte zwar zwei Spezies an, denen er das größte Misstrauen entgegenbrachte, Anwälten und Engländern, trotzdem war er ein Mann, dem Marmaduke sein Leben anvertraut hätte.

Mit gutem Grund. Edwin hat mich schon einmal vor dem Galgen gerettet.

In der George Street wimmelte es von Vertretern aller Gesellschaftsschichten. Elegante Kutschen kämpften sich zwischen rumpelnden Ochsenkarren, Einspännern und mit Obst und Gemüse beladenen Karren vorwärts. Als Marmaduke die Straße überquerte, um sich das Äußere des Royal Hotels genauer anzusehen, wurde ihm der Weg von einer Menschenmenge versperrt, die zu einem Umzug wollte. Hinter einer Militärkapelle, an deren roten Uniformen er das 17. Leicestershire Regiment erkannte, kam eine Gruppe von Freimaurern in vollem Ornat, mit goldenen Tressen, Orden und bemalten Freimaurerschurzen. Doch der eigentliche Auslöser für die Karnevalsstimmung der Menge war ein offener, von zwei Schimmeln gezogener Landauer.

Der einzige weibliche Passagier winkte mit der behandschuhten Hand wie eine Königin einer bunten Mischung von Untertanen zu, die neben ihrer Kutsche herrannten und sie mit Lobhudeleien und Rosenblüten überschütteten.

Wer ist das? Eine europäische Aristokratin, die von einer Revolution vom...

"Diese Geschichte geht ans Herz."

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