Die drei ??? Fluch der Pharaonen (drei Fragezeichen)

 
 
Kosmos (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. März 2020
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-440-50077-4 (ISBN)
 
Zwei verflucht spannende Fälle in einem Band:

Flüsternde Mumie: Kann eine 3000 Jahre alte Mumie flüstern? Noch dazu in einem altägyptischen Dialekt, den niemand verstehen kann? Die drei ??? sind entschlossen, das Geheimnis zu lösen, auch wenn der Fluch der Mumie sie treffen sollte.

SMS aus dem Grab: Als Rubbish-George, der schrullige Tramp aus Rocky Beach, von einem Tag auf den anderen verschwindet, ahnen Justus, Peter und Bob sofort, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Zwischen den wenigen Habseligkeiten des wunderlichen Mannes finden die drei Detektive einen rätselhaften Brief. Die Spur führt zu den Pyramiden in Ägypten! Welches Geheimnis aber will Rubbish George dort lüften? Die drei ??? begeben sich in das dunkle Reich der Sphinx - und geraten dabei in die Falle!
  • Deutsch
  • Stuttgart
  • |
  • Deutschland
  • 1,69 MB
978-3-440-50077-4 (9783440500774)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Eine Mumie flüstert


Hinter den Tatsachen in Albert Hitfields Brief steckten Ereignisse, die seltsamer und unheimlicher waren als alles, womit sich die drei Detektive bisher befasst hatten.

Ungefähr zwanzig Kilometer von Rocky Beach und dem Betriebsgelände der Firma Jonas entfernt durchschnitt eine schmale Schlucht die Berge von Hollywood. An ihre steilen Wände schmiegten sich ein paar große, teure Wohnhäuser, umgeben von Bäumen und Gesträuch. Eine der Villen war ein altes Herrenhaus im spanischen Stil, dessen einer Flügel ein Privatmuseum enthielt. Der Besitzer, Professor Robert Yarborough, genoss als Ägyptologe einen guten Ruf.

Eine Front bis zum Boden reichender Fenster führte auf eine fliesenbelegte Terrasse. Diese Glastüren waren geschlossen, sodass es drinnen in der späten Nachmittagssonne unangenehm heiß und stickig war. Nahe der Fensterwand standen einige Statuen aus ägyptischen Gräbern. Eine Figur war aus Holz, sie stellte den altägyptischen Totengott Anubis dar. Auf einem Menschenkörper saß ein Schakalkopf. Der Schatten des Kopfes fiel auf den Fußboden - ein dunkler Umriss von beklemmender Wirkung.

Noch andere Schätze aus den Grabkammern des alten Ägypterreiches füllten den Raum. Metallmasken, die geheimnisvoll-wissend zu lächeln schienen, hingen an den Wänden. Tontafeln, Goldschmuck und Skarabäen-Abbilder der als heilig verehrten Käfer, von Künstlern vor langer Zeit in grüne Jade geschnitzt, ruhten in Glasvitrinen. Frei im Raum bei den Fenstern stand ein hölzerner Mumiensarkophag, in dessen Deckel die Figur der darin bestatteten Mumie geschnitzt war. Es war ein ganz schlichter Schrein, dem weder Blattgold noch leuchtende Farben ein kostbares und luxuriöses Äußeres verliehen. Aber er hütete ein Geheimnis. Er war der Stolz von Professor Yarborough, einem kleinen, etwas beleibten Mann mit Kinnbärtchen und goldgefasster Brille.

In jüngeren Jahren hatte der Professor viele Expeditionen nach Ägypten geleitet. Auf diesen Reisen hatte er verschollene Grabstätten entdeckt, die in die Felswände der Gebirge eingehauen waren und Mumien längst dahingegangener Pharaonen, ihrer Frauen und ihres Gesindes mit Juwelen und anderen Beigaben bargen. Er bewahrte diese Schätze in seinem Museum, wo er auch ein Buch über seine Funde schrieb.

Der Sarkophag mit der Mumie war gerade vor einer Woche eingetroffen. Professor Yarborough hatte diese Mumie schon vor fünfundzwanzig Jahren entdeckt. Aber da er zu jener Zeit anderweitig in Anspruch genommen war - er hatte sich für eine schwierige Aufgabe langfristig verpflichtet -, hatte er die Mumie einem Museum in Kairo geliehen. Als er sich dann zur Ruhe setzte, hatte er die ägyptische Regierung gebeten, ihm die Mumie für Studienzwecke zu übersenden. Jetzt, da er Zeit hatte, wollte er versuchen, ihr Geheimnis zu entschleiern.

An diesem Nachmittag, zwei Tage bevor die Jungen Albert Hitfields Brief erhalten hatten, stand Professor Yarborough in seinem Museumssaal. Nervös tippte er mit einem Bleistift gegen den Deckel des Schreins - einen Deckel, der sich wie bei einer Truhe heben ließ. Der Sarkophag war im Grunde nichts anderes als eine Holztruhe, in der die Mumie ruhte.

Auch Wilkins war da, der Butler, ein großer, schlanker Mann, der schon seit Jahren in den Diensten des Professors stand.

»Sind Sie sicher, dass Sie es tun wollen, Sir, nach dem Schock von gestern?«, fragte Wilkins.

»Ich muss wissen, ob es noch einmal passiert, Wilkins«, sagte Professor Yarborough. »Aber lassen Sie bitte erst Luft herein. Ich kann geschlossene Räume nicht ausstehen.«

»Jawohl, Sir.« Wilkins öffnete die nächsten Türflügel. Vor vielen Jahren war Professor Yarborough zwei Tage lang in einer Grabkammer eingeschlossen gewesen und seither mied er Räume mit geschlossenen Fenstern.

Als die Glastüren offen standen, hob Wilkins den Deckel vom Sarg. Beide Männer beugten sich vor und schauten hinein.

Mancher dürfte den Anblick einer Mumie nicht gerade als angenehm empfinden, doch ist er in keiner Weise abstoßend. Mit Bitumen und anderen Konservierungsmitteln einbalsamiert, darauf sorgfältig in Leinen gehüllt, blieben die Körper toter Könige und Edelleute des alten Ägyptens über Jahrtausende fast vollkommen erhalten. Aus religiösen Gründen mussten sie so für den würdigen Eintritt in die nächste Welt vorbereitet werden. Darum wurden auch viele Kleider, Geschmeide, Gerätschaften und Juwelen, die sie im Leben besessen hatten, mit ihnen bestattet - zum Gebrauch in der künftigen Welt. Die Mumie im Sarg trug den Namen Ra-Orkon. Die leinene Hülle war stellenweise aufgeschnitten worden, sodass der Professor Ra-Orkons Gesicht sehen konnte. Es war das Gesicht eines älteren Mannes mit fein geschnittenen Zügen, wie aus dunklem Holz geschnitzt. Die Lippen waren leicht geöffnet, als wollte er sprechen. Die Augen waren geschlossen.

»Ra-Orkon sieht sehr friedlich aus, Sir«, stellte Wilkins fest. »Ich glaube nicht, dass er heute zu Ihnen sprechen wird.«

»Das hoffe ich auch nicht.« Professor Yarborough kniff die Lippen zusammen. »Es ist nicht normal, Wilkins, dass eine vor dreitausend Jahren begrabene Mumie redet. Oder auch flüstert. Es ist vollkommen unnatürlich.«

»Wirklich unnatürlich, Sir«, bekräftigte der Butler.

»Aber gestern flüsterte er mir etwas zu«, sagte der Professor, »als ich mit ihm allein im Zimmer war. Er flüsterte in einer unbekannten Sprache, aber es hörte sich sehr eindringlich an, als wünsche er, dass ich etwas tun solle.«

Er beugte sich vor und sprach die Mumie an. »Ra-Orkon, wenn du zu mir sprechen willst: Ich höre. Ich werde versuchen zu verstehen.«

Eine Minute verstrich. Noch eine. Nichts war zu hören als das Summen einer Fliege.

»Vielleicht habe ich es mir doch nur eingebildet«, sagte der Professor. »Ja, so war es sicherlich. Holen Sie mir die kleine Säge aus dem Atelier, Wilkins. Ich will von dem Sarg eine Ecke abnehmen. Mein Freund Jennings von der Universität Los Angeles wird dann versuchen, mithilfe eines Radioaktivitätstests am Kohlenstoff des Holzes den Zeitpunkt zu bestimmen, zu welchem Ra-Orkon begraben wurde.«

»Sehr wohl, Sir.« Der Butler verließ das Zimmer.

Professor Yarborough ging um den Schrein herum und klopfte das Holz ab, um festzustellen, wo er das benötigte Stück absägen sollte. Einmal glaubte er einen etwas hohlen Klang zu vernehmen. An einer anderen Stelle erschien ihm das Holz so locker, als sei es hier schon vermodert.

Plötzlich kam ihm ein leises Murmeln zum Bewusstsein, das aus dem Sarg drang. Erschrocken richtete er sich auf, dann legte er sein Ohr dicht an den Mund der Mumie.

Die Mumie flüsterte ihm etwas zu! Über die leicht geöffneten Lippen kamen Worte - gesprochen von einem Ägypter, der seit dreitausend Jahren nicht mehr am Leben war.

Der Professor konnte die Worte nicht verstehen. Es waren Kehl- und Zischlaute, so leise, dass er sie kaum zu hören vermochte. Aber die Stimme hob und senkte sich, sie klang immer eindringlicher, als ob die Mumie ihm mit größter Anstrengung irgendetwas begreiflich machen wollte.

Den Professor packte eine ungeheure Erregung. Die Sprache war wahrscheinlich das Arabisch des Altertums - ab und zu glaubte er einem verständlichen Wort auf der Spur zu sein.

»Weiter, Ra-Orkon!«, drängte er. »Ich versuche zu verstehen.«

»Bitte sehr, Sir?«

Beim Klang der Stimme von hinten fuhr der Professor herum. Die Mumie war wieder stumm. Wilkins stand da, eine kleine, scharfe Säge in der Hand.

»Wilkins!«, rief Yarborough. »Ra-Orkon hat wieder geflüstert! Er fing an, sobald Sie draußen waren, und hörte auf, als Sie hereinkamen.«

Wilkins sah sehr ernst aus. Er runzelte die Stirn.

»Offenbar redet er nur, wenn Sie mit ihm allein sind«, sagte er. »Konnten Sie verstehen, was er sagte?«

»Nein«, sagte der Professor enttäuscht. »Fast, aber nicht ganz. Ich bin kein Sprachexperte. Er spricht möglicherweise Altarabisch oder auch einen Dialekt der Hethiter oder Chaldäer.«

Wilkins schaute zum Fenster hinaus. Sein Blick fiel auf ein Haus an der gegenüberliegenden Seite der Schlucht - ein neues, weiß verputztes Haus, das sich an den steilen Hang lehnte.

»Ihr Freund, Sir - Professor Freeman«, sagte er und wies auf das Haus. »Er ist unser Experte für den Sprachraum des Mittleren Ostens. Und wenn Ra-Orkon auch zu ihm spricht, könnte er Ihnen vielleicht sagen, was Ra-Orkon mitzuteilen hat.«

»Natürlich!«, rief Professor Yarborough. »Ich hätte ihn gleich rufen sollen. Schließlich war sein Vater dabei, als ich Ra-Orkon entdeckte. Der arme Kerl - eine Woche später wurde er im Basarviertel ermordet. Gehen Sie, Wilkins, rufen Sie Freeman an. Bitten Sie ihn, sofort herzukommen.«

»Jawohl, Sir.« Kaum hatte der Butler das Zimmer verlassen, als das unheimliche Flüstern wieder einsetzte.

Professor Yarborough bemühte sich erneut zu verstehen, was die Mumie sagte - vergeblich. Entmutigt gab er es auf. Durchs offene Fenster konnte er Freemans Haus sehen, es war am Steilhang erbaut und lag wesentlich tiefer als die Zufahrtsstraße. Yarborough beobachtete, wie sein junger Freund durch eine Seitentür das Haus verließ, ein paar Stufen zur Garage hinaufstieg und einen Augenblick später in die enge Straße einbog, die oben auf dem Grat die Schlucht umrundete. Während Yarboroughs Blicke dem Freund in nervöser Spannung folgten, lauschte er angestrengt dem...

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