Marie

Roman
 
Arne Nevanlinna (Autor)
 
Lübbe (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 20. Mai 2011 | 340 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0590-3 (ISBN)
 
Marie durchlebt den letzten Tag des 20. Jahrhunderts in einem Altersheim in Helsinki. Die Erinnerungen an ihr langes, ausgefülltes Leben, die Beschreibung des Kulturschocks, als sie von Straßburg aus nach Finnland - in das für sie unbekannte Land - im Norden kam, sowie ihre Gegenwart als gebrechliche Frau schmelzen in diesem großartigen Roman kunstvoll ineinander.
Luebbe Digital Ebook
1. Aufl. 2011.
Angela Plöger
Deutsch
0,66 MB
978-3-8387-0590-3 (9783838705903)
3838705904 (3838705904)
weitere Ausgaben werden ermittelt
"DER SILBERNE LÖFFEL (S. 203-204)

Es ärgert sie immer noch, dass der Niedergang mit einer so dummen Sache begann, jahrelang hatte sie die Zimmerpflanzen gleich nach dem Morgenkaffee gegossen, jedoch erst wenn sie mit dem Finger geprüft hatte, ob die Erde trocken war, es ist wichtig, dass die Pflanzen genügend Wasser bekommen, aber noch wichtiger ist, dass sie nicht zu viel Wasser bekommen, sagte Maman, dann schien die Morgensonne hinter den Satinvorhängen des Wohnzimmers, in der Nase spürte sie die zuverlässigen Düfte und Gerüche von frisch gebackenem Brot, Kaffee, Parfüm, Tabak und Dung, die Tür, die aus der Küche zum Hof führte, stand offen, weil Sommer war, dann waren die Pflanzen groß, Palmen und Ficus, solche kann heute niemand mehr halten, weil die Zimmer so niedrig sind, und ihr Kopf reichte gerade eben an den Troddelgürtel von Mamans Morgenrock heran.

Früher war nichts passiert, aber jetzt schwoll die Hand binnen weniger Minuten unförmig an, sie erschrak, rief Edouard an und sagte, komm schnell, ich sterbe an einer Vergiftung, meistens berief Edouard sich auf seine Verpflichtungen und blieb mehrere Tage oder zumindest um Stunden aus, aber diesmal wurde der Schlüssel so schnell ins Schloss gesteckt, dass sie kaum dazu kam, sich anständig anzukleiden. Das sieht nach einer Allergie aus, sagte Edouard, auch mir schwellen manchmal die Augen an, nicht mehr so häufig wie während des Krieges am Syväri, und sie sagte, das sei kein Syväri, sondern der Swir, man muss die Flüsse bei ihrem richtigen Namen nennen, zum Beispiel heißt der Rhin Rhin und nicht Rhein, und Edouard antwortete, der Truppenteil sei finnisch gewesen und seine Sprache sei an ihm hängen geblieben. Aber lass uns trotzdem zum Arzt gehen, damit du etwas Beruhigendes bekommst, davon wird das hier nicht besser, seufzte sie und hatte recht, aber was hilft das noch.

Das Krankenhaus, ein freundlicher Oberarzt, seinerzeit ein Untergebener von Guillaume, höfliche junge Schwestern, kühl-grüne Wände und ein eigenes Zimmer, Telefon und Radio, die sie nicht bedienen konnte, aber sie gaben ihr ein Gefühl von Sicherheit. Edouard besuchte sie fast jeden Tag und bat um Verzeihung, weil er ihr keine Blumen mitbrachte, die hätten ja die Allergie verschlimmern können, trotzdem ging die Schwellung nicht zurück, es juckte und machte sie müde.Und dann jener Morgen, den sie nicht vergessen wird, obwohl seitdem so viel Zeit vergangen ist …

Jedenfalls viele Jahre, die Heilung schreitet nicht so schnell voran, wie wir gehofft haben, sagte der Oberarzt mit einer ebensolchen Patientenstimme wie Doktor Jekyll, aber hier können wir nichts mehr tun, Sie verstehen, die Akutpatienten, lange Schlangen und so weiter, und wenn Sie allein leben, ist das Risiko zu groß, auch Ihr Alter ist allmählich – wie alt sind Sie doch gleich? Ist es sinnvoll, die Wahrheit zu bagatellisieren oder zu übertreiben oder auszusprechen?

Über neunzig, flüsterte sie schließlich und hoffte, der Arzt würde sich verhören und nicht fragen, wie viel über neunzig. Wir haben mit Ihrem Sohn vereinbart, dass wir eine Dauerpflegestelle für Sie besorgen, es gibt viele Möglichkeiten, in unserem Land haben wir ein hoch entwickeltes Netzwerk von Pflegeheimen, im Grunde eines der besten der Welt, es gibt keinen Grund zur Sorge, psychosomatische Symptome, aber auch Ihre physische Verfassung ist nicht …"
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