Schmetterlinge im Bauch sind die gefährlichsten Tiere der Welt

Roman
 
 
Ullstein (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. April 2020
  • |
  • 272 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8437-2291-9 (ISBN)
 
Verlieben? Wie geht das noch mal?Frieda, Anfang fünfzig, alleinerziehende Mutter eines frisch ausgezogenen Sohnes und Mitbesitzerin von fünf gut gehenden Berliner Currywurstbuden hat ihr Leben eigentlich im Griff. Sie kann alles alleine, macht alles alleine, ist aber - leider - auch oft alleine. Verliebt hat sie sich seit ihrer Scheidung nicht, und einen Mann für aufregende Nächte hat sie auch lang nicht mehr getroffen. Ohnehin läuft es in Friedas Bett nicht gut: Sie schläft nicht mehr. Nachdem sie deshalb fast eine ihrer Currywurstbuden abfackelt, verordnet der Arzt Frieda eine Auszeit. Sechs Wochen Almhütte, Blumenwiesen, Bergluft, Gipfelglück und vor allem: himmlische Ruhe. Oben angekommen wartet jedoch eine Überraschung: Nicht nur Frieda hat die Hütte gemietet. Und ihr Mitbewohner wider Willen ist genauso nervtötend wie attraktiv .
1. Auflage
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • 2,71 MB
978-3-8437-2291-9 (9783843722919)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Silke Neumayer, geboren 1962 in Zweibrücken, ist Drehbuchautorin für Film und Fernsehen und Bestsellerautorin. Sie kennt sich mit Hunden, Katzen und auch Pferden sehr gut aus, aber vor den Schmetterlingen im Bauch hat sie den meisten Respekt. Silke Neumayer lebt alleinerziehend mit ihrer Tochter in München.

1


Es roch nach Sommer, Kräutern, frisch gemähtem Gras und Sonne auf der Haut. Frieda ließ ihren Blick schweifen, sie war fast oben, fast am Gipfel. Weit unter ihr lag ein Tal mit einem kleinen Dorf, sie konnte den Kirchturm mit der Zwiebelspitze in der Mitte sehen, und ein paar verstreute Bauernhöfe lagen verschlafen im Glanz der Nachmittagssonne. Alles war weit weg, so als würde es diese Welt mit ihren Autos und Häusern nur noch in Spielzeugformat geben. Hier oben auf dem Berg gab es nur Natur, blühende Wiesen, Bäume, Gipfel, und über allem thronte ein magisch blauer Himmel, durch den am helllichten Tag fast die Sterne schimmerten, so hoch oben war Frieda.

Frieda drehte sich um und wandte ihren Blick auf die andere Seite. Jetzt lag die Alpenkette vor ihr, Gipfel an Gipfel reihte sich aneinander, manche selbst jetzt im Sommer noch schneebedeckt. Sie konnte fast bis zum Mittelmeer hinuntersehen, aber vielleicht war das Blau dort auch nur der Dunst, der sich am Horizont verlor. Ein paar Kuhglocken bimmelten, irgendwo meckerten ein paar Ziegen oder Schafe. Frieda hatte das Gefühl, sie müsste nur einen kleinen Hüpfer machen, und schon könnte sie abheben und durch den weißblauen Himmel bis ins Tal schweben. Ganz ohne Gleitschirm. Einfach so, Arme ausbreiten und fliegen, sich sanft von den Fallwinden der Berge tragen lassen.

Frieda breitete die Arme aus, und tatsächlich - sie schwebte langsam nach oben, wie ein Luftballon, was etwas seltsam war, da Frieda unter leichter Höhenangst litt, aber davon spürte sie im Moment gar nichts, ganz im Gegenteil, es fühlte sich einfach glücklich und frei an.

Frieda drehte ihren Kopf zur Seite und sah einen Schmetterling, der direkt neben ihr flog. Einen unglaublich bunten Schmetterling, der erstaunlich große Flügel hatte. Irgendwas an diesem Schmetterling erinnerte Frieda entfernt an Elton John. War es der Glitzer auf den bunten Flügeln? Oder dass er ziemlich moppelig geraten war? Vielleicht war es aber auch die ziemlich ausgefallene Sonnenbrille mit Strasssteinchen, die er auf seinen Fühlern trug.

Es war erstaunlich, dass der Schmetterling überhaupt fliegen konnte bei dem Figurproblem und dann auch noch so hoch, dachte sich Frieda. So viel Gewicht musste ja erst mal in die Luft. Obwohl, Hummeln konnten ja auch fliegen und waren nicht gerade Size Zero.

Aber was machte ein Schmetterling so weit hier oben auf dem Berg? Und seit wann konnten Schmetterlinge so gut fliegen? Die torkelten doch normalerweise immer eher durch die Gegend, so als hätten sie gerade ein Glas Champagner zu viel getrunken.

»Du hast echt keine Ahnung von gar nichts«, summte der Schmetterling bestens gelaunt in Richtung Frieda. Das Summen war erstaunlicherweise unterlegt mit der Melodie von »Don't Go Breaking My Heart«. Dann zwinkerte er Frieda neckisch zu, machte einen lässigen Flügelschlag und flog davon, hinunter auf die Almwiese zu den bunten Blumen.

Frieda blickte dem Schmetterling nach, dann fiel ihr plötzlich ein, dass sie ja gar keine Flügel hatte, sich aber verdammt hoch über der Erde befand.

Sie runzelte die Stirn, ihr war nicht mehr so ganz klar, wie sie überhaupt fliegen konnte, sie fühlte auch schon die gewohnte Angst in sich aufsteigen. Beim Anblick der Höhe, in der sie sich gerade befand, war das ja auch kein Wunder. Frieda wollte gerade laut losschreien, gleich würde sie fallen, da schrie jemand anderes sie an.

»Frieda! Frieda!!!! Frieda!!!!!!!«

Mit einem Ruck wurde Frieda wach.

Beißender Gestank nach verbranntem Fett stach ihr in die Nase.

Nichts mit Alpenkräuterwiese.

Sie war klatschnass und von Kopf bis Fuß mit weißem Schaum bedeckt.

Annie, ihre beste Freundin und Mitinhaberin von »Friedas Fritten«, hielt einen Feuerlöscher auf sie gerichtet und feuerte Schaum wie eine Maschinengewehrsalve auf Frieda und die Fritteuse, die Feuer gefangen hatte.

Frieda blickte sich um. Es sah aus, als wäre ihre kleine, sehr beliebte Currywurstbude am Savignyplatz in Berlin plötzlich unter Meeresschaum begraben worden.

»Du hast gerade fast den ganzen Laden in Brand gesteckt. Hast du geschlafen? Was um alles in der Welt ist los?« Annie hörte endlich auf, sie mit Schaum zu bespritzen, und blickte sie besorgt an.

Frieda war plötzlich so wach wie seit Tagen nicht. Gott sei Dank war noch alles an ihr dran. Vielleicht ein paar versengte Haare. Kein Feuer mehr. Aber eine unglaubliche Schweinerei. Pommes schwammen traurig in einer Brühe aus Fett und Schaum.

Ein paar Kunden blickten von draußen wie erstarrt auf das Chaos. Ein Mann mit offenem Mund hielt eine aufgespießte Currywurstscheibe schwebend in der Hand, wie festgefroren.

Frieda blickte an sich herab und dann auf die Fritteuse und die schwarzen Rauchspuren, die das Feuer an der Wand hinterlassen hatte.

Ja. Sie hatte wohl tatsächlich für ein paar Sekunden geschlafen. Im Stehen. An der Fritteuse.

Keine gute Idee, aber auch kein Wunder.

Sie hatte seit Jahren Schlafstörungen. Als alleinerziehende Mutter eines ziemlich - wenn man es freundlich formulierte - aufgeweckten Sohnes war Schlafen nicht gerade die Priorität in ihrem Leben in den letzten Jahren gewesen.

Und da sie ja nicht nur Mutter war, sondern auch Geld verdienen musste, hatte sie quasi nebenher mit Annie mittlerweile fünf gut gehende Currywurstbuden in Berlin aufgebaut. »Friedas Fritten« lief hervorragend, so hervorragend, dass Frieda in den letzten fünf Jahren nicht mehr im Urlaub gewesen war. Schließlich arbeitete sie selbst und ständig. Und ihre selbst gemachte Currysoße war ein Geheimtipp, der »Friedas Fritten« in jedem Reise­blog über Berlin einen enthusiastischen Eintrag beschert hatte.

Irgendwann zwischen Sohn, Currywurst und Steuererklärung hatte Frieda das Schlafen verlernt.

So erschien es ihr zumindest. Zwei, drei Stunden in der Nacht an einem Stück war das Längste, was Frieda noch an Schlaf kannte. Danach war sie für Stunden hellwach und schlummerte, wenn überhaupt, erst in den frühen Morgenstunden wieder ein.

Seit Jakob, ihr mittlerweile neunzehnjähriger Sohn, sich vor vier Wochen auf eine halbjährige Weltreise begeben hatte, war es mit dem Schlafen beziehungsweise mit dem Nichtschlafen sogar noch schlimmer geworden.

Dabei hätte sie jetzt doch endlich mehr Zeit zum Schlafen gehabt.

Jahrelang hatte sie sich vorgestellt, wie es wäre, mal wieder allein zu leben und wenigstens in ihrer Freizeit tun und lassen zu können, was sie wollte.

Schlafen. Endlich schlafen. Und zwar allein. In einem großen, weißen Bett in einem Zimmer mit weißen, leicht im Wind wehenden Leinenvorhängen.

Das war für längere Zeit in ihrem völlig durchgetakteten Leben ihr größter Wunschtraum gewesen. Nun ging er irgendwie in Erfüllung, allerdings anders als gedacht.

Tja, wenn sie eines mittlerweile in ihrem Leben gelernt hatte: Bei Träumen war es gar nicht so selten, dass sie irgendwie anders ausgingen als gedacht. Sie hatte jetzt weiße Leinenvorhänge an den Fenstern und war alleine. Aber der Schlaf war ferner denn je.

Seit der Scheidung von Anton, ihrem lausigen Ex, vor über zehn Jahren hatte Frieda es nur ab und zu geschafft, eine kleine Affäre zwischen zwei Pommes und Jakobs Pubertätsanfällen zu quetschen. Sie hatte keine Zeit zum Schlafen. Sie hatte keine Zeit für Männer. Und irgendwie hatte sie nicht nur das Schlafen, sondern auch die Männer verlernt. Oder die Männer sie. Und das mit gerade mal fünfzig. Manchmal nachts in ihren viel zu wachen Stunden hegte sie den leisen Verdacht, dass sie schon lange wieder Jungfrau war.

Gab es das? Konnte man wieder Jungfrau werden, wenn man nur lange genug keinen Sex hatte? Frieda hielt Männer im Leben von Frauen sowieso für absolut überbewertet. Sie kam wunderbar ohne klar. Und so etwas wie ihren Ex brauchte ganz sicher keine Frau. Auch nicht so was wie Vitus, ihr letztes Date. Der machte ihr den Vorschlag, sofort bei ihr einzuziehen, wenn ihr Sohn ausziehen würde. Damit sie nicht so alleine sei. Frieda blickte Vitus nur entsetzt über ihren Aperol Spritz an und löschte schon beim Verlassen des Lokals seine Nummer. Frieda war gerne alleine. Kein Problem. Besser allein als einsam zu zweit. Das war sie lange genug in ihrer Ehe gewesen.

Annie, die selbst lang und locker verheiratet war, war von Friedas Schlaf- und Männermangel nicht begeistert und schleppte Frieda ab und zu durch ein paar Kneipen Berlins. Zum einen, damit Frieda müde genug wurde, um ins Bett zu gehen, zum anderen, damit Frieda und vielleicht auch Annie endlich einen neuen Mann kennenlernen würde.

Nichts davon passierte. Der Schlaf blieb weg. Die Männer auch. Frieda war manchmal so müde, dass es ihr egal war.

Annie hatte rote Haare, nicht gefärbt, nur etwas mit Weiß durchzogen, und ein Temperament, das genau dazu passte. Etwas hitzig - wenn man es nett ausdrücken wollte. Aufbrausend und ziemlich dominant, wenn man es weniger nett ausdrückte.

»Was glotzt ihr denn so?«, fuhr Annie jetzt die verblüfften Kunden draußen vor »Friedas Fritten« an. »Das kann mal passieren. Schluss für heute mit Currywurst. Geht doch alle zu Mackie. Wir müssen hier erst mal die Sauerei...

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