Elena - Ein Leben für Pferde 1: Gegen alle Hindernisse

Gegen alle Hindernisse
 
 
Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. März 2011
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-522-65074-8 (ISBN)
 
Der erste Band der Pferdebuch-Erfolgsserie von Bestseller-Autorin Nele Neuhaus
Elenas Welt sind die Pferde. Und der Reiterhof ihrer Eltern ist ihr Leben. Besonders liebevoll kümmert sie sich um ihr Pferd Fritzi, das als Fohlen schwer verletzt und von ihren Eltern bereits aufgegeben wurde. Nun trainiert sie ihn heimlich zusammen mit Melike und Tim im Wald. Tim, der ihr Herz höherschlagen lässt - und ausgerechnet der einzige Junge, mit dem sie nie zusammen sein darf. Denn die Familien von Tim und Elena sind seit vielen Jahren verfeindet. Gemeinsam versuchen sie zu ergründen, woher dieser Hass stammt, und kommen einem dunklen Geheimnis auf die Spur ...In neuer Ausstattung!
weitere Ausgaben werden ermittelt

4. Kapitel

 

»Hi, Mama, ich bin wieder da!« Ich streifte mir im Windfang die schmutzigen Schuhe von den Füßen und erwischte Twix gerade noch rechtzeitig am Halsband, bevor er ins Wohnzimmer sausen und auf die Couch springen konnte.

»Hiergeblieben!«, flüsterte ich und deutete auf die Fußmatte. Twix ließ die Ohren hängen, setzte sich aber gehorsam.

Mama saß am Küchentisch und öffnete die Post. »Na, mein Schatz.« Sie blickte kurz auf und lächelte mich an, dann wandte sie sich wieder den Briefen zu. »Es ist noch Kartoffelsalat im Kühlschrank. Wie war es in der Schule?«

»Och, wie immer«, sagte ich betont gelangweilt. Gleich würde ich Mama mit der Eins überraschen. Ich öffnete meinen Rucksack, nahm das Deutschheft heraus und setzte mich zu Mama an den Tisch. »Melike und ich haben den Bus verpasst, und rate mal, wer uns mitgenommen hat!«

Ich konnte nicht anders, ich musste einfach mit jemandem über diese merkwürdige Begegnung sprechen.

»Du wirst es mir gleich verraten.«

»Tim Jungblut und sein Vater!« Ich senkte die Stimme und kicherte. »Der hat kein Wort geredet und mich nur im Rückspiegel angestarrt.«

»Wie kommst du dazu, zu diesen Leuten ins Auto zu steigen?«

Ich zuckte erschrocken zusammen, als ich Papas Stimme direkt hinter mir vernahm.

»Elena!«

Ich drehte mich um. Es fiel mir schwer, Papas Blick standzuhalten. Wenn er mich so anschaute, wie er es jetzt tat, dann hatte ich immer das Gefühl, wieder sechs Jahre alt zu sein und alles falsch zu machen.

»Ich . wir . hatten den Bus verpasst«, stotterte ich verlegen. »Und Melike meinte .«

»Ich wünsche nicht, dass du mit denen sprichst. Das weißt du genau«, unterbrach Papa mich scharf. »Du hättest die paar Minuten warten und den nächsten Bus nehmen können.«

Ich senkte den Kopf und rollte das Deutschheft in meinen Fingern zu einer Wurst zusammen. Schlechter Zeitpunkt, um mit einer Eins zu kommen.

»Hast du mein rotes Jackett aus der Reinigung geholt?«, wandte Papa sich nun an Mama. Ich war schon wieder vergessen. »Wir müssen in einer halben Stunde los, sonst kommen wir zu spät zum Turnier.«

»Ich habe es vorhin in den großen Lkw gehängt«, erwiderte Mama, die wie immer alles bestens im Griff hatte. »Die Stiefel und die Hemden sind auch schon drin, und die Pferdepässe habe ich Jens gegeben.«

»Gut. Danke.«

Papa wollte gerade wieder die Küche verlassen, als mir die neuen Pferde einfielen.

»Ach Papa«, sagte ich zaghaft, »der Fahrer von Herrn Nötzli war da und hat zwei Pferde gebracht. Ich hab ihm gesagt, er soll sie in die leere Box neben Sirius und in den langen Stall neben Dimitri stellen.«

Er nickte nur. Offensichtlich war ich bei ihm in Ungnade gefallen, denn er würdigte mich keines Blickes mehr und ging an mir vorbei, als wäre ich durchsichtig. Die Haustür fiel krachend hinter ihm ins Schloss.

»Ich geh hoch«, sagte ich zu Mama. »Hausaufgaben machen.«

»Ja, tu das«, erwiderte sie leise, in Gedanken ganz woanders.

Ich wartete darauf, dass sie noch etwas zu mir sagte, aber es kam nichts mehr, deshalb gab ich Twix einen Wink. Auf den hatte er nur gewartet. Lautlos huschte er an der Küchentür vorbei und sprang vor mir die Treppe hoch.

Ich ergriff meinen Rucksack und steckte das Deutschheft zurück. Vom Fenster meines Zimmers aus konnte ich über die Parkplätze und die Grünfläche im Hof bis zur Reithalle schauen. Der silberne Opel war nicht mehr da. Christian kam gerade mit dem Minimoped aus der Stalltür gekurvt. Papa und er wechselten ein paar Worte und verschwanden dann gemeinsam im Stall. Mit einem Seufzer ließ ich mich auf mein Bett fallen und zog meinen Hund in die Arme.

»Ich bin froh, dass Papa aufs Turnier fährt«, sagte ich zu Twix, der die Ohren spitzte, den Kopf schief legte und mich ansah, als ob er jedes Wort verstünde. »Hoffentlich gewinnt er das Springen und vergisst, dass er sauer auf mich ist.«

Ich konnte mich nicht dazu aufraffen, meinen Schulkram aus dem Rucksack zu holen und mich an die Hausaufgaben zu setzen. Als kurz vor drei die beiden Lkws mit Papa, Christian und Jens vom Hof rollten, schlüpfte ich in meine Reithose und machte mich auf den Weg zu Fritzi.

 

Twix und ich liefen durch den prasselnden Regen über den Hof, vorbei an der überdachten Führmaschine und der kleinen Reithalle, vor der sich eine riesengroße Pfütze gebildet hatte. Die Scheune lag ein ganzes Stück vom Hof entfernt. Unter dem Heuboden, auf dem sich bis unter das Dach die duftenden Heuballen stapelten, gab es zehn große Laufboxen, die zwar nicht so schön und hell, dafür aber billiger waren als die Boxen in den anderen Ställen. Hier waren ein paar alte Pferde untergebracht, die von ihren Besitzern das Gnadenbrot bekamen. Und in einer der Boxen stand mein Liebling, der dunkelbraune Hengst Fritzi.

Er hatte mich natürlich längst kommen hören, streckte erwartungsvoll seinen Kopf über die Trennwand und wieherte ungeduldig, als ich nun das große Tor zur Seite schob.

»Hey, Fritzi!« Ich nestelte ein zerbröseltes Zuckerstück aus meiner Jackentasche und gab es ihm, dann ergriff ich Halfter und Strick, die an einem Haken vor der Box hingen. Obwohl er erst vier Jahre alt war, hatte Fritzi schon eine tragische Lebensgeschichte. Im Mai vor vier Jahren war er genau an meinem neunten Geburtstag auf die Welt gekommen. Papa und Mama hatten große Hoffnungen in das Hengstfohlen mit dem großen Stern und den vier weißen Fesseln gesetzt, denn seine Mutter war Gretna, Mamas alte Stute, die ein tolles Springpferd gewesen war, und sein Vater der berühmte Fuchshengst For Pleasure, der auf Olympiaden und Weltmeisterschaften unzählige Goldmedaillen gewonnen hatte. Mein Geburtstag war durch Fritzis Geburt zu kurz gekommen, alles hatte sich um das Fohlen gedreht.

»Weißt du was«, hatte Papa zu mir gesagt, als sie zusammen mit dem Tierarzt und ein paar Leuten im Stall Sekt getrunken hatten, »wir schenken dir das Fohlen zum Geburtstag, Elena. Dann ist es in guten Händen.«

Ich war zunächst sprachlos gewesen. »Du meinst, es gehört ganz richtig mir? Mir ganz allein?«, hatte ich mich dann ungläubig vergewissert.

»Na ja«, hatte Papa gesagt und mir zugezwinkert, »vielleicht lässt du mich später mal auf ihm reiten.«

Alle hatten gelacht und es hatte noch mehr Sekt gegeben. Seit diesem Tag hatte ich mich sehr um Gretna und ihren kleinen Sohn gekümmert. Fritzi folgte mir bald auf Schritt und Tritt, und als er im Oktober von seiner Mutter getrennt und mit drei gleichaltrigen Hengstfohlen in einen Laufstall gebracht wurde, hatte er kaum getrauert.

Doch kurz nach seinem ersten Geburtstag war etwas Schreckliches geschehen. Zusammen mit seinen drei Kumpeln war Fritzi auf die große Waldkoppel mit dem stabilen Holzzaun gebracht worden, wo sie den ganzen Sommer draußen verbringen konnten. Niemand hatte sich später erklären können, wie es den vier jungen Hengsten gelungen war, aus der Koppel auszubrechen. Neugierig und übermütig waren sie in den Feldern herumgaloppiert und ausgerechnet Fritzi war bei diesem Ausflug auf die Straße geraten und von einem Auto erwischt worden.

Die Polizei war auf den Amselhof gekommen und hatte Papa gefragt, ob es eines von seinen Pferden sein könnte, das auf der Straße zwischen Steinau und Königshofen angefahren worden war. Papa hatte sämtliche Koppeln kontrolliert und dabei feststellen müssen, dass die Jährlinge fehlten. Drei von ihnen hatte man auf einer Wiese gefunden, aber Fritzi war verschwunden geblieben.

Eine große Suchaktion hatte begonnen und am späten Abend hatten die Männer das Pferd im Steinauer Moor gefunden - schwer verletzt und halb verrückt vor Angst! Fritzi hatte nicht mehr auf sein linkes Hinterbein auftreten können, hatte aus tiefen Wunden geblutet; aber das Schlimmste war gewesen, dass er sich von niemandem mehr hatte anfassen lassen. Schließlich hatte Papa mich geholt und tatsächlich war es mir gelungen, an Fritzi heranzukommen, ihm ein Halfter anzulegen und ihn auf den Pferdeanhänger zu führen.

»Am besten erschießen wir ihn gleich hier«, hatte Papa düster gesagt.

»Nein, Papa, nein!«, hatte ich entsetzt geschrien. »Das kannst du nicht tun! Fritzi gehört mir! Du hast ihn mir geschenkt!«

»Das Pferd wird wahrscheinlich nie mehr zu etwas zu gebrauchen sein«, hatte Papa streng gesagt. »Schau ihn dir doch an!«

Das hatte ich getan und es war ein furchtbarer Anblick gewesen.

»Bitte, Papa, bring ihn in die Klinik!«, hatte ich gebettelt. »Bitte, bitte, bitte!«

Papa hatte geseufzt, aber dann war er doch mit Fritzi in die Tierklinik gefahren. Dort hatten die Tierärzte die kaputten Sehnen und Bänder des verletzten Beins kunstvoll zusammengeflickt, aber mehr hatten sie nicht tun können. Den Rest, so hatten sie gesagt, müsse die Natur machen.

Papa hatte versucht, mich davon zu überzeugen, dass es für Fritzi das Beste sei, ihn von seinem Leiden zu erlösen, doch ich war hartnäckig geblieben. Fritzi war mein Pferd und mir war es herzlich egal gewesen, ob er später springen konnte oder nicht.

In der Schule hatte ich mich nicht mehr konzentrieren können, vor lauter Angst, Fritzis Zustand könnte sich verschlechtern. Nach drei Wochen wurde Fritzi endlich aus der Klinik geholt.

»Eins sage ich dir«, hatte Papa zu mir gesagt, »ich bezahle keinen Cent mehr an irgendeinen Tierarzt. Entweder wird es jetzt was oder nicht. Wenn es noch mal Probleme gibt, dann kommt er weg, verstanden?«

Ich hatte genickt, überglücklich und fest entschlossen, allen das Gegenteil zu beweisen. Geduldig hatte ich Fritzi jeden Tag gepflegt, seine Wunden behandelt...

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