Herzklopfen am Bodensee

Roman
 
 
Ullstein Taschenbuchverlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. April 2017
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8437-1537-9 (ISBN)
 

Am sommerlichen Bodensee will die Tierärztin Andrea Karlsberg einen Neuanfang wagen: Sie wurde von ihrem Verlobten hintergangen und braucht Abstand von allem. Doch in der von ihr übernommenen Praxis geht es hoch her, und die Bauern in der Gegend trauen ihr nichts zu. Als dann auch noch eine alte Rivalin auftaucht, zweifelt Andrea an ihrer Entscheidung. Aber zum Glück hat sie bald eine neue Patientin: die Stute des äußerst attraktiven Hoteliers Markus Eichner. Wird der Sommer am Bodensee doch noch zu einem glücklichen Neuanfang?

1. Auflage
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • 0,78 MB
978-3-8437-1537-9 (9783843715379)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Johanna Nellon begeistert ihre Leserinnen mit romantischen Liebesgeschichten vor den schönsten Kulissen. Sie lebt im Rheinland, ist aber gern auf Reisen und liebt die bayerischen Seen.

1


Du solltest dich endlich um ein Brautkleid kümmern. In fünf Wochen ist Hochzeit, aber die Braut interessiert sich mehr für trächtige Kühe, scheinschwangere Dackel und alte Kater als für ein weißes Kleid.« Daniela Meyerbeer hob einen fetten schwarzweißen Kater auf den Untersuchungstisch.

»Ach, das Kleid . Davon gibt es Tausende in München zu kaufen. Irgendeins wird mir schon passen.« Ohne ihre langjährige Freundin und Mitarbeiterin anzusehen, schob sich Andrea Karlsberg das Stethoskop in die Ohren und horchte den Kater ab.

»Na also, mein Dicker, das hört sich doch gut an.« Sie kraulte den Kater hinter den Ohren. »Wenn sich dein Frauchen jetzt noch an meine Ratschläge hält und dich nicht mehr überfüttert, hast du noch ein paar gute Jahre.«

»Das wird sein Frauchen aber nicht tun. Im Gegenteil, es wird ihn wieder so lange mit ungesundem Zeug vollstopfen, bis er erneutes Nierenversagen kriegt und hier landet. Oder er stirbt an Herzverfettung.« Daniela hob den leise maunzenden Kater in seinen Korb zurück. »Ich werde nie verstehen, warum die Leute ihren Tieren so was antun.«

»Die meisten haben nur dieses Tier als Bezugsperson - und sie verwöhnen es eben. Auch wenn es unvernünftig ist.«

»Zum Glück hast du deinen Gerhard zum Liebhaben.« Daniela seufzte leise. »Er ist ein Traummann. Obwohl .« Sie biss sich auf die Lippe, erwiderte dann aber: »Manchmal ist er mir ein bisschen zu materiell eingestellt.«

»Na ja, er hat so seine Macken. Und er ist ausgesprochen geschäftstüchtig. Das ist auch nicht falsch.« Die blonde Tierärztin brachte den behandelten Kater selbst zu seiner Besitzerin zurück und gab der zierlichen alten Dame ein paar Verhaltensmaßregeln mit auf den Weg. Danach behandelte sie, assistiert von Daniela, noch eine trächtige Hündin, einen Kanarienvogel und kastrierte zwei Kater.

Am Schluss erneuerte sie bei dem mächtigen Bernhardiner, den man ihr vor zwei Stunden mit einem heftigen Epilepsieanfall gebracht hatte, die Infusion. Apathisch und mit halbgeschlossenen Augen lag der große Hund in einer der Boxen, die Andrea in der Scheune installiert hatte, und reagierte kaum, als sie ihm liebevoll zuredete. Sie kontrollierte vorsichtshalber sein Herz, maß Fieber und machte sich dann zu einem Hausbesuch auf, da mit dem Bernhardiner so weit alles in Ordnung zu sein schien.

»Pass nur ja auf bei den Wagners«, mahnte Daniela und sah der Freundin nach, die in ihren graublauen alten Kombi stieg und kurz die Hand hob.

Die Wagner-Brüder wohnten nur ein paar Straßen entfernt und besaßen drei Pythonschlangen, von denen eine den erfahrenen Tierhaltern Sorge machte. Sie fraß nicht und lag apathisch in einer Ecke des großen Terrariums.

Vorsichtig untersuchte Andrea das Tier. Sie hatte keine Angst vor Schlangen, und diese Python war gerade mal einen Meter lang. »Sie hat Bakterien. Deshalb liegt sie auch gerne in ihrem Wasserbecken«, diagnostizierte sie schließlich.

»Aber das kann nicht sein!« Jens Wagner fuhr sich mit beiden Händen durch die blonden dichten Locken. »Wir halten die Terrarien peinlich sauber, das wissen Sie doch, Frau Doktor.«

»Sicher. Aber woher wollen Sie wissen, dass nicht eins der Futtertiere mit Bakterien infiziert war?« Andrea zog eine Spritze auf und injizierte ein Antibiotikum. »Das Mittel ist erprobt«, erklärte sie. »Noch drei, vier Injektionen, dann ist Ihre Schlange sicher auf dem Weg der Besserung. Falls nicht, müssten Sie sie in eine Tierklinik bringen, die auf Schlangenkrankheiten spezialisiert ist. Aber ich bin sicher, dass sie sich bald erholt«, fügte sie rasch hinzu, als sie die bedrückten Gesichter der beiden jungen Männer sah.

Nach diesem ungewöhnlichen Hausbesuch fuhr sie noch zu drei weiteren Adressen, doch dort gab es keine besonderen Vorkommnisse.

Im Westen verfärbte sich der Himmel, die Gipfel der fernen Alpen wirkten, als wären sie mit einem rotgoldenen Tuch bedeckt worden. Noch lag Schnee auf den Spitzen, der Winter hatte sich im Gebirge noch nicht ganz verabschiedet, doch im Flachland hielt bereits der Frühling Einzug.

Für ein paar Minuten blieb Andrea hinter dem Lenkrad ihres Wagens sitzen und genoss die Ruhe und das schöne Szenario. Sie ließ den Blick schweifen, sah die braunen Rinder des Huber-Bauern, die sie vor einigen Wochen geimpft hatte, schaute hinüber zu den vier Haflingern, die der leidenschaftliche Pferdezüchter Bernd Huber oft vor seine alte Kutsche spannte.

Das hier, das ist meine Welt, dachte Andrea, und wieder einmal fragte sie sich, ob sie sich an einer Tierklinik in München wohlfühlen könnte. Gerhard, ihr Verlobter, hatte ihr vorgeschlagen, sich dort zu bewerben. Er liebte die Großstadt, besaß ein weitläufiges Apartment in Schwabing und wollte, dass sie nach der Hochzeit mit ihm dort lebte. Seit Monaten drängte er sie, die Praxis »auf dem Land«, wie er Gauting nannte, zu verkaufen oder zumindest zu verpachten, doch Andrea hatte sich noch nicht dazu durchringen können.

Ihre Arbeit als niedergelassene Tierärztin - das war der einzige Streitpunkt zwischen Gerhard und ihr. Seit gut einem Jahr kannte sie den erfolgreichen Immobilienmakler, Hals über Kopf hatte sie sich auf einer Party bei Bekannten in ihn verliebt. Sie waren ein schönes, harmonisches Paar, und die bevorstehende Heirat war in Gerhards Augen mehr als überfällig. Schon wenige Monate nach ihrem Kennenlernen hatte er Andrea einen Heiratsantrag gemacht.

Andrea allerdings hatte sich zunächst nicht entscheiden können. Sie liebte ihre Unabhängigkeit, liebte ihren Beruf, liebte das alte, geschmackvoll renovierte Bauernhaus am Ortsrand von Gauting, in dem sie lebte und in dem sich auch ihre Praxis befand. Ein Onkel hatte ihr den Besitz samt drei Hektar Land vor Jahren vererbt.

Als »brachliegendes Kapital« hatte Gerhard den Hof vor ein paar Tagen noch bezeichnet. »Im Umland von München bezahlen die Leute ein Vermögen für ein großes Grundstück in dieser Lage. Wenn du den ganzen Krempel verkaufst, könnten wir uns ein Haus kaufen. Oder, besser noch, eine Penthousewohnung direkt in der Innenstadt. Und es bliebe immer noch genug übrig, um sorglos leben zu können.«

Doch so sehr er auch drängte, Andrea zögerte, diesen entscheidenden Schritt zu tun. Allerdings war ihr auch klar, dass eine Ehe auf Dauer nicht funktionieren konnte, in der die Frau auf dem Land und der Ehemann in einer Luxuswohnung in der Stadt lebte.

Sie zuckte zusammen, als hinter ihr das dumpfe Tuten eines Traktors ertönte.

»Probleme, Frau Doktor?«, erkundigte sich der Huber-Bauer, der von seinem Gefährt gestiegen war und sich neben Andreas Wagen stellte.

»Nein, nein, alles in Ordnung. Ich hab mich nur in dem schönen Anblick des Sonnenuntergangs verloren.«

»Ja, ja, unsere Heimat ist einmalig schön. Wenn's auch oft Arbeit macht, die Hangwiesen zu mähen«, fügte er lakonisch hinzu.

Andrea nickte. »Schönen Feierabend«, wünschte sie ihm.

»Ihnen auch, Frau Doktor. Und bis bald. Sie denken ja dran, dass bald die alte Fanny kalben wird. Die Gute kriegt noch mal Zwillinge.« Er kratzte sich am Kinn. »Hoffentlich geht alles gut, meine Frau hängt an dem Tier. Sie hat die Fanny mit der Flasche großgezogen.«

»Ich komme, sobald Sie mich rufen.« Andrea startete den Motor, nickte dem Bauern noch einmal zu und fuhr dann weiter. Sie freute sich auf einen ruhigen Abend, den sie mit dem neuen schwedischen Krimi verbringen wollte, den sie sich am Vormittag gekauft hatte. Gerhard würde in München bleiben, er hatte am Abend noch einen Kundentermin.

Gerade, als sie in die breite Einfahrt zu ihrem Haus einbog, die von einer halbhohen Ligusterhecke gesäumt wurde, klingelte ihr Mobiltelefon.

»Karlsberg.«

»Hey, Andrea, ich bin's, Bettina.«

»Hallo, Bettina. Was gibt's?« Sie fuhr den Wagen vor die links vom Haus neu gebaute Garage.

»Gute Neuigkeiten. Richard kann jetzt doch mit zu eurer Hochzeit kommen. Die Dreharbeiten zu seinem neuen Film verzögern sich.« Bettina Meiningen, Andreas Cousine, war seit knapp drei Jahren mit einem bekannten Schauspieler verheiratet. Die beiden lebten auf dem Weingut der Meiningens am Bodensee, wo Richard mithalf, sofern er nicht drehen musste. Wenn er in den Weinbergen arbeitete, erkannte niemand in ihm den berühmten Rick Meinhard, der schon in den USA gedreht hatte und der Hauptdarsteller eines dreiteiligen Fernsehfilms gewesen war, der beste Kritiken erhalten hatte. Seither war seine Bekanntheit noch gestiegen, die Aufträge und Angebote mehrten sich.

»Das wird meine Sprechstundenhilfe umhauen. Daniela schwärmt so für ihn.«

»Hoffentlich ist sie nicht enttäuscht, wenn sie ihn in natura sieht.« Bettina lachte. »Ich bin jedenfalls froh, dass er mitkommen kann.« Ihre letzten Worte wurden vom Rotorengeräusch eines Rettungshubschraubers geschluckt. »Wir telefonieren noch mal«, rief sie, dann brach das Gespräch ab.

Andrea stieg aus dem Wagen und sah nach Süden, wo der Hubschrauber in Richtung Starnberger See entschwand. Auf der Autobahn, die zum See führte, passierten immer wieder schwere Unfälle, und auch die Nebenstraßen waren unfallträchtig.

Von der nahen Koppel erklang nervöses Wiehern, und Mucki, die schwarze Katze, die Andrea vor einem Jahr halbverhungert im Garten gefunden und gesund gepflegt hatte, kam ums Hauseck und schmiegte sich an ihre Beine.

»Dich könnte ich auch nicht mitnehmen nach München«, murmelte Andrea, und ein Schatten fiel über ihr Gesicht.

2


Die...

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