Herzenseinsatz in Cornwall

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. April 2020
  • |
  • 130 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7337-1651-6 (ISBN)
 
Sekundenlang starrt Notarzt James Benson seine Kollegin Sarah an. Sie will selbst den Jungen aus derMine retten? Ohne Kenntnisse der Höhlen Cornwalls? Nein, das übernimmt er! Aus reiner Verantwortung als ihr Boss. Mehr empfindet er ja nichtfür sie, oder?
Joanna Neil startete ihre Karriere als Autorin von Liebesromanen auf ganz unkonventionellem Wege. Alles begann damit, dass Joanna Neil einen Werbespot für Liebesromane sah und von diesem Zeitpunkt an wie verzaubert war. Sie fing an, die Romane zu verschlingen, und war überwältigt. Je mehr sie las, umso mehr hatte sie auch das Bedürfnis selbst Liebesromane zu verfassen. Damals arbeitete sie als Lehrerin für Vorschulkinder, und bis heute liebt sie ihren Job, aber nach ihrem Erfolg als Liebesroman-Autorin hatte sie kaum noch Zeit dafür. Jetzt widmet sie sich ausschließlich ihrer schriftstellerischen Tätigkeit. Joanna Neil versetzt sich bei jeder Liebesgeschichte, die sie schreibt, in ihre Charaktere hinein und erschafft so gefühlvolle und einzigartige Momente in ihren Romanen. Ihre Leidenschaft zu lehren erfüllt sie sich weiterhin als Dozentin für kreatives Schreiben.

1. KAPITEL

"Also, ihr zwei, habt ihr alles, was ihr braucht?" Sarah musterte prüfend ihre jüngeren Halbgeschwister, wobei sie überlegte, ob sie vielleicht doch irgendetwas vergessen hatte.

Es war ein kühler Frühlingsmorgen, und ein kräftiger Wind wehte von der See her. Aber die Kinder waren gut in warme Jacken eingepackt.

"Hast du das Geld fürs Mittagessen noch, Sam?" Sie steckte sich eine verirrte Strähne ihrer rotbraunen Haare hinters Ohr. Sam war ein solcher Wirbelwind. Es hätte sie nicht überrascht, wenn er das Geld zwischen zu Hause und dem Schultor verloren hätte.

Der Zehnjährige fühlte sich in seiner neuen Schuluniform sichtlich unwohl, kramte jedoch tief in seiner Hosentasche. "Ja, ist da."

"Gut. Ich werde in der Schule eine Art Konto für euch einrichten, sobald ich kann. Aber jetzt achtet darauf, dass ihr von dem, was ihr habt, was Vernünftiges zu essen kauft." Sarah warf Sam einen mahnenden Blick zu. "Ich möchte nicht, dass ihr das Geld für Chips und Junkfood ausgebt."

Als er nickte, wandte sie sich seiner Schwester zu. Das kleine Mädchen sagte nicht viel. Tatsächlich wirkten heute Morgen beide ungewohnt still. Da ihnen der erste Tag in ihrer neuen Schule bevorstand, war dies kein Wunder. Die Kinder hatten in letzter Zeit so viele Dinge zu verkraften gehabt, dass es ihnen verständlicherweise schwerfiel, die notwendigen Veränderungen zu akzeptieren.

"Was ist mit dir, Rosie? Geht's dir gut?"

Die grauen Augen gesenkt, nickte die Kleine ernst. "Alles okay." Sie war zwei Jahre jünger als ihr Bruder, schien aber manchmal schon etwas reifer zu sein.

"Es wird bestimmt schön hier", meinte Sarah aufmunternd. "Ich weiß, es ist nicht leicht, mitten im Schuljahr die Schule zu wechseln. Aber eure Lehrer werden euch sicher euren Klassenkameraden vorstellen, und dann findet ihr auch bald neue Freunde." Sie legte ihnen die Arme um die Schultern und ging mit ihnen in das Schulgebäude hinein. "Denkt dran, falls ich noch arbeiten muss, wenn die Schule aus ist, holt Murray von nebenan euch ab."

Wenig später gab sie den beiden einen Abschiedskuss und ließ sie im Flur vor den Klassenzimmern allein. Zum Glück begrüßten die anderen Kinder die Neuankömmlinge neugierig und fingen gleich an, mit ihnen zu reden.

Auf dem Weg zum Auto atmete Sarah tief durch, um sich zu beruhigen. Immerhin hatte auch sie heute ihren ersten Tag an einer neuen Arbeitsstelle. Sie sollte zusammen mit dem für diese Gegend zuständigen Notarzt im Rettungshubschrauber mitfliegen. Doch das machte ihr keine großen Sorgen. Als Ärztin fühlte sie sich für medizinische Notfälle gut vorbereitet.

Von dem kleinen Fischerdorf in Cornwall fuhr sie auf der Küstenstraße entlang zu dem Luftrettungszentrum, wo sie James Benson treffen würde.

Unwillkürlich packte sie das Lenkrad fester. Genau hier lag das Problem. Allein der Name verursachte ihr schon ein seltsames Gefühl im Bauch. Wie lange hatte sie ihn nicht mehr gesehen? Damals war sie noch ein Teenager gewesen. Naiv und unschuldig, hatte sie sich nach seiner Aufmerksamkeit gesehnt. Ihr wurde glühend heiß bei der Erinnerung, und Sarah schüttelte energisch den Kopf, um die Gedanken zu vertreiben. Alles wäre ihr lieber gewesen, als James wieder zu begegnen. Doch es war unvermeidlich. Falls sie von Anfang an gewusst hätte, dass er der Oberarzt in der Notfallabteilung war, in der sie arbeiten wollte, hätte sie sich vielleicht gar nicht erst um die Stelle dort beworben.

Aber woher hätte sie wissen sollen, dass er ebenfalls bei der Luftrettung arbeitete? Sarah, die sich dafür extra hatte ausbilden lassen, wollte diesen Job unbedingt. Nachdem sie zu ihrer großen Freude genommen worden war, hätte sie niemals einen Rückzieher gemacht.

Bald ließ sie die Küste mit ihren spektakulären Klippen und zerklüfteten kleinen Buchten hinter sich. Dann fuhr sie durch bewaldete Täler, wo hier und da kleine, weiß getünchte Bauernhäuschen an den Hängen klebten. Blaue Teppiche aus blühenden Hasenglöckchen schimmerten durch das Gebüsch. Weißer Sauerklee und gelbe Wicken schmückten die grünen Hecken, aber Sarah hatte keinen Sinn für die Schönheit ihrer Umgebung. Ihr tat das Herz weh, dass sie die Kinder allein lassen musste. Außerdem fühlte sie sich äußerst nervös wegen des bevorstehenden Treffens mit James Benson.

Sobald sie neben der Hubschrauber-Basis geparkt hatte, ging sie in das Gebäude. Vor dem Personalraum wappnete sie sich innerlich, ehe sie klopfte und die Tür öffnete. Der Raum war leer. Komisch. Einen Notruf konnte sie nicht verpasst haben, denn der Hubschrauber stand draußen auf dem Landeplatz.

Sarah blickte sich um. Es gab einiges an medizinischer Ausrüstung, ein Monitor zeigte die letzten Einsätze an, und auf einem Schreibtisch aus glänzendem Holz stand ein rotes Telefon. Auf einer Arbeitsplatte befand sich ein Wasserkocher, der leise zischte.

"Ah, da bist du ja."

Sarah drehte sich um, als sie plötzlich die tiefe Stimme von James Benson hinter sich hörte. Ihr Herz begann heftig zu pochen.

"Tut mir leid, dass ich nicht hier war, um dich zu begrüßen", setzte er hinzu. "Wir haben uns gerade alle umgezogen."

Sie nickte stumm. Er sah genauso umwerfend aus, wie sie ihn in Erinnerung hatte. Mit seiner Ausstrahlung schien er den gesamten Raum zu beherrschen. Groß, durchtrainiert und dunkelhaarig, war er noch immer so attraktiv wie damals, was ihr - wofür sie sich heute noch schämte - zum Verhängnis geworden war. Die markanten Züge, das glänzend schwarze Haar und diese durchdringenden grauen Augen, denen nicht das Geringste entging .

Nachdenklich musterte er sie. Sein Blick glitt über ihr langes rotbraunes Haar, ehe er an ihrem schmalen Gesicht mit dem hellen Teint hängen blieb.

"Ich war nicht sicher, ob du es wirklich bist", meinte James. "Als ich deinen Namen auf der Stellenzusage las, habe ich kurz überlegt, ob es sich vielleicht um eine andere Sarah Franklyn handelt. Aber zwei Ärztinnen in dieser Gegend mit demselben Namen, das wäre ziemlich unwahrscheinlich gewesen. Ich wusste ja, dass du Medizin studiert und in Devon gearbeitet hast."

Sie zwang sich dazu, seinem Blick standzuhalten, und straffte die Schultern. "Da du mich noch von früher kennst, erscheint dir meine Berufswahl vermutlich merkwürdig." Ihre Stimme klang heiser, daher räusperte sie sich und fuhr in einem selbstbewussteren Ton fort: "Bei dem Einstellungsgespräch warst du nicht dabei. Darum bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, dass wir zusammenarbeiten würden."

James nickte flüchtig. "Ich musste zu einem Kongress. Es war wichtig, und kein anderer konnte übernehmen. Deshalb hat der Chefarzt der Notaufnahme die endgültige Entscheidung getroffen." Er verzog leicht die Mundwinkel.

Offenbar war er darüber nicht sonderlich erfreut, und Sarah spürte, wie sich ihr unwillkürlich die Kehle zuschnürte. Er wollte sie hier also nicht. Damit hatte sie nicht gerechnet.

Er betrachtete ihre angespannten Gesichtszüge, woraufhin sie entschlossen das Kinn hob.

Seine grauen Augen verdunkelten sich, doch seine Stimme blieb neutral. "Wenn du willst, kannst du dir jetzt deinen Fliegeranzug anziehen. Danach mache ich eine kleine Führung mit dir und stelle dich dem Rest der Mannschaft vor. Bis dahin müsste auch der Kaffee fertig sein."

"Ja, klingt gut."

Wenigstens akzeptierte er ihre Anwesenheit, das war ja schon mal etwas. Außerdem spielte er mit keinem Wort auf den Vorfall von vor vielen Jahren an. Allein bei dem Gedanken, dass er es noch tun könnte, krampfte sich Sarah der Magen zusammen. Aber momentan schien sie sicher zu sein. Immerhin war sie damals eine verletzliche Siebzehnjährige gewesen. Jetzt, neun Jahre später, war sie eine erwachsene Frau, die sich selbst im Griff haben sollte. Warum fühlte sie sich dann trotzdem so unbehaglich und unsicher?

Weil irgendwann die Vergangenheit doch zur Sprache kommen würde, daran bestand kein Zweifel.

James zeigte ihr den Raum mit den leuchtend orangefarbenen Fliegeranzügen, wo Sarah sich umziehen konnte. Sie nutzte die paar Minuten des Alleinseins, um ihr Gleichgewicht zurückzugewinnen. Sie würde ihr Verhältnis zu James Benson auf das rein Berufliche beschränken, mehr nicht. Auf diese Weise konnte sie ihre Gefühle im Zaum halten und ihm beweisen, dass sie heute ein ganz anderer Mensch war. Ruhig, kompetent, nicht so wie als Teenager.

Sarah schauderte, als sie an einige Dinge zurückdachte, die sie als junges Mädchen getan hatte. An einem Spätsommerabend war sie zum Beispiel mit Ben Huxleys Traktor durchs Dorf gefahren. Er hatte es unendlich bereut, den Schlüssel nicht abgezogen zu haben. Sein Schrecken, dass er seinen geliebten Traktor eine Stunde später in einem tiefen Graben wiedergefunden hatte, war nichts im Vergleich zu dem Schock, den er bei dem Anblick der Dreizehnjährigen empfand, die bewusstlos über dem Lenkrad hing.

Und wie hatte James reagiert, als sie eines Abends in die Stallungen auf dem Gut seines Vaters eingebrochen war und eines der Pferde gesattelt hatte? Es war an Sarahs vierzehntem Geburtstag, und es war ihr völlig egal gewesen, was hätte passieren können oder dass sie etwas Unrechtes tat. Sie liebte die Pferde, und an jenem Tag hatte sie einfach das unbändige Verlangen gehabt, über die Wiesen zu galoppieren und ihre Probleme weit hinter sich zu lassen. Sie war ungestüm, tollkühn und komplett außer Kontrolle gewesen. James hatte das erkannt.

"Nichts von all dem wird dir deine Mutter zurückbringen",...

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