Syltwind

Kriminalroman
 
 
Gmeiner-Verlag
  • 3. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. Juli 2020
  • |
  • 312 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8392-6604-5 (ISBN)
 
Mit ihren akrobatischen Sprüngen und waghalsigen Manövern ziehen die Kitesurfer alljährlich zahlreiche Besucher nach Sylt. Doch nicht nur den Sportlern werden Höchstleistungen abverlangt, auch die Polizei ist gefordert, als ein Toter im Hörnumer Hafenbecken gefunden wird. Kurz darauf überschattet ein Unglück den Kitesurf-Cup. Allen Warnungen zum Trotz mischt sich Anna in die Ermittlungsarbeit ein und gerät in Lebensgefahr, denn hinter den Kulissen der Veranstaltung weht ein scharfer Wind.
weitere Ausgaben werden ermittelt
Sibylle Narberhaus wurde in Frankfurt am Main geboren. Nach einigen Jahren in Frankfurt und Stuttgart zog sie schließlich in die Nähe von Hannover. Dort lebt sie seitdem mit ihrem Mann und ihrem Hund. Als gelernte Fremdsprachenkorrespondentin und Versicherungsfachwirtin arbeitet sie bei einem großen Versicherungskonzern und widmet sich in ihrer Freizeit dem Schreiben. Schon in ihrer frühen Jugend entwickelte sich ihre Liebe zu der Insel Sylt. So oft es die Zeit zulässt, stattet sie diesem herrlichen Fleckchen Erde einen Besuch ab. Dabei entstehen immer wieder Ideen für neue Geschichten rund um die Insel.

Kapitel 2


»Worüber amüsierst du dich so königlich?«

Nick stand mit dem Rücken gegen den Kühlschrank gelehnt und beobachtete mich mit einem Grinsen im Gesicht, wie ich den Geschirrspüler ausräumte. In einer Hand hielt er trotz der späten Stunde einen Kaffeebecher, die andere steckte in der Hosentasche seiner Jeans.

»Du läufst seit einer halben Stunde wie ein aufgescheuchtes Huhn hin und her.« Er setzte den Becher an die Lippen und trank einen Schluck.

»Ich habe eben viel zu erledigen«, gab ich zurück. »Und außerdem .«

»Außerdem?« Er sah mich mit prüfendem Blick von der Seite an.

»Meinst du, es wird alles problemlos laufen?«

»Ach, Anna.« Nick stellte seine Tasse ab. Dann nahm er mir die Plastikschüssel, die ich fest umklammert in der Hand hielt, ab und stellte sie zur Seite.

»Mach dir nicht so viele Sorgen, Sweety!« Er zog mich an sich und gab mir einen Kuss auf die Stirn. »Christopher wird es hervorragend gehen, und ihm wird es an nichts fehlen, davon bin ich überzeugt. Deine Eltern freuen sich seit Wochen auf diesen Urlaub mit ihrem Enkel. Gönn' ihnen den Spaß! In zehn Tagen sind sie zurück.«

»Du hast ja recht, und Amrum liegt auch nur einen Katzensprung von Sylt entfernt. Trotz allem, es ist das erste Mal, dass er für so lange Zeit von uns getrennt ist. Vermisst du ihn denn gar nicht?«

»Natürlich vermisse ich ihn. Was denkst du denn?« Eine gehörige Portion Empörung schwang in seiner Stimme mit. »Ich bin sicher, unser Kleiner wird viel Spaß haben.«

»Hoffentlich wird es meiner Mutter nicht zu viel. Sie ist ein Kleinkind um sich herum nicht mehr gewohnt.«

»Zu viel?« Nick lachte. »Da kennst du deine Mom aber schlecht. Sie wird in ihrer Rolle als Oma zur Höchstform auflaufen. Daran bestehen keinerlei Zweifel, den stolzen Opa nicht zu vergessen!«

»Wahrscheinlich hast du recht«, gab ich mit einem Seufzer zurück. Es bestand tatsächlich nicht der geringste Grund, mir den Kopf zu zerbrechen.

»Bestimmt sogar. Und jetzt komm, lass uns vor dem Schlafengehen eine Runde mit Pepper drehen«, forderte er mich auf und reichte mir seine Hand.

Etwas Kaltes kitzelte mich am Fuß. Reflexartig zog ich ihn unter die Bettdecke. Dann öffnete ich die Augen und blinzelte ins helle Sonnenlicht, das unser Schlafzimmer flutete. Winzige Staubpartikel tanzten im Licht wie Mücken über dem Wasser. Gleich darauf entdeckte ich Pepper neben mir, der mir mit einem Schwanzwedeln und seinem treuen Blick einen guten Morgen wünschte. Ich kraulte ihn hinterm Ohr, was er mit einem wohligen Grunzen, schief gelegtem Kopf und halb geschlossenen Augen honorierte. Nach der Streicheleinheit trottete er zufrieden davon. Aus dem angrenzenden Badezimmer konnte ich das Rauschen des Wassers in der Dusche hören. Nick war bereits auf den Beinen, was für einen Frühaufsteher wie ihn nicht verwunderlich war. In dieser Hinsicht hätten wir nicht gegensätzlicher sein können, denn ich schlief für mein Leben gerne lang. Seit Christopher jedoch auf der Welt war, konnte ich die Tage, an denen ich ausgiebig ausschlafen konnte, an einer Hand abzählen. Schweren Herzens schälte ich mich aus meinem warmen Nest und schlurfte ins Badezimmer.

»Guten Morgen, Sweety! Gut geschlafen?«, wurde ich von Nick begrüßt, der mit einem Handtuch um die Hüften gewickelt vor dem großen Spiegel stand und sich rasierte.

»Wie ein Stein«, bestätigte ich mit einem Gähnen und schmiegte mich an ihn. Seine Haut war warm und roch verführerisch nach seinem Duschgel. Hier und da auf seiner Haut schimmerten vereinzelt Wasserperlen in der Morgensonne.

»Frühstücken wir gleich zusammen?«, fragte er.

»Ja, sollten wir nicht?«, erwiderte ich überrascht über seine Frage und löste mich von ihm.

»Ich hatte angenommen, du seist in Eile, da um 8.30 Uhr dein Segelkurs beginnt. Das steht jedenfalls auf unserem Kalender in der Küche.«

»Mist! Das ist ja heute! Das habe ich vollkommen vergessen«, fiel es mir siedend heiß ein.

»Ich habe mich ein bisschen gewundert, dass du dir gestern nicht den Wecker gestellt hast. Dann gib mal Gas!«

In Windeseile machte ich mich fertig und griff beim Verlassen des Hauses nach dem Thermobecher mit Tee, den mir Nick freundlicherweise reichte.

»Viel Spaß und fahr vorsichtig!«, rief er mir nach. »Auf fünf Minuten früher oder später kommt es nicht an.«

»Ja, danke! Bis später!«

Ich sprang in meinen Wagen und fuhr auf schnellstem Weg nach Hörnum zum Hafen, wo sich auch vor Ort der Segelclub befand. Meine Eltern hatten mir zu meinem letzten Geburtstag auf Initiative meiner Mutter hin einen Segel-Schnupperkurs geschenkt, da sie der Ansicht waren, dass es in Anbetracht der Tatsache, dass ich auf einer Insel lebte, zwingend notwendig sei, sich im Notfall auch auf dem Wasser bewegen zu können. Dieser Kurs umfasste neben einer kurzen theoretischen Einführung einen praktischen Teil, einen kleinen Törn auf dem Meer, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Ehrlicherweise musste ich gestehen, dass ich selbst nie auf die Idee gekommen wäre, einen entsprechenden Kurs zu belegen, und es nicht für überlebensnotwendig hielt, dennoch wollte ich meine Eltern nicht enttäuschen. Meine beste Freundin Britta, die seit vielen Jahren auf Sylt lebte, hatte zum zehnten Hochzeitstag von ihrem Mann Jan ein Segelboot geschenkt bekommen und zählte von nun an zur Gruppe der begeisterten Segler. Bei mir war diesbezüglich bis jetzt kein Funke übergesprungen, ich bevorzugte eher festen Boden unter den Füßen.

In Hörnum angekommen, parkte ich meinen Wagen auf dem großen Parkplatz direkt am Hafen. Von dort aus trennten mich nur wenige Gehminuten vom Segelclub. Obwohl sich das Wetter von seiner besten Seite zeigte, waren bislang wenige Urlauber rund um den Hafen auf den Beinen. Um diese Zeit saßen die meisten von ihnen noch beim Frühstück, mutmaßte ich. Mein Ziel befand sich am hinteren Ende des Hafens in unmittelbarer Nachbarschaft zum Golfplatz »Budersand« und dem gleichnamigen Luxushotel. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichte ich das graue Gebäude des Sylter Yachtclubs, das als Treffpunkt genannt wurde. Bereits von Weitem erkannte ich eine wartende Gruppe Personen, die offensichtlich dasselbe Ziel hatte wie ich.

»Moin«, grüßte ich in die Runde und erntete ein mehr oder weniger freundlich gemurmeltes »Guten Morgen«.

Genau in diesem Augenblick öffnete sich die Tür und ein sportlicher, junger Mann mit kurz geschnittenem blonden Haar, in dem eine Sonnenbrille steckte, kam auf uns zu. In seinem sonnengebräunten Gesicht blitzte neben zwei blauen Augen eine Reihe strahlend weißer Zähne. Mir blieb das leise Raunen der vornehmlich weiblichen Anwesenden nicht verborgen.

»Moin und herzlich willkommen! Mein Name ist Bastian.« Er strahlte in die Runde. »Ich bin Segellehrer und führe euch heute durch den Segel-Schnupperkurs.« Dann begann er, die Teilnehmerliste durchzugehen und rief jeden namentlich auf. Im Anschluss schilderte Bastian den geplanten Ablauf des ersten Tages im Detail.

»Okay, das wär's fürs Erste. Wenn für den Moment von eurer Seite keine weiteren Fragen bestehen, würde ich euch gern als Erstes den Bootsanleger zeigen und euch mit den geltenden Sicherheitsbestimmungen auf dem Gelände vertraut machen. Wenn ich bitten darf!«

Er machte eine ausholende Handbewegung, und wir folgten ihm die Stufen hinunter zu den Stegen, an denen die Boote angelegt hatten.

»Machst du Urlaub auf der Insel?«, fragte er mich auf dem Weg dorthin.

»Nein, ich habe das Glück, hier zu wohnen und zu arbeiten, bin jedoch keine echte Sylterin«, stellte ich klar.

»Das sind mittlerweile die wenigsten. Das ist erst mein zweiter Sommer auf Sylt, aber mir gefällt es ausgesprochen gut hier. Unsere Segelschule hat übrigens auch Einzelstunden im Angebot, falls du Interesse haben solltest«, ließ er mich mit einem schelmischen Grinsen wissen.

»Was du nicht sagst«, erwiderte ich amüsiert über diesen offensichtlichen Flirtversuch.

»Gerade für Berufstätige wie dich kann das durchaus von Vorteil sein. Ich kann im Anschluss gern nach einem Termin sehen, wenn du magst«, legte er nach.

»Sehr entgegenkommend.« Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, denn mit seinem Verhalten war exakt das eingetreten, was Britta prophezeit und ich als überholtes Klischee abgetan hatte. Der Punkt ging eindeutig an meine Freundin. Gedanklich sah ich sie bereits vor mir mit zufriedener Miene und Siegerfaust.

»Bastian, fahren wir heute noch mit dem Boot raus?«, erkundigte sich eine Teilnehmerin und sah ihn verzückt an.

»Nein, das steht erst morgen auf dem Stundenplan. Heute machen wir nur Trockenübungen an Land.« Er zwinkerte ihr zu, was augenblicklich eine Gesichtsrötung bei ihr auslöste.

Wir folgten im Gänsemarsch unserem charmanten Segellehrer den schmalen Weg direkt am Wasser entlang. Dabei war zu erkennen, dass jede der Anlegestellen über einen kleinen Steg, der ein Stück ins Wasser reichte, verfügte und mit einer Nummer versehen war. Schließlich blieb Bastian an einem Boot stehen und wandte sich an die Gruppe.

»So, ich erkläre euch kurz, was ihr im Vorfeld wissen müsst, wenn ihr euch an Bord eines Bootes begebt. Bei Fragen meldet euch bitte.«

Während ich Bastians Ausführungen lauschte, wanderte mein Blick immer wieder zwischen den vertäuten Booten hin und her. Das Wasser schwappte in mehr oder weniger gleichmäßigen Bewegungen gegen den Rumpf eines der Segelboote unmittelbar neben mir. Allein bei dem Anblick des schaukelnden...

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