Tim Unsch 1

Band I. Das Vermächtnis von Aalgart
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. Februar 2020
  • |
  • 312 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7504-3902-3 (ISBN)
 
Als Tim in den Wald läuft, um seinen Klassenkameraden vor einem Selbstmord zu bewahren, ahnt er nicht, dass er dort weit beunruhigendere Dinge vorfinden wird.
Eine Gruppe von Jugendlichen, die er für Pfadfinder hält, entpuppen sich als Danaren aus dem Zwergenreich Danladu.
Sie sind auf der Suche nach magischen Zeichen, um das Tor zu ihrem Zwergenreich mit Magie schützen zu können.
Bald sind Tim und seine Freunde, Dana und Joseph in einen Kampf um das Auffinden dieser Zeichen verwickelt. Denn die Zeichen erscheinen bei den Menschen.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,60 MB
978-3-7504-3902-3 (9783750439023)
weitere Ausgaben werden ermittelt
René Nafziger ist Gymnasiallehrer für das Fach Deutsch und unterrichtet zudem Romanschreiben im Seminarkurs.

ZEUGNISAUSGABE


Aalgart lag in einer Ebene am Fuß des Aalsteines, ein Tafelberg, der etwas schräg in der Landschaft zu stehen schien. Der Aalstein war Teil eines Gebirgszuges, nämlich des Holundergebirges, das sich von Süden nach Norden ausdehnend durch die grüne Ebene zog. Woher dieses Gebirge seinen Namen hatte, war genauso ein Rätsel wie die Namensgebung für den Aalstein oder Aalgart, denn weder gab es in den Gewässern und Flüssen um die Stadt herum Aale noch zierten Holundersträucher das Gebirge.

Neben dem Aalstein lagen wie an einer Perlenschnur aneinandergereiht im Norden der Basteifelsen mit der Burg Neurathen und der Lilienstein, auch der ein Tafelberg. Im Süden lag nur noch der Schrammstein, der eher wie eine Sammlung von Nadelspitzen aussah.

Die Stadt Aalgart selbst zählte kaum 70.000 Einwohner. Aber Aalgart boomte. Das lag daran, dass Aalgart an einem Verkehrsknotenpunkt lag. Die Nord-Süd-Trasse der Bahn kreuzte hier die Süd-West-Trasse.

Tims Elternhaus lag kurz vor den Bahngleisen. Hinter den Bahngleisen hinauf führte ein bewaldeter Hügel, direkt zum Aalstein. Die Tannwand, wie das kleine Fleckchen Wald genannt wurde, das den Hang bedeckte, erstreckte sich bis keine hundert Meter an Tims Haus heran. Trotz des Namens gab es in der Tannwand keine Tannen, sondern vor allem Laubbäume, vornehmlich Buchen und Eichen.

Tims Elternhaus war ein heruntergekommenes Einfamilienhäuschen, das sich in der Nähe des Gewerbegebietes befand, wo es 'Schöner Wohnen' nur noch als Zeitschrift gab. Wer hier lebte, war allenfalls auf dem Weg nach oben, aber noch lange nicht dort angekommen! Die Straße oder besser der Weg, an dem Tims Elternhaus lag, war einer der wenigen in Aalgart, der noch mit Pflastersteinen gedeckt war. Die Häuser in Aalgart jedoch, die etwas reicher waren, konnten mit schmucken Vorgärten aufwarten, meist mit Gartenzwergen bestückt. Und dort gab es tatsächlich auch kleinere Blautannen in dem einen oder anderen gepflegten Vorgarten, die als Überbleibsel an die Tannwand erinnerten.

Tim hatte sich auf die Steintreppe vor den Hauseingang gesetzt. Es nieselte. Unter dem wolkenverhangenen Himmel glänzten die Pflastersteine vor Tims Füßen wie kleine, eklige Speckbrocken. Und doch brach hier und da ein Sonnenstrahl durch die Wolkendecke und versprach bessere Zeiten.

Sein Hintern war kalt, aber er wollte noch nicht hinein. Und das hatte einen guten Grund.

Eigentlich müsste ich froh sein, dachte Tim. Endlich Sommerferien, endlich Ruhe vor der Schneider, die ihn das ganze Schuljahr über gepiesackt hatte. Nachsitzen hier, Strafarbeiten dort, "Benimm dich, Tim" das ganze Jahr über. Jetzt hatte er die Rechnung schwarz auf weiß. Eine Vier in Verhalten. Eigentlich sollte das unmöglich sein. Bei drei war Schluss, dachte Tim, aber offensichtlich nicht bei ihm. Was hatte er denn gemacht? Auf seinem Tisch gemalt, nicht immer zugehört, an anderes gedacht. Dafür gab es eine Vier?

Kim hatte die ganze Schulzeit über Josie gemobbt und hatte eine drei in Verhalten.

Die Schneider konnte ihn, Tim, nicht leiden. Das war es. Weil er in Mathe einfach keinen Durchblick hatte. Und die Schneider erklärte alles nur einmal. Dann konnte er sehen, wie er zurechtkam. Auch die anderen Lehrer waren nicht besser. Die mochten ihn wahrscheinlich ebenso wenig und hielten ihn für einen Sonderling.

Die zwei Fünfen in Mathematik und Englisch hatten dafür gesorgt, dass er nun die Sommerferien mit Lernen verbringen musste. Dann konnte er in der letzten Sommerferienwoche eine Nachprüfung in Mathe oder Englisch machen, um so eine der zwei Fünfen wegzubekommen. Fünf Wochen Lernen. Keine rosigen Aussichten.

Von seinen Eltern würde er zwar nicht viel zu hören bekommen, sein Vater war schließlich tot und seine Mutter mit anderem, jedenfalls nicht mit ihm beschäftigt. Aber die Vier in Verhalten hätte sie doch aufgeregt und das hieß: mehr im Haushalt helfen und womöglich Hausarrest.

Außerdem wollte er seiner Mutter nicht noch mehr Sorgen machen. Alleinerziehend zu sein, war schon Strafe genug. Sie war selten da, musste Vollzeit arbeiten und in der Schule helfen konnte sie Tim auch nicht. Er wollte sich nicht in die Liste der Probleme einreihen, die seine Mutter schon hatte: kein Geld, keinen Mann, keinen Urlaub.

Tim kratzte mit seinem Hausschlüssel über die Vier in Verhalten. Erst langsam, dann immer fester. Allmählich verblich die Zahl. Das Papier sah etwas geschunden aus. Schließlich war die Vier weg. Das Blatt hatte ein Loch. Das Zeugnis sah kacke aus. Der Nieselregen hatte ein Übriges getan. Gedankenverloren schaute Tim durch das Loch. Dann griff er in seine Hosentasche. Klick! Schon hatte das Feuerzeug eine kleine Flamme. Es war der einzige Besitz, auf den er stolz war. Es war eines dieser quaderförmigen Feuerzeuge aus Metall, deren seitliche Kappe nach oben geklappt wurde. Dieses war golden. Es war ein Geschenk seines Vaters und der wäre sicherlich nicht begeistert gewesen, wenn er Tim jetzt zugeschaut hätte.

Beim Aufklappen leuchtete auch die kleine Rakete auf der Seite des Feuerzeugs kurz blau auf. Wahrscheinlich wurde irgendein Strom beim Aufklappen erzeugt, der das Aufflackern der kleinen Rakete verursachte, dachte Tim. Auf sein kleines Feuerzeug konnte er sich verlassen, mehr jedenfalls als auf seinen Vater.

"Pech", sagte Tim leise, "tot ist tot. Hättest ja noch dableiben können." Dann hielt er das Blatt über die Flamme.

Der ganze Mist von einem vergeigten Schuljahr steckte in diesem Papier. Und das konnte er seiner Mutter nicht zumuten.

Die Flamme kroch langsam über das Blatt. Je größer sie wurde, desto mehr musste Tim lächeln.

Das Blatt war gerade zur Hälfte verkokelt, als Tim Schritte hörte.

"Tim, Tim", schallte es aus der Gasse.

Tim blickte nach rechts die Gasse hinunter. Es war Josie, der dort um die Ecke gestolpert kam. Was wollte der jetzt? Der Spacko hat mir gerade noch gefehlt. Vielleicht sollte ich ihn auch hänseln, dachte Tim, dann würde er mich wenigstens in Ruhe lassen.

Joseph, von allen Josie genannt, war das Opfer der Klasse. Obwohl seine Eltern Geld wie Heu hatten und Joseph gerne davon abgab, hatte er keinen richtigen Freund. Tim war der einzige, zu dem er ein bisschen Vertrauen gefasst hatte. Warum, wusste Tim selber nicht.

Tim blies das Feuer aus und ließ den Zeugnisrest unter der linken Arschbacke verschwinden. Wahrscheinlich petzt er alles gleich seinen Eltern. Ein Glück, dass wir keinen Anrufbeantworter haben und Mum sowieso nie zu Hause ist.

"Tim." Atemlos blieb Joseph vor ihm stehen. "Tim!"

"Ja, was ist denn, Mann?", antwortete Tim genervt.

"Ich tu's heute, Tim. Wirklich!"

"Was tust du heute?"

"Ich bring mich um!"

Josephs Augen leuchteten wie noch nie.

Er war entweder an Drogen gekommen oder wieder einmal durchgeknallt. Wahrscheinlich Letzteres, dachte Tim.

"Jetzt mal langsam. Bist du verrückt? Nur weil ein Mädchen nicht deine Freundin sein will, musst du dich noch nicht umbringen", sagte er.

"Nein, es ist nicht wegen Danni", keuchte Joseph, "es ist, es ist." Er stockte. Tränen standen ihm in den Augen.

Tim tat er leid. Er wusste, dass Josie für Dana schwärmte. Aber wer tat das nicht?

"Wegen was denn?", fragte er.

"Meine Eltern. Ich kann da nicht hin."

"Wieso? Jetzt sind doch Sommerferien. Ihr fahrt doch bestimmt weg, 5-Sterne-Hotel und so, oder?" Tim lächelte angesäuert. "Sollen wir tauschen?"

"Ich hab' 'ne Fünf in Mathe und eine in Deutsch. Ich kann nicht nach Hause. Meine Eltern werden mich fertigmachen."

"Gib Check, Alter", sagte Tim und klatschte seine Hand gegen die von Joseph, der widerwillig einschlug. "Du kannst ja die Nachprüfung mit mir machen. Bis dahin sind's noch knapp fünf Wochen. Deine Eltern können sich ja dann immer noch aufregen, wenn's nicht klappt."

"Wie? Ich dachte, du hättest nur eine Fünf?", meinte Joseph und seine Augen wurden groß. "Und was macht deine Mutter?"

"Keine Ahnung", meinte Tim und schoss einen Kiesel zum anderen Bordstein. "Ich will es auch gar nicht wissen. Außerdem sind die Fünfen nicht mehr zu sehen." Tim schaute zu Boden.

Joseph runzelte die Stirn. Offensichtlich hatte er die Bewegung mitbekommen, als Tim sein Restzeugnis versteckt hatte. Jetzt sah er die kleinen, schwarzen Aschestückchen vor Tims Füßen, die sich im Nieselregen kräuselten und konnte sich eins und eins zusammenzählen.

"Du hast es verbrannt?" Er hob die Augenbrauen und starrte Tim an.

"Na und? Kann man wieder ausdrucken!", sagte Tim.

Joseph starrte Tim eine Zeit lang an. Er rechnete alle Möglichkeiten durch und überlegte, ob es doch Erfolgsaussichten gäbe, die Angelegenheit mit seinem Zeugnis durch eine Ausrede zu verschieben.

Bei deinen Eltern würde ich erst gar nicht zu rechnen anfangen, dachte Tim bei sich.

Joseph stand...

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