Endstation Fernweh

Wie für 14 Backpacker die Rückkehr zur Challenge ihres Lebens wurde
 
 
neobooks Self-Publishing
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 28. April 2020
  • |
  • 123 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7502-3481-9 (ISBN)
 
Der Mensch bereist die Welt auf der Suche nach dem, was ihm fehlt. Und er kehrt nach Hause zurück, um es zu finden. (George Moore) In der Regel enden Reiseberichte dort, wo die Reise aufhört. Dieses Buch fängt jetzt erst an. Wie ist es, die Welt gesehen zu haben und dann wieder zu Hause zu sein? Gerade noch mit dem Van auf der Küstenstraße unterwegs, jetzt im Polo auf der A6. Gerade noch fremde Kulturen studiert, jetzt das BWL-Skript im Hörsaal. Gerade noch an der Bar gejobbt, jetzt wieder Großraumbüro. Geht das? Verrät man sich nicht selbst, wenn man einfach dort weitermacht, wo man vor der Weltreise aufgehört hat? Eines steht fest: Es kann nie wieder so werden wie es war. Aber wie wird es dann?
  • Deutsch
978-3-7502-3481-9 (9783750234819)
Caecilia Nabert ist Journalistin und selbst zwei Jahre lang in der Welt unterwegs gewesen, bevor sie den Heimweg antrat. Zu Hause versank sie fast in einer Depression und verstand irgendwann, dass das eventuell Teil des Reiseprogramms ist. Schließlich begann sie, andere Heimkehrer zu interviewen und konnte bald erkennen, wie sich - einem roten Faden gleich - die immerselben Probleme und Konflikte durch ihr Postreise-Dasein zogen. Heute schreibt sie von Kanada aus für verschiedene Tageszeitungen.

Die geilste Lücke im Lebenslauf


Die Geschichte von Nick Martin

Solche Typen bleiben nicht lange allein. Nicht, wenn sie sich nach der Weltreise von der langjährigen Freundin trennen. Schnell finden sie eine Neue. Nicht, wenn sie in der Welt unterwegs sind, schnell finden sie Freunde. Und schon gar nicht, wenn sie wieder zu Hause sind. Dann füllen sie Säle. Nick Martin ist so ein Typ. Wenn er gerade wieder mal in Deutschland vorbeischaut, verdient er sein Geld mit seinen Reiseberichten. Vor bis zu 900 Zuschauern steht er dann auf der Bühne und erzählt zum Beispiel, wie er mal auf Fidschi angeschossen wurde.

Bei einem seiner Vorträge wird ihn eine Studentin fragen: "Gehst du jetzt wieder auf Reisen?" Und er wird lachen als hätte sie einen Witz gemacht. "Nein, ich bleib' jetzt hier, lass mich krankenversichern und such' mir 'nen Bürojob." - Das ist wirklich ein Witz.

Wenn Nick in Deutschland ist, ist er schon wieder auf dem Sprung - und er ist auf Mission. Nicht nur, dass er den Daheimgebliebenen von seinen Erlebnissen erzählen will. Er will sie ebenso sehr ein wenig bekehren. Er möchte sie dazu bewegen, auch einmal auf eine lange Reise zu gehen. Dann fallen Sätze wie: "Hört auf, ein Leben zu leben, das Andere für euch aussuchen. Es ist euer Leben." Und er macht Mut: "Wenn du so richtig Bock auf etwas hast, etwas wirklich willst, dann bekommst du auch Hilfe vom Universum."

Nick läuft mit wehenden Haaren von einem Ende der Bühne zum anderen und wieder zurück, Brust raus, Hände nach oben, das Kinn in die Höhe gereckt wie ein Opernsänger. Manchmal fläzt er sich auch auf dem Rednerpult, hinter dem vormittags Professoren dozieren. Einmal steht er drauf. Warum sich an Regeln halten? Die Welt da draußen ist so groß, dagegen wird jede Lehre klein. Nick strotzt vor Kraft und Selbstbewusstsein. Doch der Weg dorthin, wo er jetzt steht, war nicht einfach. Nick gibt zu: "Ich habe mir unheimlich viele Sorgen gemacht."

Wie alles begann - Nick erzählt

Ich bin rein in den Van, ich habe das Rauschen der Wellen gehört und bin mit einem Grinsen im Gesicht eingeschlafen. Das ist mir noch nie passiert. Und dann ist noch etwas passiert. Dieses Grinsen war beim Aufwachen immer noch da. Das ist im Jahr 2009 gewesen. Ich hatte meinen gesamten Jahresurlaub auf einmal genommen, um drei Wochen lang in Neuseeland zu reisen.

Schnell ging die Zeit um und ich zurück ins Büro. Ich bin gelernter IT-Kaufmann, habe im Anzug Businesssoftware verkauft. Nun wartete ich darauf, dass die Routine zurückkam wie nach jedem Urlaub. Doch das klappte diesmal nicht, der Alltag stellte sich einfach nicht wieder ein. Meine Kollegen waren top, wir rissen Witze, verbrachten die Mittagspause zusammen, unterhielten uns auch mal über Privates. Der Job war auch super, die Software verkaufte sich wie geschnitten Brot. Mein Chef klopfte mir manchmal auf die Schulter. "Du kannst es zu was bringen", sagte er dann. Aber ich habe auf einmal nur noch halbherzig gearbeitet und mir wurde klar, dass mein ganzes Leben schon vorgezeichnet vor mir liegt: Karriere als Vertriebsleiter, irgendwann der eigene Firmenwagen, Aufstieg zum Niederlassungsleiter. Ich dachte: "Wow, ich werd' ne Menge Asche machen. Aber war's das? Eigentlich nicht. Und der reichste Mann auf dem Friedhof werden - das ist eigentlich nicht mein Ziel."

Da bin ich hin zu meinem Chef, hab die Tür aufgerissen, auf den Boden gespuckt und gerufen, "Ich kündige!".

Nein, so war es nicht. In Wahrheit habe ich vor ihm gesessen und fast geheult. Es war mehr eine Frage, als ich sagte: "Also. Dann. Kündige ich?" Es war meine Reaktion darauf, dass er mich nicht gehen lassen wollte. Eigentlich hatte ich ihn nur gebeten, mir ein Jahr lang unbezahlten Urlaub zum Reisen zu geben - Rückkehr nicht ausgeschlossen.

"Bist du bescheuert?", fragten mich meine Eltern. Sie wussten es, ich wusste es: Ich schmeiße alles weg. Meinen guten Job, der mir meinen A3 Sportsback sichert, meine geräumige Dreizimmer-Wohnung, meine Karriere. Auch meine Freunde verstanden es nicht. "Das alles willst du aufgeben? Für eine Reise?" Ich konnte nur nicken. "Ja."

Meine damalige Freundin hingegen bestärkte mich, obwohl sie selbst daheimbleiben musste, für's Studium. Sieben Jahre waren wir schon zusammen. Sie sagte: "Wenn du jetzt nur wegen mir bleibst, wirst du unglücklich." Sie ließ mich gehen, entließ mich in eine wunderbare Zeit.

Die Rückkehr

Ich stehe an einem Bushaltestellenhäuschen und der Novemberregen rieselt auf mich herab. Ich schaue auf das Datum meiner Uhr. Heute vor genau einer Woche bin ich auch nass geworden - von einer fast perfekten Welle an einem der besten Surferstrände der Welt. Da, auf meinem Board schoss mir das Adrenalin pur durch die Adern. Ich kann es immer noch spüren. Und dann spüre ich wieder den Regen. Er dämpft die Freude, die gerade in mir aufgestiegen ist. Stattdessen steigt einmal mehr wieder das Bild meiner Freundin vor meinem inneren Auge auf. Wie sie mir gestern gegenüber saß. Wie eine fremde Person. Ich erzählte ihr von meinen Abenteuern, doch so richtig, das war ganz deutlich zu sehen, interessierte sie sich nicht dafür. Sie erzählte mir von ihren Schülern, sprach darüber, wie sie täglich nach der Schule noch mehrere Stunden zu Hause am Schreibtisch verbringt, wie sie Klassenarbeiten korrigiert. Wenn ich ehrlich bin - so richtig interessiere ich mich auch nicht mehr für ihre Geschichten, für ihren sich permanent wiederholenden Alltag. Wir beide leben jetzt in zwei verschiedenen Welten und die sind sehr weit voneinander entfernt.

Ich schrecke aus meinen Gedanken hoch. Die alte Frau neben mir hat angefangen zu keifen: "Warum muss dieser Bus immer zu spät kommen?" Eine andere fällt mit ein: "Ja, gestern war er auch erst um fünf nach da." Ich schaue auf meine Hand, sehe die Schussverletzung von Fidschi. Und während ich gerade noch unter dem nassen Glasdach der Bushaltstelle stehe, befinde ich mich auf einmal unter dem warmen Wasserstrahl einer Dusche am Strand. Eine leichte Brise weht vom Meer zu mir herüber; nach mehreren Stunden Volleyball die perfekte Erfrischung. Die anderen Backpacker und ich haben gerade haushoch gegen ein paar Locals verloren, aber die Stimmung ist gut, Sieger und Verlierer albern herum, auch jetzt noch während meiner Dusch-Session.

Gerade wasche ich mir kopfüber die Haare, da höre ich, wie jemand meinen Namen ruft: "Nick! Nick, schau mal!" Ich mache die Augen auf, kann aber nichts sehen durch meine langen Strähnen. Schnell aus dem Gesicht gewischt geben sie den Blick auf Knox frei. Er ist einer der Fidschianer aus der Siegermannschaft und zugleich einer der Angestellten meines Hostels. Keine zwei Meter steht er nun vor mir und hält etwas in der Hand. Es ist eine Harpune. Eine Harpune, die er auf mich gerichtet hält. Meinem Gehirn entspringt der Gedanke: "Der Junge macht Spaß." Meinem Mund entkommen die Worte: "Willst du mich abschießen oder was?", dabei lege ich mir eine Hand an die Brust. Knox lacht, albert herum, visiert mich an, springt ein wenig auf der Stelle herum. Im nächsten Moment spüre ich eine Art Taubheit im rechten Daumen, mache zwei Schritte nach hinten, schaue an mir herunter, und erkenne, dass sich ein Speer in meine Brust gebohrt hat. Die Harpune war geladen gewesen? Unter mir breitet sich langsam eine Blutlache aus.

Ein großer Wassertropfen zerplatzt auf meiner Nase. "10 Minuten Verspätung", leuchtet die gelbe LED-Anzeige in der Novemberdunkelheit auf. "Oh nein!", die Frau neben mir stöhnt. "Der Typ hätte mich damals fast umgebracht", will ich sie anschreien. Mache ich natürlich nicht, aber weiß plötzlich: In diesem Land hält mich nichts mehr.

Ein paar Tage später trennen sich meine Freundin und ich und die wichtigste Bezugsperson geht damit verloren. Das weiche Bett in meinem alten Kinderzimmer kann den tiefen Sturz auch nicht abfangen. Da liege ich; habe keine eigene Wohnung, kein Auto, keinen Job und jetzt auch keine Freundin mehr. Ich starre Löcher in die Luft, verfalle in eine Reisedepression, während draußen vor dem Fenster unablässig der Regen fällt. Man muss sich das vorstellen, ich hatte zwei Jahre lang am Stück nur Sommer erlebt.

Aber sofort flüchten will ich auch nicht. Der Grund dafür ist eine andere Frau, die mir begegnet ist. Sie ist auch gerade erst von einer langen Reise zurückgekehrt und es stellt sich heraus, dass wir zur selben Zeit am selben Ort in Australien gearbeitet haben - für die zwei miteinander konkurrierenden Hotelketten. Hier in Deutschland sehen wir uns zum ersten Mal, kommen zusammen und sind bis heute ein Paar.

***

Im Grunde ist es so: Wenn du nach solch einer Reise zurückkommst, wirst du nur nicht verrückt, wenn du Dir eine Beschäftigung suchst. Du musst Dich ablenken. Du hast so viel erlebt und der Kopf kam die ganze Zeit nicht dazu, das zu verarbeiten. Nun, da du wieder sesshaft bist, bekommt dein Hirn diese Gelegenheit und spielt verrückt. War halt alles ein bisschen viel, nicht wahr?

Dennoch wehre ich mich jetzt dagegen, als mich das Arbeitsamt wieder in meiner alten Branche vermitteln will. Diese graue Maus beim Amt versteht einfach nicht, dass das nicht mehr geht. Ich will mich selbstständig machen, aber die wollen mir dann das Geld nicht weiterzahlen. Also schreibe ich mit...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: ohne DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "glatten" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Ein Kopierschutz bzw. Digital Rights Management wird bei diesem E-Book nicht eingesetzt.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

7,99 €
inkl. 7% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB ohne DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen