Wirst du da sein?

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. September 2015
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97006-8 (ISBN)
 
Dr Eliott Cooper hat alles, was er sich wünschen kann: den Respekt von Patienten und Kollegen, die Liebe seiner Tochter. Doch seit dem Tag, als er vor dreißig Jahren seine Frau Ilena verloren hat, quälen ihn Sehnsucht und Schuldgefühle. Was aber, wenn das Schicksal ihm eine zweite Chance geben gäbe? Wenn er in der Zeit zurückreisen könnte, um einen tragischen Fehler zu korrigieren?
  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 2,98 MB
978-3-492-97006-8 (9783492970068)
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Guillaume Musso wurde 1974 in Antibes geboren und verbrachte mit 19 Jahren mehrere Monate in New York und New Jersey. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und wurde als Lehrer in den Staatsdienst übernommen. Ein schwerer Autounfall brachte ihn letztendlich zum Schreiben. In »Ein Engel im Winter« verarbeitet er eine Nahtoderfahrung - und wird über Nacht zum Bestsellerautor.
Seine Romane, eine intensive Mischung aus Thriller und Liebesgeschichte, haben ihn weltweit zum Publikumsliebling gemacht.

1

Die erste Begegnung

Eines schönen Abends wird die Zukunft Vergangenheit sein. Dann schaut man zurück und blickt auf seine Jugend.

Louis Aragon

Flughafen Miami, September 1976

Die junge Frau am Steuer des Thunderbird-Cabrio näherte sich dem Terminal in sportlichem Tempo. Ihr Haar flatterte im Wind, während sie mehrere Autos überholte und den Wagen schließlich vor der Abflughalle bremste, um ihren Begleiter aussteigen zu lassen. Der schlanke, gutangezogene junge Mann griff nach seiner Reisetasche im Kofferraum, hauchte seiner Chauffeurin noch einen Abschiedskuß zu und verschwand in dem Gebäude aus Stahl und Glas.

Zerstreut machte sich Doktor Elliott Cooper auf den Weg zum Check-in-Schalter. Seit einiger Zeit schon arbeitete er als Chirurg an einem renommierten Krankenhaus in San Francisco - auch wenn er in seiner Lederjacke und mit seinem vom Wind zerzausten Haar jugendlich und verwegen wirkte.

»Wetten, daß ich dir schon jetzt fehle?«

Erstaunt drehte sich Elliott um und begegnete einem smaragdgrünen Blick, aus dem Provokation und zugleich Verletzlichkeit sprachen. Die Besitzerin der katzenhaften Augen trug eine Hüftjeans, darüber eine knappe Wildlederweste mit einem Love-and-Peace-Sticker und ein gelbgrünes T-Shirt - die Farben ihrer Heimat Brasilien.

»Wann habe ich dich bloß zum letzten Mal geküßt?« fragte er und legte ihr zärtlich die Hand in den Nacken. Für einen Augenblick verschwand der Lärm um sie herum. Ihm war, als fiele er aus der Zeit heraus.

»Das ist mindestens eine Minute her«, sagte sie mit ihrer seidigen Stimme.

»Eine Ewigkeit also .« Er lächelte und drückte sie an sich. Ilena, die Frau seines Lebens . Immer noch konnte er sein Glück nicht fassen, sie gefunden zu haben, dabei kannten sie sich mittlerweile bald zehn Jahre. Elliott verdankte ihr so vieles: daß er seinen Weg als Arzt gefunden hatte, daß er gelernt hatte, sich anderen Menschen zu öffnen, daß er hohe Ansprüche an sich selbst stellte.

Er war überrascht, daß sie ihm nachgekommen war. Zwischen ihnen galt die Abmachung, sich lange Abschiedsszenen zu ersparen, die den Trennungsschmerz nur schlimmer machten. Es war für beide nicht einfach, eine Beziehung zwischen Florida und San Francisco zu leben. Ihre Liebe mußte die Distanz von viertausend Kilometern zwischen Ost- und Westküste überbrücken und dem Rhythmus einer Zeitverschiebung von vier Stunden folgen. Natürlich hätten sie sich in all den Jahren dazu entschließen können, gemeinsam irgendwo ihr Zelt aufzuschlagen. Aber das hatten sie nie getan. Zunächst aus Angst vor dem Alltag, der womöglich seinen Tribut gefordert und ihnen die Sehnsucht und das Herzklopfen vor jedem Wiedersehen genommen hätte. Mit der Zeit hatten sie sich dann beide in ihrem Beruf etabliert, der eine am Pazifik, die andere am Atlantik: Elliott hatte nach einem langwierigen Medizinstudium die Möglichkeit bekommen, als Chirurg in San Francisco anzufangen, und Ilena war als Tierärztin ihren Meeressäugern in der Ocean World von Orlando treu geblieben. Seit neuestem engagierte sie sich auch bei Greenpeace, einer Organisation aus ein paar militanten Pazifisten und Umweltschützern, die immer mehr von sich reden machte. Vor allem ihr vehementes Eintreten gegen Atomversuche hatte Aufsehen erregt, Ilena allerdings hatte sich den sogenannten Regenbogenkämpfern besonders wegen der Kampagne gegen das Abschlachten von Walen, Robben und Seehunden angeschlossen.

Beide führten auch in den Zeiten ohne den anderen ein ausgefülltes Leben, in dem Langeweile keinen Platz hatte. Und trotzdem war jeder neue Abschied unerträglicher als der vorherige.

»Die Passagiere des Fluges 711 nach San Francisco werden gebeten, sich umgehend zu Gate 18 zu begeben«, ertönte eine blecherne Lautsprecherstimme.

»Ist das nicht dein Flug?« fragte sie und befreite sich widerwillig aus seiner Umarmung.

Er nickte. »Wolltest du mir etwas sagen?«

»Ja. Aber ich begleite dich bis zum Gate.« Sie nahm seine Hand, und zusammen schlenderten sie Richtung Abflugschalter. Dann brach es aus ihr heraus. »Ich weiß, Elliott, daß die Welt geradewegs auf eine Katastrophe zusteuert: der Kalte Krieg, die Kommunisten, die Atomwaffen .« Er sah sie an. Sie war so schön, wenn das Temperament mit ihr durchging, schön wie das Feuer, und ihr immer noch hörbarer südamerikanischer Akzent ließ ihn jedesmal schwach werden. ». der Abbau der natürlichen Ressourcen, ganz zu schweigen von der Umweltverschmutzung, der Zerstörung der Regenwälder und 

»Ilena?«

»Ja?«

»Worauf willst du hinaus?«

»Ich möchte, daß wir ein Baby machen 

»Jetzt gleich, hier am Flughafen? Vor allen Leuten?« Das war alles, was ihm spontan als Antwort einfiel: ein Scherz, mit dem er seine Verblüffung überspielen wollte. Doch Ilena war nicht zum Scherzen aufgelegt.

»Ich meine es ernst, Elliott. Denk darüber nach.« Sie ließ seine Hand los, drehte sich ohne ein weiteres Wort um und ging.

»Warte!« rief er ihr hinterher.

»Dies ist der letzte Aufruf für Doktor Elliott Cooper, gebucht nach San Francisco 

»Verdammt!« entfuhr es ihm. Auf der Rolltreppe, die zum Boardingbereich führte, blickte er sich noch einmal um. Die Septembersonne tauchte die Halle in ein leuchtendes Gelb. Er hob die Hand, um Ilena zuzuwinken. Doch sie war bereits fort.

Es war dunkel, als die Maschine nach sechs Stunden Flug, um einundzwanzig Uhr Ortszeit in San Francisco landete.

Elliott war schon auf dem Weg zum Taxistand, überlegte es sich dann jedoch anders. Ihm knurrte der Magen. Ilenas Worte hatten ihn so durcheinandergebracht, daß er während des gesamten Fluges keinen Bissen herunterbekommen hatte. Und in seinem Kühlschrank herrschte gähnende Leere, wenn er sich recht erinnerte. Also machte er kehrt und ging zielstrebig in den zweiten Stock des Hauptgebäudes zum Golden Gate Café, das er von Besuchen mit seinem besten Freund Matt kannte. Er setzte sich an den Tresen und bestellte einen Salat, zwei Bagels und ein Glas Chardonnay. Müde rieb er sich die Augen. Schließlich bat er den Kellner um ein paar Münzen für die Telefonkabine.

Er wählte Ilenas Nummer, doch sie hob nicht ab. Es war bereits nach Mitternacht in Florida, Ilena mußte zu Hause sein, aber offenbar hatte sie keine Lust, mit ihm zu sprechen. Das war ja abzusehen, dachte Elliott. Dabei wußte sie doch: er wollte nun mal keine Kinder. Nicht, daß er sich seiner Gefühle für sie nicht sicher gewesen wäre, nein, er liebte Ilena von ganzem Herzen. Doch Liebe allein genügte nicht. Er war nicht bereit, die Verantwortung für ein Kind zu übernehmen, schon gar nicht in einer Welt, die sich in eine völlig falsche Richtung entwickelte.

Zurück am Tresen, bestellte er einen Kaffee. Er war nervös, ließ seine Fingergelenke knacken und tastete nach seinen Zigaretten. Er konnte es einfach nicht lassen, er mußte sich eine anstecken. Seit Anfang der sechziger Jahre bereits war wissenschaftlich erwiesen, daß Nikotin süchtig machte, und als Arzt wußte Elliott natürlich nur zu gut, daß die Rate von Lungenkrebserkrankungen und Herzinfarkten bei Rauchern wesentlich höher lag als bei Nichtrauchern. Aber wie so viele Ärzte kümmerte er sich mehr um die Gesundheit anderer Menschen als um seine eigene. Außerdem bedeutete auch für ihn in seinem alltäglichen Streß das Rauchen ein wenig Glamour und Freiheit.

Bald höre ich auf, sagte er sich zum hundertsten Mal und blies Rauchkringel in die Luft, aber nicht heute abend. Zu einem solchen Kraftakt fühlte er sich im Augenblick nicht imstande.

Er ließ seinen Blick schweifen, und da sah er ihn: einen Mann in himmelblauem Pyjama, der neben dem Eingang des Cafés hinter der Glasfront stand und ihn zu beobachten schien. Elliott kniff die Augen zusammen, um ihn besser erkennen zu können. Der Mann mußte um die Sechzig sein, sah für sein Alter ziemlich fit, fast drahtig aus und trug einen Drei-Tage-Bart, in den sich ein paar graue Stoppeln mischten. Sean Connery in dreißig Jahren, dachte Elliott und runzelte die Stirn. Was hatte dieser Typ, barfuß und im Pyjama, um diese Uhrzeit bloß am Flughafen verloren?

Es hätte Elliott egal sein können, doch wie ferngesteuert erhob er sich und durchquerte das Café Richtung Ausgang. Der Mann wirkte nicht nur wegen des Pyjamas vollkommen desorientiert, und mit jedem Schritt wurde Elliott unbehaglicher zumute. Wer war dieser Kerl? Ein Patient, der aus dem Krankenhaus oder einer Anstalt getürmt war? In dem Fall allerdings war es seine Pflicht als Arzt, einzugreifen. Nur noch drei Meter trennten ihn von dem Fremden, und mit einemmal begriff er, was ihn so verstörte: Dieser Mann sah seinem Vater, der vor fünf Jahren an Magenkrebs gestorben war, zum Verwechseln ähnlich. Bestürzt trat Elliott näher. Die Ähnlichkeit war wirklich verblüffend: dieselbe Gesichtsform, dieselben Grübchen - beides hatte Elliott von ihm geerbt.

Und wenn er es tatsächlich wäre?

Unsinn! Am besten ging er wieder zurück an den Tresen. Sein Vater war tot, er war selbst dabeigewesen, als sie ihn in den Sarg gelegt und dann eingeäschert hatten.

»Kann ich Ihnen helfen?« fragte er widerstrebend.

Der Mann im Pyjama wich unwillkürlich zurück.

»Kann ich Ihnen helfen?« wiederholte Elliott.

»Elliott .«, stammelte der andere nur.

Woher kannte der Typ seinen Namen? Und diese Stimme .

Das Verhältnis zwischen Elliott und seinem...

»Ein bisschen Thriller und ganz viel Liebesgeschichte - spannend und sehr romantisch.«, Morgenpost am Sonntag, 19.06.2016

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