Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah

Erzählungen
 
Haruki Murakami (Autor)
 
DuMont Buchverlag
1. Auflage | erschienen am 18. August 2011 | 189 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8321-8605-0 (ISBN)
 
Ungefähr zu der Zeit, als Jim Morrison "Light my fire" und Paul McCartney "Long and winding road" sangen, begegnet Haruki Murakamis Ich-Erzähler dem "100%igen Mädchen" - und lässt es fahrlässig ziehen. Er versucht so gut wie gar nicht, seiner Schwester den überaus vernünftigen Verlobten zu verleiden, tröstet sich mit virtuosem Rasenmähen über eine untreue Freundin hinweg, arbeitet in einer Fabrik, die künstliche Elefanten produziert, und träumt von einem wunderbar tanzenden Zwerg, dessen gefährliche Fähigkeiten er sich leiht.

Murakamis lakonische Erzählungen kreisen um das, was man einst Schicksal nannte - eine vielleicht selbsterschaffene, stets überraschend aufschimmernde Macht -, sie haben seine deutschsprachigen Leser ebenso in Entzücken versetzt wie vorher schon ein japanisches Millionenpublikum.
Nora Bierich
Deutsch
3,46 MB
978-3-8321-8605-0 (9783832186050)
3832186050 (3832186050)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Haruki Murakami, 1949 in Kyoto geboren, lebte über längere Zeit in den USA und in Europa und ist der gefeierte und mit höchsten Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Sein Werk erscheint in deutscher Übersetzung im DuMont Buchverlag.
Nora Bierich, geboren 1958, hat Philosophie und Japanologie studiert und lebt in Berlin. Neben Haruki Murakami übersetzte sie aus dem Japanischen Werke des Philosophen Kôjin Karatani und von Kenzaburô Ôe.
Der tanzende Zwerg (S. 96-97)

Im Traum erschien mir ein Zwerg und fragte mich, ob ich tanzen wolle. Ich wußte genau, daß ich träumte. Aber ich war müde im Traum, so wie ich es zu jener Zeit wirklich war. »Tut mir leid, aber ich bin müde, und mir ist nicht nach Tanzen zumute«, lehnte ich höflich ab. Den Zwerg schien das nicht zu kränken. Er tanzte allein. Er stellte einen tragbaren Plattenspieler auf den Boden, legte eine Platte auf und tanzte. Überall um den Plattenspieler verstreut lagen Platten. Ich nahm ein paar in die Hand. Es war alle mögliche Musik darunter, als hätte der Zwerg die Platten blind, so wie sie ihm in die Finger kamen, gegriffen.

Fast keine Platte steckte in der richtigen Hülle. Der Zwerg warf die gespielten Platten einfach auf den Boden, ohne sie in ihre Hüllen zurückzuschieben. Am Ende wußte er nicht mehr, welche Platte wohin gehörte, und steckte sie aufs Geratewohl irgendwo hinein. Die Rolling Stones befanden sich in einer Glenn-Miller-Orchestra-Hülle, und in der Hülle von Ravels Daphne und Chloe steckte eine Platte des Mitch Miller Chors. Aber den Zwerg schien dieses Durcheinander nicht zu kümmern. Solange die Musik spielte und er dazu tanzen konnte, war er zufrieden. Gerade tanzte er zu einer Platte von Charlie Parker, die einer Hülle mit dem Titel Meisterwerke der Gitarre entstammte.

Der Zwerg nahm die rasend schnellen Phrasen Charlie Parkers in sich auf und tanzte wie ein Wirbelwind. Ich aß Trauben und sah ihm dabei zu. Der Zwerg schwitzte beim Tanzen. Wenn er seinen Kopf schwang, sprühten die Schweißtropfen zu allen Seiten, und wenn er mit den Armen wirbelte, flogen sie von seinen Fingerspitzen. Aber er tanzte ohne Unterlaß weiter. War eine Platte zu Ende, setzte ich die Schüssel mit den Trauben ab und legte eine neue Platte auf. Und der Zwerg tanzte weiter. »Du tanzt großartig«, sprach ich ihn an. »Als wärest du selbst Musik.« »Danke«, sagte der Zwerg etwas affektiert.

Tanzt du immer so?« fragte ich ihn. »Ich glaube schon«, sagte der Zwerg. Dann stellte er sich auf die Zehenspitzen und vollführte eine vollkommene Drehung. Sein buschiges weiches Haar wehte im Wind. Ich klatschte. Noch nie hatte ich jemanden so phantastisch tanzen sehen. Der Zwerg verbeugte sich galant, und das Stück war zu Ende. Er hörte auf zu tanzen und trocknete sich mit einem Handtuch den Schweiß ab. Die Plattennadel drehte sich kratzend in der Innenrille. Ich hob den Tonarm hoch und schaltete den Plattenspieler aus. Dann steckte ich die Platte in eine der leeren Plattenhüllen.

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