Afterdark

Roman
 
 
DuMont Buchverlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. August 2011
  • |
  • 237 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8321-8603-6 (ISBN)
 
"Afterdark" - nach einer Jazznummer - heißt dieser Roman von Haruki Murakami. Und: "Afterdark" ist das spannungsvolle Buch einer Nacht, erzählt wie durch das Auge einer Kamera. Diese streift über das Panorama der nächtlichen Großstadt: Leuchtreklame und digitale Riesenbildschirme, Hip-Hop aus Lautsprechern, Ströme erlebnishungriger Angestellter und weißblonder Teenager in Miniröcken. Wie mit einem Zoom beobachten wir die Orte nächtlicher Handlungen, die sich dramatisch verbinden und entfalten. Wir begegnen dem jungen Mädchen Mari mit einem Musiker in der Filiale einer Restaurant-Kette sowie der Geschäftsführerin eines Love-Hotels, in dem gerade eine chinesische Prostituierte von einem Freier misshandelt wurde. Wir sehen im 24-Stunden-Supermarkt einen Büroangestellten, wie er das Handy der Chinesin aus dem Love-Hotel in ein Kühlregal legt. Und wir haben die Videoüberwachung bemerkt und dass ihm bereits der Zuhälter auf der Spur ist. Außerdem betritt der junge Musiker diesen Supermarkt und hört das fremde Handy läuten, während das wunderschöne Mädchen Eri, die Schwester von Mari, seit Monaten ununterbrochen schläft.
Afterdark bleibt voller Geheimnisse. Am Ende der sich überstürzenden und mysteriösen Ereignisse schickt uns Haruki Murakamis beunruhigende Prosa in den Tag zurück.
  • Deutsch
  • 3,57 MB
978-3-8321-8603-6 (9783832186036)
3832186034 (3832186034)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Haruki Murakami, 1949 in Kyoto geboren, lebte über längere Zeit in den USA und in Europa und ist der gefeierte und mit höchsten Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Sein Werk erscheint in deutscher Übersetzung im DuMont Buchverlag.
Ursula Gräfe, geboren 1956, hat in Frankfurt a. M. Japanologie und Anglistik studiert. Aus dem Japanischen übersetzte sie u. a. den Nobelpreisträger Kenzaburo Oe, Yoko Ogawa, Hikaru Okuizumi und Haruki Murakami.
18 (S. 156-157)

Eri Asais Zimmer. Es wird heller vor dem Fenster. Eri Asai liegt im Bett und schläft. Ihr Ausdruck und ihre Haltung haben sich, seit wir sie zuletzt gesehen haben, nicht verändert. Sie ist in den dicken Mantel des Schlafs gehüllt. Mari betritt Eris Zimmer. Um ihre Eltern nicht zu wecken, öffnet sie die Tür sehr leise, schlüpft hinein und schließt sie ebenso leise. Die Stille und die Kühle im Zimmer beunruhigen sie. Sie bleibt an der Tür stehen und sieht sich im Zimmer ihrer Schwester wachsam um.

Als Erstes vergewissert sie sich, dass alles ist wie immer. Aufmerksam prüft sie, ob nicht etwas Unbekanntes in einem Winkel lauert. Dann nähert sie sich dem Bett und schaut auf das Gesicht ihrer tief schlafenden Schwester hinunter. Sie streckt die Hand aus, berührt sacht Eris Stirn und ruft leise ihren Namen. Keine Reaktion. Wie immer. Mari zieht sich den Drehstuhl vom Schreibtisch neben das Bett und setzt sich. Konzentriert nach vorn gebeugt, betrachtet sie das Gesicht ihrer Schwester von nahem, als suche sie nach einem geheimen Code darin. Etwa fünf Minuten vergehen. Mari steht auf, nimmt ihre Red- Socks-Kappe ab und, nachdem sie sich durch ihr wirres Haar gefahren ist, auch ihre Armbanduhr.

Sie legt die Sachen auf den Schreibtisch ihrer Schwester. Sie zieht ihre Stadionjacke aus, dann den Parka mit der Kapuze und das kleinkarierte Flanellhemd, das sie darunter trägt. Sie hat jetzt nur noch ein weißes T-Shirt an. Nachdem sie sich noch der dicken Sportsocken und ihrer Blue Jeans entledigt hat, schlüpft sie zu ihrer Schwester unter die Decke und schlingt ihre schlanken Arme um sie. Sanft legt sie die Wange auf Eris Brust und bleibt ganz still so liegen. Sie lauscht auf Eris Herztöne. Dabei fallen ihr ganz allmählich die Augen zu, und unversehens quellen Tränen unter ihren geschlossenen Lidern hervor.

Es sind sehr natürliche, große Tränen. Sie laufen ihr übers Gesicht und benetzen den Pyjama ihrer Schwester. Eine rollt auch auf Eris Wange. Mari richtet sich im Bett auf und wischt sich mit den Fingern die Tränen ab. Über irgendetwas – was es konkret ist, weiß sie nicht – empfindet sie schreckliches Bedauern. Als hätte sie etwas nicht Wiedergutzumachendes angerichtet. Das Gefühl überkommt sie absolut, seine Ursache ist für sie nicht greifbar, und dennoch ist es ein bedrängendes Gefühl. Die Tränen fließen weiter. Mari fängt sie mit den Handflächen auf. Die frischen Tränen sind warm wie Blut, die Wärme ihres Körpers ist noch in ihnen. Unvermittelt kommt ihr ein Gedanke: Ich könnte woanders sein, bin aber hier. Ebenso könnte auch Eri woanders sein und ist dennoch hier.

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