1Q84. Buch 3

Roman
 
 
DuMont Buchverlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Oktober 2011
  • |
  • 578 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8321-8572-5 (ISBN)
 
Endlich: Aomame und Tengo finden sich

Als Tengo seinen komatösen Vater im Krankenhaus besuchen will, findet er in dessen Krankenbett eine >Puppe aus Luft< vor, die ein Abbild Aomames als junges Mädchen in sich birgt. Er greift nach ihrer Hand, und eine unsichtbare Verbindung entsteht. Fortan wartet Tengo darauf, der Puppe nochmals zu begegnen, doch vergebens. War das Signal nicht stark genug, um die zwischen Leben und Tod schwankende Aomame zu retten?
Unterdessen setzt die gefährliche Sekte alles daran, um den Mord an ihrem >Leader< aufzuklären. Aomames Spur wird von einem so unheimlichen wie unangenehmen Agenten aufgenommen. Er ermittelt mit tödlicher Präzision, doch schließlich bringt er mehr in Erfahrung, als gut für ihn ist .
Im dritten Teil des Epos beweist Murakami erneut aufs Eindrucksvollste, dass sich die Schraube des gnadenlos packenden Erzählens immer noch etwas weiter drehen lässt. Auch die jüngste Episode seines größten Werks wird Sie mit dem Wunsch zurücklassen, diese unfassbare Geschichte möge niemals enden.
  • Deutsch
  • 2,17 MB
978-3-8321-8572-5 (9783832185725)
3832185720 (3832185720)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Haruki Murakami, 1949 in Kyoto geboren, lebte über längere Zeit in den USA und in Europa und ist der gefeierte und mit höchsten Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Sein Werk erscheint in deutscher Übersetzung im DuMont Buchverlag.
Ursula Gräfe, geboren 1956, hat in Frankfurt am Main Japanologie und Anglistik studiert. Aus dem Japanischen übersetzte sie u. a. den Nobelpreisträger Kenzaburo Oe, außerdem Yoko Ogawa und Hiromi Kawakami. Für DuMont überträgt sie die Romane Haruki Murakamis ins Deutsche.
Kapitel 1 Ushikawa
Am äußeren Rand des Bewusstseins

»Herr Ushikawa, würden Sie bitte nicht rauchen.«

Ushikawa sah den stämmigen kleinen Mann an, der ihm an seinem Schreibtisch gegenübersaß, und blickte dann auf die noch nicht angezündete Seven Stars zwischen seinen Fingern.

»Wenn es Ihnen nichts ausmacht«, fügte der Mann höflich hinzu.

Ushikawa schaute verdutzt. Er schien sich zu fragen, wie die Zigarette überhaupt in seine Hand gekommen war.

»Selbstverständlich, entschuldigen Sie«, sagte er. »Der Griff zur Zigarette ist schon beinahe ein Reflex bei mir.«

Der stämmige kleine Mann bewegte das Kinn ruckartig etwa einen Zentimeter auf und ab, sah Ushikawa jedoch weiter gerade in die Augen. Letzterer steckte die Zigarette in die Schachtel zurück und verstaute sie in einer Schublade.

Der mit dem Pferdeschwanz lehnte, fast ohne den Rahmen zu berühren, in der Tür und musterte Ushikawa, als sei dieser ein Fleck an der Wand. Diese Typen sind wirklich unheimlich, dachte Ushikawa. Jetzt traf er schon das dritte Mal mit den beiden zusammen, aber ganz gleich, wie oft er ihnen noch begegnen würde, beunruhigend würde es immer bleiben.

Sie befanden sich in Ushikawas nicht allzu großem Büro.

Der untersetzte Mann mit dem kahlgeschorenen Schädel stellte die Fragen, während der mit dem Pferdeschwanz Ushikawa die ganze Zeit stumm und reglos anstarrte wie einer von diesen steinernen Löwenhunden, die die Tore von Shinto-Schreinen bewachen.

»Es sind jetzt drei Wochen vergangen«, sagte der Kahle.

Ushikawa überprüfte die Notiz auf seinem Tischkalender und nickte. »Stimmt. Genau heute vor drei Wochen haben wir uns das letzte Mal gesehen.«

»In der ganzen Zeit haben Sie uns nicht einmal Bericht erstattet.
Obwohl wir uns, wie ich Ihnen bereits erklärt hatte, in einem Wettlauf gegen die Zeit befinden.«

»Ich weiß«, sagte Ushikawa und spielte nun statt mit der Zigarette mit seinem goldenen Feuerzeug. »Wir dürfen keine Zeit vergeuden. Darüber bin ich mir durchaus im Klaren.«

Der Kahlkopf wartete darauf, dass Ushikawa fortfuhr.

»Aber häppchenweise Informationen zu liefern entspricht nicht meiner Arbeitsweise. Hier ein bisschen und da ein bisschen - das widerstrebt mir. Ich muss zuerst die Dinge im Zusammenhang sehen und sie auch mal von der anderen Seite betrachten, um mir ein vollständiges Bild machen zu können. Es mag selbstgefällig klingen, aber das ist eben mein persönlicher Stil. Voreilige Schlüsse bringen häufig mehr Schaden als Nutzen, Herr Onda.«

Der mit Onda Angesprochene musterte ihn kalt. Ushikawa wusste, dass dieser Mann keinen positiven Eindruck von ihm hatte. Was ihm allerdings kaum etwas ausmachte. Solange Ushikawa denken konnte, hatte er eigentlich nie irgendwo einen guten Eindruck gemacht. Für ihn war das ein ganz alltäglicher Zustand. Weder seine Eltern noch seine Geschwister hatten viel für ihn übrig gehabt, seine Lehrer und seine Mitschüler ebenso wenig. Nicht einmal seine Frau und seine Töchter hatten ihn gemocht. Wahrscheinlich hätte es ihn sogar beunruhigt, wenn ihn plötzlich jemand sympathisch gefunden hätte. Abneigung dagegen ließ ihn völlig kalt.

»Herr Ushikawa, wir möchten Ihren Stil nach Möglichkeit respektieren. Bisher haben wir das auch immer getan. Aber diesmal ist es etwas anderes. Wir haben leider nicht die Zeit zu warten, bis Sie alle Fakten beisammenhaben.«

»Gewiss, Herr Onda. Andererseits drehen Sie ja auch nicht nur Däumchen und warten darauf, dass ich mich bei Ihnen melde«, sagte Ushikawa. »Bestimmt haben Sie parallel zu meinen Nachforschungen Ihre eigenen angestellt.«

Onda gab keine Antwort. Seine Lippen blieben fest versiegelt. Auch seine Miene änderte sich nicht. Doch Ushikawa wusste, dass keine Antwort auch eine Antwort war. Die beiden hatten der Frau in den vergangenen drei Wochen auf anderem Wege nachgespürt als er. Aber sie hatten keinen Erfolg gehabt, weshalb das unheimliche Paar wieder bei ihm aufgetaucht war.

»Eine Schlange erkennt die andere«, sagte Ushikawa mit ausgebreiteten Händen, als würde er sie in ein erfreuliches Geheimnis einweihen. »In Wahrheit bin ich eine Schlange. Vielleicht sehe ich nicht besonders gut aus, aber mein Geruchssinn ist unschlagbar. Ich bin imstande, auch die schwächste Witterung aufzunehmen und zu verfolgen. Aber wie es der Natur der Schlange entspricht, kann ich nur nach meiner Methode und in meinem Tempo arbeiten. Mir ist völlig klar, wie entscheidend der Zeitfaktor ist; dennoch bitte ich Sie, noch ein wenig zu warten. Mangelnde Geduld kann alles verderben.«

Onda beobachtete gelassen, wie Ushikawa sein Feuerzeug in den Händen drehte. Schließlich hob er den Kopf. »Ich möchte Sie bitten, uns mitzuteilen, was Sie bisher herausgefunden haben, auch wenn Ihre Erkenntnisse noch bruchstückhaft sind. Wir verstehen Ihre Situation, aber wir müssen unseren Vorgesetzten wenigstens ein paar konkretere Ergebnisse liefern. Wir verlieren sonst unser Gesicht. Außerdem ist die Lage, in der Sie sich befinden, auch keineswegs erquicklich, Herr Ushikawa.«

Diese Typen können einen ganz schön in die Enge treiben, dachte Ushikawa. Man hatte sie zu Leibwächtern des Leaders gemacht, weil sie ausgebildete Kampfsportler waren. Aber dann wurde ihr Schutzbefohlener direkt vor ihrer Nase ermordet. Oder nein, dafür, dass es ein Mord gewesen war, gab es keinen unmittelbaren Beweis. Sekteneigene Ärzte hatten die Leiche untersucht, aber keine äußeren Verletzungen feststellen können. Allerdings gab es auf dem Gelände der Vorreiter nur eine ziemlich einfach ausgestattete Krankenstation. Hinzu kam, dass sie unter Zeitdruck gestanden hatten. Eine gründlichere Autopsie durch einen Spezialisten hätte vielleicht etwas ergeben. Aber dafür war es mittlerweile zu spät. Die Vorreiter hatten den Leichnam bereits in aller Heimlichkeit in ihrem Hauptquartier entsorgt.

Auf alle Fälle waren die beiden Leibwächter durch ihr Unvermögen, den Leader zu schützen, in eine heikle Lage geraten. Daher war es nun ihre Pflicht und Schuldigkeit, die verschwundene Frau ausfindig zu machen, und wenn sie dazu jeden Stein in ganz Japan einzeln umdrehen mussten. Aber bisher hatten sie keine konkreten Anhaltspunkte. Sie besaßen zwar die für ihre Aufgaben als Bodyguards erforderlichen Voraussetzungen, aber um eine Person aufzuspüren, die vorsätzlich ihre Spuren verwischte, fehlte ihnen das Know-how.

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

10,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen

Unsere Web-Seiten verwenden Cookies. Mit der Nutzung dieser Web-Seiten erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen finden Sie in unserem Datenschutzhinweis. Ok