Der Glanz des Bösen: Ein Fall für Jabassy 1

Kriminalroman
 
 
Ein Fall für Jabassy (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. Juni 2021
  • |
  • 256 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96655-411-4 (ISBN)
 
Denn die Dunkelheit lauert noch immer unter uns: Der packende Krimi »Der Glanz des Bösen« von Sandra Mulansky jetzt als eBook bei dotbooks. Es ist der Alptraum aller Eltern. Der kleine Adrian stirbt nach überstandener Herz-OP im Kinderhospital. Als Todesursache wird eine grausame Laune der Natur vermutet - bis plötzlich ein schrecklicher Verdacht im Raum steht: Adrian soll vergiftet worden sein! Doch wer könnte so eine furchtbare Tat begehen? Eine Initiative besorgter Eltern beauftragt die Privatdetektivin Claudia von Jabassy mit der Untersuchung der tragischen Vorkommnisse. Als Claudia beginnt, hinter der Fassade der Klinik zu ermitteln, stößt sie auf brutale Eitelkeiten, anonyme Drohbriefe und eine düstere Spur, die direkt in Adrians Elternhaus führt - und mit grausamer Schnelligkeit wird die Liste der Verdächtigten immer länger ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der fesselnde Kriminalroman »Der Glanz des Bösen« von Sandra Mulansky. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.
  • Deutsch
dotbooks Verlag
  • 1,00 MB
978-3-96655-411-4 (9783966554114)
Hinter dem Pseudonym Sandra Mulansky verbirgt sich eine deutsche Autorin, die erfolgreich historische Romane und Jugendbücher veröffentlicht. Bei dotbooks erscheinen Sandra Mulanskys Kriminalromane »Der Glanz des Bösen« und »Alle unsere Sünden«

Du wohnst in den Wolken


Sie wirft keinen Blick zurück. Wer zurückschaut, hat verloren.

»Wenn ich aber Angst vor das Klo habe«, ruft Jonas flehentlich durch die Glastür. Sie hat es genau verstanden, auch wenn sie so tut, als ob sie ihn nicht mehr gehört hätte. Er hat sein Nutellabrot in der Kindergartentasche und einen Apfel in der Hand, bitte schön, das war's. Die Tür ist zu, und sie steht draußen. Blond, aber nicht dumm. Schwarze Stiefel, groß karierter Mantel, im Schneetreiben ohne Schirm. Lippenstift dezent, für Augen-Make-up hat die Zeit nicht mehr gereicht.

Ab sofort ist sie Claudia von Jabassy, bis heute Abend gegen fünf. Es ist Januar, matschig trüber Januar. Vor ihr im Schnee halbgefrorene Hundekacke und die Spuren von Kinderschlitten. Vorgestern beim Friseur hat sie ihr Horoskop gelesen. Sie glaubt nicht an Astrologie, Archäologen glauben bekanntlich an gar nichts, sie sind richtige Heiden (ja, schon gut, Papa). Aber an ein Horoskop, das über das ganze Jahr verteilt Geldsegen dick und satt verheißt, glauben sowohl Marlies Klein wie Claudia von Jabassy.

Sie wirft auch jetzt keinen Blick zurück. Sie schließt die Tür der limofarbenen Limousine auf, lässt kurz vorglühen und startet durch.

Die wenigsten Frauen können das: klar trennen zwischen verschiedenen Rollen. Sie vermischen ihr Mutterdasein mit ihrer beruflichen Existenz, schwätzen am Schreibtisch über Kochrezepte, stehen sozusagen in der Kittelschürze am dienstlichen Telefon, das muss ja schief gehen. Hier kann jede Frau sich etwas von beinahe jedem Mann abgucken. Am Arbeitsplatz angekommen, hat er Frau und Kind vergessen.

Oder Frau begeht grundsätzliche Fehler wie sich im Job zu verlieben, in Kollegen, in Abteilungsleiter. Auch das würde sie nie tun. Es ist ihr nun einmal gegeben, scharf und analytisch zu denken. Das mit der Promotion war nur noch eine Sache von ein paar Wochen. Eine Zeit lang war sie sportlich und hat sich an Stadtläufen beteiligt. Komisch, aber wahr, die letzten 500 Meter beim Marathon hat sie immer nicht geschafft.

Auf der Brücke über den Main staut es wie immer um diese Zeit. Die Straßenbahn donnert vorbei Richtung Hauptbahnhof. Für Sekunden wagt sich die schräge Morgensonne hervor und lässt Glas und Metall der Bankentürme über der City aufblitzen. An jeder Ampel Rot. Claudia steht neben einem Wahlplakat der Grünen. JOSCHKA, DU WIXER, hat jemand mit dickem schwarzem Filzstift drübergeschrieben.

Claudia setzt den Blinker und fädelt sich links ein zum »Anschluss West«. Morgens um diese Zeit ist das immer noch die beste Möglichkeit, ihr Büro ohne größeren Stau zu erreichen. Es geht flüssig vorbei am gelben Backsteinbau der Gutleutkaserne aus Kaiser Wilhelms Zeiten. Claudia schaltet das Radio ein. Vom Stadtrand im Süden bis ganz zum Westen, dahin, wo man den Taunus vor der Nase hat, das ist ihre morgendliche Strecke. Einmal quer durch ganz Frankfurt. Nach Frankfurt hatte sie immer gewollt. Frankfurt war ihr Ziel, als sie noch Teenager in Offenbach war.

Es ist genau neun Uhr, als sie ihr Hochhaus am westlichen Stadtrand erreicht hat. Pünktlichkeit ist das, was sie jeden Morgen anstrebt und nie auf die Minute hinbekommt. Der erste Arbeitstag nach der Weihnachtspause. Federico Meier ist glücklicherweise Frühaufsteher. Wenn sie kommt, steht der Kaffee bereit.

Sie stutzt, als sie das Hochhausfoyer betritt. Der Weihnachtsbaum in der Ecke ist leer. Nicht leer. Abgeschmückt, das ist das Wort. Irgendjemand hat die roten Holzpferdchen und die Taftschleifen abgenommen und für nächstes Jahr weggepackt. Der Tannenbaum in der Ecke steht nadelnd und sinnlos geworden auf den dunkelgrünen Marmorfliesen. Die Jungs von der Jugendfeuerwehr wollten ihn gegen Mittag abholen. Türbereich und Fahrstuhltür sind orange gestrichen. Ende der 70er Jahre war das innovativ. Es ist ein gediegenes Hochhaus aus den 70er Jahren. Noch gut in Schuss. In den obersten Stockwerken ein paar meist selbstgenutzte Eigentumswohnungen, überwiegend von allein stehenden älteren Damen bewohnt. In den unteren Arztpraxen und Anwaltsbüros, ein Immobilienmakler, eine Import-Export-Firma und Jabassy und Co natürlich.

»Ich liebe dich. Komm zurück, Adrianna«, hat jemand in der Nacht in die Fahrstuhltür geritzt. Schmierereien im Treppenhaus und am Fahrstuhl kommen selten vor und werden umgehend beseitigt. Dafür sorgen die alten Damen. Claudia drückt den Knopf.

»Sie haben angerufen. Schon das zweite Mal. Du sollst kommen und ihn abholen. So ginge es nicht.« Federico beschriftet blassgelbe Karteikarten und nuschelt ihr diese Sätze entgegen. »Alles Gute zum Neuen auch noch. Dass es dir Glück bringt und Geld wie Heu.«

»Danke gleichfalls. Für dich auch. Glück und den Ausstieg aus dem Suff.«

»Lieber Geld«, sagt Federico.

Federico Meier ist ihr Co. Er hat mit ihr zusammen studiert und sie zum Krankenhaus gefahren, als die Wehen einsetzten, damals als Jonas geboren wurde. Er war an jenem Katastrophentag dabei, als sie erfuhr, dass ihr Doktorthema schon von dem Eierkopf in Paris bearbeitet wurde. Fast bei allen ihren Katastrophen war er irgendwie dabei. Das mit den Karteikarten hat sie ihm ausdrücklich verboten. Verdammt, das soll er lassen, in welchem Zeitalter leben wir schließlich, wozu hat sie die EDV angeschafft. Die Nymphensittiche schreien schlecht gelaunt im Käfig auf der Fensterbank. Die Kaffeemaschine würgt in Agonie.

In ihrem Büro - Jabassy u. Co Überwachungen, Ermittlungen im In- und Ausland - sieht Claudia den Beweis für all das, was sie ist und was sie kann. Es strahlt Sachlichkeit und kühle Professionalität aus. Alles in Grau und Weiß. Die zweieinhalb Zimmer mit der Teeküche und einem winzigen Bad sind optimal ausgenutzt und suggerieren Weite auf knappen 60 Quadratmetern. Einziger Schönheitsfehler ist Federico Meier, gelernter Archäologe, genauer gesagt, Prähistoriker. Sein Dr. macht sich gut auf den Briefbögen. Er ist ein Spürhund, klug und zuverlässig, deshalb hat sie ihn beteiligt. Selbstverständlich auch aus alter Freundschaft und Verbundenheit. Er ist nicht der Mann fürs Leben - wer ist das schon -, aber der, den Claudia auf die Expedition in die Sahara mitnehmen würde.

Federico trinkt zu viel, keineswegs nur sein Gläschen Rotwein gegen Abend. Außerdem raucht er zu viel. Auch das wiederum exzessiv. Tagsüber Selbstgedrehte, bei besonderem Stress und gegen Abend ist die Meerschaumpfeife dran. Federico ist erheblich älter als sie, weit über vierzig, und hat fast alles hinter sich. In den 70ern war er mit Freunden in Indien, hinterher hat er eine Buchhändlerlehre gemacht, danach kurze Zeit in einem Verlag gearbeitet und angefangen, Vor- und Frühgeschichte, außerdem Klassische Archäologie zu studieren. Federico hat über Pfahlbausiedlungen am Bodensee promoviert. Damals haben sie sich kennen gelernt. Federico brachte es zu einer Festanstellung im Prähistorischen Institut. Beschriftete dort ebenfalls gelbe Karteikarten bis, ja bis zu jenem schicksalhaften Winckelmannfest am 6. Dezember 1992. Claudia muss kichern bei der Erinnerung an die donnernden Lachsalven Federicos, die über die frisch im Haarstudio lila eingefärbten Gräfinnen, Vorstandsvorsitzenden der ortsansässigen Banken, Museumsleiter et cetera et cetera hereinbrachen.

Der beste Film, den sie je gesehen hat. Starring Federico Meier. Unvergesslich. Claudia kommt zur Sache.

»Ach bitte, ihr Männer seid doch die mit der größeren Klarheit im Denken, mehr Gehirnwindungen und so. Kannst du es nochmal sagen, damit ich es verstehe mit meinem weiblich schwachen Geist?«

»Jonas hat die Hosen vollgekackt, lässt dir die Kindergartentante ausrichten.«

Federicos Blick ist vorwurfsvoll. Federico und Jonas mögen sich.

Claudia setzt sich erst mal. Wortlos reicht Federico den Becher Kaffee herüber. Sie überlegt, was zu tun ist. Nicht ganz einfach. Im Grunde genommen kann sie überhaupt nichts tun. Die Kita liegt im Süden neben der Rennbahn. Wenn sie jetzt losfährt, braucht sie eine halbe Stunde, mindestens. »Also wenn nochmal angerufen wird, sagst du, ich hätte Außentermine.«

»Claudia, mach das lieber nicht. Die schalten auf stur, wenn du in stur machst. Jonas verliert seinen Platz, wenn du nicht kooperativ bist.«

Federico hat wieder einmal Recht. Aber sie ist hier und jetzt im Begriff zu arbeiten. Woher soll das Geld aufs Konto fließen, wenn sie schon wieder aufspringt und geht.

»Und sonst?«, fragt Claudia.

»Das Übliche. Ein Anruf von einer Frau, die beschützt werden will wegen eines tobsüchtigen Ehemanns.«

»Sollen wir es machen? Übernimmst du es?« Bei Schutzmaßnahmen überlegt Claudia immer erst einmal, ob sie es wirklich übernehmen sollen. Manchmal, wenn es ihr zu riskant erscheint, lässt sie es lieber. Ab und zu merkt man auch erst mittendrin, dass es überdurchschnittlich ist. Dann ärgert sie sich immer, dass sie es nicht gleich gelassen hat.

»Sie will, dass einer mit Schlagstock und Trommelrevolver dabei ist, wenn der Möbelwagen kommt und sie die Wohnung verlässt.«

»Kann ich durchaus verstehen. Hat ihr Ehemann Alkoholprobleme?«

»Ganz gewaltige.«

»Wann ist der Umzug?«

»In ein, zwei Wochen, den Termin hat sie noch nicht festgemacht. Sie wollte erst sicher sein, dass einer von uns dabei ist.«

»Geht sie ins Frauenhaus?«

»Nein. Sie hat eine Wohnung gemietet, irgendwo im Ostend, Uhlandstraße, glaube ich.«

»Kinder?«

»Nicht vorhanden.«

»Also, ich könnte auch«, schlägt Claudia vor. Sie hat schließlich die Lizenz für den Personenschutz in der Brieftasche, den Waffenschein und den Trommelrevolver im Stahlschrank, ebenso wie Federico. Claudia findet, dass sie körperlich in besserem Zustand ist...

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