Jäger und Gejagte

 
 
Papierverzierer Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. November 2017
  • |
  • 221 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95962-033-8 (ISBN)
 
'Aus dem tiefen Schlund drang das entfernte Brummen und Schlagen der Flügelpaare, aufgeschreckt, wild und bösartig.' Amerika 1872. Das Aufgebot folgt dem kleinsten Hinweis, um dem Übernatürlichen auf die Spur zu kommen . Die bald weithin bekannten Monsterjäger gelangen schließlich in eine Stadt, in der das Grauen ein neues Gesicht trägt. Die Nächte werden zu kurz, um das wieder aufzubauen, was der Horror am Tag vernichtet. Damit ist es ein eindeutiger Fall für die zusammengewürfelte Cowboy-Truppe. Weitere aktuelle Titel von Felix A. Münter: Die Carter-Akten (Thriller-Serie):MercenaryHunterHijackerBloodhoundHitman Dynastie (Episches Fantasy Drama):Königsretter Westrin(High-Fantasy-Saga):KaisersturzExilSchicksal Trümmerwelten(High Fantasy-Epos in Zusammenarbeit mit Ann-Kathrin Karschnick): Trümmerwelten - Die Abenteuer der Alice Sparrow Trümmerwelten - Die Odyssee der Alice Sparrow Troubleshooter (Weird Horror Western Serie):Das AufgebotJäger und GejagteEin Funken Wahrheit Archon (Science Fiction Serie):VermächtnisHöhere Macht Einzelbände:Der kleine König - High Fantasy All about the Money - Thriller Vita - Steampunk-Thriller Prepper - Endzeit-Thriller Nulllinie - Thriller

Felix Alexander Münter, geboren 1985, studierte angewandte Sozialwissenschaften in Dortmund und arbeitet seit dem Ende seines Studiums als Freiberufler im Sozial- und Gesundheitswesen. Seit 2014 ist er auch als Autor tätig. Neben dem Verfassen von Geschichten ist er leidenschaftlicher Rollen- und Brettspieler und hat ein ausgeprägtes Interesse an Politik und Geschichte. Seit seinem Debüt 'Neue Hoffnung', dem Auftakt der 'The Rising'-Reihe, schreibt er unermüdlich in zahlreichen Genres: SciFi, Postapokalypse, Horror, Thriller, Steampunk und Fantasy. Felix A. Münter fühlt sich in vielen Genres zu Hause. Im April 2015 wurde sein Erstlingswerk 'Neue Hoffnung' mit dem RPC FANTASY AWARD ausgezeichnet.
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Kapitel I



Gejagt



Der morgendliche Nebel waberte über die Ebene, das Morgenrot im Osten zauberte ein Farbspiel in rot, violett und blau. Ein malerischer, friedlicher Morgen, dessen Idylle von einem anhaltenden Klang gestört wurde: von prasselnden Hufen.

Durch den Nebel jagte ein Pferd, dessen Reiter ihm alles abverlangte. Die Hufe donnerten, Erde und Präriegras flog hinter dem Tier durch die Luft. Tief auf den Sattel gesunken saß ein bärtiger Mann. Er lehnte sich weit nach vorn, schmiegte sich förmlich an den Hals seines treuen Tieres und kniff die Augen zusammen. An Schläfen und Vollbart schimmerte das erste Grau, seine Haut war von Wind und Wetter gegerbt, erinnerte an eine von Schluchten zerklüftete Landschaft. Im Wind klappte zuerst die Krempe seines Huts hoch, dann wurde er ihm vom Kopf gerissen und baumelte an der Kordel an seinem Hals. Mit verbissener Miene trieb der Reiter sein Tier an, presste ihm die Fersen in die Flanken und spornte es immer wieder mit Rufen an. Das Pferd gehorchte, hielt die Ohren angelegt und raste in einer mörderischen Geschwindigkeit weiter. Der Nebel um sie herum zog Wirbel, begann sich gleichzeitig im Licht des jungen Tages aufzulösen. Immer wieder warf der Mann gehetzt Blicke über die Schulter nach hinten, vergewisserte sich, dass ihn der schützende Nebel noch verdeckte.

Er preschte vor, jagte sein Pferd - ein braunes, starkes Tier - den Hang eines sanften Hügels empor. Es war der schnellste Weg, zugleich aber auch einer, der ihn zwangsläufig aus der schützenden Umarmung des Frühnebels brachte. Doch er kannte sein Tier und wusste von seinen eigenen Fähigkeiten. Der Weg, den er gewählt hatte, mochte gefährlich sein, doch es war der schnellste. Und auf Schnelligkeit kam es an. Denn sie verließen sich auf ihn. Ross und Reiter erreichten die Hügelkuppe. Der Wallach schnaubte vor Anstrengung, stieß ein Wiehern aus und verlangsamte seinen Gang, doch sein Reiter konnte ihm die Verschnaufpause nicht gewähren - so notwendig sie auch war. Mit wilden Rufen trieb er das Tier weiter und ritt auf der anderen Seite wieder hangabwärts. Der Wind rauschte in seinen Ohren, er schluckte alle anderen Geräusche, brannte in seinen Augen und nahm ihm dadurch einen Teil der Sicht. Doch er und sein Pferd kannten den Weg, waren ihn schon mehrfach geritten, wenn auch in beschaulicherem Tempo. Instinktiv lenkte er an Bodenwellen und überwucherten Gräben vorüber, vorbei an Steinen und Felsen, die im Präriegras verborgen waren.

Auf der anderen Seite des Hügels hatte sich der Nebel nicht halten können, lediglich einige wenige Schleier des frühmorgendlichen Dunstes schwebten über der weiten Ebene. Der bärtige Reiter fuhr sich mit der Zunge über die Zähne und fluchte. Damit hatte auch er nicht gerechnet. Er hatte gehofft, dass der schützende Nebel ihm noch weitere Meilen Schutz gewähren würde. In einiger Entfernung erhob sich ein lichtes Waldstück. Als er es entdeckte, riss er sanft an den Zügeln, lenkte sein schnaubendes Pferd in ebendiese Richtung. Die Bäume, so hoffte er, würden ihm die notwendige Deckung bieten.

Der rote Glutball der Sonne stieg auf, zerstreute die letzten Nebelfetzen, während der Reiter etwa die Hälfte der Distanz zu den Bäumen überwunden hatte. Er konnte die wärmenden Strahlen der Sonne spüren, doch sie bereiteten ihm kein wohliges Gefühl, sie ließen ihn vielmehr erschauern. Er spürte, wie sich seine Nackenhaare aufstellten - ein alter Instinkt, der ihn vor Gefahren warnte. Er warf sich im Sattel herum, spähte in alle Richtungen, hielt sein stampfendes Pferd auf Kurs. Doch in der dahinjagenden Prärie und den blendenden Strahlen der Sonne konnte er nicht das kleinste Zeichen einer Gefahr ausmachen. Wieder fluchte er, drückte sich noch enger an den Hals seines Pferdes und redete auf das Tier ein.

Das Donnern der Hufe, der pfeifende Wind, sein eigenes Herz, das ihm bis zum Hals schlug - all diese Faktoren sorgten dafür, dass er das Geräusch seiner Verfolger nicht bemerkte. Erst viel zu spät vernahm er das surrende Geräusch, riss vor Schreck die Augen auf und sah sich wieder um. Als er begriff, dass sie nicht hinter ihm, sondern im Schutz der blendenden Sonne herankamen, war es bereits zu spät. Das Surren und Brummen schwoll an, dann traf ihn etwas wie mit einem Hammerschlag in der Seite. Die Luft wurde ihm aus der Lunge gepresst, er war nicht in der Lage, einen Schrei oder einen Laut des Erstaunens hervorzubringen. Stattdessen klammerte er sich verzweifelt an Zügeln und Sattel fest, stemmte sich in seine Steigbügel. Vergebens. Ein zweiter Schlag, diesmal auf Höhe von Schulter und Gesicht. Er verlor seinen Halt, wurde aus dem Sattel gerissen und durch die Luft geschleudert. Vor Verzweiflung wedelte er mit den Armen, doch er wusste ganz genau, dass es ihn nicht retten konnte. Er schlug auf dem Boden auf, der sich in diesem Moment wie fester, massiver Fels anfühlte, überschlug sich. Viel zu viele seiner Knochen waren den Belastungen nicht gewachsen und barsten beim Aufprall. Als er schließlich liegenblieb, das Gesicht zum rötlich-blauen Himmel gerichtet, hatte er jedes normale Gefühl verloren. Sein Körper schien nur noch aus dumpfem Schmerz zu bestehen. Er stöhnte, war unfähig, etwas anderes zu tun, als zu blinzeln - und selbst das verlangte ihm schon viel ab. In seinen Ohren rauschte es, an den Rändern seines Sichtfelds tanzten die Sterne. Doch dann nahm er den Schatten wahr, der sich bedrohlich über ihn senkte. Er schrie, während das allgegenwärtige Surren immer lauter wurde.



***



Sie rannte. Ihre Lunge brannte, das Blut rauschte in ihren Ohren und ihr Herz stampfte in einem donnernden Rhythmus. Ihr Atem ging hastig, ihre Atemzüge waren kaum in der Lage, ihren Körper mit dem notwendigen Sauerstoff zu versorgen. Jede Zelle, jede Faser schrie nach einer Unterbrechung. Nach einer Pause. Doch sie rannte weiter. An diesem Ort, östlich der Siedlung und in der Nähe des Flusses, hielt sich der wabernde Frühnebel länger und bot genügend Schutz - dennoch kam es auf jede Minute an. Sie musste es nur bis zum Fluss schaffen. Weiter nicht. Nur bis zum Fluss. Ihr Verstand war zu keinem anderen Gedanken mehr fähig, diese vier Worte wurden zu ihrem Mantra, zum Motor ihrer Anstrengung. In ihrer Eile sprang sie über Felsbrocken und abgerissene Äste, vorbei an Büschen und Sträuchern, an windschiefen Bäumen. Die Welt um sie herum verschwamm im dahinrasenden Dunst. Doch sie kannte den Landstrich östlich der Heimat, war hier aufgewachsen. Als Kind hatte sie hier gespielt, kannte die Gruben und Erdlöcher, wusste, wo sie sich einen ganzen Tag verstecken konnte.

Ein Teil von ihr wollte genau das tun: sich verstecken. In die Dunkelheit einer der Erdhöhlen krabbeln und warten, bis alles vorbei war. So wie sie es früher bei Unwetter getan hatte. Doch das hier war kein Unwetter. Es würde nicht einfach so vorbeigehen. Sie konnte es nicht aussitzen.

Drei Freiwillige hatten sich gemeldet und waren mit den schnellsten und kräftigsten Pferden ausgestattet worden. Sie hatten es richten sollen. Sollten nach Norden reiten - nach Fort Harker. Mit einem schnellen Pferd war das innerhalb eines Tages zu schaffen, doch der Weg führte geradewegs durch die offene Prärie. Als sie von dem Vorhaben hörte, wusste sie, dass es zum Scheitern verurteilt war. Die drei Freiwilligen hatten ihre Todesurteile unterschrieben - sie wussten es nur noch nicht. Sie hatte protestiert, die Männer zuerst angefleht und dann angebrüllt, es nicht zu versuchen. Doch sie war eine junge Frau, nicht einmal zwanzig Jahre alt. Was wusste sie schon von der weiten Welt? Was verstand sie von den Dingen, die Männer taten? Man hatte sie ruppig fortgejagt, hatte auf ihren armen Onkel - ihren Vormund - geschimpft. Er schickte sie nach Haus, doch dort blieb sie nicht lange. Während auf der anderen Seite der Siedlung die Männer ihre Pferde fertig machten, packte sie nur das Nötigste ein, sprang in robuste Kleidung und stahl sich an ihrer gutherzigen Tante vorbei.

Und jetzt rannte sie. Von der Siedlung bis zum Fluss waren es fast zwei Meilen, und sie hoffte, dass sie es schaffen würde, bevor man ihre Flucht bemerkte und sie einfangen konnte. Sie hoffte auch, es vor dem Auflösen des Nebels zu schaffen. Nur bis zum Fluss. Danach würde es schon besser werden.

Die Sonne kündigte sich über den Hügeln auf der anderen Seite des Flusses an, der Himmel wurde in ein atemberaubendes Farbspiel aus Violett, Orange und Rot getaucht. Doch sie hatte kein Auge für die Schönheit - hatte sie in den vergangenen Jahren schon oft gesehen. In ihrem Zimmer befand sich ein Dachfenster, das genau nach Osten zeigte. Oft war sie vor der Sonne aufgewacht und hatte das Schauspiel betrachtet, bevor die Welt ganz zum Leben erwacht war. Wunderbare, friedliche Momente. Doch das alles schien so weit entfernt, so lange her. Wie Erinnerungen an ein fremdes Leben, beinahe.

Vor ihr teilte sich der Nebel, und das blau-graue Band des Flusses tauchte auf. Der Boden neigte sich, fiel ab und sie musste aufpassen, nicht aus dem Tritt zu kommen. Endlich kam es in Sichtweite. Onkel Raymond hatte Kraft seiner eigenen Hände Arbeit eine kleine Hütte am Ufer errichtet und einen Steg, der ein gutes Stück in den Strom reichte. An guten Tagen pflegte er, stundenlang auf dem Steg zu sitzen und zu angeln. Ganz am Ende des Stegs war ein kleines Ruderboot angebunden. Ihr Ziel. Doch langsam waren ihre Kraftreserven aufgebraucht, ihre Schritte wurden ungenauer,...

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