Vorbeben

Was die globale Finanzkrise für uns bedeutet und wie wir uns retten können
 
 
Hanser (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. Februar 2008
  • |
  • 242 Seiten
 
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978-3-446-41640-6 (ISBN)
 
Skrupellose Finanz-Zocker haben in grenzenloser Gier mit faulen Krediten spekuliert. Das konnte nicht gut gehen, und es ist nicht gut gegangen. Nun müssen wir alle die Zeche zahlen: Was zunächst den Anschein eines lokalen Erdbebens in den Vereinigten Staaten hatte, ist zum Auslöser einer globalen Finanzkrise geworden, die auch in Deutschland Banken an den Rand des Abgrunds treibt -mit schweren Folgen für uns alle.Eine der Ursachen für diese Blase war die Entwicklung hochmoderner Finanzprodukte. Von vielen Experten als Beispiel modernen Erfindungsgeistes gepriesen, erwiesen sich diese neuartigen Produkte als finanzielle Massenvernichtungswaffen mit einer in der Finanz-Geschichte einzigartigen Zerstörungskraft.Wolfgang Münchau zeigt in diesem Buch, wie es zu dieser Krise kommen konnte, er erklärt umfassend und für jeden verständlich, wie diese hochkomplizierten Instrumente funktionieren, wie sie auf dem Markt eingesetzt werden und warum selbst die nationalen Finanzaufsichten hilflos sind. Vor allem aber gibt er Hinweise und Tipps, wie wir uns als Anleger verhalten sollen, um nicht in den Strudel gerissen zu werden.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,51 MB
978-3-446-41640-6 (9783446416406)
3446416404 (3446416404)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Wolfgang Münchau ist Direktor des Wirtschaftsinformationsdienstes "Eurointelligence.com" und Europa-Kolumnist der britischen "Financial Times" mit Sitz in Brüssel. Münchau war einer der Gründer der "Financial Times Deutschland" und deren Chefredakteur von 2001 bis 2003. Zuvor war Münchau über mehrere Jahre hinweg Korrespondent der "Financial Times" und der Londoner "Times" in Washington, Brüssel und Frankfurt.
1 - Inhalt [Seite 6]
2 - Prolog [Seite 8]
3 - 1 Die Ereignisse bislang [Seite 14]
3.1 - 1.1 Akt I des Dramas: Die Ruhe vor dem Sturm [Seite 14]
3.2 - 1.2 Akt II: Der Kreditmarkt [Seite 18]
3.3 - 1.3 Akt III: Das Ende des Booms [Seite 23]
3.4 - 1.4 Akt IV: Der Knall [Seite 30]
3.5 - 1.5 Akt V: Nachbeben oder Vorbeben? [Seite 42]
4 - 2 Von Märkten und Blasen [Seite 44]
4.1 - 2.1 Warum wir moderne Finanzmärkte brauchen [Seite 44]
4.2 - 2.2 Forever Bubbles [Seite 47]
5 - 3 Die Rolle der Kreditmärkte alsmoderne Massenvernichtungswaffen [Seite 60]
5.1 - 3.1 Finanzinstrumente [Seite 70]
5.1.1 - 3.1.1 Hypotheken und Mortgages [Seite 71]
5.1.2 - 3.1.2 Das festverzinsliche Wertpapier [Seite 75]
5.1.3 - 3.1.3 Der Swap [Seite 78]
5.1.4 - 3.1.4 Kreditderivate: Credit Default Swaps und Asset Swaps [Seite 85]
5.1.5 - 3.1.5 Verbriefte Wertpapiere [Seite 96]
5.1.6 - 3.1.6 Die besicherte Schuldverschreibung (Collateralized Debt Obligation) [Seite 105]
5.1.7 - 3.1.7 Besicherte Schuldverschreibung mit synthetischer Struktur (Synthetic Collateralized Debt Obligation) [Seite 107]
5.2 - 3.2 Die Akteure [Seite 111]
5.3 - 3.3 Wie die Spekulation in den Kreditmärkten funktioniert [Seite 131]
5.4 - 3.4 Zwei Fallbeispiele [Seite 136]
5.4.1 - 3.4.1 Kerkorian und General Motors [Seite 136]
5.4.2 - 3.4.2 Die "Subprime"-Hypothekenkrise und wie sie ihr Ende nahm [Seite 139]
6 - 4 Die unrühmliche Rolle der Mathematik [Seite 144]
7 - 5 Die globalen Ungleichgewichte [Seite 158]
8 - 6 Wie es weitergeht - einige Szenarien [Seite 168]
8.1 - 6.1 Unser Basisszenario [Seite 169]
8.2 - 6.2 Das Szenario für Optimisten [Seite 173]
8.3 - 6.3 Das Szenario für Pessimisten [Seite 175]
8.4 - 6.4 Der systemische Schock - Pleite eines großen Hedgefonds [Seite 182]
8.5 - 6.5 Protektionismus [Seite 187]
8.6 - 6.6 George Soros - 2.0 [Seite 189]
8.7 - 6.7 Wenn Osama bin Laden einen Hedgefonds gegründet hätte ... [Seite 192]
9 - 7 Caveat emptor - oder was die Krise für Privatanleger bedeutet [Seite 196]
9.1 - 7.1 Defensive Strategien [Seite 199]
9.2 - 7.2 Offensive Strategien [Seite 206]
10 - 8 Sieben Fragen [Seite 210]
11 - Epilog [Seite 214]
12 - Glossar und Abkürzungsverzeichnis [Seite 220]
13 - Empfehlenswerte Literatur [Seite 230]
14 - Anmerkungen [Seite 232]
15 - Register [Seite 236]

3 Die Rolle der Kreditmärkte als moderne Massenvernichtungswaffen (S. 53-54)

In diesem Kapitel geht es nun endlich um die Kreditmärkte selbst. Der Kreditmarkt ist ein Markt, in dem fast nur Profis handeln – im Gegensatz zum Aktienmarkt. Die Instrumente dieses Marktes sind hochkomplexe Wertpapiere, deren Basis der gute alte Kredit ist. Diese Papiere haben alle lange hässliche Namen mit Abkürzungen, wie ABS, MBS, CDO oder CDS. Diese Kürzel werden uns im Laufe dieses Kapitels noch häufiger begegnen (siehe auch das Glossar am Ende des Buches). Wir werden in diesem Buch die wichtigsten dieser Instrumente untersuchen, um zu verstehen, worin genau die Problematik besteht.

Der amerikanische Großinvestor Warren Buffett verglich einige diese neuen Instrumente mit Massenvernichtungswaffen. Der Vergleich ist sicher übertrieben, aber nicht ganz abwegig. Buffett ist ein konsequenter Investor. Er investiert nur in Instrumente, die er versteht. Er, einer der gewieftesten Investoren überhaupt, gibt ganz offen zu, dass er die modernen Kreditmarktinstrumente nicht versteht. Im Gegensatz zu vielen anderen Investoren ist er konsequent. Er lässt die Finger davon.

Die Instrumente sind enorm kompliziert und können in ihrer Wirkung verheerend sein, sowohl für die betroffenen Investoren selbst als auch für die Volkswirtschaft an sich. Das wirklich Erschreckende an diesen Instrumenten ist, dass selbst viele Profis diese Instrumente nicht voll verstehen, und dass sie dennoch bereit sind, sich mit diesen Papieren einzudecken. Wenn der Kreditmarkt platzt, dann ist nicht die Oma pleite, sondern Omas Bank und deren Rückversicherung.

Was ist also nun ein Kreditmarkt? Stark vereinfacht geschieht hier Folgendes: Kredite werden in Wertpapiere umgewandelt, und zwar so, dass die Bonität der Wertpapiere größer ist als die der zugrunde liegenden Kredite selbst.

Was der Alchemie nie gelungen ist – die Produktion von Gold aus billigen Rohstoffen –, scheint in den Kreditmärkten mühelos verwirklicht worden zu sein: näm lich ein Verfahren entwickelt zu haben, mit dem man mühelos Geld verdienen kann. Dabei schienen die Investmentbanken weniger Mühen zu haben als die anderen Beteiligten. In der nüchternen Wirklichkeit gilt natürlich auch hier das „no free lunch"-Prinzip: Am Ende hat alles seinen Preis. Der Preis dieser sprudelnden Goldquelle ist nämlich das Risiko, und das Risiko ist lange versteckt, bis zu dem Moment, in dem es wie ein Monster auf der Bildfläche erscheint und allseitige Panik auslöst.

Es gibt eine ganze Reihe von Akteuren, die diese Bubble treiben. Die Private-Equity-Branche mit ihrem beinahe unendlichen Appetit für Kredite für Firmenübernahmen, sogenannte Leveraged Loans. Sie gehören zu den wichti gen Endkunden. Eine andere Kraft sind natürlich die Hedgefonds, deren Manager wie seinerzeit die Trust Companies im frühen 19. Jahrhundert unter enormem Druck stehen, jedes Quartal hohe Renditen für ihre Kunden zu erwirtschaften. Das verleitet sie zu kurzfristigen Investitionen, und vor allem zu einer Unterschätzung mittelfristiger Risiken.

"Wer aber das Zusammenspiel von boomenden Immobilienmärkten, abgebrühten Investmentbankern, naiven Ratingagenturen und überforderten Zentralbanken verstehen will, bekommt eine kenntnisreiche und verständlich geschriebene Analyse." manager magazin, März 2008
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