Eine wirklich verrückte Welt

.und eigentlich dachte ich, wir seien schon viel weiter
 
 
Westend (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Dezember 2018
  • |
  • 160 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86489-711-5 (ISBN)
 
Gelingt uns der Befreiungsschlag?
Albrecht Müllers zieht ein Resümee seines politischen Lebens - ein Auf und Ab wie die Geschichte unseres Landes. Es begann mit dem Elend des Zweiten Weltkrieges und endet mit neuer Kriegsgefahr.
Dazwischen lagen Jahre des Friedens, der Verständigung zwischen West und Ost, auch Jahre sozialer Reformen und demokratischer Mitentscheidung.
Das ist vorbei. Egoismus und Kommerz, Waffen und Kriegslust beherrschen die Szene.
Albrecht Müller, der unter den Kanzlern Brandt und Schmidt an wichtigen politischen Entwicklungen und Entscheidungen beteiligt war, sucht nach Lösungen und formuliert seinen Traum von der Gestaltung unseres Zusammenlebens.
  • Deutsch
  • Frankfurt am Main
  • |
  • Deutschland
  • 3,12 MB
978-3-86489-711-5 (9783864897115)
ist Nationalökonom, war Ghostwriter des Bundeswirtschaftsministers, Wahlkampfmanager von Willy Brandt, Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt bei Brandt und Helmut Schmidt, MdB. Er ist Bestsellerautor und Herausgeber der kritischen Internetseite NachDenkSeiten
  • Intro
  • I. Einführung
  • II. Das Umfeld, in dem wir versuchen, die Freiheit unserer Gedanken zu erkämpfen und zu erhalten
  • III.Methoden der Manipulation
  • 1. Sprachregelung
  • 2. Manipulation mithilfe von ständig gebrauchten und mit einer Bewertung versehenen Begriffen
  • 3. Geschichten verkürzt erzählen
  • 4. Verschweigen
  • 5. Wiederholen - Steter Tropfen höhlt den Stein
  • 6. Übertreiben - Es wird schon etwas hängen bleiben
  • 7. Die gleiche Botschaft aus verschiedenen Ecken aussenden
  • 8. Alle in der Runde sind der gleichen Meinung. Dann muss es ja richtig sein.
  • 9. Der Wippschaukeleffekt
  • 10. Umfragen nutzen, um Meinung zu machen
  • 11. B sagen und A meinen
  • 12. NGOs gründen oder benutzen
  • 13. Ein Sammelsurium von Andeutungen macht in der Summe die Halbwahrheiten zur Wahrheit
  • 14. Experten helfen - zu manipulieren
  • 15. Namen verknüpfen und damit Einzelne bewerten
  • 16. Gezielter Einsatz von Emotionen
  • 17. Konflikte nutzen und inszenieren, um Meinung zu machen
  • IV. Fälle von Meinungsmache und die dahintersteckenden Strategien
  • 1. Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk.
  • 2. Der demographische Wandel und der angebliche Zwang zur staatlich geförderten privaten Vorsorge
  • 3. Von der Finanzkrise zur Staatsschuldenkrise - ein Meisterstück der Umdeutung und Umbenennung
  • 4. Wir sind Exportweltmeister
  • 5. Von »Nie wieder Krieg« zum Kalten Krieg
  • 6. Von der Friedenspolitik zur neuen Konfrontation in Europa
  • 7. Von Reformen zu »Reformen«
  • 8. Solidarität und Mitfühlen oder »Jeder ist seines Glückes Schmied«
  • 9. Keynes is out. Konjunkturprogramme bringen nichts außer Schulden
  • 10. Vorbereitung und Begleitung der Agenda 2010
  • 11. Die Auflösung der Deutschland AG und die verschwiegene Steuerbefreiung für Veräußerungsgewinne der großen Vermögen
  • 12. Die Sozialdemokratisierung der Union - ein Meisterstück an Irreführung
  • 13. Der gemeinsame Nenner von etablierten Medien und Politik: Gedankenlosigkeit
  • 14. Die Mär von der New Economy und die Blase am Neuen Markt
  • 15. Von der Diffamierung der Pleite-Griechen zu den offenen Armen der deutschen Bundeskanzlerin
  • 16. Wie Spitzenkandidaten rauf- und runtergeschrieben werden
  • V. Zum Augen öffnen gehören mindestens zwei - das ist produktiv und macht mehr Spaß
  • Anmerkungen

III.Methoden der Manipulation


In der Einführung wurde angekündigt, dass die Kenntnis der Manipulationsmethoden, die heute üblich sind, dabei hilft, sich davor zu bewahren, selbst Opfer von Meinungsmache zu werden. Im Folgenden finden Sie zunächst eine Liste und dann im weiteren Verlauf Beschreibungen und Beispiele für 17 verschiedene Methoden der Versuche, unser Denken und Fühlen zu beeinflussen. Manche Vorgehensweisen sind alte Bekannte, andere hingegen basieren auf neueren Erfahrungen. Oft werden zwei oder mehr Methoden gleichzeitig angewandt.

Anzumerken bleibt zur Einführung noch, dass Manipulationen nicht nur üblich sind, um Menschen zu schaden und eine Gesellschaft zu beschädigen. Manipuliert wird auch im Interesse einer guten Sache. Bei den Beschreibungen von Fällen der Meinungsmache und der dafür entworfenen Strategien werden Ihnen einige solcher im Kern positiv zu bewertenden Manipulationsvorgänge begegnen.

Hier die Sammlung der im folgenden beschriebenen Methoden der Manipulation - ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

1. Sprachregelung

2. Manipulation mithilfe von ständig gebrauchten und mit einer Bewertung versehenen Begriffen

3. Geschichten verkürzt erzählen

4. Verschweigen

5. Wiederholen - Steter Tropfen höhlt den Stein

6. Übertreiben - Es wird schon etwas hängen bleiben

7. Die gleiche Botschaft aus verschiedenen Ecken aussenden

8. Alle in der Runde sind der gleichen Meinung. Dann muss es ja richtig sein.

9. Der Wippschaukeleffekt

10. Umfragen nutzen, um Meinung zu machen

11. B sagen und A meinen

12. NGOs gründen oder benutzen

13. Ein Sammelsurium von Andeutungen macht in der Summe die Halbwahrheiten zur Wahrheit

14. Experten helfen - zu manipulieren

15. Namen verknüpfen und damit Einzelne bewerten

16. Gezielter Einsatz von Emotionen

17. Konflikte nutzen und inszenieren, um Meinung zu machen

1. Sprachregelung


Einige Zeit lang war ich Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt. Montags bis freitags trafen wir uns am frühen Morgen unter Vorsitz des Chefs des Bundeskanzleramtes in einem kleinen Sitzungssaal des Kanzlerflügels zur morgendlichen Lagebesprechung. Mit dabei außer den sechs Abteilungsleitern war der Regierungssprecher, damals die meiste Zeit Klaus Bölling, und der Redenschreiber des Bundeskanzlers. In dieser Runde wurde auch darüber beraten, was der Regierungssprecher bei der Bundespressekonferenz wie auch in Hintergrundgesprächen sagen sollte. Das war und ist bis heute ein Ort der Sprachregelung. Man kann das Ergebnis solcher Beratungen bei der Bundespressekonferenz mit Regierungssprecher Steffen Seibert beobachten.

Sprachregelungen werden auf vielen Ebenen getroffen und koordiniert. Deutlich erkennbar geschieht das bei der NATO, bei der Europäischen Kommission und beim Europäischen Rat oder in Gremien wie der »Atlantikbrücke«, bei der Münchner Sicherheitskonferenz und selbstverständlich in Washington. Der Westen insgesamt ist ein Ausbund an Sprachregelung. Nur so kann sich die Botschaft halten, wir im Westen seien die Guten. Wir seien die Demokraten. Bei uns gelten die Menschenrechte.

Alle diese Sprachregelungen werden stark davon gestützt, dass wir es heute mit einer ziemlich vereinheitlichten Medienlandschaft zu tun haben. Die Eigentümer und Chefredaktionen der großen Medien, von Tagesschau bis Bild-Zeitung, sind vermutlich die effizientesten Arrangeure der zu vermittelnden und zu wiederholenden Botschaften.

Ein paar dieser Sprachregelungen sollen hier gelistet werden, innenpolitische wie auch außenpolitische: Es geht uns gut. Die Löhne sind zu hoch. Die Lohnnebenkosten sind auch zu hoch. Der Arbeitsmarkt ist zu unflexibel. Das hat uns Arbeitslosigkeit gebracht. Wir brauchen Reformen. Der Generationenvertrag trägt nicht mehr. Jetzt ist Digitalisierung angesagt. Und so weiter.

Auch in der außenpolitischen und sicherheitspolitischen Debatte herrschen Sprachregelungen. Wir nennen Regierungen, die uns nicht passen, »Regime« oder »Diktaturen«. Wir sprechen vom Mullah-Regime und vom Schlächter Assad. Wir sprechen hingegen nicht vom Schlächter Mohammed bin Salman al-Saud, wenn wir den Kronprinzen von Saudi-Arabien meinen. Obwohl Saudi-Arabien und andere Staaten des Mittleren Ostens mit ihren Völkern und mit Nachbarn wie etwa dem Jemen mindestens so schlimm umgehen, wie der Präsident in Syrien das angeblich tut, nennen wir diese dann besser nicht Diktatoren und nicht Schlächter. So, nämlich Schlächter, könnten wir eigentlich auch Hillary Clinton wegen ihrer Rolle bei der Zerstörung staatlicher Strukturen in Libyen nennen oder Obama, der mit dem Drohneneinsatz, über Ramstein gesteuert, schon ganze Großfamilien hat hinschlachten lassen. Da fehlt es offenbar an der entsprechenden Sprachregelung. Der Stoßseufzer »Aber der Putin« zum Abschluss von Diskussionen über die neue Konfrontation zwischen West und Ost ist auch ein Beispiel für eine besonders gelungene Sprachregelung. Wir sind umstellt davon.

Achten Sie einfach auf wiederkehrende Formeln und glauben Sie dann nichts, nicht nur wenig, nichts!

2. Manipulation mithilfe von ständig gebrauchten und mit einer Bewertung versehenen Begriffen


In heutigen Zeiten kann man im öffentlichen Disput und auch im privaten Kreis dem Austausch von besonders ausgesuchten Begriffen nicht mehr entgehen. Diese Begriffe lassen sich häufig auf die Sprachregelungen von Regierungen oder Institutionen zurückführen.

Es kann bei ihnen Positives mitschwingen wie bei den Begriffen Menschenrechte, Freiheit, Demokratie, Reform, westliche Wertegemeinschaft, Exportüberschüsse, Wachstum, Zivilgesellschaft, schwarze Null oder humanitäre Kriege. Es kann negatives bis diffamierendes mitschwingen wie bei Populist, Linkspopulist, Rechtspopulist, Autokrat und Autokratie, Unrechtsstaat, Reformitis oder Querfront.

Oft steht man fassungslos vor den damit verbundenen Wortschwällen. Es gibt Menschen, die bei jeder Gelegenheit die sogenannte Zivilgesellschaft zitieren. Was die sogenannte Zivilgesellschaft leisten soll, ist erstaunlich. Aber das Wort schmückt den Benutzer. Es ist sozusagen eine wesentliche schöne Imagekomponente.

Noch öfter als das Wort Zivilgesellschaft wird der Begriff Populist gebraucht. Dieses Wort soll diffamieren. Ob die vielen Nutzer dieses Begriffes wissen, was sie damit meinen? Das ist fraglich. Jedenfalls wird damit ein abwertendes Etikett angeheftet. Und der Gebrauch des Wortes dient offensichtlich auch der Gruppenbildung der Guten. Wir hier, und die Populisten dort!

Wer sich seine eigenen Gedanken bewahren will, tut gut daran, den Gebrauch dieser Begriffe aufmerksam und skeptisch zu beobachten. Sie werden im Laufe eines Monats sowohl in den Medien als auch in Ihrem privaten und politischen Umkreis viel Anschauungsmaterial geliefert bekommen. Und dann machen Sie einfach mal den Test:

Fragen Sie naiv, was ihr Gesprächspartner mit Zivilgesellschaft meint und wie die funktioniert. Oder fragen Sie die vielen Nutzer des Etiketts Populist: Was ist das? Was meinst du damit?

P. S.: Auch die Bundesregierung hat mitbekommen, dass man mit Begriffen Wertungen transportieren kann. Damit es aber auch wirklich jeder wahrnimmt, hat die Familienministerin die Bewertung noch mit dazu gesetzt. Herausgekommen ist das »Gute-KiTa-Gesetz.«1

3. Geschichten verkürzt erzählen


Mit der Methode Geschichten verkürzt zu erzählen, werden viele Menschen unentwegt in die Irre geführt. Sie bestimmt über weite Strecken die öffentliche Debatte. Auf Basis dieser Manipulationen werden reihenweise politische Fehlentscheidungen getroffen und gedeckt. Typische Beispiele sind:

Wenn hierzulande über das Verhältnis zwischen dem Westen und Russland berichtet und gesprochen wird, dann wird die Tatsache, dass West und Ost 1990 gemeinsam vereinbart haben, sich nicht mehr zu bedrohen und das Verhältnis auf die Idee der Gemeinsamen Sicherheit zu gründen, häufig weggelassen. Es war vereinbart worden abzurüsten. Jetzt wird so getan, als gäbe es diese Verabredungen nicht, ja als gäbe es die gesamte Entspannungs- und Friedenspolitik nicht.

Und natürlich wird auch vom Bruch der gegenseitigen Versprechen nichts erzählt. Nichts davon, dass schon die Ausdehnung der NATO bis an die russische Grenze ein übler Vertrauensbruch war. Nichts davon, dass und wie der Westen in der Amtszeit des russischen Präsidenten Jelzin in die inneren Verhältnisse Russlands hinein zu regieren versucht hat. Von diesen unglaublichen Machenschaften hat Naomi Klein in ihrem Buch »Schock-Strategie« eindrucksvoll berichtet.2 Das Buch ist 2007 in Deutschland erschienen und wurde erstaunlich erfolgreich vergessen gemacht.

Otto Schily, Herta Däubler-Gmelin und Joschka Fischer bei der Rede Putins im Bundestag 2001.

Es wird bei der Beurteilung der russischen Politik und insbesondere des Präsidenten Putin alles Mögliche angeführt, aber nicht die Tatsache, dass Putin im September 2001 in einer Rede vor dem Deutschen Bundestag, teilweise in Deutsch, weitreichende Angebote für die Zusammenarbeit gemacht hat.3 Das passt nicht ins Bild, deshalb wird es nicht berichtet. Genauso wenig wie die betretenen Gesichter deutscher Kabinettsmitglieder von Joschka Fischer bis Otto Schily, denen man anmerkte, dass ihnen diese Friedensofferte nicht in den Kram passt, weil ihre amerikanischen Freunde...

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