Für Prophet und Führer

Die islamische Welt und das Dritte Reich
 
 
Klett-Cotta (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. November 2017
  • |
  • 656 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-608-10978-8 (ISBN)
 
David Motadel schildert die Geschichte der Millionen Muslime unter deutscher Herrschaft. Eindringlich zeigt er, wie der NS-Staat und andere Großmächte den Islam für politische Zwecke vereinnahmten. Ein Standardwerk zur deutsch-islamischen Geschichte im 20. Jahrhundert.

Das Buch wurde 2014 mit dem Fraenkel Prize in Contemporary History ausgezeichnet

»Herausragend, mit faszinierenden und ungewöhnlichen Einblicken.«
Sir Ian Kershaw

David Motadel stellt erstmals umfassend die Islampolitik des NS-Regimes dar. International vielbeachtet veranschaulicht der Historiker, dass und wie sich das Dritte Reich als Schutzherr der Muslime präsentierte. Deren Glauben instrumentalisierte die NS-Elite für geopolitische wie militärische Zwecke.

In der entscheidenden Phase des Zweiten Weltkrieges - als Hitlers Truppen in viele muslimische Gebiete einmarschierten - umwarb Berlin Muslime, um sie als Verbündete zu gewinnen. Mit einem unglaublichen Pragmatismus wurden dabei rassistische Bedenken beiseitegeschoben. Eingehend untersucht der Autor die deutsche Propaganda in den muslimisch besiedelten Kriegsgebieten; detailliert beschreibt er die politische Indoktrinierung Zehntausender Muslime, die in der Wehrmacht und SS kämpften.

Der Historiker David Motadel vergegenwärtigt den enormen Einfluss des Zweiten Weltkriegs auf die islamische Welt und eröffnet so ein neues Verständnis von Religion und Politik im 20. Jahrhundert.
weitere Ausgaben werden ermittelt
David Motadel, geboren in Detmold, lehrt als Professor für Internationale Geschichte an der London School of Economics.
Er studierte Geschichte an den Universitäten Freiburg, Basel und Cambridge, und wurde in Cambridge promoviert.
Forschungsaufenthalte in Harvard, Yale und Oxford. Er ist Fellow der Royal Historical Society. Seine Texte zu Geschichte und Gegenwartsfragen erschienen u. a. im »Spiegel«, in der »Süddeutschen Zeitung«, der »NZZ«, und in der »New York Times«.

Einleitung


Der Zweite Weltkrieg erfasste weite Teile der islamischen Welt. Rund 150 Millionen Muslime zwischen Nordafrika und Südostasien lebten unter britischer und französischer Herrschaft, und mehr als 20 Millionen wurden von Moskau beherrscht. Auf dem Höhepunkt des Krieges, in den Jahren 1941-1942 - als Japan in muslimische Gebiete Südostasiens eindrang und deutsche Truppen in muslimisch bevölkerte Territorien auf dem Balkan, in Nordafrika und auf der Krim einmarschierten und in Richtung Naher Osten und Zentralasien vordrangen -, begannen sowohl die Achsenmächte als auch die Alliierten den Islam als politisch bedeutsam wahrzunehmen.

Berlin unternahm nun zunehmend Anstrengungen, Muslime als Verbündete zu gewinnen und sie zum Kampf gegen angeblich gemeinsame Feinde aufzustacheln, allen voran das Britische Empire, die Sowjetunion und die Juden. In den muslimischen Kriegsgebieten, in Nordafrika und im Nahen Osten, auf der Krim, im Kaukasus und auf dem Balkan präsentierten sich die Deutschen als Freunde der Muslime und Verteidiger des Islam. Gleichzeitig wurden Zehntausende von Muslimen in die Wehrmacht und in die SS rekrutiert. Die meisten dieser Männer stammten aus der Sowjetunion. Viele kamen vom Balkan und einige - in geringerer Anzahl - aus dem Nahen Osten. Deutsche Behörden gründeten diverse muslimische Einrichtungen wie etwa das 1942 eröffnete Islamische Zentralinstitut in Berlin, und sie warben zur Unterstützung ihrer Bemühungen religiöse Führer aus der gesamten muslimischen Welt an. Zu den wichtigsten zählten der litauische Mufti Jakub Szynkiewicz aus Wilna (Vilnius), der Hitlers Neue Ordnung als Chance für eine islamische Wiederbelebung in den muslimischen Territorien Osteuropas und Zentralasiens propagierte; der bosnische islamische Geistliche Muhamed Pandza, führendes Mitglied der Ulama Sarajevos und Verbündeter der Deutschen auf dem Balkan; und der legendäre Mufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, der die Gläubigen zwischen Marokko und der Malaiischen Halbinsel zum Heiligen Krieg gegen die Allierten aufrief. Diese Politik war ein bedeutender Versuch, den Islam zu politisieren und Muslime auf deutscher Seite in den Krieg mit einzubeziehen.

Für Berlin gewannen Muslime in zwei Kontexten Bedeutung, beide im Zusammenhang mit einer größeren, in den Jahren 1941-1942 sich vollziehenden Verschiebung im Verlauf des Zweiten Weltkriegs.

Indem der europäische Krieg sich zunehmend zu einem Weltkrieg ausweitete, wurden muslimisch bevölkerte Regionen zu Kriegsgebieten. 1942 standen deutsche Soldaten von den Kanalinseln im Westen bis zu den Gebirgszügen des Kaukasus im Osten, und von Skandinavien im Norden bis in die Sahara im Süden. Plötzlich sahen sich die Deutschen mit umfangreichen muslimischen Bevölkerungsgruppen im Kaukasus, auf der Krim, im Maghreb und auf dem Balkan konfrontiert. In den von Hitler überfallenen Territorien standen zahllose Minarette. Deutschland kontrollierte muslimische Metropolen wie Tunis, Sarajevo und Bachtschyssaraj. Nahezu sämtliche Gebiete in den wenigen nicht-europäischen Territorien, die die Deutschen besetzt hielten, waren von Muslimen bevölkert, und auch innerhalb von Europa, auf dem Balkan, festigte Berlin zunehmend seine Kontrolle über muslimisch besiedelte Gebiete. Eine wohl nicht minder bedeutsame Rolle spielte, dass die NS-Führung davon ausging, dass noch weitaus mehr Muslime unter deutsche Herrschaft geraten würden, wenn erst der islamische Gürtel zwischen den asiatischen und den europäischen Kriegsschauplätzen erobert war. Die Aussicht, in diesen Regionen Unterstützung durch die Muslime zu erhalten, wurde um so wichtiger, als für einen kurzen Zeitraum alles darauf hinzudeuten schien, dass dieser Gürtel zum entscheidenden Kriegsgebiet werden würde.

Aus strategischer Sicht waren Berlins Versuche, Muslime als Verbündete zu gewinnen, keinesfalls Teil längerfristiger Planungen, sondern waren vielmehr die Konsequenz des für die Achsenmächte zunehmend ungünstigen Kriegsverlaufs. Vereinfacht betrachtet können diese Bemühungen als Teil eines allgemeinen Umschwungs hin zu einer pragmatischeren Politik gesehen werden.1 Bis weit in das Jahr 1941 hinein ging man in Berlin davon aus, dass der Endsieg unmittelbar bevorstand. Die deutsche Politik war von langfristigen Zielen geleitet. Dies änderte sich jedoch nach dem Scheitern des Blitzkrieges im Osten, verdeutlicht durch die Niederlage von Moskau, und dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten Ende 1941. In Berlin erkannte man nun, dass der Krieg nicht mehr rasch gewonnen werden konnte. Ende des folgenden Jahres führten dann die katastrophalen Niederlagen von Stalingrad und El-Alamein sowie der sich zuspitzende Partisanenkrieg in den besetzten Gebieten zu einem Umschwung der deutschen Politik. Aus kurzfristigem militärischem Kalkül heraus bemühte sich das NS-Regime nun zunehmend, neue Verbündete zu gewinnen, wobei mit erstaunlichem Pragmatismus auch rassistische Bedenken beiseite geschoben wurden. Als die deutschen Verluste zunahmen und sich ein massiver Mangel an Soldaten abzeichnete, begannen sowohl die Wehrmacht als auch die SS, aus allen Teilen der besetzten Gebiete Freiwillige anzuwerben. Berlin begann eine europäischen Allianz gegen den Bolschewismus zu propagieren. Selbst in den Ländern, die am meisten unter den Deutschen gelitten hatten, wie etwa Polen oder die Sowjetunion, versuchten NS-Stellen nun Unterstützung für die Idee eines europäischen Kampfes gegen den Bolschewismus zu gewinnen. Eine weitere Facette dieser neuen Linie war Berlins Anti-Imperialismus-Politik. Das NS-Regime förderte nun zunehmend antikolonialistisch-nationalistische Führer und Bewegungen - etwa in Indien, im Irak und in Palästina. All diese Entwicklungen wurden von der sich verschlechternden Kriegslage bestimmt, waren also nicht primär von ideologischen Überlegungen geleitet. Berlins Bestrebungen, Muslime als Verbündete zu gewinnen, können als ein wichtiger Aspekt dieses neuen politischen Kurses verstanden werden.

Deutschlands Islampolitik zielte nicht nur darauf ab, muslimisch bevölkerte Frontgebiete zu kontrollieren, sondern auch darauf, hinter den feindlichen Linien für Unruhe zu sorgen. Dies galt vor allem für die südlichen Grenzregionen der Sowjetunion sowie für die Kolonialgebiete der Briten (und später des Freien Frankreich) in Afrika, dem Nahen Osten und in Asien.

Um Muslime für die deutsche Seite zu gewinnen, unternahm Berlin große Anstrengungen, den Islam zu instrumentalisieren. Durch eine umfangreiche Islampolitik und -propaganda sollten die muslimisch bevölkerten besetzten Gebiete kontrolliert, Muslime für die Wehrmacht und die SS angeworben und muslimische Gläubige in den Territorien und Armeen der Alliierten aufgewiegelt werden. Hierfür stellten die Deutschen islamische Institutionen und Führer in ihren Dienst. Berlins Propaganda nutzte religiöse Imperative, Rhetorik und Ikonographie, um einer Beteiligung der Muslime am Krieg religiöse Legitimität zu verleihen. Obwohl auch diese Politik wie viele andere Maßnahmen des NS-Regimes während der Kriegsjahre improvisiert und ad hoc waren, waren sie doch bemerkenswert kohärent.

Die Politik des NS-Regimes gegenüber Muslimen wurde von einer ganzen Reihe von Annahmen und Vorstellungen über den Islam geleitet. Häufig wurden Muslime - ungeachtet ihrer jeweiligen Frömmigkeit und ihrer unterschiedlichen Auffassungen vom Islam - auf ihre Glaubenszugehörigkeit reduziert. Die Begriffe »Islam« (bzw. »Mohammedanertum«) und »Muslim« (»Moslem«, »Mohammedaner« oder »Muselmane«) wurden in offiziellen Dokumenten zu festen bürokratischen Kategorien. Obwohl man sich in Berlin der Heterogenität und Komplexität der muslimischen Welt bewusst war, ließ man sich in der Praxis häufig von einer essentialistischen Vorstellung des Islam als einem einheitlichen Gebilde leiten. Am bedeutendsten dabei war die Vorstellung des Islam als politischer Macht und die Idee einer globalen islamischen Einheit: Vertreter des NS-Staates gingen gemeinhin davon aus, dass Religion und Politik in der »muslimischen Welt« eng miteinander verknüpft seien. Der Islam wurde als politische und häufig auch als militante Kraft angesehen. Darüber hinaus beruhte Berlins Politik auf der Annahme, der Islam könne für die eigenen politischen und militärischen Ziele instrumentalisiert werden. Der Islam schien ein verständliches, kohärentes religiöses Instrumentarium bereitzustellen, welches genutzt und manipuliert werden könne. Islamische Gebote, denen Muslime blind zu folgten schienen, wurden als eine ideale Grundlage zur Legitimierung von Macht und...

»Motadel zeigt in seiner profunden Studie, wie sich die Nationalsozialisten gezielt als Freunde der Muslime und Verteidiger des Islam inszenierten«
Damals, Ausgabe 12/2018

»Das Werk ist die erste umfassende Untersuchung der deutschen Islampolitik jener Zeit... Motadels abschließendes Kapitel beschäftigt sich ... mit der >Instrumentalisierung des Islams für Großmachtinteressen< nach dem Krieg, bei der vor allem die USA eine gewichtige Rolle spielten. Die Folgen sind noch heute täglich in den Fernsehnachrichten zu bestaunen.«
Ernst Reuss, Der Tagesspiegel, 28.06.2018

»Als deutsche Truppen 1941/42 in muslimisch bevo¨lkerte Territorien auf dem Balkan, in Nordafrika und auf der Krim einmarschierten und in Richtung Naher Osten und Zentralasien vordrangen, kamen auch die in diesen Gebieten lebenden Muslime ins Blickfeld deutscher Milita¨r- und Propagandainteressen. Hier liegt der Ausgangspunkt von David Motadels profunder und ausgesprochen gut geschriebener Studie u¨ber die Islam-Politik der Nationalsozialisten.«
Heike Talkenberger, Damals, 06.2018

»David Motadel gelang ein großartiges, 568 Seiten umfassendes Werk.
Es ist die erste Gesamtdarstellung der deutschen Bemühungen im NS,
sich den Islam und seine Angehörigen während des Zweiten Weltkriegs
zunutze zu machen.«
Karl Pfeifer, NEUE WELT, 04.2018

»Der aus Deutschland stammende und an der London School of Economics unterrichtende Historiker hat mehr als ein bloßes Kompendium islampolitischer Maßnahmen von NS-Institutionen vorgelegt. Es gelingt ihm, die Quellen [...] zu einer Erzählung zu verknüpfen, die vor Augen führt, wie sich der Islam im Freund-Feind-Schemata einpassen und entsprechend nutzen ließ.«
Reinhard Schulze, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2018

»Eine aufschlussreiche und stilsicher geschriebene Untersuchung. [...] Man fragt sich, weshalb dieser Stoff bisher unbeachtet blieb, denn er gibt einiges her.«
Claudia Kühner, NZZ am Sonntag, 01.2018

»Eine bahnbrechende Studie. [...] Sein Buch ist bereits jetzt ein Standardwerk.«Tanjev Schulz, Süddeutsche Zeitung, 28.11.2017
»David Motadels Buch liefert nun eine große Darstellung
der Islampolitik, die nicht nur die Situation in Nordafrika und im Nahen
Osten, sondern auch im Kaukasus, auf der Krim und dem Balkan in den
Blick nimmt. Sein Buch ist bereits jetzt ein Standardwerk.«Tanjev Schulz, Süddeutsche Zeitung, 28.11.2017

»Die ebenso panoramatische wie differenzierte Studie "Für Prophet und Führer. Die islamische Welt und das Dritte Reich" des Historikers David Motadel ist das neue Standardwerk zum Thema. Motadels Studie ist für alle, die an den Beziehungen zur islamischen Welt interessiert sind und sich nicht durch oberflächliche historische Kontinuitäten täuschen lassen wollen, ein unverzichtbares Handwerkszeug. Er hat schwer zugängliche und verschiedensprachige Quellen gesichtet.«
Micha Brumlik, TAGESZEITUNG, 4.2.2018

»Das ist ein Buch, das einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Hochgradig spannend - gerade, weil es so nüchtern und sachlich ist.«
Andreas Main, Deutschlandfunk, 20.2.2018

»Den Namen wird man sich merken müssen, lautet eine populäre Phrase, die immer dann zum Einsatz kommt, wenn irgendjemand irgendwo fulminant die öffentliche Bühne betritt. Im Fall von David Motadel trifft der Satz zu. Gerade einmal 36 Jahre alt ist der deutsche Historiker, doch bereits sein erstes grösseres Werk, das 2014 auf Englisch und im Herbst auf Deutsch erschien, hat ihn bekannt gemacht.«
Hansjörg Müller, Basler Zeitung, 7.3.2018

»spannend [...] bedrückend«
Martin Doerry, DER SPIEGEL, 5.1.2018

»Motadels Buch ist ein schlagendes Beispiel dafür, dass neue Herangehens- und Sichtweisen noch immer spannende und lehrreiche Erkenntnisse über das Denken und Handeln des Nationalsozialismus bringen.«
Armin Fuhrer, Focus online, 24.12.2017

»lesenswert«
Michael Wolffsohn, Die Welt, 27. März 2017

»Über die Beziehungen zwischen der islamischen Welt und dem Dritten Reich hat der Historiker David Motadel schon 2015 ein umfangreiches Buch vorgelegt; es erscheint jetzt unter dem Titel "Für Prophet und Führer" auch auf Deutsch. Sein Autor wurde soeben mit dem Philip-Leverhulme-Preis ausgezeichnet, einem der wichtigsten britischen Wissenschaftspreise, dotiert mit 100.000 Pfund.«
Johann Althaus, Die Welt online, 14.11.2017

»David Motadel.legt mit dem zu besprechenden Buch eine grundlegende, umfassende und - man möchte das abgegriffene Wort eigentlich vermieden - erschöpfende Studie vor. Um es vorwegzuschicken: Dieses Buch dürfte für lange Zeit das Standardwerk zum Thema sein und in den Kanon derjenigen Schriften eingehen, die in den umfangreichen Forschungen zum Nationalsozialismus Maßstäbe gesetzt haben...Das Buch ist in einer präzisen, sehr flüssigen und gut lesbaren Sprache geschrieben.«
Boris Barth, BEITRÄGE ZUR GESCHICHTE DES NATIONALSOZIALISMUS, 2015

»David Motadels Buch ist klug, umfassend und flüssig geschrieben. Es wird noch lange Zeit das maßgebliche Werk zu diesem Thema sein.«
Saul Friedländer, UCLA

»Islam and Nazi Germany's War ist die erste eingehende Untersuchung dieser komplexen Beziehung und ihrer Drehungen und Wendungen. Das Buch zeichnet sorgfältig nach, wie Hitlers Paladine versuchten, die Muslime auf ihre Seite zu ziehen. Es ist eine fachlich einwandfreie Studie, die auf eine Fülle von Archivquellen in zahlreichen Sprachen zurückgreift, bei aller Gelehrtheit aber nie abgehoben daherkommt. Im derzeitigen Klima könnte das Thema leicht Kontroversen auslösen. Doch Motadel ist viel zu seriös und präzise, um Effekthascherei zu betreiben. [.] Motadels Buch ist eine brillant-originäre Abhandlung, der das seltene Kunststück gelingt, wissenschaftliche Genauigkeit und allgemeine Verständlichkeit unter einen Hut zu bringen. In Anbetracht des bereits ausgiebig beackerten Forschungsfeldes Zweiter Weltkrieg und Nazi-Deutschland beeindruckt es besonders, dass dieses Buch nun einen ungemein bedeutsamen Bereich untersucht, der bislang übersehen wurde.«
Roger Moorhouse, Financial Times

»Motadels Buch liest sich gut und ist tadellos recherchiert. Es wird unser Verständnis von der nationalsozialistischen Islampolitik verändern, die, wie Motadel schreibt, »einen der bedeutendsten Versuche in der neueren Geschichte darstellte, den Islam zu politisieren und zu instrumentalisieren.«
Dominic Green, Wall Street Journal

»Motadels Untersuchung eines dunklen Kapitels der neueren muslimischen Geschichte ist ebenso aufschlussreich wie differenziert. Die Stärke des Buches liegt nicht nur in der kenntnisreichen Darstellung der nationalsozialistischen Wahrnehmung des Islam; es beschreibt auch eindrücklich, wie die Alliierten mit genau der gleichen Taktik versuchten, die Muslime gegen Hitler aufzuwiegeln. Im Blick auf die aktuelle weltweite Bedrohung durch den IS enthält dieses Buch historische Lehren, die wir uns merken sollten.«
Ziauddin Sardar, The Independent

»Islam and Nazi Germany's War ist eine umfassende und scharfsichtige historische Abhandlung, die auch für das Verständnis aktueller historischer Zusammenhänge von Bedeutung ist. Motadel [.] beschreibt die Kontinuität der vom Westen betriebenen Strategie, den Islam in Kriegszeiten zu mobilisieren oder ihn für geopolitische Zwecke zu instrumentalisieren. [.] Motadels differenzierte Darstellung zeigt mindestens zwei Gründe auf, weshalb die Strategien des Westens zum Scheitern verurteilt sind. Einer ist die Unkenntnis der Diversität des Islam und eine falsche Einschätzung der Rolle des Glaubens im Alltag und im Selbstverständnis so vieler Muslime. Der Zusammenhalt und die Biegsamkeit des Islam werden im Westen gerne überschätzt. Der zweite Grund zieht sich wie ein roter Faden durch die lange Geschichte kolonialer und postkolonialer Interventionen Europas und Amerikas in muslimischen Gebieten. [.] Muslimische Bevölkerungen haben erlebt, wie unzählige Versprechen gebrochen wurden; für sie hatten die Interventionen des Westens ein traumatisches Ergebnis nach dem anderen zur Folge.«
Steve Coll, The New York Review of Books

»Wie David Motadel in Islam and Nazi Germany's War beschreibt, begannen die Entscheidungsträger in Berlin erst im Jahr 1941 - als deutsche Truppen in Nordafrika einmarschierten und in den Nahen Osten vordrangen - damit, die strategische Rolle des Islam systematisch zu untersuchen. [.] Diese propagandistischen Bemühungen erwiesen sich als erfolglos, wofür Motadel zahlreiche Gründe nennt. [.] Der Autor führt auch den wichtigen Punkt an, dass Deutschland den Fehler beging (aus dem die Westmächte offenbar nichts gelernt haben), die Vielschichtigkeit der muslimischen Welt und die große Vielfalt an lokalen Bräuchen und Traditionen zu unterschätzen. Das Potenzial einer panislamischen Einheit wurde - und wird bis heute - überschätzt.«
Gerald Butt, The Times Literary Supplement

»Das herausragende Buch von David Motadel basiert auf einer bemerkenswerten Forschungsleistung und bietet faszinierende und ungewöhnliche Einblicke in die Bemühungen des NS-Regimes, die Anhänger des Islam für Deutschlands Krieg zu gewinnen.«
Sir Ian Kershaw, Universität Sheffield

»David Motadels originärer Beitrag zur neueren Geschichte des Islam führt eindrücklich und zum passenden Zeitpunkt die Bemühungen der westlichen Kolonialmächte vor Augen, die dschihadistische Rhetorik in den Dienst eigener Großmachtinteressen zu stellen.«
Robert D. Crews, Universität Stanford

»David Motadels ungemein sorgfältig recherchierte, gut geschriebene und faszinierende Darstellung zeigt, welches Bild die Nationalsozialisten vom Islam hatten, und wie sie versuchten, ihn für ihre Zwecke zu mobilisieren, zu manipulieren und zu instrumentalisieren. Es ist eine einzigartige Arbeit, von der nicht nur Studierende der deutschen Geschichte und der Islamwissenschaft profitieren werden, sondern alle, die an internationalen Beziehungen und Geopolitik im Allgemeinen interessiert sind.«
Michael A. Reynolds, Universität Princeton

»Islam and Nazi Germany's War wird zweifellos zu den wichtigsten Büchern über internationale Geschichte und globale Geistesgeschichte gehören [.]. Kein anderes Werk hat die Verquickung Nazi-Deutschlands mit dem Islam so umfassend dargestellt. Darüber hinaus bietet das Buch faszinierende Einblicke in die Beschaffenheit der komplexen Beziehungen, die das moderne Europa zu muslimischen Gesellschaften unterhält. Es wird unser Verständnis von der Geopolitik des europäischen Orientalismus verändern [.]. Wer sich für das Verhältnis zwischen dem Islam und dem »Westen« interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei.«
Cemil Aydin, University of North Carolina, Chapel Hill

»David Motadel zeigt, dass das NS-Regime einen kruden aber durchaus beständigen Kurs des Anti-Orientalismus verfolgte, um eine muslimische Allianz zu schmieden. Ausgehend von der gemeinsamen Feindschaft gegen Briten, Bolschewiken und Juden stellten die Nationalsozialisten eine wahre Partnerschaft auf der Grundlage gemeinsamer Werte in Aussicht: Führerkult, Glaube an die Familie und Bereitschaft zum Heiligen Krieg. Die Bewältigung dieser komplexen Geschichte und ihre Darstellung aus radikal unterschiedlichen Blickwinkeln ist eine bemerkenswerte Leistung.«
Nicholas Stargardt, Universität Oxford

»David Motadels Buch liefert nun eine große Darstellung der Islampolitik, die nicht nur die Situation in Nordafrika und im Nahen Osten, sondern auch im Kaukasus, auf der Krim und dem Balkan in den Blick nimmt. Sein Buch ist bereits jetzt ein Standardwerk.«Tanjev Schulz, Süddeutsche Zeitung, 28.11.2017

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