Unterwegs

Vom Sinn des Reisens und von der Magie des Abenteuers
 
 
dtv (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. April 2018
  • |
  • 272 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-423-43349-5 (ISBN)
 

Die Welt ist das Ziel.

Achill Moser, »Weltenbummler und Umtriebiger aus Leidenschaft«, lässt uns an der Faszination grandioser Naturerlebnisse teilhaben. In einer sich immer schneller drehenden Welt brauchen wir Natur als Gegenentwurf und Maß unserer Existenz, als Inspirationsquelle und heilende Kraft. Wälder, Berge, Flüsse, Meere und Wüsten gehören zu den herausragenden Lebensräumen unseres Planeten. Sie beeinflussen Körper und Seele - jeder Weg in die Natur ist auch eine Erkundung der eigenen Seelenlandschaft. Achill Moser hat den Blick für das Besondere, spürt aber auch dem einfachen Glück nach, das wir beim Unterwegssein finden. Er schildert das Lebensgefühl, das sich einstellt, wenn wir in die Weite der Natur eintauchen und auf neue Gedanken kommen.

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Achill Moser, Jg. 1954, studierte Wirtschaftswissenschaften, Afrikanistik und Arabisch. Lange Zeit lebte er bei nomadisierenden Völkern in Afrika und Asien. Zu Fuß und mit Kamelen wanderte er durch 28 Wüsten der Erde. Er lebt in Hamburg als freier Journalist, Fotograf und Vortragsreferent. Seine Reisereportagen erscheinen u. a. in >Geo<, >Stern<, >Spiegel< und >Merian<. Er veröffentlichte mehr als 20 Bücher.

Warum wir Natur und Wildnis brauchen


Der Indianer mag das sanfte Geräusch des Windes, der über einen Teich hinstreicht - und den Geruch des Windes, gereinigt vom Mittagsregen oder schwer vom Duft der Kiefern.

Die Luft ist kostbar für den roten Mann, denn alle Dinge teilen denselben Atem - das Tier, der Baum, der Mensch, sie alle teilen denselben Atem .

Der Mensch schuf nicht das Gewebe des Lebens, er ist darin nur eine Faser.

Was immer Ihr dem Gewebe antut, das tut Ihr Euch selber an.

 

- Chief Seattle,

Häuptling der Duwamish-Indianer

Seit Jahrtausenden gibt es zwischen dem Menschen und der Natur ein unsichtbares Band, eine seltsame Verwandtschaft, ein untrennbares Verwobensein. Die Klippe ist nur: Der Zivilisationsmensch hat sich im Zuge der Industrialisierung und Übertechnisierung von der ursprünglichen Natur immer weiter entfernt. Bei seinem fanatischen Streben nach Wohlstand hat er mit seiner Raubameisenmentalität das Ausschlachten natürlicher Ressourcen unablässig vorangetrieben. Die Ausbeutung der Natur erschien ihm sehr viel wichtiger als die Bewahrung des Ursprünglichen. Mehr noch: Sein besonderes Verhältnis und die existenzielle Beziehung zur Natur hat er zunehmend vernachlässigt, hat seinen Lebensentwurf weitgehend ohne die Naturgroßräume definiert und ökonomische Interessen für erstrebenswerter gehalten.

Und nun?

Selbstkritisch bekennen wir, dass die Meere und Flüsse verschmutzt, die Erde in vielen Regionen vergiftet, die Wälder in großen Teilen gerodet oder domestiziert sind, und die Luft kaum noch zum Atmen ist. Wir leben in entwurzelten Zeiten und stehen kurz vor dem ökologischen Kollaps. Was für ein Selbstbetrug, was für ein Verrat an uns selbst.

Das hört sich schlimm an, ist aber die Wahrheit. Ich bringe diese Gedanken ohne Beschönigung zu Papier, weil ich seit mehr als vierzig Jahren in fast allen Gegenden der Erde unterwegs war. Rund um die Welt habe ich die Magie der Natur erlebt, doch ganz allmählich habe ich auch wahrgenommen, wie sich die einzigartigen Landschaften unserer Erde verändern, die Natur immer mehr lädiert wird, weil wirtschaftliche Interessen stärker zählen.

Unbefangen und neugierig bin ich als junger Mensch aufgebrochen, um mir die Schönheiten unseres Planeten anzuschauen, um Erfahrungen und Einsichten zu gewinnen, die ich als Großstadtmensch im Getriebe des Alltags nie hätte machen können. Für die zahllosen Aufbrüche hinaus in die Welt hat mich die Natur reich beschenkt. Seit ich nun die sechzig überschritten habe, wird mir mehr und mehr bewusst, was für einen reichen Schatz ich in meinem »inneren Rucksack« sammeln durfte. Eine Mischung aus Erlebnissen und Begegnungen, Erkenntnissen und Irrtümern. Ein Schatz, der mit mir eines Tages zu Grabe getragen wird. Erlebtes und Erfahrenes kann man nun mal nicht vererben oder in einem Koffer weitergeben. Doch man kann davon erzählen und vieles niederschreiben, was einen dankbar und demütig gemacht hat.

-

Auf all meinen Reisen habe ich über vier Jahrzehnte die Unmittelbarkeit der Natur gespürt; ich habe ihre Phänomene bewundert und bin der Wildheit der Naturgroßräume »auf die Spur gekommen«, ohne selbst Spuren zu hinterlassen. Es war vor allem die Faszination über die Vielfältigkeit der Landschaften, das Staunen über das Zusammenspiel von Flora und Fauna, das mir nicht nur ein Gefühl der Zugehörigkeit zum Universum vermittelte, sondern mich auch zu nachdenklichen Fragen führte: Warum reise ich? Wie erklärt sich die Magie der Natur? Warum fühle ich mich in der Wildnis so wohl? Was lockt mich in Wald und Wüste, in Berge und aufs Meer? Ist jedes Unterwegssein in der freien Natur vielleicht auch eine Reise zu sich selbst, ein gewagter Gang in die eigene Seelenlandschaft?

Bei der Suche nach Antworten eröffneten sich mir viele Einsichten und Erkenntnisse, die ich auf meinen monatelangen Reisen gewonnen hatte, und die zusammengenommen eine Philosophie des Unterwegsseins ergaben. Entscheidend war dies: Je mehr Zeit ich in der Natur verbrachte, desto mehr entwickelte ich ein Gefühl für die natürliche Ordnung der Dinge und ein tieferes Verständnis für ökologische Zusammenhänge; ich konnte mich öffnen, konnte Zutrauen in die Wildnis fassen, mich frei fühlen und eine starke Verbundenheit zwischen Himmel und Erde spüren. Zudem konnte ich die elementare Urwüchsigkeit als einen Raum der Verheißung wahrnehmen, konnte zeitlose Wahrheiten in mich aufsaugen, konnte verstehen, warum Religionsgründer wie Moses, Jesus, Buddha oder Mohammed in einsame Urlandschaften hinauszogen, wo sie in Weite und Stille spirituelle Erfahrungen machten und ihre Berufung fanden.

Das Unterwegssein in Natur und Wildnis war und ist für mich eine nie versiegende Quelle der Lebensfreude. Jedes Stück Natur hat mein Weltbild geprägt, und ich habe erkannt: Ohne die Natur können wir nicht leben. Der Mensch braucht die grandiosen Naturlandschaften als Maß seiner Existenz, als Inspirationsquelle, Utopie und heilende Kraft. Der Mensch braucht Orte voller ursprünglicher Wildnis, braucht Wälder, Berge, Flüsse, Meere und Wüsten, die zu den herausragenden Lebensräumen unseres Planeten gehören. Diese urtümlichen Naturräume, in denen Größen und Distanzen nicht mehr den normalen menschlichen Erwartungen entsprechen, bergen viele Weisheiten und gesundheitsförderliche Kräfte, sie beeinflussen unsere Psyche und unseren Körper. Damit meine ich nicht nur außergewöhnliche Orte oder mysteriöse Stätten, die auf uns dank ihrer subtilen terrestrischen und kosmischen Kräfte wirken, wie alte Kultplätze, magische Steinkreise, imposante Felsformationen, geheimnisvolle Höhlen, einsame Kapellen, stille Begräbnisstellen oder geheiligte Wallfahrtspfade; ich meine vor allem beeindruckende Landschaften voller Wildheit und Weite, voller Dramatik und wechselnder Lichtstimmungen. Landschaften, in denen man Ursprünglichkeit und Freisein spürt, in deren natürlicher Schönheit man sich verlieren kann, um seine inneren Batterien - jenseits des Beschleunigungsdiktats unseres digitalisierten Alltags - wieder aufzuladen, um zu begreifen, dass Natur nichts Fremdes ist, dass in Himmel und Erde mehr zu sehen ist als ein ökologisches Modell. Kurzum: Wir brauchen die Natur mit ihrer fantastischen Artenvielfalt nicht als ökonomischen Faktor, wir brauchen die Natur für unsere Seele. Wir brauchen unversehrte Naturlandschaften, damit unsere inneren Landschaften unversehrt bleiben können; denn urwüchsige und intakte Natur ist ein wunderbarer Gegenentwurf zur menschenzentrierten Zivilisation.

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Um die Natur mit allen Sinnen zu empfinden, ihren Wert wie auch ihre magische und mystische Dimension bewusst zu erfahren, brauchte ich einen Zugang, den mir zahllose Menschen ermöglichten, denen ich in den unterschiedlichsten Weltecken begegnete. Menschen, die in Geist und Seele, Kultur und Lebensform vollkommen anders leben als der moderne Zivilisationsmensch zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Diese oftmals sehr einfachen Lebensgemeinschaften in Afrika, Asien, Amerika und Australien, bei denen ich lange Gast sein durfte, haben mir ihre leidenschaftliche »Kunst der Wahrnehmung und Achtsamkeit« vermittelt. Es waren Beduinen und Tuareg, Turkana und Samburu, Uiguren und Kasachen, Mongolen und Isländer, amerikanische Mountain Men und Crow-, Sioux- sowie Cheyenne-Indianer, die mir den intensiven Kontakt zur Natur vermittelten, mir einen Weg zeigten, die unbehagliche Verkopfung und Reizüberflutung der sogenannten zivilisierten Welt abzuschütteln, um mich auf etwas Neues einzulassen - auf eine andere Wirklichkeit, die das eigene Weltbild verändert.

Beim Hineingezogenwerden in die Natur, ob in den Wäldern Kanadas, in den grenzenlosen Weiten der Wüste Gobi oder auf den großen Strömen Niger und Jangtsekiang, bin ich mit großer Sensibilität allem Neuen und Fremden begegnet. Mit allen Sinnen war ich aufnahmebereit und habe neu sehen und hören gelernt, sodass ich all die Besonderheiten in der Natur in mich aufnehmen konnte. Statt immer »größer, weiter und schneller«, gab ich meinem Unterwegssein andere Prioritäten: Geduld, Achtsamkeit und Gelassenheit.

»Du musst Vertrauen zum Draußen entwickeln, musst auf die kleinen Dinge achten, die das Wesentliche sind. Und wenn du dir die Zeit nimmst, um die Natur genau anzusehen, ihre vielfältigen Stimmen in dich hineinlässt, wirst du auch dich selber erkennen und deine eigene Sichtbarkeit erfahren«, sagte ein Medizinmann der Sioux-Indianer in South Dakota. Und Hamed, Beduine in Ägypten, mit dem ich auf Moses' Spuren die Sinaihalbinsel durchquerte, meinte: »Viele Menschen in der modernen Welt haben den Respekt vor der Natur verloren. Doch hier, in der Wüste, steht die Zeit an vielen Orten noch still, formt allein der Wind den Raum unseres Lebens - und das ist gut so.« Dann nahm Hamed eine rußige Blechkanne vom Feuer und schenkte das heiße Teewasser in ein kleines Glas. Nach altem Brauch mit viel Abstand zwischen Kanne und Glas, sodass sich auf dem süßen Minztee viel Schaum bildete. »Jeder Schluck Tee ist ein Geschenk«, fügte er leise hinzu, ehe wir in den Himmel blickten und schweigend die Sternschnuppen zählten.

Auch Aamil, ein älterer Tuareg-Guide, ist mir in Erinnerung geblieben; einer jener Männer, die sich in blaue Gewänder hüllen und deren Gesichter hinter dunklen Turbantüchern verborgen bleiben, sodass man die Augen nur durch einen schmalen Schlitz sehen kann; beim gemeinsamen Kamelritt im Süden Algeriens ließ er mich wissen: »In der Wüste musst du zum Stein werden. Dann kannst du alles ertragen. Denn unser Leben ist so hart, dass wir...

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