Schuld, Verantwortung und Determinismus im Strafrecht

Eine Grundlegung unter Bezugnahme auf die Neurowissenschaften
 
 
Tectum Wissenschaftsverlag
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 10. September 2018
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  • 407 Seiten
 
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978-3-8288-6760-4 (ISBN)
 
In jüngerer Zeit wurde der alte Streit um Freiheit und Verantwortung von einigen Vertretern der Neurowissenschaften wieder aufgegriffen. Behauptet wird u. a., dass aufgrund der neuronalen Determination des Menschen Schuld dem Strafrecht nicht zugrunde gelegt werden dürfe. Die Arbeit legt dar, dass neuere Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften den Determinismus nicht bewiesen haben, sodass weiterhin sowohl Indeterminismus als auch Determinismus in Bezug auf die menschliche Entscheidung möglich bleiben. Ausgehend von dem Ansatz, wonach unter einem Determinismus Freiheit und Verantwortung möglich sind, ist die Behauptung, dass das Strafrecht nicht auf Schuld und Strafe aufbauen dürfe, nicht zwingend. Maßgeblich ist, wie Freiheit, Verantwortung und Schuld begründet werden, also welchen Inhalt sie haben. Die Arbeit ist eine Grundlegung für einen agnostisch-deterministischen Schuldbegriff, der auf normativer Ebene einen Determinismus zugrunde legt und daneben die Selbstbestimmungsfähigkeit des Menschen in den Mittelpunkt stellt.
  • Deutsch
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  • 2,25 MB
978-3-8288-6760-4 (9783828867604)
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  • Intro
  • Vorwort
  • Einleitung
  • I. Die Problematik um Schuld und Willensfreiheit
  • II. Ziel und Gang der Untersuchung
  • Kapitel 1 Freiheit, Indeterminismus und Determinismus
  • I. Die Klärung der Begriffe Freiheit, Indeterminismus und Determinismus
  • 1. Die Freiheit
  • 1.1. Die Unterscheidung von Handlungsfreiheit und Willensfreiheit
  • 1.2. Die Unterscheidung von Wille und Entscheidung
  • 1.3. Die drei Komponenten des klassischen Willensfreiheitsbegriffs
  • 2. Der Indeterminismus
  • 2.1. Der absolute Indeterminismus
  • 2.2. Der relative Indeterminismus
  • 3. Der Determinismus
  • 3.1. Das klassische Verständnis
  • 3.2. Der dynamische systemisch-multikausale Determinismus
  • 3.2.1. Die Vorhersagbarkeit und der systemisch-multikausale Determinismus
  • 3.2.2. Das Kausalgesetz und der systemisch-multikausale Determinismus
  • 3.2.3. Die (Meta-)Redetermination als Beispiel eines modernen, systemisch-multikausalen Determinismus
  • 3.2.4. Zusammenfassung zum systemisch-multikausalen Determinismus
  • 3.3. Der neuronale Determinismus
  • 3.3.1. Das allgemeine Verständnis
  • 3.3.2. Die Relevanz des neuronalen Determinismus für die Frage nach Willensfreiheit und Verantwortung
  • 3.3.3. Der erweiterte neuronale Determinismus
  • II. Die Unterscheidung von Determinismus und Indeterminismus - ein Missverständnis? Eine Zusammenfassung
  • Kapitel 2 Die Bedeutung der Schuld für das Strafrecht
  • I. Das Schuldprinzip: "nullum crimen, nulla poena sine culpa" - kein Verbrechen, keine Strafe ohne Schuld
  • II. Ein geschichtlicher Abriss: Vom Erfolgsstrafrecht zum Schuldstrafrecht
  • III. Das sich ändernde Präventionsstrafrecht und die Neurowissenschaften
  • 1. Die Vorschläge aus den Reihen der Neurowissenschaftler
  • 2. Das nach-präventive Sicherheitsstrafrecht
  • 2.1. Die Tatschuld und die Selbstbestimmungsfähigkeit als Schutz vor dem nach-präventiven Sicherheitsrecht
  • 2.2. Schuldbegriff oder Verantwortungsbegriff unter Berücksichtigung des nach-präventiven Sicherheitsstrafrechts
  • 2.3. Die Verhältnismäßigkeit als Ersatz der Tatschuld im Rahmen des nach-präventiven Sicherheitsstrafrechts
  • 3. Die Schuld als Strafbegrenzung gegenüber Sicherungs- und Besserungsinteressen
  • 4. Die Schuld als Maßregelanordnungsbegrenzung
  • 5. Das Sanktionenmodell nach G. Merkel und G. Roth
  • 6. Die Schuld als Attest der Selbstbestimmungsfähigkeit
  • IV. Zusammenfassung
  • Kapitel 3 Die Neurowissenschaften
  • I. Erklärungsversuche des menschlichen Verhaltens
  • 1. Die Erklärungsbefugnis der Hirnforscher
  • 2. Die unbewussten Prozesse der Verhaltensplanung und -??steuerung
  • 2.1. Die Libet- und Nachfolgeexperimente
  • 2.1.1. Die Libet-Experimente
  • 2.1.2. Die geläufige Interpretation
  • 2.1.3. Die Kritik an den Libet-Experimenten
  • 2.1.4. Die Bedeutung der Libet-Experimente für die Willensfreiheitsfrage
  • 2.2. Die neurobiologische Erklärung von Verhalten (Gerhard Roth)
  • 2.3. Die erste neurowissenschaftliche Vorhersage unbewussten Wollens (John-Dylan Haynes)
  • 2.4. Unbewusste Entscheidungen und Entscheidungskomponenten als Ausschluss von Willensfreiheit und Verantwortung?
  • II. Nichts als Illusion - und doch mehr
  • 1. Das Konstrukt eines initiierenden Willens
  • 2. Die Illusion eines immateriellen Selbst - wie das Gefühl einer unabhängigen Entscheidungsinstanz entsteht
  • 3. Der Nutzen der Illusion vom Selbst-Autor als Überbauphänomen
  • 3.1. Die Bedeutung in der sozialen Kommunikation
  • 3.2. Die Wirkung als Überbauphänomen
  • III. Geschädigtes Gehirn - krankes Selbst?
  • 1. Vier sich widersprechende Fälle
  • 1.1. Der Fall Phineas P. Gage
  • 1.2. Der Fall E.V.R.
  • 1.3. Keine Dissozialität und sogar die Aufhebung von Dissozialität durch Hirnläsionen
  • 1.4. Die Schlussfolgerung aus allen vier Fällen
  • 2. Drei "Verbrechertypen" unter besonderer Beobachtung der Hirnforschung
  • 2.1. Pädophilie
  • 2.2. Gewalttäter (Mehrfach- und Intensivtäter)
  • 2.2.1. Drei medial bekannte "Opfer" ihrer "aggressiven Hirnbiologie"
  • 2.2.2. Hirnphysiologische, biochemische und genetische Abweichungen
  • 2.3. "Psychopathy"
  • IV. Zusammenfassende kritische Betrachtung
  • 1. Der Mensch als materielles Wesen
  • 2. Hirnfunktionelle und hirnphysiologische "Störungen", "Dysfunktionen", "Abnormalitäten" und "Abweichungen" als nicht alleiniger Anknüpfungspunkt von Schuldunfähigkeit gem. §§ 20, 21 StGB
  • 2.1. Der "normale" Delinquent
  • 2.2. Über die Normalität der Unterschiede und über die Schuld als Wertungsfrage
  • 3. Fazit
  • Kapitel 4 Der Indeterminismus als das aktuell herrschende Schuldverständnis der Strafrechtswissenschaft
  • I. Die historische Entwicklung - vom psychologischen zum normativen Schuldbegriff
  • II. Die Reaktion der Strafrechtswissenschaft auf die Thesen aus den Neurowissenschaften - ein allgemeiner Überblick
  • 1. Ein kurzer Rückblick auf die historische Diskussion
  • 2. "Das Schuldstrafrecht retten" - darin besteht fast Einigkeit
  • 3. Der Inhalt der strafrechtlichen Diskussion
  • 4. Novellierung des Strafrechts bzw. der Schuld?
  • 4.1. Konservative Reaktionen
  • 4.2. Novellierende Reaktionen
  • III. Die indeterministischen Strömungen der Strafrechtswissenschaft
  • 1. Die real-indeterministischen Strömungen
  • 1.1. Der Indeterminismus als objektiv-empirisch gegebene Seinskonzeption der Dritten-Person-Perspektive
  • 1.1.1. Die Rechtsprechung
  • 1.1.1.1. Der Bundesgerichtshof
  • 1.1.1.2. Das Bundesverfassungsgericht
  • 1.1.2. Die strafrechtliche Literatur und das Verhältnis des relativen Indeterminismus zum Determinismus
  • 1.1.2.1. Die Spielraumtheorie
  • 1.1.2.2. Der Dualismus
  • 1.1.2.3. Die Lehre von der Überdetermination
  • 1.1.2.4. Der relative Indeterminismus - keine Position der Vereinigung von Determinismus und Indeterminismus
  • Exkurs: Bedingende Faktoren oder determinierende Faktoren
  • 1.1.3. Das Beweisproblem
  • 1.1.3.1. Freiheitsbeweis: Die Quantenphysik
  • 1.1.3.2. Freiheitsbeweis: Die neuronale Plastizität
  • Exkurs: Der Sinn der neuronalen Plastizität im Determinismus
  • 1.1.3.3. Freiheitsbeweis: Der performative Widerspruch
  • 1.1.3.4. Zusammenfassung
  • 1.2. Der Indeterminismus als subjektiv- bzw. gesellschaftlich-empirisch gegebene Seinskonzeption der Erste-Person-Perspektive
  • 1.2.1. Das subjektiv-indeterministische Freiheitsbewusstsein als Anknüpfungspunkt für Verantwortung und Schuld (subjektiv-empirische Seinskonzeption)
  • 1.2.2 Das gesellschaftlich-indeterministische Freiheitsbewusstsein als Anknüpfungspunkt für Verantwortung und Schuld (gesellschaftlich-empirische Seinskonzeption)
  • 1.2.2.1. Determinismus und Fatalismus
  • 1.2.2.2. Zusammenfassung
  • 1.2.3. Die Freiheitserfahrung - eine indeterministische?
  • 1.2.3.1. Das indeterministische Willensfreiheitsgefühl oder das deterministische Freiheits- und Verantwortungsbewusstsein
  • 1.2.3.2. Die deterministische Möglichkeit
  • 1.2.3.3. Die deterministische Wenn-Option
  • 1.2.3.4. Ein indeterministisches Postulat bei deterministischem Freiheitsgefühl?
  • 1.2.3.5. Die Erste-Person-Perspektive oder die Dritte-Person-Perspektive
  • 1.2.3.6. Zusammenfassung
  • 1.2.4. Der Konstruktivismus als Versuch der Legitimation des Indeterminismus
  • 2. Die agnostisch-indeterministischen Strömungen
  • 2.1. Der sozial vergleichende Schuldbegriff (sozial-pragmatisch)
  • 2.2. Der Indeterminismus als Fiktion
  • 2.3. Die Zurechnungsfähigkeit mit Hilfe der Motivierbarkeit des Menschen
  • 2.3.1. Deterministische Lesart
  • 2.3.2. Indeterministische Lesarten
  • 2.3.2.1. Roxin: Die Willensfreiheitsfiktion als Folge der empirisch erfassbaren normativen Ansprechbarkeit
  • 2.3.2.2. Schreiber: Die Motivierbarkeit als Element seines sozial-vergleichenden S?c?h?u?l?d?b?e?g?r?i?f?f?s
  • 2.3.3. Zusammenfassung
  • 2.4. Günther Jakobs: Der funktionale Schuldbegriff
  • 3. Zusammenfassung
  • IV. Der Indeterminismus als Verantwortungsausschluss
  • 1. Verantwortung als Oberbegriff von Schuld
  • 2. Der Indeterminismus und das Zufalls-Problem
  • 3. Die Konsequenz für alle indeterministischen Schuldbegriffe
  • V. Zusammenfassung und die Beweislastfrage
  • Kapitel 5 Der agnostisch-deterministische Schuldbegriff
  • I. Die Zulässigkeit deterministischer Ansätze als Grundlage für die strafrechtliche Schuld nach dem Gesetzgeberwillen
  • 1. Der Wille des Verfassungsgesetzgebers
  • 2. Der Wille des Strafgesetzgebers
  • 2.1. Der Gesetzgeber und der objektiv-empirische Indeterminismus
  • 2.2. Der Gesetzgeber und der normative Indeterminismus
  • 3. Zusammenfassung
  • II. Schuldkonzepte deterministischer Strafrechtler
  • 1. Die normative Ansprechbarkeit (v. Liszt)
  • 2. Die Lehre von der Lebensführungsschuld
  • 3. Die Lehre von der Charakterschuld
  • III. Die Begründung von Schuld und Verantwortung im Wege der Zurechnung
  • 1. Die Zurechnung
  • 2. Die Zuschreibung als normatives, gesellschaftliches Regularium
  • 3. Die Verantwortungszuschreibung mit Hilfe der Selbstbestimmungsfähigkeit
  • 3.1. Selbstbestimmung anstatt Selbst-Bestimmung
  • 3.2. Die Selbstbestimmungsfähigkeit des Menschen
  • 3.2.1. Selbstbestimmung als Form von Kontrolle
  • 3.2.1.1. Das Denken alternativen Verhaltens
  • 3.2.1.2. Die Unrechtseinsicht und die Realitätswahrnehmung
  • 3.2.2. Selbstbestimmung als Äußerung des Selbst
  • 3.2.2.1. Das individuelle Selbst
  • 3.2.2.2. Das Gefühl der Autorschaft
  • 3.3. Der verständig Selbstbestimmte als Anknüpfungspunkt von Schuldunfähigkeit
  • 3.4. Zusammenfassung
  • 4. Das Entfallen der Verantwortung durch Entschuldigungsgründe
  • IV. Die Rolle von Normen und Sanktionen in einem deterministischen Strafrecht
  • 1. Der Zweck einer Schuldstrafe in einem deterministischen Strafrecht
  • 2. Relative Strafzwecke im Determinismus
  • 2.1. Die Veränderbarkeit des Menschen mit Hilfe der neuronalen Plastizität
  • 2.2. Verantwortlichkeit durch Verantwortungszuschreibung
  • 3. Der Sinn von Strafrechtsnormen
  • 4. Anknüpfungspunkt: Der Täter
  • V. Worin die Freiheit des Menschen liegt
  • VI. Zusammenfassung
  • Kapitel 6 Abschließende Zusammenfassung
  • Literaturverzeichnis

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