Klimawandel und Biodiversität

Folgen für Deutschland
 
 
wbg Academic in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG) (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Februar 2014
  • |
  • 432 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-534-73052-0 (ISBN)
 
Beobachtungen der vergangenen 100 Jahre zeigen deutlich, dass sich das Klima weltweit erwärmt hat. Doch welche Auswirkungen hat dieser Klimawandel auf die lebendige Umwelt und die unterschiedlichen Ökosysteme? Und wie sehen diese Folgen speziell für Deutschland aus? Auf dem aktuellen Stand der Forschung gibt der vorliegende Band einen umfassenden Überblick über die Folgen des Klimawandels auf die Biodiversität in Deutschland, die heute als wichtige Ressource der Menschheit gesehen wird. Dabei verfolgen die Herausgeber einen interdisziplinären Ansatz, der mehr als 80 Autoren versammelt und alle relevanten Fachgebiete von der Klimatologie über die Biologie, die Bodenkunde und Forstwirtschaft bis hin zur Medizin und Soziologie einbezieht. Die Autoren zeigen dabei nicht nur Probleme auf, sondern weisen auf Forschungs-, Informations- und Handlungsbedarf hin und geben Empfehlungen, wie das zukünftige Handeln aussehen kann.
  • Deutsch
  • Darmstadt
  • |
  • Deutschland
  • 44
  • |
  • 73 Abbildungen, 35 farbige Tabellen, 44 Kurvendiagramme
  • 18,33 MB
978-3-534-73052-0 (9783534730520)
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1    Einführung


G. Brasseur, V. Mosbrugger, M. Schaller, B. Stribrny

Der Klimawandel und die Biodiversität bzw. der Verlust an Biodiversität stellen zentrale Herausforderungen für die Menschheit dar und haben - direkt oder indirekt - Auswirkungen auf nahezu alle Lebensbereiche. Der vorliegende Statusbericht, der die aktuellen Erkenntnisse aus der Klima-, der Klimafolgen- sowie der Biodiversitätsforschung aus zahlreichen Disziplinen zusammenführt, soll Interessierten aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft einen umfassenden Einblick in die Auswirkungen des Klimawandels auf Biodiversität (und vice versa), Ökosysteme und Ökosystemdienstleistungen ermöglichen und die Grundlage für wissensbasiertes Handeln liefern.

So sind beispielsweise neben der Land- und Forstwirtschaft insbesondere energie- und/oder flächenintensive Wirtschaftsbereiche von Umweltveränderungen betroffen. Aber auch Vertreter von Branchen und Sektoren, die auf Ökosystemdienstleistungen angewiesen sind oder direkt von biologischen Produkten abhängen, können sich an Hand des Berichts über den Stand der Forschung und die Auswirkungen des Klimawandels auf alle gesellschaftlich relevanten Lebensräume und Handlungsfelder in Deutschland informieren. Politiker aller Ebenen sind darauf angewiesen, in ihre Entscheidungen über zukünftige Strategien zur Anpassung an den Klimawandel den aktuellen Stand der Forschung einbeziehen zu können; Bürger möchten wissen, wie der Klimawandel z.B. das Leben in urbanen Regionen beeinflussen wird; Naturschutzbehörden müssen bei Planungen für Schutzgebiete schon heute berücksichtigen, welche Arten dort zukünftig überhaupt noch leben können und Wissenschaftler und die interessierte Zivilgesellschaft profitieren von dem hier gebündelten Fachwissen.

Im Fokus des Berichts steht die aktuelle Situation zu Klimawandel und Biodiversität für alle relevanten Lebensräume bzw. Handlungsfelder sowie Kurzfrist- und Langfrist-Trends, unter besonderer Berücksichtigung von Unsicherheiten. Dabei werden Forschungs-, Informations- und Handlungsbedarfe identifiziert und Handlungsempfehlungen für Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft entwickelt. Wesentlicher Schritt bei der Erstellung der Synthese war eine Statuskonferenz im Mai 2011, während der die verschiedenen sektoralen und integrativen Kapitel vorgestellt und insbesondere im Hinblick auf weitere Interaktionen diskutiert sowie weitere Aspekte ergänzt wurden. Somit beinhaltet das Buch nun neben den Grundlagenkapiteln (Klimawandel in Deutschland; Biodiversitätswandel in Deutschland; Auswirkungen auf das Grundwasser und Auswirkungen auf Böden) eine Zusammenschau der Auswirkungen auf menschliche und natürliche Lebensräume (limnische/marine Lebensräume; forstlich und landwirtschaftlich genutzte Lebensräume, Naturschutzgebiete, urbane Lebensräume; Gesundheit) sowie Querschnittskapitel zum Themenkomplex "Anpassung und Mitigation - Zielkonflikte und Synergien" und zur gesellschaftlichen Wahrnehmung.

1.1 Biodiversität


Biodiversität umfasst die Vielfalt des Lebens auf der Erde. Biodiversität bedeutet dabei mehr als nur Artenvielfalt und findet auf verschiedenen Ebenen statt. Dazu zählen:

die Diversität der Gene,

die Diversität der Arten,

die Diversität der Ökosysteme,

und die Diversität der Wechselwirkungen zwischen den Arten und Ökosystemen.

Das internationale Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) definiert Biodiversität als "die Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft, darunter Land-, Meeres- und sonstige aquatische Ökosysteme und die ökologischen Komplexe, zu denen sie gehören." Die CBD wurde auf dem "Erdgipfel" in Rio de Janeiro 1992 ins Leben gerufen und ist mittlerweile von 193 Vertragsparteien unterzeichnet worden.

Diese Komplexität bildet auch einen Grund dafür, dass Biodiversität nicht messbar ist. Es gibt demnach auch keine Einheit, Maßzahl oder Größenordnung, mit der man Biodiversität quantitativ beschreiben kann. Deshalb benutzt man Indikatoren, um Veränderungen in der Biodiversität eines Gebietes erfassen zu können. Für die Bundesrepublik Deutschland hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Jahre 2006 den Indikator für Artenvielfalt und Landschaftsqualität eingeführt. Dieser Indikator beschreibt für die gesamte Fläche Deutschlands den Zustand von Natur und Landschaft unter dem Einfluss vielfältiger Nutzungen. Er bilanziert Veränderungen im Bestand ausgewählter Vogelarten, welche die wichtigsten Landschafts- und Lebensraumtypen in Deutschland repräsentieren. Steigt die Qualität eines Lebensraums, so drückt sich dies in zunehmenden Beständen der ausgewählten Vogelarten aus. Der Indikator für Artenvielfalt und Landschaftsqualität weist dementsprechend eine positive Entwicklung auf. Da die ausgewählten Vogelarten in artenreichen und reichhaltig gegliederten Landschaften mit intakten, nachhaltig genutzten Lebensräumen auftreten, bildet der Indikator indirekt auch die Entwicklung zahlreicher weiterer Arten in dem jeweiligen Beobachtungsraum ab.

Ein Verlust an Biodiversität ist in der Regel mit negativen Folgen verbunden. Die heutige Biodiversität ist das Ergebnis einer Evolution, die sich über Millionen von Jahren weiterentwickelt hat. Mit dem Aussterben von Tier- oder Pflanzenarten gehen Erbgut und artspezifische Merkmale unwiederbringlich verloren. Beispiele aus der Frühzeit sind das Urpferd, der Urstier und das Mammut, welches noch während der letzten Eiszeit in Europa lebte. Deutschland war zu dieser Zeit von einer spärlichen Tundrenvegetation bedeckt (Abb. 1.6). Die heutige Biodiversität in Deutschland ist Ergebnis einer Radiation von Arten, die nach dem Rückzug des skandinavischen Eispanzers einsetzte. Aktuell gelten in Deutschland je über 500 Tier- und Pflanzenarten (einschließlich Pilzen) als ausgestorben oder verschollen. Zu den ausgestorbenen Wildpflanzen in Deutschland zählen, unter vielen anderen, die Alpen-Weide (Salix alpina), der Bodensee-Steinbrech (Saxifraga oppositifolia ssp. amphibia) oder das Flachs-Leimkraut (Silene linicola). Mit einem Rückgang der Biodiversität verringern sich meist auch die Ökosystemdienstleistungen, die für das Leben der Menschen von existenzieller Bedeutung sind. Beispiele sind die Fotosynthese der Pflanzen, die Kohlendioxid aufnehmen und Sauerstoff für unsere Atmung an die Atmosphäre freisetzen, ebenso wie die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit durch bodenlebende Organismen wie Regenwürmer und Einzeller sowie die Bestäubung unserer Nutzpflanzen durch Insekten.

Im Zuge des Klimawandels wird eine Beschleunigung des bereits zu beobachtenden Artensterbens befürchtet, da dieser für viele Arten zu schnell stattfindet, um sich an die sich ändernden Klimabedingungen anpassen zu können. Gleichzeitig wird der Klimawandel bzw. der globale Wandel auch Arten, die bisher nicht in Deutschland vorkommen, neue Lebensbedingungen eröffnen. Treten diese sogenannten Neobiota in Konkurrenz zu einheimischen Arten, ist hier auch von invasiven Arten die Rede, die traditionelle Artengemeinschaften verändern können.

Mit dem Verlust von Arten und einer hohen Diversität an Erbgut gehen gleichzeitig Möglichkeiten verloren, sich an zukünftige Auswirkungen des Klimawandels anzupassen. Doch gilt der Erhalt einer hohen Biodiversität nicht nur als Garant für Anpassungsmaßnahmen in der Zukunft; unabhängig von ihrem Wert für Ökosystemdienstleistungen gilt es die Artenvielfalt auch um ihrer selbst willen zu erhalten. So hat sich z.B. die EU in ihrer Biodiversitätsstrategie vom Mai 2011 mit einer Reihe von prioritären Maßnahmen zum Ziel gesetzt, das beispiellose Tempo des Artensterbens zu reduzieren bzw. den weiteren Verlust an biologischer Vielfalt bis 2020 zu verhindern. In Deutschland dient die Nationale Biodiversitätsstrategie von 2007 dazu, möglichst viele Akteure in den Prozess einzubinden, und auf internationaler Ebene soll die jüngst eingerichtete Biodiversitätsplattform IPBES - Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services - dazu dienen, den Dialog zwischen Wissenschaft und Politik zu verbessern, um nach dem Vorbild des Zwischenstaatlichen Weltklimarates (IPCC) die Umsetzung von Maßnahmen zu befördern.

1.2 Wetter, Klima und Klimawandel


Wetter, Witterung und Klima unterscheiden sich im Zeitrahmen. Wetter ändert sich oft innerhalb von Stunden oder Tagen. Witterung umfasst alle Wetterveränderungen, die innerhalb von Wochen oder Monaten auftreten. Klima ist eine statistische Beschreibung der mittleren Wetterbedingungen an einem Ort in einem langen, meist 30-jährigen Beobachtungszeitraum. Das heißt, wandelt sich das Klima, dann verändern sich alle Wetterverhältnisse an einem Ort über einen langen Zeitraum. Dabei kann es am selben Ort wärmer oder kälter, niederschlagsreicher oder trockener, stürmischer oder ruhiger werden als in dem vorangegangenen Vergleichszeitraum. Zu...

»Dieses mit Abbildungen und Tabellen zur Verdeutlichung des Gesagten reich ausgestattete Buch ist ein fundierter und verständlicher Statusbericht, der nicht nur in die Hände der Fachleute gehört, sondern auch einen Nutzerkreis darüber hinaus finden wird.« Zeitschrift Mellumrat

»Umweltbuch des Monats Januar 2013« (Deutsche Umweltstiftung)

»Trotz zahlreicher Fachliteratur fehlte bislang ein allgemein verständliches Kompendium. Die Autoren schließen diese Lücke.« eta green
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