Der Fallstrick: N.Y.D. - New York Detectives

 
 
Uksak E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. August 2020
  • |
  • 133 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-4380-1 (ISBN)
 
Ein berühmter Vater, drei Söhne und eine Tochter, die alle eine andere Mutter haben. Drei Söhne, die unterschiedlicher in ihrem Wesen nicht sein können, die sich nur vom Namen her kennen. Doch eines verbindet sie: je zehn Millionen Dollar von dem Vater auf ihrem Konto. Kieron Merivale wird aus heiterem Himmel ermordet, und so gehen seine zehn Millionen zu gleichen Teilen an seine Brüder Duncan Scott und Stanley Lamont. Könnte einer von ihnen der Mörder sein? Der Privatdetektiv Bount Reiniger wird es herausfinden ...
  • Deutsch
  • 0,41 MB
978-3-7389-4380-1 (9783738943801)

1


Als die MPi wieder losratterte, flogen Glaskaskaden aus dem dreckigen Fensterrahmen. Klimpernd und prasselnd verteilten sie sich über dem staubigen Boden.

Bount Reiniger zog den Kopf ein.

"Jetzt wird's ernst, Toby", sagte er mit verbissener Miene zu Captain Rogers, der sich neben ihm in die Hocke begeben hatte.

Vor ihnen stand das schmutzig graue, endlos lange Gebilde einer aufgelassenen Fabrik. Nach dem vielen Ruß und dem übermäßigen Dreck zu schließen, waren hier Schornsteinfeger hergestellt worden, ehe sich der Pleitegeier mit mächtigen Schwingen auf dieses Gebäude herabgelassen hatte.

Bount linste hinter seinem silbergrauen Mercedes hervor.

"Wollen wir es wagen, Captain?", fragte er dann, während er die Automatic sanft auf und ab wippen ließ. Rogers zog die Brauen missmutig zusammen.

"Wird sich wohl nicht vermeiden lassen. Immerhin ist der Kerl dort drinnen ein professioneller Killer, und ich bin Polizist. Deshalb gibt es für dieses verflucht heikle Problem nur eine Lösung: Ich muss rein in diese dämliche Fabrikhalle. Koste es, was es wolle. Ich muss rein und muss Jody Brent herausholen."

"Jody Brent ist mit einer MPi bewaffnet. Und was er sonst noch bei sich trägt, entzieht sich unserer Kenntnis", meinte Bount Reiniger.

Rogers ließ in seinem Gesicht Gewitterwolken aufziehen.

"Ich muss ihn da herausholen!", knurrte er. Dann richtete er sich blitzschnell auf. Brent sah ihn und zog sofort den Stecher seines Knattermanns durch. Ein mörderisch hämmerndes Stakkato hallte durch das alle Gebäude. Bount Reiniger sah die glühenden Feuerlanzen, die aus der Maschinenpistole jagten, und feuerte mehrmals danach. Auch Toby Rogers versuchte einen alles regelnden Prachtschuss anzubringen, doch Jody Brent war kein Anfänger auf diesem Gebiet. Er wechselte unverzüglich die Position. Seine Schüsse kamen nun aus einem anderen Fenster. Trotzdem setzten Rogers und Reiniger zum Sturmlauf an. Brent wollte sie vom Gelände fegen. Er bestrich die Gegend mit tödlichen Garben, die Reiniger und Rogers gefährlich knapp um die Ohren pfiffen. Doch die beiden anstürmenden Männer fanden zwischen den Kugeln immer wieder eine Lücke, durch die sie wieseln konnten. Mit weiten Sätzen jagten sie auf die Fabrikhalle zu.

Reiniger war voran.

Rogers schnaubte hinter ihm her.

Nun hielt Jody Brent seine MPi etwas tiefer. Ratternd ging sie wieder los. Bount Reiniger sah die Einschläge auf sich zurasen und federte reaktionsschnell zur Seite. Die Geschosse fegten pfeifend und zirpend an ihm vorbei.

Plötzlich ein unterdrückter Schrei. Bounts Kopfhaut zog sich schmerzhaft zusammen. Er wirbelte erschrocken herum. Rogers' Gesicht war verzerrt. Es war leichenblass geworden. Er fletschte die Zähne, wankte, fasste sich an den blutenden Oberschenkel, drehte sich unendlich langsam um die eigene Achse und knallte dann schwer auf den Boden, weil sich sein Bein störrisch weigerte, ihn weiter zu stützen.

"Toby!", rief Bount Reiniger besorgt.

"Okay!", stöhnte der Captain. "Ich bin okay. Lauf weiter, Bount! Sonst erwischt er dich auch noch. Lauf weiter! Kümmere dich nicht um mich! Ich komm schon allein zurecht. Hol diesen schießwütigen Kerl da raus! Hol ihn für mich raus! Bount, mach schnell! Schnell!"

Bount Reiniger fuhr mit granitharter Miene herum. Die Lippen fest aufeinandergepresst, setzte er zu einem geschmeidigen Panthersprung an. Rogers kroch ächzend zum Mercedes zurück.

Jody Brent stieß seine automatische Kanone haargenau in Reinigers Richtung. Er ließ sie erneut losbellen, doch Bount hatte bereits den toten Winkel erreicht. Vorläufig war er vor den Kugeln des Killers sicher.

Aber der Job war noch nicht zu Ende. Der schwierigste Teil kam erst.

Bount wischte sich den Schweiß von der Stirn. Sein Herz hämmerte wie verrückt gegen die Rippen. Das Blut kochte in seinen Adern. Die Nerven vibrierten. Kerle wie Jody Brent sind so gefährlich wie eine ganze Kompanie Ledernacken, dachte er. Die haben das Töten im kleinen Finger. Sie sind in der Lage, die geringste Chance eiskalt für sich zu nutzen.

Reiniger wiegte bedenklich den Kopf.

Junge, das kann im wahrsten Sinne des Wortes verdammt ins Auge gehen.

Er kniff die Augen zusammen und starrte die halb offen stehende Eisentür an. Ein Schritt durch diese Tür konnte der Anfang vom Ende sein. Oder das Ende vom Anfang. Es kam bloß darauf an, von welcher Seile man die Sache betrachtete.

Bount holte tief Luft. Was Jody Brent dort drinnen inzwischen machte, konnte er sich gut vorstellen, obwohl er nicht den kleinsten Zipfel von ihm sehen konnte.

Brent wartete nun mit seiner MPi auf die große Chance, die Körpertemperatur von Reiniger um sechsunddreißig Grad zu senken.

Mit einem blitzschnellen Tritt beförderte Bount Reiniger die Tür zur Seite. Sie schepperte und ächzte und gab schrille Laute von sich. Jody Brent schoss schon, bevor Reiniger sich in die Halle gehechtet hatte. Die Projektile schlugen rund um die Tür ein, rissen den Putz aus der dreckigen Mauer, ratschten über Beton und sirrten als gefährliche Querschläger davon.

Bount Reiniger flog wie katapultiert in die Halle hinein. Der heiße Hauch einer Kugel versengte seine Nackenhaare. Er riss den Kopf blitzschnell nach unten, krümmte gleichzeitig den Rücken, überschlug sich mit hart aufeinandergepressten Kiefern, wurde durch den Schwung nach vorn gerissen, wobei er über den Rücken abrollte und wie ein austrainierter Akrobat sogleich wieder auf die Beine kam. Nun rannte er vier Meter weit um sein Leben, während ihm Jody Brents Waffe feindselig nachbrüllte. Mit den letzten Kraftreserven wuchtete Bount seinen Körper hinter einen riesigen Metallkessel. Vier dumpf dröhnende Einschüsse färbten ihm ein paar Haare grau, als er erkannte, wie knapp er diesen Kugeln entgangen war.

Brent fluchte über seine Pechsträhne.

Bount lehnte sich atemlos an das kalte Metall. Nun schlug sein Herz hoch oben im Hals. Er lauschte, um zu hören, was Brent nun machte, aber das Klopfen seines Herzens und das Pochen der heißen Schläfen machten es ihm nicht leicht, Geräusche von außerhalb wahrzunehmen. Sachte glitt er am Kessel entlang.

Putz knirschte unter Brents Schuhen. Jetzt wusste Reiniger genau, wo sich der Killer befand. Brent hatte die Position gewechselt. Bount hatte den Eindruck, der Verbrecher wollte sich absetzen.

"Brent!", schrie Bount Reiniger laut. Der Klang seiner Stimme wurde vom leeren Gebäude mit einem eindrucksvollen Hall verstärkt. "Geben Sie auf, Brent! Hier kommen Sie ja doch nicht raus!"

"Abwarten, Bount Reiniger!", schrie Brent wütend zurück. "Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen! Rogers musste bereits die Segel streichen. Und wenn ich Ihre Nasenspitze sehe, sind auch Sie dran. Möchte bloß wissen, wer mich dann noch daran hindern sollte, von hier zu verduften."

"Sie schaffen's nicht. Brent! Nehmen Sie doch Vernunft an!"

"Wetten, dass ich ohne einen Kratzer wegkomme, Bount Reiniger? Sie hatten bisher verdammt viel Glück. Aber das hält sich nicht. Eine einzige Kugel kann alles ändern. Das wissen Sie. Ich nehme an, Sie haben bereits Schiss! Deshalb wollen Sie mich zur Aufgabe überreden, aber daraus wird nichts, mein Bester. Sie müssen schon um den Sieg kämpfen, und, verdammt, ich werde es Ihnen nicht leicht machen!"

"Ich sage Ihnen zum letzten Mal, es ist nichts mehr drin für Sie, Brent!", rief Reiniger mit angespannten Nerven.

Brent lachte frostig.

"Ich will, dass Sie mir das beweisen!"

..Können Sie haben!", schrie Bount und federte urplötzlich hinter der Deckung hervor.

Jody Brent stand auf einer Eisenbrücke, die gefährliche MPi im Anschlag. Als Bount auftauchte, drückte er ab. Reiniger ging blitzschnell in die Hocke. Dadurch bot er den Killerkugeln nur wenig Ziel. Er stützte die Schusshand mit der Linken und zog dreimal kurz hintereinander wie beim Scheibenschießen durch. Zwei Kugeln streiften Brent nur. Doch die dritte saß in der Brust des Verbrechers. Entsetzen weitete Jody Brents wasserhelle Augen. Sein Gesicht wurde zu einer schmerzlichen Grimasse. Ungläubig starrte er auf das Loch in seiner Brust. Seine Finger erschlafften. Die Maschinenpistole wurde ihm zu schwer. Er konnte sie nicht mehr halten. Sie entfiel seinen Händen und klapperte von der Eisenbrücke herunter. Mit zitternden Händen klammerte er sich an das Geländer. Seine Knie wurden weich. Er knickte ein, doch er fiel nicht, sondern richtete sich trotzig wieder auf. Wankend schlich er über die Brücke, auf eine Eisenleiter zu. Er schleppte die Schuhe über den Metallboden, als wären sie mit Bleiplatten besohlt.

Reiniger folgte ihm vorsichtig. Die Automatic behielt er in der Hand, denn gerade jetzt war Jody Brent am gefährlichsten.

Mit federnden Schritten strebte Bount der eisernen Brücke zu. Brent hatte inzwischen die Leiter erreicht. Mit unsagbar matten Bewegungen griff er nach den Sprossen. Er wollte sie erklimmen, doch seine Kräfte reichten dazu nicht mehr aus. Leichenblass wandte er sich um.

Bount stand nun am anderen Ende der Brücke.

Brents Mienenspiel ließ deutlich erkennen. dass er begriffen hatte, wie es um ihn stand. Er wusste, dass er in eine Sackgasse geraten war, aus der es für ihn kein Entkommen mehr gab. Er wusste, dass er dieses Hasardspiel verloren hatte. Bount Reiniger war der bessere Mann gewesen. Brent sah die Stationen im Geist, die nun vor ihm lagen: Krankenhaus, U-Haft, Gericht, Zuchthaus - und zwar lebenslänglich. Das hieß bis zum Tod.

Bis zum Tod!, dachte Jody Brent, und es erfüllte ihn mit einer unbegreiflichen Freude, dass er es noch in der Hand hatte, wann die Stunde seines Todes sein...

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