Existenzanalyse und Logotherapie

 
 
Facultas (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Mai 2020
  • |
  • 150 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-99030-952-0 (ISBN)
 
Die Reihe "Praxis Psychotherapie" beleuchtet die in Österreich anerkannten psychotherapeutischen Methoden und zeigt kompakt und verständlich fundiertes Basiswissen, neueste Entwicklungen und die Anwendung in der Praxis auf.
Band 2 rückt die Existenzanalyse und die Logotherapie in den Fokus. Neben einer Einführung in die Methode zur modernen und praktischen Anwendung dieser Richtung der Psychotherapie werden die anthropologische Grundlage, das Menschenbild und die Beziehung zu Leben und Werk von Viktor E. Frankl dargestellt. Dieses Buch soll den Leserinnen und Lesern insbesondere eine überschaubare Information wie auch Anleitung zur Anwendung der Existenzanalyse und Logotherapie in gegenwärtiger psychotherapeutischer Praxis und den benachbarten Fächern (Medizin, Psychologie, Pädagogik, Sozialarbeit, Pflegeberufe) anbieten.
1. Auflage
  • Deutsch
  • Wien
  • |
  • Österreich
  • Für höhere Schule und Studium
  • 1,73 MB
978-3-99030-952-0 (9783990309520)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Harald Mori, MSc, Existenzanalytiker und Logotherapeut; Psychotherapeut, Psychoonkologe, Supervisor, Delphintherapeut, Lehrtherapeut, Seminarleiter an der Psychiatrischen Universitätsklinik Wien.

2Grundriss der Existenzanalyse und Logotherapie - Anthropologie


Das Menschenbild bei Frankl


Zehn Thesen über die Person (1950)

Die zehn Thesen Viktor Frankls über die Person stehen am Beginn dieses Kapitels zur Anthropologie. Sie weisen in prägnanter Form auf Grundlagen des Menschenbildes der EALT hin und mögen als Struktur dienen.

"1.Die Person ist ein Individuum: die Person ist etwas Unteilbares

2.Die Person ist nicht nur in-dividuum, sondern auch in-summabile: Die Person ist unverschmelzbar mit anderen Personen

3.Jede einzelne Person ist ein absolutes Novum

4.Die Person ist geistig: sie steht im fakultativen Gegensatz zum psychophysischen Organismus.

5.Die Person ist existentiell: sie ist ein entscheidendes Wesen (Jaspers)

6.Die Person ist ichhaft: sie steht nicht unter dem Diktat des ES (Freud)

7.Die Person ist nicht nur Einheit und Ganzheit, sondern die Person stiftet auch Einheit und Ganzheit: sie stiftet die leiblich-seelisch-geistige Einheit und Ganzheit, die das Wesen "Mensch" darstellt.

8.Die Person ist dynamisch: eben dadurch, daß sie sich vom Psychophysikum zu distanzieren vermag, tritt das Geistige überhaupt erst in Erscheinung

9.Das Tier ist schon deshalb keine Person, weil es sich nicht über sich selbst stellen, sich gegenüberzustellen imstande ist.

10.Die Person begreift sich nicht anders denn von der Transzendenz her. [.] Den Anruf der Transzendenz hörte der Mensch ab im Gewissen (Sinnorgan)."

(Frankl 1996, 108-118)

In Anlehnung an Frankls Buchkapitel "Grundriß der Existenzanalyse und Logotherapie" (Frankl et al., 1959) sowie seine Ausführungen im Buch "Ärztliche Seelsorge" (1946/1998) werden in diesem Kapitel die Grundlagen der EALT, wie sie Frankl geschaffen hat, dargestellt. Moderne Sichtweisen finden sich in diese Darstellung eingebunden.

Da es mittlerweile mehrere und teilweise durchaus unterschiedliche wissenschaftliche Auffassungen über die Entwicklung der EALT gibt, möge der Hinweis erlaubt sein, dass es sich in diesem Büchlein um eine durch den Autor selbst "gefilterte" Beschreibung handelt, die keinen Anspruch auf die alleinige Wahrheit stellt.24

Für Frankl war es immer wichtig, dass die von ihm geschaffene Richtung der Psychotherapie - auch wenn es manchmal sperrig zu sprechen ist -einen Doppelnamen trägt, wie zwei Seiten einer Münze: Existenzanalyse und Logotherapie.

Es gibt von Frankl in unterschiedlichen Publikationen immer wieder voneinander abweichende Definitionen der EALT. So wird die Existenzanalyse von ihm lange als eine anthropologische Forschungsrichtung dargestellt und die Logotherapie als die psychotherapeutische Behandlungsmethode. Dies führte vor allem bei der GLE (Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse) in den späten 1980er-Jahren unter Alfried Längle zu einer vom Autor persönlich sehr intensiv erlebten Diskussion und Kontroverse. Es ging vor allem um die Frage, ob und in welchem Ausmaß Selbsterfahrung für die Ausbildung zum/zur PsychotherapeutIn notwendig wäre. In Österreich bereitete man sich zu dieser Zeit auf die erstmalige Schaffung eines Psychotherapiegesetzes25 vor, was eine genaue wissenschaftliche Prüfung und Positionierung der Psychotherapieschulen notwendig machte. Vereinfacht gesagt, sah der renommierte Psychotherapiebegründer Viktor Frankl, damals im 85. Lebensjahr, keine Veranlassung, dass er es nach all der weltweiten Anerkennung der EALT in höchsten wissenschaftlichen Kreisen (z. B. Harvard und Stanford) nötig hätte, seine Lehre einer Prüfung zu unterziehen. Gesetze haben jedoch ihre eigene Dynamik und verlangen meist Schritte, die man als redundant empfinden könnte. Alfried Längle, damals Vorsitzender der GLE und von ca. 1982 bis 1990 quasi die rechte Hand Frankls (in Österreich), erkannte wohl die Zeichen der Zeit und trieb eine Diskussion um die Weiterentwicklung der EALT voran, vor allem um den neu entstehenden gesetzlichen Vorschriften zu deren Anerkennung als psychotherapeutische Schule zu entsprechen und damit Frankls Lehre auch in Österreich offiziell zu erhalten. Das Thema der Selbsterfahrung, welche aus der modernen Psychotherapieausbildung nicht wegzudenken ist, war dabei im Vordergrund der sachlichen Auseinandersetzung. Man muss verstehen, dass Frankl seine EALT ursprünglich als reine Ergänzung der ärztlichen Kunst auf dem Gebiet der Psychiatrie und Psychotherapie gedacht hatte.

1990 zog sich Frankl von der GLE zurück. Aus Sicht des Autors lag der Grund Frankls dafür nicht so sehr in der wissenschaftlichen Diskussion, sondern vielmehr in der unglücklichen Art und Weise, wie Alfried Längle und die GLE damals mit dem betagten und weltweit höchst renommierten Wissenschaftler Frankl kommunizierten. Frankl selbst war in dieser speziellen Thematik, die sich auch mit der vom neuen Gesetz geforderten Selbsterfahrung auseinandersetzte, wahrscheinlich kein leichter Gesprächspartner. Er war einer der letzten Alleingänger, monolithischen Begründer einer psychotherapeutischen Schule und nahm dank seines wachen Geistes bis zum Ende seines Lebens mit großem Interesse und aktiv an wissenschaftlichen Diskussionen teil.

Aus moderner Perspektive hat Längle der EALT einen großen Dienst erwiesen. Dass er später die Existenzanalyse im wissenschaftlichen Anspruch als Psychotherapie modernen Stils betrachtete und weiterentwickelte, war natürlich. Die Logtherapie sieht Längle als eine Beratungsform, die den "Sinn im Leben" als zentralen Fokus trägt.

"Die Entwicklung der heutigen EA [Existenzanalyse] fand durch die zunehmend phänomenologische Haltung und die weitere anthropologische Forschung ab dem Ende der 1980er-Jahre statt. Dadurch ergab sich eine grundlegende Revision der Motivationslehre und des Existenzverständnisses der damaligen Logotherapie. Die Praxis und ihre phänomenologische Untersuchung zeigten auf, dass die monistische, allein auf Sinnsuche ausgerichtete Grundmotivation der Logotherapie (,Wille zum Sinn') so nicht mehr bestehen konnte, sondern dass ihr drei weitere Grundmotivationen26 vorausgehen, die mit der Persönlichkeitsentwicklung und der Selbstentfaltung auf Engste verwoben sind." (Längle 2016, 31)

Alfried Längle schuf den Begriff der "personalen Existenzanalyse" und verwendet gegenwärtig den Terminus "Existenzanalyse" als Bezeichnung für die von ihm und seinen MitarbeiterInnen weiterentwickelte "Franklsche", also ursprüngliche Existenzanalyse. Wie Viktor Frankl dem Autor wiederholt mitteilte, störte ihn an diesem Vorgehen am ehesten, dass Längle es nicht für nötig hielt, seiner "neuen" Entwicklung auch einen wirklich eigenständigen Namen zu geben.

Von einer anderen wichtigen Schülerin Viktor Frankls, Elisabeth Lukas, gingen jene Entwicklungen aus, die sich überwiegend dem Begriff der "Logotherapie" verpflichtet sehen. KritikerInnen sehen darin - mittlerweile wohl zu Unrecht - eine gewisse Orthodoxie, die sich zu sehr an die Worte Frankls klammert. Aus Sicht des Autors wird die "Wahrheit", also die wissenschaftlich relevante Umgangsweise mit den und die praktische Anwendbarkeit der Grundlagen der EALT, irgendwo in der Mitte liegen.

Es scheint empfehlenswert eine klare Urheberschaft und Unterscheidung in der Psychotherapiewissenschaft zum Ausdruck zu bringen:

1.Das originäre Werk des Begründers der EALT: Es ist wegweisend und erhellend für eine gute Psychotherapieausbildung, die Originalwerke Frankls zu kennen. Viktor Frankl war Arzt, Philosoph, Psychologe und ein begnadeter Beherrscher von Sprache und Schrift in einer feingeschliffenen Form, die man selten findet.

2.Das ursprüngliche Werk Frankls erweitert um moderne Erkenntnisse.

3.Die klare Definition von Weiterentwicklungen und gegebenenfalls unverwechselbare Bezeichnung derselben mit eigenständigen Namen und Begriffen.

4.Die Einbettung der genannten Punkte in die praktische Anwendung einer gegenwärtigen und modernen Psychotherapie - man könnte hier von einer "Synoptischen Psychotherapie" (Bilek/Mori 2015)27 sprechen.

5.Unerlässlich ist auch die Einbeziehung moderner Forschungen über das Gehirn (brain imaging) und anderer medizinischer Erkenntnisse (z. B. Genforschung) in die Gesamtbetrachtung menschlichen Daseins unter dem Gesichtspunkt der Psychotherapiewissenschaft. Vor allem die konkrete Umsetzbarkeit der Theorie in eine wirksame und nachhaltig effektive praktische Anwendung wird allen ernstzunehmenden Wissenschaftlerinnen das höchste Ziel sein müssen. Geht es doch letztlich und wahrlich darum, den Patientinnen in Best Practice so gut wie möglich helfen zu können.

In der Grundlegung seiner Lehre schreibt Frankl:

"Was zunächst die Logotherapie...

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