Happy End am Mittelmeer

 
 
HarperCollins Germany (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. Mai 2011
  • |
  • 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86349-164-2 (ISBN)
 
Darius ist fest entschlossen, sein rechtmäßiges Erbe als Prinz von Ambria anzutreten. Nichts kann ihn mehr von seinem Plan abbringen! Bis die schöne Ayme in seinem luxuriösen Londoner Penthouse auftaucht und behauptet, er sei der Vater ihrer kleinen Nichte. Auf der Fahrt ans Mittelmeer muss Darius sich jetzt um ein Baby kümmern - und um dessen temperamentvolle Tante, zu der er sich mit jedem Tag mehr hingezogen fühlt. Doch ist sie wirklich die Richtige für einen Royal wie ihn? Ein aufregende Reise beginnt, an deren Ziel er alles verlieren - oder alles gewinnen kann
  • Deutsch
  • Hamburg
  • 0,84 MB
978-3-86349-164-2 (9783863491642)
3863491645 (3863491645)

1. KAPITEL

Darius Constantijn, Prinz aus dem Königshaus von Ambria, lebte inkognito unter dem Namen David Dykstra in London. Nach dem Putsch, bei dem seine Eltern ums Leben gekommen waren, war er als kleiner Junge gerettet und außer Landes gebracht worden.

David hatte keinen tiefen Schlaf, normalerweise hätte ihn das kleinste Geräusch dazu gebracht, leise, mit einer Waffe in der Hand, sein luxuriöses Penthouse zu durchsuchen. Er war bereit, sein Leben zu verteidigen.

Dass er glaubte, in Gefahr zu sein, war keine abwegige Idee. Der Sohn der gestürzten Monarchenfamilie stellte durch seine bloße Existenz eine ständige Provokation für die neuen Machthaber seines Landes dar.

Aber heute Nacht waren seine Wachsamkeit und Verteidigungsbereitschaft geschwächt. Er hatte eine Cocktailparty für fünfzehn Londoner Prominente gegeben, sie waren alle in Feierlaune gewesen und viel zu lang geblieben. Es kam nicht mehr oft vor, dass er zu viel trank, doch heute spürte er die Wirkung des Alkohols.

Als er nun ein Baby weinen hörte, glaubte er zunächst an eine Halluzination.

"Babys", murmelte er vor sich hin und verharrte einen Moment, um sicher zu sein, dass der Raum sich nicht mehr drehte, ehe er es wagte, die Augen zu öffnen. "Warum können sie ihre Probleme nicht für sich behalten?"

Das Schreien hörte jäh auf, nur war er inzwischen wach. Er horchte angestrengt. Es musste ein Traum gewesen sein. Hier gab es kein Baby. Hier konnte keines sein. Dies war ein Haus für Erwachsene. Das wusste er genau.

"Babys nicht erlaubt. Verboten", murmelte er und schloss die Augen.

Aber er öffnete sie sofort wieder, als er den kleinen Störenfried von Neuem hörte. Diesmal erklang nur ein Wimmern, doch es war echt. Nicht geträumt.

Aber es ergab alles keinen Sinn. Unmöglich, es konnte kein Baby in seinem Apartment sein. Hätte einer seiner Gäste ein Kind mitgebracht haben, hätte er dies gewiss bemerkt. Und sollte dieselbe unmanierliche Person das Baby in der Garderobe vergessen, wäre sie nicht unterdessen zurückgekommen, um das Kind abzuholen?

Er versuchte, die Störung mit einem Achselzucken abzutun und wieder einzuschlummern, aber das ging nun nicht mehr. Die Beunruhigung war da. Er würde erst weiterschlafen, wenn er sicher war, dass er sich in einer babyfreien Wohnung befand.

Seufzend wälzte er sich schließlich aus dem Bett, zog eine Jeans an, die er in einem Stapel Kleidung auf einem Stuhl fand, und begann, leise durch die Räume zu pirschen, wobei er einen nach dem anderen inspizierte und sich verdrossen fragte, warum er überhaupt ein Apartment mit derart vielen Zimmern gemietet hatte. Im Wohnzimmer standen überall kristallene Weingläser herum, und zerknüllte Papierservietten lagen auf Tischen und Stühlen. Um Mitternacht hatte er das Catering-Team nach Hause geschickt - ein Fehler, wie er jetzt erkannte. Aber wer hätte ahnen können, dass seine Gäste bis fast drei Uhr morgens bleiben würden? Egal, die Zugehfrau würde morgen früh kommen und alles wieder blitzblank putzen.

"Keine Partys mehr", schwor er sich laut, als er auf eine lange Federboa trat, die jemand hatte liegen lassen. "Ich lasse mich einfach auf die Feste der anderen einladen. Meine Informationsquellen kann ich behalten und den Ärger anderen überlassen."

Einstweilen aber musste er seine Wohnung durchsuchen, ehe er zurück ins Bett gehen konnte. Er schlich weiter.

Und dann fand er das Baby.

Es schlief. Er öffnete die Tür seines kaum genutzten Fernsehzimmers, und da lag es in einer ausgezogenen Schublade, die als improvisiertes Babybettchen diente. Sein Mündchen war geöffnet, und die runden Bäckchen plusterten sich mit jedem Atemzug ein wenig auf. Es schien ein süßes Kind zu sein, aber er hatte es noch nie vorher gesehen.

Während er schaute, zuckte das Baby unwillkürlich zusammen, reckte die Ärmchen in die Höhe und ließ sie langsam wieder sinken. Aber es wachte nicht auf. Eingekuschelt in seinen pinkfarbenen Strampelanzug, schien sich das Kind ganz wohlzufühlen. Schlafende Babys waren gar nicht so schlimm. Aber er wusste genau, was passierte, wenn sie aufwachten, und vor dem Gedanken grauste ihm.

Es war ausgesprochen ärgerlich, ein ungeladenes Baby in den eigenen vier Wänden vorzufinden, und es war offensichtlich, wer schuld daran war - die langbeinige Blondine, die schlafend auf seinem Freischwinger-Sofa lag. Auch sie hatte er noch nie vorher gesehen.

"Was zum Teufel geht hier vor?", fragte er leise.

Keiner von beiden rührte sich, und er wollte sie auch nicht wecken. Er brauchte noch ein, zwei Momente, um die Situation einzuschätzen und einige nüchterne Entscheidungen zu treffen. All seine Überlebensinstinkte waren alarmiert. Er war sich sicher, dass er es hier nicht mit gewöhnlichen Übernachtungsgästen zu tun hatte. Sie mussten etwas mit seiner Herkunft, der fürchterlichen Putschgeschichte und seiner ungewissen Zukunft zu tun haben.

Er war sich sogar sehr sicher, die beiden würden sich als Gefahr entpuppen - vielleicht sogar als die Gefahr, mit der er all die letzten Jahre gerechnet hatte.

David war jetzt hellwach. Er musste schnell denken und klar urteilen. Sein Blick fiel auf die Frau, und ungeachtet seines Argwohns fühlte er sich sofort zu ihr hingezogen. Obwohl ihre Beine irgendwie seltsam hingestreckt waren und ihn an ein noch unbeholfenes Fohlen erinnerten, waren sie wohlgeformt, und ihr kurzer Rock, der verführerisch hochgerutscht war, während sie schlief, offenbarte selbige nun auf eine ganz bezaubernde Art. Das gefiel ihm, trotz allem.

Ihr Gesicht war fast vollständig von einer wilden Lockenmähne verdeckt, aber ein zartes, kleines Ohr schaute heraus. Sie war nicht blutjung, aber ihre ungezwungene Haltung ließ sie unbekümmert und unschuldig wirken, und sie hatte etwas an sich, dass sie auf den ersten Blick liebenswert machte. Die Frau übte einen Reiz aus, der ihn unter anderen Umständen hätte lächeln lassen.

Aber jetzt runzelte er doch die Stirn und konzentrierte seinen Blick auf das hinreißende kleine Ohr. Es war mit einem auffälligen Ohrring geschmückt, der ihm vertraut erschien. Bei genauerem Hinsehen erinnerte ihn die Form an das einstige Wappen Ambrias - das Wappen der Königsfamilie.

Adrenalin schoss in sein Blut, sein Herz begann zu rasen, und er wünschte, er hätte die Waffe mitgenommen, die er normalerweise nachts trug. Nur eine kleine Gruppe von vertrauten Menschen wusste von seiner Verbindung zu Ambria, und sein Leben hing davon ab, dass dies geheim blieb.

Wer zum Teufel war diese Frau?

Er würde es herausfinden.

"Hallo, aufwachen!"

Ayme Negri Sommers kuschelte sich tiefer in ihre Sofaecke und versuchte, die Hand zu ignorieren, die sie an der Schulter schüttelte. Jedes Molekül ihres Körpers widersetzte sich dem Weckruf. Nach den beiden Tagen, die hinter ihr lagen, war Schlaf ihre einzige Rettung.

"Wachen Sie auf", setzte der Mann barsch nach. "Ich habe einige Fragen, die nach Antworten verlangen."

"Später", murmelte sie in der Hoffnung, er würde weggehen. "Bitte, später."

"Jetzt." Er schüttelte sie wieder an der Schulter. "Hören Sie mich?"

Ayme hörte ihn, aber ihre Augen wollten sich nicht öffnen. Sie verzog das Gesicht und stöhnte. "Ist es schon Morgen?"

"Wer sind Sie?", fragte der Mann, ihre Frage ignorierend. "Was machen Sie hier?"

Er ging nicht weg. Sie würde mit ihm sprechen müssen, fürchtete sie. Ihre Augenlider fühlten sich an wie Sandpapier, und sie war nicht einmal sicher, ob sie aufgehen würden, wenn sie sie eindringlich darum bat. Aber irgendwie schaffte sie es doch. Geblendet von dem Lichtstrahl, der durch die geöffnete Tür fiel, blinzelte sie den ärgerlich blickenden Mann an, der sie genau beobachtete.

"Wenn Sie mich nur noch eine Stunde schlafen ließen, könnten wir das vielleicht vernünftig besprechen", schlug sie leicht lallend vor. "Ich bin so müde und fühle mich gerade wenig menschlich."

Das war natürlich gelogen. Menschlich war sie in Ordnung, aber so schlecht sie sich auch fühlte, reagierte sie auf diesen Mann nicht nur typisch menschlich, sondern auch eindeutig weiblich. Er war unglaublich attraktiv. Sie sah sich das dichte, dunkle Haar an, das ihm verwegen-charmant in die Stirn fiel, die leuchtend blauen Augen, die breiten Schultern und den entblößten Oberkörper mit den trainierten Muskeln.

Wow.

Sie hatte ihn vorhin gesehen, aber von Weitem und entschieden dezenter bekleidet. Von Nahem und halb nackt war viel besser. Das konnte sie nur jedem empfehlen, und unter anderen Umständen hätte sie jetzt gelächelt.

Aber die Situation war nicht zum Lachen. Sie würde ihm erklären müssen, was sie hier tat, und das würde nicht einfach werden. Sie versuchte, sich aufzurichten und gleichzeitig - mit wenig Erfolg - ihr widerspenstiges Haar mit beiden Händen in Form zu bringen. Und die ganze Zeit dachte sie darüber nach, wie sie am besten auf den Grund ihres Kommens zu sprechen kommen konnte. Sie hatte das deutliche Gefühl, dass es kein willkommenes Thema war.

"Sie können so viel schlafen, wie Sie wollen, sobald wir Sie dahin gebracht haben, wo Sie hingehören, wo immer das auch ist", meinte er eisig. "Und das ist garantiert nicht hier."

"Da irren Sie sich", antwortete sie. "Ich bin nicht ohne Grund hier. Leider."

Klein Cici brabbelte im Schlaf, und beide erstarrten. Aber die Kleine...

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