Bella und der geheimnisvolle Wüstenprinz

 
Sarah Morgan (Autor)
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
1. Auflage | erschienen am 18. September 2011 | 144 Seiten
 
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978-3-86349-750-7 (ISBN)
 
Endloser Sand und mörderische Hitze: Wenn kein Wunder geschieht, ist Bella Balfour verloren. Hoffnungslos hat sie sich in der Wüste verirrt - als plötzlich ein Reiter heransprengt und sie in eine Oase bringt. Doch die Gefahr ist noch lange nicht vorbei. Denn ihr Retter, Scheich Zafid Hadad, erwartet von Bella, was er selbst jeden Tag leben muss: allen Menschen mit Würde zu begegnen. Und das ist schwierig für die verwöhnte Society-Prinzessin! Wenn sie sich jemals fügt, dann nur aus unsterblicher Liebe und glühender Leidenschaft - wie sie der Scheich in ihr geweckt hat ...
Julia Romane
Deutsch
0,81 MB
978-3-86349-750-7 (9783863497507)
3863497503 (3863497503)

1. KAPITEL

Sand, Sand und noch mehr Sand .

Ihr Vater hätte sich keinen entlegeneren Ort ausdenken können als diesen, höchstens den Mond. Und wäre das wirklich möglich gewesen, hätte er ganz sicher einen entsprechenden Scheck ausgefüllt! dachte Bella wütend. Während sie gelangweilt mit den nackten Zehen im grobkörnigen Wüstensand spielte, sah sie missmutig um sich.

Wahrscheinlich hätte er mich am liebsten auf den Roten Planeten geschossen . den Mars. Warum nur musste es ausgerechnet die Verbannung in die Wüste sein? Warum nicht eine Strafexpedition in ein schickes Spa in der Fifth Avenue?

"Bella?"

Als sie ihren Namen hörte, stöhnte Bella verhalten auf. Jetzt schon? So früh? Der Morgen dämmerte doch gerade erst. Widerstrebend wandte sie sich in Richtung der Stimme. Er trägt nicht die leiseste Schuld an diesem Desaster, ermahnte sie sich. Es ist also nicht fair, meinen Frust und meine Wut an ihm auszulassen.

Also zwang sie sich zu einem Lächeln. "Ziemlich früher Start, oder?"

"Ich habe schon lange vor Sonnenaufgang meditiert." Erste vorwitzige Strahlen der heißen arabischen Sonne zauberten gleißende Lichtreflexe auf das weiße Gewebe seiner schlichten, langen Robe.

Nur mit Mühe unterdrückte Bella ein Gähnen. "Ich persönlich starte lieber mit einem schwarzen Kaffee."

"Um den neuen Tag recht zu beginnen, sollten Sie sich an dem erfreuen, was Sie hier umgibt", riet der alte Mann sanft. "Es gibt nichts Beruhigenderes, als einen Sonnenaufgang in der Wüste zu beobachten. Umgeben von Erhabenheit und Stille. Empfinden Sie diesen Frieden nicht auch als sehr wohltuend?"

"Ganz ehrlich?" Bella schnitt eine kleine Grimasse. "Das Ganze hier treibt mich in den Wahnsinn!"

Instinktiv wollte sie ihr Handy hervorziehen und erinnerte sich erst verspätet daran, dass es zusammen mit allen anderen Dingen, die ihr den Kontakt zur Außenwelt ermöglicht hätten, konfisziert worden war. Entnervt starrte Bella zunächst auf ihre leere Handfläche, dann auf die ramponierten Fingernägel. Hätte sie jetzt die Wahl zwischen einem Kaffee und einer Maniküre gehabt, würde sie sich unbedingt für Letztere entscheiden.

"Leben Sie eigentlich immer hier?", fragte sie den alten Mann mit einem bezeichnenden Rundumblick.

"Nein, ich halte mich nur vorübergehend an diesem wunderschönen Ort auf. Sobald unser gemeinsamer Weg endet, ziehe ich weiter."

"Ich wäre schon nach einer Minute wieder verschwunden, wenn ich die Chance dazu bekommen hätte! Seit zwei Wochen bin ich jetzt hier, und für mich fühlt es sich an wie eine Ewigkeit."

Wie konnte ihr Vater nur so grausam sein und ihr das antun? Seinetwegen war sie von allem abgeschnitten, was ihr Leben ausgemacht hatte. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem sie nichts dringender brauchte als Trost und menschliche Nähe .

Die schockierende Entdeckung, die gerade erst zwei Wochen zurücklag, hatte sie zutiefst verstört. Bella fühlte sich wie benommen und emotional ausgelaugt. Die Person, die sie vor jenem katastrophalen Abend gewesen war, gab es nicht mehr. Ebenso wenig wie die naiven Kleinmädchenvorstellungen von Glück und Familie, die sie ein Leben lang genährt und bewahrt hatte.

Du hättest einfach nicht hinschauen dürfen, Bella, warf sie sich jetzt nachträglich vor. Doch es war zu spät. Sie hatte die Büchse der Pandora geöffnet, und jetzt zahlte sie den Preis dafür.

"Sie erlauben Ihren Emotionen, Sie in die Fänge zu nehmen, wie der Falke seine Beute ergreift", sagte Atif, der sie die ganze Zeit über mit der gleichen unbeirrbaren Ruhe und Gelassenheit betrachtet hatte, die er auch während ihrer gemeinsamen Sitzungen ausstrahlte. "Sie sind verärgert und trotzig, doch Ihr Vater hat Sie nur zu Ihrem Besten hierher geschickt."

"Er will mich bestrafen, weil ich ihn bloßgestellt habe", widersprach Bella, schlang die Arme schützend um ihren Oberkörper und fragte sich, wie man in brütender Hitze frösteln konnte. "Ich habe die Familie bloßgestellt und damit den Namen Balfour in Misskredit gebracht. Mal wieder!"

Doch was die skandalöse Entdeckung in ihr angerichtet hatte, dafür interessierte sich natürlich niemand! Dabei stand jedes winzige Detail des furchtbaren Ballabends immer noch lebendig vor ihrem inneren Auge. Wieder spürte Bella den dicken Kloß im Hals, der ihr schon seit zwei Wochen das Atmen schwer machte. Wenn sie nur wüsste, was ihre Schwester Olivia von all dem hielt . wie sie dachte und fühlte.

Sie hätte so gern wieder gutgemacht, was sie angerichtet hatte!

Ihr Benehmen war abscheulich und unverzeihlich gewesen, das wusste Bella. Doch sie hatte sich so unglaublich verletzt und betrogen gefühlt - regelrecht am Boden zerstört. Außerdem hatte Olivia sich auch nicht gerade zurückgehalten .

"Darf ich ganz kurz mein Handy haben, um eine SMS zu verschicken?" Plötzlich erschien es ihr extrem wichtig, ihrer Zwillingsschwester eine Nachricht zukommen zu lassen. "Oder darf ich wenigstens Ihren Computer benutzen? Seit zwei Wochen habe ich meine E-Mails nicht gelesen!"

"Das ist nicht möglich, Bella."

"Ich werde langsam verrückt, Atif! Tonnen von Sand und Totenstille sind eine furchtbare Kombination!" Mit einer verzweifelten Geste drehte sie sich im Kreis und wies anklagend auf die karge Landschaft, bis ihr Blick an einigen niedrigen weißen Gebäuden hängen blieb. Sie waren Bella schon kurz nach ihrer Ankunft aufgefallen. "Was ist mit diesen Stallungen da hinten? Kann ich nicht wenigstens einmal dorthin ausreiten? Nur für eine Stunde?"

"Sie gehören nicht zu unserer Oase der Einkehr. Die Ställe sind Privatbesitz."

"Was für ein seltsamer Platz, um Pferde zu halten", stellte Bella mehr für sich fest und betrachtete die Wachen am Eingang der Anlage. "Wenn ich also kein Pferd ausleihen darf, kann ich dann wenigstens meinen iPod haben? Mit Musik würde ich mich auf jeden Fall besser entspannen."

Atif lächelte sanft. "Silence is golden . sagt man das nicht so in Ihrer Sprache?"

"Hier ist alles irgendwie golden!" Das klang wie ein Vorwurf. Frustriert stieß Bella die nackten Zehen in den Wüstensand. Dann kam ihr plötzlich eine verwegene Idee.

Eine ungeheuerliche, wagemutige Idee!

"Diese Stadt, durch die wir auf dem Weg hierher gefahren sind . wie ist sie so?"

"Al-Rafid ist ein Scheichtum, das für sein außerordentlich reiches Kulturerbe berühmt ist", gab Atif bereitwillig Auskunft.

"Gibt es dort Öl?" Bella musste sich regelrecht zwingen, einen leichten Konversationston anzuschlagen, um sich nicht zu verraten. Sie konnte Atif schließlich nicht freiheraus nach dem fragen, was sie wirklich interessierte.

Zum Beispiel: Wie weit ist es von hier bis dorthin? Und: Gibt es dort eine High-Speed-Internetverbindung?

"Sogar riesige Ölvorkommen", klärte Atif sie auf. "Der regierende Scheich gilt als kluger, wenn nicht gerissener Geschäftsmann. Er hat die einst verschlafene, altertümliche Wüstensiedlung in ein internationales Handelszentrum verwandelt. Die Bauwerke entlang der Küste sind ebenso modern und spektakulär wie in Manhattan oder Canary Wharf. Nur ein paar Straßen weiter gelangt man in die Altstadt, die gespickt ist mit wundervollen Beispielen persischer Architektur. Der Al-Rafid-Palast ist das beeindruckendste unter den antiken Bauwerken. Er ist allerdings nur selten für den Publikumsverkehr geöffnet, da der Scheich und seine Familie ihn meistens selbst als Wohnsitz nutzen."

Bella seufzte theatralisch. "Der Glückliche! Er darf wenigstens in der Stadt leben! Wahrscheinlich hasst er die Wüste genauso wie ich."

"Im Gegenteil. Scheich Zafid liebt die Wüste sehr. Gleichzeitig ist er ein hochgebildeter, ernsthafter und entschlossener Mann, dem es gelungen ist, in diesem traditionellen Scheichtum, speziell im wirtschaftlichen Bereich, einen westlichen Führungsstil zu etablieren. Doch seine Wurzeln hat er nicht vergessen. Eine Woche im Jahr erlaubt er sich eine Auszeit in der Wüste. Er ist ein mächtiger Herrscher. Manche bezeichnen ihn als hart und skrupellos. Aber er ist auch ein Mann, der sich seiner großen Verantwortung und seiner Würde sehr bewusst ist."

Würde!

Das war das letzte Wort gewesen, das sie von ihrem Vater zu hören bekam, bevor er sie in die Verbannung geschickt hatte! Unbehaglich trat Bella von einem Fuß auf den anderen.

"Dieser Scheich . wahrscheinlich ist er mit acht Frauen verheiratet und hat hundert Kinder?", fragte sie, um das vage Schuldgefühl zu verdrängen, das sich in ihr meldete.

"Seine Hoheit hat noch keine Gemahlin auserwählt", informierte Atif sie steif. "Sein Familienhintergrund ist ziemlich kompliziert."

Bella lachte hohl. "Ich wette, nicht halb so chaotisch wie meiner!"

Der alte Mann neigte leicht den Kopf. "Seine Mutter war eine Prinzessin, die von allen sehr verehrt wurde. Unglücklicherweise starb sie, als er noch im Säuglingsalter war."

Plötzlich hatte Bella das Gefühl, unversehens einen Fausthieb in den Magen zu...

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