Seewölfe - Piraten der Weltmeere 614

Der Tod kommt vor dem Morgengrauen
 
 
Pabel eBooks (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. April 2020
  • |
  • 115 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96688-028-2 (ISBN)
 
Al Conroy, der Stückmeister der Arwenacks, kam zur Sache. Lange genug war der Verband der Pilgrims von der Rabauken-Karavelle beschattet worden. Jetzt hatten die Kerle die Masken fallen lassen und die 'Pilgrim' angegriffen. Da gab der Seewolf den ersehnten Feuerbefehl, und der Stückmeister ließ die Culverinen sprechen. Ein mächtiges Donnerwetter brach über die Rabauken herein. Der erste Schuß kappte den Papageienstock der Karavelle und ließ das Besansegel fliegen, weil die Schot gebrochen war. Ein Hagelgeschoß mit gehacktem Blei zerfetzte das Großsegel, eine Kettenkugel brachte gleich darauf den Großmast zu Fall. Ein Schuß in die Bordwand lag zu hoch, aber der andere saß in der Wasserlinie, genau dort, wo ihn Al Conroy hatte haben wollen. Gurgelnd ergoß sich die See in das gezackte Loch...
  • Deutsch
  • 0,51 MB
978-3-96688-028-2 (9783966880282)

2.


Die See lag so spiegelglatt, daß sich selbst erfahrene Seeleute kaum erinnern konnten, in diesen Breiten jemals eine so lange währende Flaute erlebt zu haben. Es war, als hätte sich alles gegen die Pilger verschworen, als sollten sie nie die Neue Welt erreichen, die manche von ihnen schon für das Gelobte Land hielten.

Gegen Mittag, als die Sonne ihren höchsten Stand erreichte, geisterten vereinzelte Lichtfinger vorab durch den Dunst und ließen die See in goldenem Schein erstrahlen. Delphine tauchten an Steuerbord auf, Sie schwammen nahe an das Schiff heran, doch als ein erster Musketenschuß krachte, tauchten sie jäh weg. Nur der Schatten des getroffenen Tieres verharrte dicht unter der Oberfläche. Um ihn herum färbte sich die See.

"Timothy, du verdammter Idiot!" brüllte der Bootsmann. "Mußt du das Unheil herausfordern?"

"Ich habe Hunger", erwiderte der Rudergänger, der geschossen hatte, gereizt. "Etwas anderes interessiert mich nicht, schon gar nicht ein dämlicher Aberglaube."

In fliegender Hast lud er die Muskete nach. Ein Decksmann rannte mit einem Bogen heran und knotete eine dünne Leine um den gefiederten Schaft des Pfeiles.

Der Delphin ließ einen kläglichen Pfeifton vernehmen, als die Muskete erneut auf ihn abgefeuert wurde. Er sackte einfach weg. Gleichzeitig bohrte sich der Pfeil neben seiner Rückenflosse in die glänzende Haut.

"Wir haben ihn!" Timothy lachte, als wolle er den anderen beweisen, daß ihm nichts geschehen könnte. Das Tier bedeutete eine beachtliche Abwechslung auf dem kargen Speiseplan, bei dem Schmalhans Kombüsenmeister war.

Zwei oder drei Mannen bekreuzigten sich. Für sie blieb es Frevel, Delphine zu jagen, mochten die Umstände noch so widrig sein.

Die Leine rauschte ab, bis der Bogenschütze zupackte und sie mit mehreren Schlägen an einer Klampe belegte.

Die ersten Gaffer, von den Schüssen aus ihrer Lethargie aufgeschreckte Pilger, versammelten sich auf dem Backsdeck. Alle sahen, daß der Delphin gegen den Pfeil in seinem Rücken ankämpfte, aber die eisernen Widerhaken ließen ihm keine Chance. Seine Bewegungen, wurden schwächer, er blutete stark und schien nicht mehr die Kraft zum Abtauchen zu haben.

Zwei Kerle brachten Bootshaken. Doch bevor sie das verwundete Tier näher heranziehen konnten, schnappte einer der anderen Delphine keckernd nach der Leine. Sie faserte auf und riß.

Kapitän James Drinkwater hatte schweigend das Geschehen verfolgt. Auch ihm war nicht wohl in seiner Haut, aber angesichts der davonziehenden Beute übernahm er das Kommando. Ein Beiboot wurde abgefiert.

Sechs Mannen enterten ab und pullten, als gelte es ihr Leben. Vom Backsdeck aus wurden weitere Musketenschüsse abgefeuert, um die Delphine auseinanderzutreiben, die das verwundete Tier schützend eingekreist hatten.

Die Jolle holte auf und folgte der dünnen, aber deutlich zu erkennenden Blutspur. Breitbeinig richtete sich Timothy im Bug auf, stützte seine Muskete auf den Gabelstock und legte abermals auf das verwundete Tier an.

Bevor er feuern konnte, huschte ein mächtiger Schatten auf die Jolle zu, stieg unmittelbar neben ihm hoch und schmetterte die Schwanzflosse gegen das Dollbord. Eine Unmenge Wasser kam über, während der Delphin bäuchlings aufschlug und pfeilschnell hinter dem Boot in die Tiefe glitt. Timothy verlor den Halt und flog zusammen mit seiner Waffe außenbords. Vergeblich suchte er nach einem Halt.

Sein Aufschrei erstickte, als ihm ein weiteres Tier aus dem Schwarm die Schnauze in den Leib stieß. Jeder Seemann kannte die Geschichte von Delphinen, die Schiffbrüchige an Land geschleppt oder sie zumindest so lange über Wasser gehalten hatten, bis Rettung nahte. Aber hier hatten die Tiere begriffen, daß die Menschen auf dem Schiff Feinde waren, und sie verteidigten sich auf ihre Weise.

Wieder wurde die Jolle schwer erschüttert. Zwei Riemen splitterten unter der Wucht des Aufpralls. Die Rudergasten waren zum Ösen gezwungen, wollten sie nicht bei der nächsten Attacke absaufen.

Völlig unerwartet erklang der mehrstimmige Aufschrei von Bord der Galeone: "Haie!"

Zwei Dreiecksflossen waren aus dem Nebel aufgetaucht und näherten sich. Die Meeresräuber hatten wohl das Blut gerochen oder waren von den ungewöhnlichen Geräuschen angelockt worden. Noch hielt die Nähe der Delphine sie vor einem Angriff zurück, aber wie auf ein geheimes Kommando hin zog der Schwarm davon.

Weitere Schüsse fielen von der Back aus. Die schweren Kugeln rissen kleine Fontänen aus der See hoch, doch den Haien konnten sie nicht gefährlich werden.

Trotz seiner Benommenheit, die ihm nahezu die Orientierung raubte, begriff Timothy die Gefahr, in der er schwebte. Der Delphin hatte ihn empfindlich getroffen, und vor seinen Augen verschwamm die Jolle immer wieder hinter blutigen Schleiern.

Etwas streifte seine Schulter und klatschte ins Wasser. Instinktiv griff er zu, kriegte die Leine tatsächlich zu fassen und spürte, daß er eingeholt wurde.

Eine Salve von Schüssen dröhnte auf und vermischte sich mit gellenden Schreien. Schon im nächsten Moment wurde ihm die Luft knapp, eine unwiderstehliche Last drückte ihn unter die Oberfläche. In seinem Kopf dröhnte das Blut. Die Leine fest umklammert, begann er um sich zu schlagen, nur von dem Wunsch beseelt, wieder aufzutauchen.

Ein jäher, stechender Schmerz zuckte durch seine Beine. Nicht so schlimm, daß er davon das Bewußtsein verloren hätte - doch einen Herzschlag später stellte er fest, daß ihm beide Beine nicht mehr gehorchten. Sie waren schlicht und einfach nicht mehr vorhanden.

Von Entsetzen erfüllt, sah er einen mächtigen, grauen Schemen auf sich zuschießen.

Die Rudergasten bemerkten die Unheil verheißende dreieckige Rückenflosse, unmittelbar bevor sie abtauchte. Als säße ihnen der Satan selbst im Nacken, holten sie die Leine ein. Von der Back aus wurde fast ununterbrochen geschossen. Die winzigen Wasserfontänen lagen nur mehr wenige Handbreiten hinter der Jolle.

Zwei Mannen konnten die Hand des Ertrinkenden fassen, sie brauchten ihn nur noch übers Dollbord zu hieven, doch in dem jäh aufschäumenden Wasser wurde er ihnen mit ungestümer Gewalt entrissen. Ein riesiger Schatten, gut fünf Yards messend, zog unter dem Boot hindurch. Ein Schwall von Luftblasen kennzeichnete seinen Weg. Dann färbte sich die See rot.

"Pullt, Kerls! Pullt, daß die Riemen brechen!"

Der Befehl des Kapitäns war überflüssig. Die fünf Mannen wußten auch so, was ihnen bevorstand. Eine halbe Kabellänge trennte sie von der "Pilgrim".

Sie legten sich ins Zeug, daß ihnen die Adern schwollen und die Riemen in den Rundsein krachten. Doch viel schneller als die Galeone glitten die beiden Haie näher. Die Räuber hatten Blut geschmeckt.

Eins der Ungetüme schoß neben der Jolle hoch. Sein messerscharfes Gebiß zerhackte ein Riemenblatt. Nur der ausgefranste Schaft blieb übrig.

Auf der Back der Galeone herrschte Wuhling. Unablässig feuerten drei Offiziere auf die angreifenden Haie, während die Mannschaften alle Hände voll zu tun hatten, die Musketen neu zu laden. Es blieb nicht aus, daß einige Kugeln die Planken der Jolle durchlöcherten.

Das Boot rammte mit Wucht die Steuerbordseite der "Pilgrim". Drei weitere Riemen splitterten. Aber darauf achtete niemand. Peekhaken hielten die Jolle fest. Lange Leinen wurden über das Schanzkleid geworfen und vertäut. Zitternd vor Furcht, das Entsetzen im Nacken, enterten die Rudergasten nacheinander auf.

Die Haie näherten sich dem großen Schiff nicht weiter als bis auf fünf oder sechs Yards. Womöglich hatten sie Respekt vor den Musketenkugeln. Bis sie endlich abzogen, verging noch eine geraume Weile.

Kanonendonner rollte heran, als die Musketen endlich verstummten. Zwei weitere Schüsse folgten in kürzeren Abständen.

"Das ist die 'Explorer'", meinte Kapitän James Drinkwater. "Wenn der Nebel den Klang nicht ablenkt, liegt sie achteraus."

Er gab den Befehl, das Signal zu beantworten, ließ zwei Drehbassen laden und abfeuern.

Kurz darauf dröhnte ein einzelner Schuß durch den Nebel. Anschließend trat wieder Stille ein. Wenigstens wußte man jetzt, daß die "Explorer" nur wenige Seemeilen entfernt auf ein Auffrischen des Windes wartete. Solange die miserablen Wetterverhältnisse andauerten, bedeuteten aber schon tausend Yards eine schier unüberwindbare Distanz.

Das Beiboot wurde wieder an Bord gehievt. Um die Schäden zu beheben, war genügend Zeit.

Den Tod des Rudergasten mitansehen zu müssen,...

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