Du und der Rest von mir

 
 
epubli (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. April 2021
  • |
  • 100 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7541-0989-2 (ISBN)
 
Alles beginnt mit einer zerstörten Freundschaft und endet mit einem erheblichen Geheimnis.
Heather Winters steht immer im Schatten ihres Vaters, bis ihr eines Tages ein fremder Mann über den Weg läuft, der ihre Sichtweise ändert. Sie konfrontiert sich mit ihrer Vergangenheit. Als sie es endlich geschafft hat, stellt sich ihr ein neues Hindernis in den Weg. Elian Johnson. Ein vermeidlich arroganter und eiskalter Geschäftsmann. Doch schnell spürt Heather eine unerklärliche Verbindung zu ihm, die sie überschnell eine Entscheidung treffen lässt. Wochen vergehen und plötzlich erfährt Heather das schwere Geheimnis von Elian. Oder heißt er gar nicht so? Ist er nicht der Mann, für den er sich ausgibt? Und wird Heather ihre zerstörte Freundschaft wieder aufbauen können und den Menschen zurück in ihrem Leben wissen, der sie in- und auswendig kennt?
1. Auflage
  • Deutsch
  • 4,10 MB
978-3-7541-0989-2 (9783754109892)
Seit dem Jahre 2015 schreibt Moon schon auf der online Plattform Wattpad. Im Jahre 2019 ist die deutsche Plattform Belletristica dazu gekommen. Für ihre erste Novelle "Für ihn gefallen", historisch, gewann sie 2019 den Watty Award. "Die Wattys sind der größte Online-Schreibwettbewerb auf der ganzen Welt." (https://de.wikipedia.org/wiki/Wattpad) Im Jahre 2020 veröffentlichte sie zwei ihrer Romane. Sie selbst legt sich auf kein Genre fest. Ihr ist es wichtig, über Themen zu schreiben, mit denen sie sich selbst auseinandersetzen kann und durch ihr Umfeld genug Input hat, um bestimmte Gefühle oder Wendungen in ihren Büchern zu beschreiben. Moon setzt sich aktiv für die LGBTQ+ Community ein und möchte mit ihren Werken verdeutlichen, dass auch diese Geschichten das Recht haben, gehört zu werden.

Kapitel 1


Sieben Jahre später

Aus einem Büro im Flur höre ich laute Stimmen, eine hitzige Diskussion. Ich überspiele meine Neugier und arbeite weiter. Putzen. Putzen. Und noch mal Putzen. Welch eine Blamage. Mein Vater liebt es mich bloßzustellen. Wenn er eine Chance dazu findet, nutzt er sie. Solange, wie er das noch kann. Er hat eine schwere Krankheit, ist allein und trotzdem noch zu stolz um unsere Hilfe anzunehmen. Nach seinem Tod wird meine Mutter die Geschäftsleitung übernehmen. Was aus meinem Leben wird weiß ich noch nicht. Eigentlich möchte ich fotografieren. Meine Kamera ist mein ständiger Begleiter. Es ist mein Ausgleich, die eine Sache, die ich gern mache und bei der ich weiß, dass sie zu mir passt.  Trostlos blicke ich hinaus in das eingeschneite New York. Die Weihnachtszeit. Ich hasse sie. Alles daran. Hinter mir höre ich eine dunkle Stimme fluchen. Verwirrt drehe ich mich um, blicke in hellgrüne Augen, die hinter einer dunkelbrauen Brille versteckt sind. Im Flur steht ein bildschöner junger Mann mit kurzen blonden Haaren, einer sportlichen Statur, gekleidet mit einem braunen Anzug. Er fängt meinen Blick ein, steckt sein Handy weg, schenkt mir seine Aufmerksamkeit. Beschämt streife ich mir eine lockige braune Haarsträhne aus dem verschwitzten Gesicht, widme mich wieder meinem Wischmopp.

"Da sind Sie ja!"

Eine weibliche Stimme. Unauffällig sehe ich zu der blondhaarigen Frau, die den Mann breit anstrahlt. Ich denke, dass er mit ihr gehen wird, doch ihn scheint das Gespräch nicht zu interessieren, denn sein Blick liegt noch immer auf mir. Er macht mich nervös.

"Würden Sie mitkommen?", fragt die Frau.

Er sieht zu ihr, schenkt ihr ein charmantes Lächeln.

"Nein. Nachher vielleicht."

Ihr Gesichtsausdruck ist amüsierend, ich muss schmunzelnd. Der junge Mann bemerkt es, kommt auf mich zu.

"Sie arbeiten öfter hier, richtig?"

Ich nicke kaum sichtbar.

"Waren Sie schon in Ihrer Mittagspause?"

Verwirrt schaue ich ihn an. Seine Kollegin wirkt genauso verwirrt.

"Nein, wieso?"

Er zuckt mit den Schultern.

"Ich dachte, vielleicht möchten Sie mich begleiten."

Was? Wieso ausgerechnet ich? Warum nicht sie?

"Oder haben Sie etwas anderes vor?"

Ich schüttle den Kopf. Er schenkt mir ein warmes Lächeln.

"Dann sehe ich Sie am Eingang? In fünf Minuten?"

"Ja.", flüsterte ich, sehe ihm hinterher, bis er verschwindet. Neben mich tritt Scarlett, meine Kollegin. Sie verfolgt meinen erstarrten Blick, richtet sich ihren Zopf.

"Was ist denn in dich gefahren?"

"Ich glaube mich hat gerade ein fremder Mann nach einem indirekten Date gefragt.", nuschle ich.

Scarlett reißt den Mund auf.

"Was machst du dann noch hier? Los! Verschwinde!"

Sie drückt mich Richtung Ausgang.

"Schon gut, ich gehe ja."

   Schnell betrete ich unseren kleinen Pausenraum, ziehe meinen Wintermantel über und tupfe mein Gesicht mit Wasser ab, bis ich halbwegs akzeptabel aussehe. Bevor ich hinausgehe, fliegt mein Blick auf mich selbst, im Spiegel. Und ich hoffe, dass sich das Bild bald verändert wird. Die Trostlosigkeit soll vergehen.

   Nervös laufe ich zum Ausgang. Tatsächlich steht er dort und wartet. Als er mich entdeckt, legt sich ein Lächeln auf seine Lippen, was ich schüchtern erwidere.

   Gemeinsam laufen wir durch die Straßen New Yorks. Überraschenderweise fühlt es sich nicht unangenehm an, ihn bei mir zu haben. Im Gegenteil. Ich beruhige mich mit der Zeit und fühle mich entspannt. Mein Kopf schreit mich nicht an. Es scheint nicht falsch zu sein, dem fremdem Mann zu folgen. Zu meinem Erstaunen ist er sogar recht gesprächig. Er zeigt auf unterschiedliche Gebäude, erzählt mir Geschichten über sie. Und plötzlich sieht das trostlose Bild vor mir nicht mehr so schwarzweiß aus, sondern farbig. Er scheint in jeder Nische, in jedem Eck eine Farbe zu finden, eine Kleinigkeit, die dem Ort leben gibt. Fasziniert sehe ich mich um.

"Es ist erstaunlich, was wir in flüchtigen Momenten alles übersehen nicht wahr?"

Ich nicke.

"Wollen Sie eine Kleinigkeit essen?", fragt er mich.

Überrascht sehe ich ihn an. Eine fürsorgliche Frage.

"Gerne."

Ein kleines Lächeln huscht über seine Lippen.

"Was möchten Sie?"

Er zeigt in die kleine Bäckerei.

"Ich würde einen Donut nehmen."

Sein Lächeln wird größer.

"Okay, dann besorge ich einen Donut für Sie."

Der junge Mann betritt den Laden. Ich habe ihm mein Portemonnaie entgegengestreckt, doch das hat er nicht mitgenommen. Während ich warte, sehe mich um. Der Wind pfeift mir leicht um die Ohren. Heute ist es recht kalt. Vielleicht wird es heute sogar schneien. Meine Gedanken wollen abschweifen, damals, vor sieben Jahren, als ich Weihnachten noch gefeiert habe, mit meiner besten Freundin, meinem kleinen Bruder. Es schmerzt, daran will ich mich nicht erinnern.

"Hier, ich habe Ihnen auch noch einen Kakao besorgt."

Leicht erschrocken sehe ich ihn an. Er ist nett, sehr sogar. Lächelnd bedanke ich mich bei ihm.

"Wie viel macht das?", frage ich, doch er winkt ab.

"Nicht der Rede wert."

Ich kneife die Augen zusammen. Wir tauschen einen Blick aus, laufen wieder los. Wir gehen auf einen Park zu.

"Hören Sie, ich möchte nicht, dass Sie denken, dass Sie mir am Ende des Tages etwas schuldig sind. Ich weiß nicht, ob Sie es mitbekommen haben, aber das Meeting, in dem ich eben war, verlief äußerst bescheiden. Und bevor ich jetzt nach Hause gefahren wäre, um sonst etwas anzustellen, hat es sich wie vom Schicksal gewollt angefühlt, als ich Sie gesehen habe. Und ich muss zugeben, Ihre Gegenwart beruhigt mich, obwohl ich Sie nicht einmal kenne."

Seine Worte erfreuen mich. Denn mir geht es genauso. Er ist mir fremd, aber seine Gegenwart stört mich nicht.

"Alles gut, ich denke nicht, dass ich Ihnen etwas schuldig bin. Ist schon in Ordnung. Und ja, ich habe das Meeting mitbekommen. Es war nicht gerade leise."

Lächelnd nickt er.

"Darf ich fragen, wie Sie heißen?"

Schon werde ich skeptisch. Menschen, sie wollen meistens nichts gutes. Also spiele ich ein Spiel mit ihm, wir werden uns sowieso nie wiedersehen, vielleicht nur flüchtig auf dem Flur.

"Cheyenne.", lüge ich. "Und Sie?" 

Wir sehen einander an.

"Jason."

Ich bin mir sicher, dass das gelogen ist, was mich amüsiert.

   Mittlerweile sind wir im Park angekommen. Jason und ich entscheiden uns dafür, auf einer Bank Platz zu nehmen. Stillschweigend sitze ich neben ihm, reibe mit meinem Finger über den Kakaobecher.

"Darf ich fragen, ob Sie andere Pläne hatten, als sie hierhergekommen sind?"

"Ja, das hatte ich. Eigentlich wollte ich Fotografin werden."

Kurz und schmerzlos. Die Wahrheit. Jason wendet seinen Körper mir zu.

"Was hält Sie auf?"

Verdutzt blinzle ich schnell. Was hält mich auf? Keine Ahnung. Die Angst mich meiner Mutter zu stellen? Sie damit zu konfrontieren, dass sie sich endlich durchsetzen soll? Ich zucke mit den Schultern.

"Meine Vernunft, denke ich."

Lächelnd beobachtet er mich.

"Und Sie? Als was arbeiten Sie?"

"Ich arbeite im Marketingbereich."

"Das machen Sie gern?"

Jetzt zuckt er die Schultern.

"Ich denke, meine Vernunft hält mich zurück."

Für einen kurzen Moment muss ich lachen. Sein Humor gefällt mir.

"Gefällt Ihnen New York?"

"Ja, es ist genauso, wie ich es mir vorgestellt habe."

Er legt seinen Kopf etwas schief.

"Laut, dreckig und trostlos?"

Wieder muss ich lachen. Er ebenfalls.

"Nein, Spaß beiseite. Ich weiß, was Sie meinen."

Und dann herrscht eine angenehme Stille zwischen uns, in der wir beide umher sehen, nichts sagen, doch irgendwie das Gleiche denken. Erst als sein Handy klingelt, weiß ich, dass seine Bekanntschaft nun endet. Jason erhebt sich, sieht zu mir hinunter.

"Ich muss wieder zurück. Es hat mich sehr gefreut. Haben Sie einen angenehmen Nachmittag und vergessen Sie die Vernunft. Ich bin mir sicher, dass es sich lohnen würde, etwas zu riskieren."

Seine Worte vergesse ich nicht, das weiß ich.

"Es war mir eine Freude, Jason."

Seinen angeblichen Namen betone ich extra stark. Er lächelt.

"Wiedersehen, Cheyenne."

So behalte ich den Fremden in Erinnerung. Mit einem kecken Lächeln auf den Lippen, einem lockeren Gang und einer poetischen Ader. Von ihm erzähle ich niemanden. Denn es gibt keinen Menschen, der verstehen würde, wie ich mich gerade gefühlt habe, bei ihm. Sorgenfrei. Es war nicht wichtig, was ich gesagt habe, er hätte es mir nicht vorgehalten. Ich scheine allein zu sein, in dieser riesigen Stadt, mit Millionen anderen Menschen. Doch diese Bekanntschaft heute hat mir die Augen geöffnet. Um die Farben zu erkennen, mir mein eigenes Bild zu malen.

   Ich öffne die Haustür, stürme hinein. Meine Mutter sitzt im Wohnzimmer auf dem Sofa, ließt sich ein Magazin durch. Sie war schon wieder beim Friseur. Ihr kurzes Haar trägt nur die Farbe rosegold. Es dauert nicht lange, da entdeckt sie mich, schaut auf. Ihre eisblauen Augen starren mich fragend an.

"Ich muss mit dir sprechen."

Sie legt ihr Magazin nieder.

"Okay, ich höre zu."

Ich atme laut aus.

"Du musst dich endlich Vater stellen. Er kann die Firma nicht mehr leiten. Und ich habe keine Lust mehr, seinen Frust auszubaden, weil du...

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