Verloren im Pazifik

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Mai 2020
  • |
  • 386 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-3324-7 (ISBN)
 
Das Leben schreibt manchmal Geschichten, die sind so absurd, dass sie sich kein Roman-Autor in der Art von Verrücktheit selber ausdenken kann. Zum Beispiel die Story des Berliner Arztes Dr. Friedrich Ritter, der mitten in der Weltwirtschaftskrise auf die "glorreiche Idee" kommt, auf eine einsame Insel im Pazifik auszuwandern, um dort den Weg zur Weisheit in Abgeschiedenheit und Askese zu beschreiten. Natürlich nicht zusammen mit seiner Ehefrau, sondern mit seiner leicht behinderten Geliebten! Dumm nur, wenn man nach Ankunft feststellt, dass die Insel eher ungeeignet zur Besiedlung ist. Man war ja nie zuvor dort gewesen. Wie hätte man es wissen können? Pech auch, wenn plötzlich andere Landsleute die gleiche wahnsinnige Idee mit der Auswanderung hatten und die knappen Resourcen des Eilandes zu schwinden beginnen. Blöd war für Dr. Ritter und seine Freundin zudem, dass eines ihrer stählernen Gebisse im mit Haien verseuchten Meer verloren ging. Aus Angst vor Infektionen wanderten sie nämlich zahnlos aus und mussten sich nun das übrig gebliebene Gebiss teilen. Die Sache endete - wie man sich denken kann - natürlich ohne "Happy End". Am Schluß waren sie "verloren im Pazifik"; es gab Mord und Totschlag. Ein echter Krimi! Nur leider nicht erfunden, sondern wahr! Einer überlebte immerhin...
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,44 MB
978-3-7519-3324-7 (9783751933247)

Ein inhaltsreiches Leben beginnt


Während Dore packte, dachte sie oft an die kommende Zeit. Wäre erst das neue Heim auf Floreana geschaffen, was gäbe es dann noch zu tun, um die Langeweile zu vertreiben? Sie war sich auf einmal nicht mehr ganz so sicher, ob sie an einem Platz ohne jegliche Abwechslung glücklich sein könnte. Rückwirkend betrachtet schüttelte Dore aber über diese blauäugigen Gedanken nur noch den Kopf, denn vor lauter Arbeit und ungebetenen Besuchern blieb den Auswanderern keinerlei Zeit für Müßiggang. Dass Friedrich und sie - wie es außerdem passierte - das Interesse der Welt weckten, konnte natürlich ebenfalls keiner der Beiden voraussehen. "Kaum hatten wir einen Fuß auf unsere Insel gesetzt, wurde sie die Bühne für ein Drama, so bizarr und phantastisch wie es sich niemand ausdenken konnte, mit uns als Hauptdarstellern", resümierte Dore die Ereignisse später ziemlich trefflich. Natürlich ahnte sie, dass die Berliner Boulevardpresse jede Abweichung vom Konventionellen sensationsgierig ausschlachten würde. Darum, und weil sie es Doktor Koerwin versprochen hatte, vermied sie jedes Aufsehen und wickelte alles im Geheimen ab. Ihr schwante jedoch nicht, dass Friedrichs Briefe sowie andere private Informationen nur allzu schnell den Weg in die Redaktionen finden würden.


Zielort der Auswanderung sollte der Galapagos-Archipel sein. Obwohl es aus Dr. Ritters hinterlassenen Briefen nicht hervorgeht, bezeichnet Dore in ihren Erinnerungen William Bebee's Buch "Galapagos - Ende der Welt" als den Ausschlag gebenden Faktor bei der Entscheidung. Sie hielt dieses Buch für "ausgezeichnet" und "verdientermaßen berühmt", was aus heutiger Sicht, nachdem unendliche Massen an qualitativ besserer Galapagos-Literatur verlegt wurden, nicht nachvollziehbar ist. Das Etikett "Ende der Welt" hatte es den beiden Emigranten wohl vor allem angetan. Denn sie wollten ja genau dorthin, an das Ende der Welt, und auch alle anderen von ihren definierten Anforderungen an ein Paradies der Einsamkeit schienen zu passen. Die Inseln mussten tropisch sein, denn Kälte und nördliches Klima mit bedecktem Himmel passte nach ihrem Gefühl nicht zu einem inspirierenden Leben in freier Natur. In ihrem Paradies sollte die Sonne scheinen, damit ihre Gemüter erleuchtet würden. Zudem wollten sie ihre begrenzten Kräfte nicht im mühsamen Kampf gegen Kälte und Nässe verschwenden, sondern diese ausschließlich für ihr Ziel der Bewusstseinserweiterung einsetzen. Und außerdem musste die Insel pflanzliche Nahrung anbieten, denn ihr Vegetarismus war ihnen heilig. Es graute ihnen davor, in das Töten von Tieren zur Nahrungsbeschaffung verwickelt zu werden. Dabei suchten sie erst gar nicht wie so viele Andere nach vermeintlichen "Inseln der Glückseligkeit", in denen Milch und Honig fließen. Südsee-Eilande wie Samoa oder Tahiti schlossen sie von vorneherein für ihre Pläne aus. Ihr Konzept beinhaltete es, sich durch mühselige Arbeit und ohne Ablenkungen fernab der Zivilisation auf den Weg zur Selbsterkenntnis zu begeben. Milch und Honig, die von alleine flossen, konnten ihr geistiges Potential demnach also nicht erhöhen. Stattdessen suchten Friedrich und Dore nach Wasser und Brot. Nichts sollte ihnen auf einem Silbertablett serviert werden; sie bevorzugten die "harte Tour"! Stundenlang stöberten sie in der Berliner Staatsbibliothek, um an Informationen zu gelangen. Galapagos, so erfuhren sie, wurde niemals von Eingeborenen besiedelt. Die Inseln hatten immer nur kurzzeitig Besucher empfangen, die sie alsbald wieder verließen. Diese "verzauberten Inseln" erwiesen sich als zu ungastlich und abweisend. Da lag es klar auf der Hand dorthin zu gehen. Weil die Insel Floreana angeblich unbewohnt wäre, aber über Süßwasser verfügen würde, entschloss sich das Paar genau hier zu siedeln. Die geschockten Verwandten hielten diese Emigration für den perfekten Irrsinn, konnten die Auswanderer jedoch nicht davon abbringen.


Später, während die Deutschen schon auf Floreana weilten, entpuppten sich die getroffenen Vorbereitungen der Auswanderung leider als nicht ausreichend bzw. ziemlich chaotisch. Wichtige Ausrüstungsgegenstände waren vergessen worden. "Nachdem wir Floreana erreicht hatten, entdeckten wir, wie tief wir durch unsere Tollkühnheit nun in der Patsche saßen. Aber es war nicht mehr zu ändern. Wir konnten uns nur noch darauf verlassen, von vorbeifahrenden Schiffen dringend fehlendes Equipment zu erhalten", erinnerte sich Dore. Ihr hing schon immer das Etikett an, eine schlechte Hausfrau zu sein, aber auf Floreana ärgerte sie sich, dass sie nur Besteck für eine Person in ihrem Gepäck vorfand. Dabei reisten sie zu zweit und bei eventuellem Besuch waren somit Probleme vorprogrammiert. Doktor Ritters Vorgehensweise erwies sich hingegen als wesentlich praktischer: Er zimmerte zwei Transportkisten so geschickt zusammen, dass sie später als Tisch Verwendung fanden. Drei andere hölzerne Kästen wurden als Geschirrschrank genutzt. Alle zerbrechlichen Gebrauchsgüter packte er in zwei günstig erworbene große Zinkbadewannen. Das teuerste Investment in die Ausrüstung bildeten diverse nicht rostende Metallgegenstände. Neben dem erwähnten Besteck handelte es sich um Geschirr und zwei große Milchkannen, mit denen sie ihr Essen gegen Angriffe von Ameisen schützten. Einige der Teller glänzten sehr stark. So konnten sie obendrein als Spiegel fungieren. Im Gepäck befand sich auch eine komplette Zimmermanns-Ausrüstung für Doktor Ritter, denn er war weit und breit der einzige Akademiker, den Dore kannte, der ebenfalls in allen Handwerken erhebliches Talent besaß. Ein Alleskönner eben! Ohne diese Fähigkeiten wäre eine Auswanderung von vorne herein zwecklos gewesen; darum vergötterte Dore diesen genialen Mann nur noch umso mehr. Selbstverständlich führten die Vegetarier unter anderem auch Gerätschaften mit, um eine Feldwirtschaft zu beginnen: Hacken, Schaufeln und Samen aller Art. Während Dore zwar an Matratzen und Bettzeug gedacht hatte, fehlte ihr ein Kissen für Friedrich. Man musste sich die Haare darüber raufen, wie unorganisiert diese Frau sein konnte! Den Doktor begleiteten auf seiner Reise natürlich medizinische Instrumente und Medikamente. Aber ausgerechnet auf die Mitnahme von Morphium verzichtete er. Ritter wollte Schmerzen mit der Kraft des Willens bekämpfen. Der Geist musste über den Körper siegen! Das sollte sich jedoch bitter rächen.


Bezüglich der heute in fast allen Medien verbreiteten "Gruselstory", Dore und Friedrich hätten sich zu Beginn der Reise aus Furcht vor Zahnschmerzen alle Zähne ziehen lassen und anschließend gemeinsam ein Gebiss benutzt, soll Dore an dieser Stelle einmal selbst zu Wort kommen. In "Satan came to Eden" heißt es dazu: "Es wurde oft gesagt, uns seien in Vorbereitung auf unsere Abreise alle Zähne gezogen worden. Das ist nicht der Fall. Wahr ist, dass sich Doktor Ritter alle Zähne hatte herausnehmen lassen. Doch das ereignete sich schon einige Monate bevor wir aufbrachen und zudem aus einem ganz anderen Grund: Er folgte seit Jahren beim Essen einer Systematik, die einen intensiven Kauvorgang erforderte. Im Ergebnis waren seine Zähne zu Stümpfen geworden und sie hätten überkront werden müssen, wenn sie noch von weiterem Nutzen sein sollten. So zog er es vor, auf sie zu verzichten. Insbesondere deswegen, weil er aus wissenschaftlichem Interesse heraus finden wollte, ob die Gaumen ohne den Vorgang des Kauens eine stärkere Geschmacksempfindung aufwiesen. Meine eigenen Zähne benötigten regelmäßige Besuche beim Zahnarzt. Auf Floreana bereiteten sie mir sehr bald Probleme, und bei der Gelegenheit bemerkten wir mit Sorge: Friedrich hatte völlig vergessen dentistische Instrumente mitzunehmen. Ich musste deshalb unter den primitivsten und schmerzhaftesten Bedingungen Zahnbehandlungen erleiden." Das Gebiss existierte also tatsächlich, aber da Dore noch über eigene Zähne verfügte, haben sie es nie geteilt. Friedrich selbst benutzte es nur bei Besuch.


Für die Reise nahm das Paar nur seine älteste Kleidung mit. Den Rest verschenkte es. Weil Dore in den Sinn kam, in den Tropen eventuell kühlende Kleidung zu benötigen, steckte sie zusätzlich noch einige preiswerte Kleider aus Kunstseide ein. Sie hoffte, diese wären bei Hitze angenehm zu tragen. Aber die Rechnung ging nicht auf, denn offensichtlich hatten sämtliche Kakerlaken von Floreana schon länger kein Festmahl mehr gehabt. Das Ungeziefer fraß die künstlichen Kleider ruckzuck auf. Dores teure Garderobe landete dagegen bei Frau Ritter. Obwohl sie der wie auf den Leib geschnitten passte, musste Dore Strauch (die ihr das Geschenk von Herzen machte) nach ihrer späteren Rückkehr aus Floreana verkraften, dass Frau Ritter in keinem einzigen dieser Kleidungsstücke je gesehen worden war. Wer weiß, wie schwer sich eine Frau von ihrer Lieblingskleidung trennt, kann diesen weiteren Tiefschlag für Dore verstehen. Die Mitnahme einer Pistole verbot die resolute Berlinerin ihrem geliebten Arzt. Diesbezüglich konterte sie mit dem Argument, friedlich mit allen Lebewesen auskommen zu müssen um die Erleuchtung zu erlangen. Stattdessen landeten das Buch "Also sprach Zarathustra", einige Tiergeschichten von Manfred Kyber sowie ihre Latein- und Griechisch-Schulbücher in ihrem Koffer. Sie wollte sich mit dieser Lektüre irgendwann beschäftigen, doch soweit kam es in einem mit Arbeit angefüllten Inselalltag natürlich nie. John Treherne, der die Ereignisse auf Floreana in den 1980er Jahren genau recherchierte, zog wegen der Auswahl der genannten Bücher den Schluss, Dore hätte nie vorgehabt sich geistig mit Höherem zu beschäftigen. Dazu wäre diese kleine Bücherei zu anspruchslos. Allerdings behauptete Dore auch an keiner Stelle, auf Floreana Literatur...

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