Die Stadt und die Stadt

Roman
 
China Miéville (Autor)
 
Lübbe (Verlag)
1. Auflage | erschienen am 18. Februar 2011 | 416 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0701-3 (ISBN)
 
Zwei Städte - geeint und doch entzweit. Die Bewohner werden erzogen, einander nicht zu sehen. Das unerlaubte Betreten der jeweils andere Stadt zieht schwerste Strafen nach sich. Ein ganz alltägliches Szenario für Kommissar Borlú. Eines Tages wird in Borlús Stadt eine Frauenleiche gefunden. Der Mord stellt ihn vor ein Rätsel. Denn die Tote hätte niemals in seiner Stadt auftauchen dürfen. Offenbar hat der Mörder gegen die Regeln verstoßen: Er hat die Leiche von der einen Stadt in die andere geschafft, ohne Alarm auszulösen. Will Borlú den Fall lösen, bleibt ihm nur ein einziger Weg: Er muss allein in die verbotene Zwillingsstadt, um das Ungesehene sichtbar zu machen ¿
Luebbe Digital Ebook
1. Aufl. 2011.
Eva Bauche-Eppers
Deutsch
1,07 MB
978-3-8387-0701-3 (9783838707013)
383870701X (383870701X)
weitere Ausgaben werden ermittelt
23. Kapitel (S. 266-267)  

Das Dunkel war nicht leer. Das Dunkel war nicht lautlos. Es gab Wesenheiten darin, die mir Fragen stellten, Fragen, die ich nicht beantworten konnte, wichtige Fragen, doch ich wusste nichts darauf zu sagen. Diese Stimmen wiederholten immer und immer wieder Grenzbruch. Was mich berührt hatte, sandte mich nicht in form- und geräuschlose Stille, sondern in eine Traumarena, in der ich das gehetzte Wild war.   Die Erinnerung daran kehrte später wieder. In dem Moment, als ich zu mir kam, hatte ich kein Gefühl von vergangener Zeit.

Ich schloss die Augen in einer deckungsgleichen Straße der Altstädte, schlug sie auf und schnappte nach Luft und befand mich in einem geschlossenen Raum. Grau, spartanisch. Ein kleines Zimmer. Ich lag in, nein, auf einem Bett. Ich lag auf der Bettdecke in Kleidern, die mir fremd waren. Ich setzte mich auf die Bettkante. Grauer, abgetretener Linoleumboden, ein Fenster, in dessen Lichtbahn ich saß, hohe, graue Wände, fleckig und von Rissen durchzogen.

Ein Tisch, zwei Stühle. Wie ein schäbiges Büro. An der Decke eine dunkle Halbkugel aus Glas. Kein Geräusch. Absolute Totenstille. Ich stand auf, nicht annähernd so benommen, wie ich gedacht hatte. Die Tür war abgeschlossen. Das Fenster befand sich im oberen Drittel der Mauer, sodass ich nicht hinausschauen konnte. Ich sprang hoch, was mir ein leichtes Schwindelgefühl verursachte, sah aber nur ein Stück Himmel. Die Kleidungsstücke, die ich anhatte, waren sauber und erschreckend nichtssagend.

Die Größe stimmte. Dann erinnerte ich mich, was in der Dunkelheit bei mir gewesen war, und das Herz schlug mir bis zum Hals und mein Atem ging schneller. Das Fehlen jeglicher Geräusche zerrte an den Nerven. Ich zog mich am Rand der Fensternische in die Höhe. Meine Arme zitterten. Ohne eine Stütze für die Füße konnte ich mich nicht lange so halten. Unter mir eine buntgescheckte Dächerlandschaft, Satellitenschüsseln, Antennenwald, Zwiebelhelme, Wendeltürme, Gasgondelwarten, die Rückseiten von, so sah es aus, Wasserspeiern. Weder wusste ich, wo ich war, noch was womöglich hinter der Scheibe lauerte, mich von außen beobachtete.

»Setzen Sie sich.« Vor Schreck ließ ich los und fiel, fiel hin, weil meine Beine einknickten. Benommen stand ich auf und drehte mich um. Jemand stand in der Tür. Das Licht im Rücken, erschien mir die Person wie aus Dunkelheit herausgestanzt, eine menschengestaltige Leere. Beim Nähertreten war es ein Mann, vielleicht fünfzehn, zwanzig Jahre älter als ich. Vierschrötig und untersetzt, die Kleidung ebenso bar jeder Individualität wie die meine.

Er war nicht allein gekommen, hinter ihm standen noch ein Mann, im Alter irgendwo zwischen uns, und eine Frau, nach meiner Schätzung etwa gleichaltrig mit mir. Auf ihren Gesichtern zeigte sich nichts, was man auch nur entfernt als Ausdruck bezeichnen konnte. Sie sahen aus wie Gestalten aus Lehm, in dem Augenblick, bevor Gott seiner Schöpfung Leben einhauchte. »Setzen Sie sich.« Der ältere Mann deutete auf einen Stuhl. »Kommen Sie aus der Ecke heraus.«

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

7,49 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen